Mitleid ist sicherlich fehl am Platz. Felipe Massa hat einen Beruf, um den ihn Tausende beneiden. Er ist Formel-1-Pilot, fährt für Ferrari, einer Legende im Motorsport. Er reist um den gesamten Globus, erlebt Dinge, die die Meisten nur im Fernsehen sehen und verdient Millionen dabei. Es geht ihm gut.
Und doch kann einem der Brasilianer irgendwie Leid tun.
Denn immer wieder gibt es außergewöhnlich bittere Momente in Massas Karriere. Zuletzt beim Rennen am Hockenheimring, als er per Funk aufgefordert wurde, seinen hinter ihm fahrenden Teamkollegen Fernando Alonso vorbei zu lassen: "Fernando ist schneller als Du", gab ihm sein Renningenieur unmissverständlich zu verstehen - und fragte doch lieber noch mal nach: "Hast Du verstanden?" Massa hatte. Für alle sichtbar bremste er seinen F10 auf einer Geraden auf Schrittgeschwindigkeit, Alonso konnte locker vorbeiziehen, übernahm die Führung. Und, das war das Kalkül Ferraris, warte seine Chancen in der WM-Wertung. Für Massa blieb nur der vermeintliche Trost per Funk: "Guter Junge. Bleib an ihm dran. Sorry."
Alonso gewann den Großen Preis von Deutschland, Massa wurde Zweiter, musste mit aufs Podium - und die Siegerfotos. Sie alle zeigen einen geknickten Mann, der kaum den Blick vom Boden heben will. Nur widerwillig ließ sich Massa von Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali umarmen. Kurze Zeit später aber verteidigte er dann seinen Arbeitgeber: "Ich habe freiwillig Platz gemacht", sagte er. Und: "Wir arbeiten für ein Team."
Seine öffentliche Degradierung gut geheißen
Mit Letzterem hat Massa zweifellos nicht unrecht. Die Frage, ob das Verbot der Stallorder in der Formel 1 sinnvoll ist, ist durchaus diskutabel. Und die Loyalität zu seinem Team ehrt ihn. Aber möglicherweise hätte dem Ferrari-Pilot ein aggressiveres Auftreten besser getan - zumindest nach dem Rennen. So hat Massa den Nummer-zwei-Status, den er schon jahrelang mit sich trägt, selbst zementiert. Er hat seine öffentliche Degradierung praktisch gut geheißen. Keine gute Taktik, um im Haifischbecken Formel 1 erfolgreich zu überleben. Wenige Tage später hat Massa zwar angekündigt, an dem Tag aufzuhören, "wenn ich sagen würde, dass ich die Nummer zwei bin" - doch irgendwie nimmt man es ihm nicht ab.
Dabei wäre ein Sieg am Hockenheimring für Massa etwas ganz besonderes gewesen. Exakt auf den Tag ein Jahr zuvor war der 29-Jährige beim Qualifying in Budapest schwer verunglückt. An dem circa 260 Meter vor ihm fahrenden Brawn GP seines Landsmannes Rubens Barrichello hatte sich eine Stahlfeder gelöst und Massa direkt am Helm getroffen. Mit 190 Kilometern pro Stunde schlug der Wagen des bewusstlosen Brasilianers anschließend in einen Reifenstapel ein. Er erlitt einen Schädelbasisbruch, eine Risswunde über dem linken Auge und eine Gehirnquetschung, zwischenzeitlich wurde er ins künstliche Koma versetzt. Es bestanden Zweifel an der Fortsetzung seiner Karriere.
Nun aber kommt Massa zurück an den Ort seines Unfalls. Am Sonntag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) startet der Große Preis von Ungarn auf dem Hungaroring. Mit einem nicht nur durch die Narbe gezeichneten Massa. Denn es wird wieder nichts werden mit dem ersehnten WM-Titel, das ist spätestens seit vergangenen Sonntag klar.
Weltmeister für einen kurzen Moment
Seit 2002 fährt Massa in der Formel 1, zunächst für das damalige Sauber-Team. Bereits in der Saison 2003 gab er ein kurzes Gastspiel als Testfahrer bei Ferrari, 2006 wechselte er als Stammpilot zur Scuderia, war ein Jahr lang die Nummer zwei hinter Michael Schumacher, auf dessen Abschiedstournee. Dann kam der Finne Kimi Räikkönen - und wurde auf Anhieb Weltmeister. Massa musste erneut zurückstecken.
2008 folgte der wohl bitterste Moment in der Karriere des Brasilianers. Der Ferrari-Pilot gewann das abschließende Saisonrennen in São Paulo, in der Box feierte der Massa-Clan bereits den WM-Titel. Doch auf dem regennassen Asphalt überholte Lewis Hamilton in der vorletzten Kurve des Rennens noch Timo Glock, wurde mit einem Punkt Vorsprung Weltmeister und Massa auf seiner Heimstrecke jäh aus allen Träumen gerissen. Ein Titelgewinn auf der Interlagos-Strecke hätte ihn in seiner Heimat zum Idol werden lassen - auch wenn er zweifellos niemals die Popularität Ayrton Sennas erreichen wird.
So bleibt Massa, wenn auch anerkannt, eher einer unter vielen brasilianischen Sportlern. Und muss sich bei der ersten Pressekonferenz in Budapest von einem brasilianischen Journalisten fragen lassen, ob er nicht sein Land betrogen hätte, als er Alonso passieren lassen habe. Wirklich geliebt werden in Brasilien nur die Sieger.
Siegen aber durfte vergangene Woche Alonso. Ein Alphatier, wie es im Buche steht. Der spanische Doppelweltmeister würde niemals den Status einer Nummer zwei akzeptieren, das weiß man bei Ferrari. Und auch Massa wird es gewusst haben, als der Spanier unterschrieb. Gehofft haben wird er auf ein Wunder, doch es blieb aus. Und obwohl der frühere Teamchef und heutige Fia-Präsident Jean Todt Massa mal als "Ferrari-Produkt" bezeichnete, wird der Brasilianer wohl niemals der Topfahrer des Teams werden. Wenn man ihm dies zutrauen würde, wäre es bereits geschehen. Offensichtlich schätzt man eher andere Qualitäten an Massa.
Bitter für ihn.
Aber kein Grund zum Mitleid.
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Liebe Forums-Teilnehmer, bitte diskutieren Sie über Sebastian Vettels Gewinn der Formel 1-Saison in unserem neuen Forum 'Diskutieren Sie über Sebastian Vettels Titel-Triumph' weiter. Sie finden es unter der URL [...] mehr...
D - OE personen, partei und firmen schon leangst per politischer degeneration abhanden gekommen ist = gib niemals auf und ignorier was die anderen sagen. der vettel demonstriert 2 werte die den Anderen wimmern. mehr...
...Nach all dem Pech, nach all den unverschuldeten Ausfällen ist d a s am Ende einfach nur GERECHT !!!!! mehr...
Schade, ich hätte dem Alonso das echt gegönnt. Nur damit der Spruch 'Fair Play zahlt sich aus' wieder einmal widerlegt wird ... aber nein. :/ Aber nice work vom Rasenballsport F1 Team. mehr...
Irgendwas scheint mit der Spiegel-Uhr nicht zu stimmen !! Vielleicht mal stellen. Nee, aber mal im Ernst. Der beste Fahrer hat verdient gewonnen. Glückwunsch. mehr...
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