Hamburg - Der Präsident des Internationalen Automobilverbands (Fia), Jean Todt, hat das milde Urteil für Ferrari in der Teamorder-Affäre mit einem Mangel an Beweisen begründet. "Bevor man jemanden schuldig sprechen kann, muss man ihm beweisen, dass er schuldig ist", sagte der Franzose dem britischen Sender BBC. Der Motorsport-Weltrat der Fia hatte am Mittwoch lediglich die bereits von den Formel-1-Rennkommissaren in Hockenheim verhängte Geldbuße von 100.000 Dollar gegen Ferrari bestätigt. Ferrari war vorgeworfen worden, seinem Piloten Felipe Massa per Funk während des Rennens die Anweisung erteilt zu haben, Teamkollege Fernando Alonso den Sieg zu überlassen. Eine derartige Teamorder ist verboten.
"Alle Seiten haben bestritten, dass es Teamorder war", sagte Todt, der von einem Rechtsanwalt bei der Anhörung in Paris vertreten worden war. Der Fia-Chef hatte seinem Stellvertreter den Vorsitz bei der Verhandlung überlassen, weil er einen Interessenkonflikt vermeiden wollte. Todt war von 1993 bis 2007 selbst erfolgreicher Teamchef bei Ferrari und hatte mehrfach die damals noch erlaubte Stallorder zugunsten von Michael Schumacher durchgesetzt.
Todt bestritt indes nicht, dass das dubiose Überholmanöver von Alonso gegen Massa beim Großen Preis von Deutschland im Juli den Eindruck einer verbotenen Stallregie erweckt habe. "Ich neige dazu, dem zuzustimmen", sagte der 64-Jährige. Dennoch entschied sich der Weltrat gegen härtere Sanktionen. Möglich wäre ein Punktabzug, eine Sperre oder sogar ein WM-Ausschluss von Ferrari gewesen.
"Zahlen und lächeln lautet Maranellos Slogan"
Die italienische Presse zeigt sich zufrieden mit dem Urteil: "Maranello feiert einen ersten Erfolg in der Woche von Monza. Die Fia hat zwar die Geldstrafe von 100.000 Dollar bestätigt, aber die Piloten wegen ihres Verhaltens beim Großen Preis von Hockenheim entlastet. In der Formel 1 gewinnt man nicht nur auf der Strecke", schrieb die "Gazzetta dello Sport".
"Zahlen und lächeln lautet Maranellos Slogan", titelte "Corriere dello Sport": "Die Geldstrafe ist ein Erfolg. Damit ist es offenkundig, dass Ferrari schuldig und erfolgreich ist. "Tuttosport" feierte das "Ende der Heuchelei. Endlich werden die Regeln klarer. Es muss das Bewusstsein bestehen, dass die Formel 1 ein Teamsport ist und dementsprechend behandelt werden muss. Einem Teamkollegen zu helfen, ist manchmal eine Pflicht."
In Zukunft könnte Teamorder möglicherweise wieder erlaubt sein. Nach Abschluss der Affäre um Ferrari hat die Fia die Arbeitsgruppe Sport damit beauftragt, den fraglichen Paragrafen 39.1 im sportlichen Reglement der Formel 1 ("Teamorder, die ein Rennresultat beeinflusst, ist verboten.") zu überprüfen.
fsc/dpa/sid
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