Ausfall in Abu Dhabi: Auch ein Vettel ist fehlbar

Von und

Für Sebastian Vettel und sein Team war es ein verkorkster Tag. Ein Reifenschaden katapultierte den Weltmeister in Abu Dhabi gleich in Runde eins aus dem Rennen. Für die Konkurrenz ein Hoffnungszeichen: Red Bull ist doch zu schlagen.

GP von Abu Dhabi: Vettels Alptraum in Kurve zwei Fotos
dapd

Abu Dhabi/Hamburg - Sebastian Vettel saß schon bei der Datenanalyse am Laptop, als Formel-1-Boss Bernie Ecclestone großväterlich den Arm um ihn legte. "Du hast ja wirklich auf Paul McCartney gehört", witzelte Ecclestone. Beim Besuch des Fahrerlagers am Samstag hatte der Beatles-Frontmann den zweifachen Weltmeister gebeten, diesmal einen Briten gewinnen zu lassen.

Und Vettel tat seinem Idol den Gefallen - wenn auch sicher nicht mit Absicht. Nach seinem Plattfuß und anschließendem Bruch des Radträgers in der ersten Runde beim Rennen von Abu Dhabi war der Weg frei für Lewis Hamilton im McLaren. Der 26-Jährige siegte vor Fernando Alonso und seinem Teamkollegen Jenson Button.

Zuletzt war Vettel beim drittletzten Rennen der vergangenen Saison in Korea ausgeschieden. Damals war sein Motor geplatzt. In diesem Jahr war Red Bull bisher von technischen Pannen verschont geblieben. Wenn gepatzt wurde, dann bei Boxenstopps oder der Strategie. Vettel hatte angesichts dieser Konstanz schon den Status der Unfehlbarkeit erlangt.

Wieso sein Reifen jetzt plötzlich Luft verlor, konnte nach dem Rennen zunächst nicht geklärt werden. Den Auslöser zu finden wird schwierig, denn der Reifen ist "überall verteilt", sagte der Weltmeister.

Überhaupt, es war nicht der Tag von Red Bull. Mark Webber wurde nur Vierter, der erste Boxenstopp des Australiers ging schief, er verlor über zehn Sekunden und so die Hoffnung auf einen Podiumsplatz. Der war möglich - der 35-Jährige war im letzten Renndrittel der mit Abstand schnellste Fahrer im Feld. "Aber," so analysierte Vettel später, "das Ergebnis in Abu Dhabi zeigt, wie schnell man vom Hero zum Zero werden kann und wie eng wir am Ende doch zusammenliegen. Nur wenn 100-prozentig alles klappt, kann man in der Formel 1 gewinnen. Heute war das bei uns leider nicht der Fall."

Vettel verpasst weitere Rekordmarke

Wie schnell man aber auch den umgekehrten Weg gehen kann, zeigte Hamilton. Für den McLaren-Piloten kam der Sieg zum richtigen Zeitpunkt. Endlich konnte er wieder lachen - anders als in den vergangenen Wochen. Aus dem einstigen Wunderkind der Formel-1-Szene war ein Außenseiter geworden. Button hat Hamilton als Nummer eins im Team abgelöst. Das Auto für 2012 wird nach den Wünschen des Weltmeisters von 2009 gebaut, Hamilton ist sich dessen bewusst: "Jenson machte einen phantastischen Job in dieser Saison. Ich muss das akzeptieren."

Dabei ist der Brite in Top-Form ein Ausnahmepilot. Dreimal fuhr Hamilton in dieser Saison ohne Fehler, dreimal gewann er: In China, auf dem Nürburgring und nun in Abu Dhabi - Hamilton profitierte allerdings jeweils von kleinen Patzern bei Red Bull. Zwar war Vettel in dieser Saison nicht zu schlagen, aber bei konstant starken Leistungen der Konkurrenz hätte Vettel nicht schon beim 15. Rennen in Suzuka den Titel gefeiert. Doch statt mit guten Leistungen zu überzeugen, fiel Hamilton durch selbstverschuldete Unfälle und Uneinsichtigkeit auf.

Der Brite ist das Gegenteil von Vettel, dessen Ärger über den Ausfall schnell verflogen war. "Bis zum platten Reifen haben wir alles richtig gemacht", so der Deutsche. "Jetzt schauen wir, dass wir verstehen, warum es soweit kam." Den Rest des Grand Prix verfolgte Vettel am Kommandostand seines Teams. Dabei habe er sogar noch etwas mitnehmen können - "die Kommunikation über die Strategie, über das Rennen selbst, über die anderen", so der Weltmeister.

Eine weitere Rekordmarke verpasste er indes. Im letzten Rennen in São Paulo am 27. November (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) kann er nur noch zu seinem zwölften Saisonsieg kommen, der Bestwert von Michael Schumacher aus dem Jahr 2004 liegt bei 13 Erfolgen. Am Samstag hatte Vettel durch seine 14. Pole-Position den Rekord von Nigel Mansell eingestellt.

Ein wenig feiern konnte Vettel trotzdem: McCartney hatte ihm noch in der Startaufstellung einen seiner berühmten Höfner-Bässe zukommen lassen. Und am Abend wird Vettel wohl wieder ganz vorne stehen. Dann gibt sein der Ex-Beatle ein Konzert an der Strecke.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. *
günter1934 13.11.2011
Ich habe eigentlich mit dem Ausfall gerechnet. Und zwar auch so schnell und völlig ungefährdet und ohne Schuld für Red Bull, nur für den Reifenhersteller. Bernie ist glücklich, dass es noch etwas spannend bleibt! Lesen im Kleingedruckten?
2. Webber ausgenommen
jann3mann 13.11.2011
Zitat von sysopFür Sebastian Vettel und sein Team war es ein verkorkster Tag.*Ein Reifenschaden katapultierte den Weltmeister in Abu Dhabi gleich in Runde eins aus dem Rennen. Für die Konkurrenz ein Hoffnungszeichen: Red Bull ist doch zu schlagen. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,797520,00.html
Red Bull ist zu schlagen, doch nur durch sich selbst wie man sieht.
3. Wie bitte?
Claus61 13.11.2011
Zitat von sysopFür Sebastian Vettel und sein Team war es ein verkorkster Tag.*Ein Reifenschaden katapultierte den Weltmeister in Abu Dhabi gleich in Runde eins aus dem Rennen. Für die Konkurrenz ein Hoffnungszeichen: Red Bull ist doch zu schlagen.
Das ist ja wohl unsäglich: Schon die Überschrift: Auch ein Vettel ist fehlbar ... was hat er denn bitteschön falsch gemacht? Pech ist jetzt schon ein Fehler? Und ein Grund für die Konkurrenz, aufzuatmen? Weil Red Bull ein Pech gehabt hat, das jeden anderen Rennstall mit annähernd gleicher Wahrscheinlichkeit auch treffen kann? Und, dass Webber im letzten Renndrittel die mit Abstand schnellsten Rennrunden gefahren ist, Ihnen ist nicht aufgefallen, dass das daran lag, dass er im Gegenzug einen weiteren Boxenstopp einlegen musste, weil er seine Bestzeiten eben gefahren ist, als alle anderen bereits mit den Holzreifen unterwegs waren, während er sich beim zweiten Stopp noch einmal weiche Reifen holte? Kann man bei SPON nicht mal einen Redakteur die Formel 1 kommentieren lassen, der Ahnung von der Materie hat und nicht nur von den musikalischen Vorlieben der Protagonisten?
4. Ich krieg' das Würgen!
Gani 13.11.2011
Zitat von sysopFür Sebastian Vettel und sein Team war es ein verkorkster Tag.*Ein Reifenschaden katapultierte den Weltmeister in Abu Dhabi gleich in Runde eins aus dem Rennen. Für die Konkurrenz ein Hoffnungszeichen: Red Bull ist doch zu schlagen. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,797520,00.html
Ach, Red Bull ist zu schlagen? Wer hätte das gedacht? Hat euch keiner erzählt, dass RB diese Saison - schon vor diesem Rennen - nicht alle Siege eingefahren hat? Und hat euch keiner erzählt, dass die Teams ihre Reifen von Pirelli beziehen und nicht selber backen? Wenns also nach eurer Logik Fehler vom Reifenhersteller baucht, damit RB zu schlagen ist, dann dürfen die Konkurrenten nicht hoffen, sondern verzweifeln - nicht zuletzt weil sie dieselben Gummis fahren... Au-Backe, SPON!
5. häh?
hawaiian_snow 13.11.2011
Zitat von sysopFür Sebastian Vettel und sein Team war es ein verkorkster Tag.*Ein Reifenschaden katapultierte den Weltmeister in Abu Dhabi gleich in Runde eins aus dem Rennen. Für die Konkurrenz ein Hoffnungszeichen: Red Bull ist doch zu schlagen. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,797520,00.html
?? auch ein Vettel ist fehlbar. Das ist erstens klar und zweitens taugt gerade dies Rennen nicht als Bsp. denn hatte er noch Samstags die Pole geholt mit dem wohl etwas langsameeren Auto und heute einfach Pech das der Reifen platzte wo liegt den hier Vettels verschulden?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Formel 1
RSS
alles zum Thema Zieleinlauf
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 28 Kommentare
  • Ralf Bach berichtet bereits viele Jahre über die Formel 1, vorwiegend für "Sport Bild". Seit der Saison 2011 ist er auch für SPIEGEL ONLINE tätig und analysiert die Ereignisse in der wichtigsten Motorsportserie der Welt.

Fotostrecke
Die Erfolgsfaktoren: Vettels Rezept zur Titelverteidigung