Von Ralf Bach
Es könnte Bernie Ecclestones letzter großer Kampf werden. Mit der Ankündigung des 81-jährigen Formel-1-Chefvermarkters, sich schon mit sieben von zwölf Teams über die Zukunft der Formel 1 einig geworden zu sein, will er besonders den Mercedes-Rennstall treffen. Ecclestone und Mercedes - zwischen beiden tobt ein Kampf um Geld und Einfluss in der Königsklasse, und der Ausgang ist völlig offen.
Der Brite hat Angst davor, dass der Weltkonzern aus Stuttgart vor einem möglichen Börsengang der Formel 1 die Offenlegung von Ecclestones Geschäftsimperium fordert. "Es kann nicht sein", heißt es in Daimler-Kreisen, "dass es keine Transparenz bei den Geschäftspartnern gibt, mit denen wir Verträge bis 2020 abschließen sollen". Daran jedoch hat Ecclestone kein gesteigertes Interesse. Im Lauf der Jahrzehnte hat er ein schwer zu durchschauendes Geflecht an Firmen aufgebaut, einschließlich der Vermarktungs-Company SLEC, die die kommerziellen Rechte am Milliardengeschäft Formel 1 hält.
Also hat Ecclestone den Kampf mit Mercedes eröffnet und ist im Vorfeld des Großen Preises von Malaysia vorgeprescht. Er verkündete den Durchbruch in den Verhandlungen über das so genannten Concorde Agreement, in dem die Aufteilung der Einnahmen in der Formel 1 über Jahre geregelt wird - obwohl fünf der zwölf Teams, neben Mercedes unter anderem auch Williams, noch nicht abschließend zugestimmt haben. Allerdings hat Ecclestone einflussreiche Rennställe wie Ferrari, Red Bull und McLaren wohl bereits auf seine Seite gebracht - wie es heißt, mit teilweise üppigen Versprechungen.
Ecclestone ist in einer guten Verhandlungsposition
Zu Gute kommt ihm dabei, dass die Rennställe ihre Konditionen einzeln mit Ecclestone aushandeln. Für den Briten ist das eine gute Ausgangsposition. Er kann auf die Uneinigkeit der Teams setzen, er kann sie mit Versprechungen an einzelne sogar gegeneinander ausspielen. "Der Inhalt der Vereinbarungen ist dabei total vertraulich", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner.
Laut Informationen von SPIEGEL ONLINE soll Ferrari eine jährliche Zusatzzahlung von 50 Millionen Dollar erhalten plus einen Vorstandssitz in der nach dem Börsengang in Singapur geplanten "Formel 1 AG", wenn sich Ferrari bis 2020 zur Formel 1 bekennt. Red Bull und McLaren soll der Brite nach "Sky"-Informationen mit einem jährlichen Bonus von 35 Millionen Dollar geködert haben. Die Sonderzahlung sollen die Rennställe erhalten, die seit 2008 zweimal die Konstrukteurswertung gewonnen haben.
Das Angebot an Mercedes hat der Brite dagegen offenbar absichtlich gering gehalten - in der Hoffnung, dass der Vorstand in Stuttgart darauf verärgert mit dem Ausstieg aus der Formel 1 reagiert.
Doch diesmal könnte sich Ecclestone verrechnet haben. Bei Mercedes ist man fest entschlossen, in der Formel 1 zu bleiben. Und nicht nur das: Man strebt nach mehr Einfluss. Dem Mercedes-Konzern ist die geballte Formel-1-Macht in den Händen Ecclestones seit langem suspekt.
Diesmal sei man bei Mercedes bereit, bis zum Äußersten zu gehen, verlautet es intern aus dem Konzern. Selbst ein Sturz Ecclestones sei als Szenario denkbar - mit dem Kalkül, dass dann auch andere große Automobilkonzerne wie Volkswagen die Formel 1 wieder attraktiver finden.
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