Champ-Car-Serie Zanardi überlebt schweren Unfall

Der ehemalige Formel-1-Pilot Alex Zanardi kommt bei dem Crash auf dem Lausitzring mit dem Leben davon, wird aber nie wieder ein Rennen bestreiten können.


Alex Zanardi
EPA/DPA

Alex Zanardi

Klettwitz - Der 34-jährige Italiener verlor bei der Europa-Premiere der US-Cart-Serie auf dem EuroSpeedway Lausitz beide Beine. Sie mussten oberhalb der Knie amputiert werden. Zudem erlitt der einstige Formel-1-Teamkollege von Ralf Schumacher schwere Beckenverletzungen.

Alessandro "Alex" Zanardi war am Samstag gegen 18 Uhr ins Klinikum Berlin-Marzahn eingeliefert und anschließend mehrere Stunden operiert worden. Am Sonntag wurde der erfahrene Fahrer in ein künstliches Koma versetzt. "Er ist nicht mehr in akuter Lebensgefahr, aber sein Zustand ist weiter kritisch", erklärte eine Sprecherin des Krankenhauses.

Das Unglück ereignete sich zwölf Runden vor dem Ende des Rennens. Bis dahin hatte Zanardi geführt und war auf dem Weg zum ersten Saisonsieg. Doch in der 143. Runde stellte sich der Reynard-Honda des zweimaligen Cart-Champions (1997 und 1998) bei der Ausfahrt aus der Boxengasse nach einem Dreher plötzlich quer.

Kollision mit 320 Stundenkilometern

Der nachfolgende Alex Tagliani (Kanada) konnte nicht mehr ausweichen und prallte mit seinem Reynard-Ford bei Tempo 320 in Zanardis Fahrzeug. Das Auto des Italieners wurde förmlich in zwei Teile gerissen, überall lagen Trümmer auf der Strecke. Zanardis Frau Daniela brach mit einem Schock zusammen.

Tagliani kam ohne schwere Blessuren davon. Bei Röntgenuntersuchungen wurden nur Prellungen, aber keine Brüche festgestellt. Tagliani wird zur medizinischen Beobachtung noch ein, zwei Tage im Krankenhaus bleiben. "Ihn trifft keine Schuld. Bei diesem Tempo kannst du nicht mehr ausweichen", sagte der Schwede Kenny Bräck (Team Rahal), der das Rennen gewann.

Die Motorsport-Szene ist geschockt

"Wir beten für Alex und seine Familie, denn er hat jetzt seinen schwersten Kampf vor sich. Aber wir kennen Alex und wissen, dass er ein Kämpfer ist", sagte Teambesitzer Moris Nunn. Auch beim Formel-1-Rennen in Monza, wo am Sonntag der Große Preis von Italien stattfindet, herrschte Bestürzung.

"Ich bin total fertig. Alex ist ein dufter Typ und der beste Teamkollege, den ich je hatte", sagte Ralf Schumacher, der 1999 gemeinsam mit Zanardi für BMW-Williams gefahren war. Erschüttert war auch Prost-Pilot Heinz-Harald Frentzen: "Das ist schrecklich. Am Montag war er noch bei mir zu Hause in Monaco und hat mit meiner Tochter gespielt."

Dritter schwerer Unfall auf dem Lausitzring

Der Zanardi-Crash war das dritte Unglück auf dem vor anderthalb Jahren eröffneten EuroSpeedway. Am 25. Mai 2001 war der ehemalige Formel-1-Pilot Michele Alboreto aus Italien in einem Audi bei Testfahrten für die 24 Stunden von Le Mans in der Lausitz tödlich verunglückt. Am 11. Juni dieses Jahres hatte ein Streckenposten beim Training für die Deutsche Tourenwagen Challenge (DTC) tödliche Verletzungen erlitten.

Hans-Jörg Fischer, Geschäftsführer des EuroSpeedway Lausitz, betonte jedoch, dass trotz des jüngsten Unfalls die Sicherheit auf dem Hochgeschwindigkeitskurs gewährleistet sei: "Wir bedauern es sehr, was passiert ist. Aber das war ein reiner Rennunfall und hat mit dem Lausitzring nichts zu tun. Das hätte auf jeder anderen Strecke auch passieren können."



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