Fitnesstraining der Formel-1-Stars: Liegestütze, Triathlon, Memory

Von

Die Formel 1 kehrt mit dem Großen Preis von Belgien aus der Sommerpause zurück. Die Piloten haben die vierwöchige Pause vor allem für Training genutzt, auf ganz unterschiedliche Art: Jenson Button setzte auf Triathlon, Nico Rosberg auf Memory und Kimi Räikkönen zog es ans Meer.

Formel 1: Sommer, Sonne, Trainingsschweiß Fotos
Getty Images

Sommerpause ja, Entspannung nein. Die Formel-1-Piloten haben die vierwöchige Unterbrechung vor dem Großen Preis von Belgien am Sonntag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) für individuelles Fitnesstraining genutzt. Nur bei Kimi Räikkönen gibt es daran leichte Zweifel.

Der finnische Lotus-Pilot hatte sich in seinem Sommerhaus am Meer, unweit von Helsinki gelegen, vollkommen abgeschottet. Kein Lebenszeichen auf Twitter, keine Mitteilungen auf Facebook. Ob der Finne Hanteln im Arm hatte oder eher ein Cocktailglas, ist nicht bekannt.

Für die übrigen Formel-1-Fahrer war hartes Training angesagt. McLaren-Pilot Jenson Button freute sich wie ein kleines Kind, als er bei einem Thriathlon auf den Phillippinen den 14. Platz erreichte. Völlig fertig kam er nach 1,9 Kilometern Schwimmen, 90 Kilometern mit dem Rad und 21,1 Kilometern Laufen ins Ziel. Button sieht diese Qualen rationell: "Weil ich weiß, dass ich fit bin, ist alles, was ich im Formel-1-Auto tue, einfacher. Man kann das Adrenalin kontrollieren. Man kann es irgendwohin stecken, damit es dich nicht wie ein Schock trifft, wenn man zum ersten Mal ins Auto steigt und die Lichter ausgehen."

Formel-1-Rennen so anstrengend wie ein Marathon

Mercedes-Pilot Nico Rosberg setzt ebenfalls auf gezielte Erschöpfung. Auch aus reinem Selbsterhaltungstrieb. "Wenn man nicht fit ist, kann es gefährlich werden. Aber nicht nur weil man physisch an seine Grenzen stößt, sondern auch mental. Wenn die Konzentration nachlässt, kostet das Leistung." Formel-1-Rennen seien so anstrengend wie ein Marathon. "Während eines Rennens stemmen Nacken, Arme und Beine ein Gewicht von 40.000 Kilogramm. Deshalb trainieren wir in der Sommerpause und im Winter bis zu sechsmal die Woche, vier Stunden pro Tag", sagt der Gewinner des Grand Prix von China in diesem Jahr.

Das Training zielt auf einen bestimmten Effekt: "Wegen der hohen Fliehkräfte ist es besonders wichtig, den Nacken gut zu trainieren. Koordinationsübungen sind wichtig, weil dein Geist deinen Körper kontrolliert und schützt. Deshalb spiele ich sogar Memory, während ich Liegestütze mache." Das Gedächtnistraining helfe ihm, sich auf der Rennstrecke genau daran zu erinnern, wie sich sein Auto in welcher Kurve verhalten habe.

"Wir führen das Leben eines Roboters"

Doppel-Weltmeister Fernando Alonso hat noch einen anderen Ansatz. Für ihn beginnt Fitness im Kopf: "Die Formel 1 ist ein sehr anstrengender Sport. Wir Fahrer sind keine Roboter. Aber wir führen das Leben eines Roboters. Ich muss mich wie ein olympischer Athlet auf meine Arbeit vorbereiten und mein ganzes Leben danach ausrichten", sagt der Ferrari-Pilot. Sport, Simulator, Ernährung in sich immer wiederholenden Abläufen. Dazu kommen Verpflichtungen mit den Geldgebern, den Fans, der Presse. "Mein Leben besteht zu 95 Prozent aus der Formel 1", so Alonso.

Sport bringe deshalb den Ausgleich, den er braucht. Ob mit dem Rennrad, beim Fußballspielen oder bei einsamen Waldläufen. Man sei in der Sommerpause zurück auf der Erde und sammle die Kraft, die man dann auf der Raumstation Formel 1 für den Rest des Jahres benötige, so der WM-Führende.

Weltmeister Sebastian Vettel hatte im Sommer ein konstantes Programm, das er eisern durchzog. Vettel stand gegen 8 Uhr auf, danach frühstückte er Müsli, Tee und Orangensaft. Dabei lief meistens ein Sportsender im Fernseher. Sechs Stunden Training standen auf dem Tagesplan, vier Stunden Cardio-Training für die Ausdauer, eine Stunde Gewichtheben und zum Abschluss eine Stunde Ballsport.

Vettel kämpfte bei seinem Training auch gegen sich selbst. So erzieht er sich. "Jeder, der trainiert, war schon mal an dem Punkt, an dem er seinen inneren Schweinehund überwinden musste. Besonders an Tagen, wo man lieber faul wäre. Und dann machst du doch jedes Mal weiter und am Ende bist du tierisch stolz, nicht aufgegeben zu haben." Dennoch findet Vettel beim Training auch Entspannung: "Auf dem Fahrrad höre ich Popmusik, die Beatles unter anderem. Wichtig ist: Es dürfen keine Schlager sein."

Vettel spricht wohl für alle Piloten, wenn er sagt: "Man muss immer alles geben. Dann kann man sich später nichts vorwerfen."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Formel 1
RSS
alles zum Thema Formel 1
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Zur Person
Ralf Bach berichtet bereits viele Jahre über die Formel 1, vorwiegend für "Sport Bild". Seit der vergangenen Saison ist er auch für SPIEGEL ONLINE tätig und analysiert die Ereignisse in der wichtigsten Motorsportserie der Welt.

Getty Images
Rennkalender 2012
Rennen Datum Großer Preis von (Ort)
1 18.03. Australien (Melbourne)
2 25.03. Malaysia (Sepang)
3 15.04. China (Shanghai)
4 22.04. Bahrain (Sachir)
5 13.05. Spanien (Barcelona)
6 27.05. Monaco (Monte Carlo)
7 10.06. Kanada (Montreal)
8 24.06. Europa (Valencia)
9 08.07. Großbritannien (Silverstone)
10 22.07. Deutschland (Hockenheim)
11 29.07. Ungarn (Budapest)
12 02.09. Belgien (Spa-Francorchamps)
13 09.09. Italien (Monza)
14 23.09. Singapur (Singapur)
15 07.10. Japan (Suzuka)
16 14.10. Südkorea (Yeongam)
17 28.10. Indien (Neu Delhi)
18 04.11. Abu Dhabi (Abu Dhabi)
19 18.11. USA (Austin)
20 25.11. Brasilien (São Paulo)