Dritter WM-Sieg in Folge: "Dieser Vettel ist unheimlich"
Jüngster Dreifach-Weltmeister, Glückskind, Kämpfer - Sebastian Vettel hat beim Grand Prix in São Paulo einmal mehr Formel-1-Geschichte geschrieben. Sein erneuter WM-Titel ist das Resultat harter Arbeit und einer furiosen Aufholjagd. Doch am Ende war es denkbar knapp.
Hamburg - Was für ein dramatisches Finale dieser verrückten Formel-1-Saison: Der Große Preis von São Paulo war spannend vom Start bis zur Ziellinie. Es gab Unfälle, Dreher und Regen - und eine Aufholjagd von Sebastian Vettel, die die ganze Klasse des neuen und alten Weltmeisters aufzeigte. Eines Fahrers, der mit seinem Team seit dem ersten Rennen des Jahres gekämpft, Rückschläge eingesteckt und immer wieder Nervenstärke bewiesen hatte.
Der aber auch wesentlich gefasster war als bei seinen beiden vorherigen Titeln: "Oh my god, guys", rief Vettel über den Boxenfunk, als sein Triumph feststand. Doch als der bislang jüngste Dreifach-Champion der Formel 1 nach dem Rennen in die Box kam, war er ganz der coole Sieger. Der 25-Jährige weinte nicht, sondern reckte die Faust in die Luft, ließ sich auf seinem Auto fotografieren, von den Zuschauern feiern.
"Es ist im Moment schwer zu fassen, etwas ganz Besonderes", sagte Vettel im Interview mit dem Fernsehsender Sky an der Rennstrecke. "Es war das härteste Rennen meiner Karriere. Ich wusste bis zum Ende nicht, ob es reicht. Aber als dann der Funkspruch kam, blieb mir der Atem weg."
"Fahr es nach Hause und mach keinen Mist", hatte drei Runden vor Ende die simple Funk-Anweisung an Vettel gelautet. Und er befolgte sie. Als Sechster fuhr Vettel über die Ziellinie, sein bis dahin ärgster Verfolger Fernando Alonso wurde Zweiter hinter McLaren-Pilot Jenson Button. Mit drei Punkten Vorsprung, denkbar knapp, wurde Vettel Weltmeister vor Alonso.
Dabei hatte es kurz nach dem Start gar nicht gut ausgesehen für den Deutschen: Schon in der vierten Kurve touchierte Williams-Pilot Bruno Vettels Heck, nachdem dessen Red-Bull-Teamkollege Mark Webber ihm den Weg ungünstig dichtgemacht hatte. Vettels Wagen drehte sich, plötzlich zeigte seine Nase wie die eines Falschfahrers in die Gegenrichtung. Vettel blieb ruhig, wendete und raste mit seinem seitlich beschädigten Boliden vom 22. Platz innerhalb kürzester Zeit wieder auf die vorderen Ränge.
"Dieser Vettel ist unheimlich. Das kann Alsonso nicht nachmachen", "Das beste Rennen überhaupt, ich kann kaum atmen vor Spannung", "Dieses Glückskind Vettel!", "Seit wann ist Formel 1 so aufregend?", "Verrückter Grand Prix, verrückter Vettel!" - auf den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook fieberten Motorsportfans und solche, die mit schnellen Autos sonst wenig am Hut haben, gleichermaßen mit.
Alonso zeigte ein solides Rennen, aber nicht sein bestes. Und vor allem: Keines, mit dem er Vettel und dessen irrem Siegeswillen wirklich gefährlich werden konnte. So leistete sich der Spanier einen groben Bremsfehler in den ersten Runden - just als Vettel von seinem Unfall geschwächt um die Plätze kämpfte. Nutzen konnte Alonso Vettels Pech nicht. Auch wenn es zwischenzeitig nach dem Ausfall von Lewis Hamilton und einer unglücklichen Reifenwahl bei Red Bull noch einmal spannend wurde: Alonso und Ferrari fehlte das letzte Bisschen.
"Ich bin sehr stolz auf unser Team, auch wenn wir die WM verloren haben. Wir haben nicht hier in Brasilien verloren, sondern in früheren Rennen. Aber wir waren immer mit vollem Herzen dabei", sagte der Spanier bei der Siegerehrung - gefasst, aber sichtlich enttäuscht.
Vor dem WM-Lauf hatten viele Beobachter spekuliert, dass Alonso bei Regen Vorteile gegenüber Vettel haben könnte. Doch das Gegenteil war der Fall: "Der Regen hat uns am Ende geholfen, weil er es auch für die anderen schwierig gemacht hat. Und mein Auto war nach dem Unfall schon sehr beschädigt", sagte Vettel nach dem Rennen. "Es war eine Qual. Ein verrücktes Rennen, mehr Steine hätte man uns nicht in den Weg legen können."
Einer der ersten Gratulanten war der frühere Weltmeister Michael Schumacher: "Es war ein abgerundeter Tag, der mit dem bestmöglichen Ergebnis zu Ende ging. Ich wäre gern weiter nach vorn gefahren, bin aber sehr stolz auf Seb. Ich bin ein Fan von ihm", sagte er. Schumacher hatte Vettel kurz vor Ende einen Platz überlassen und damit wichtige Punkte geschenkt. "Er war schneller als ich, deshalb hab ich ihn gern Platz gemacht. Wenn es noch geholfen hat: umso schöner."
Auch Angela Merkel gratulierte Vettel. "Wie so oft hat er fabelhafte Nervenstärke und fahrerisches Können bewiesen", lobte die Bundeskanzlerin. "Mich hat es genau wie Millionen Fans begeistert, wie er sich nach schwierigem Start in die Saison in diese Weltmeisterschaft zurückgekämpft hat."
psk/dpa/sid
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- Sonntag, 25.11.2012 – 20:07 Uhr
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| Formel-1-Weltmeister (ab zwei Titeln) | |
| Fahrer | Anzahl Titel |
| Michael Schumacher | 7 (1994, 1995, 2000-2004) |
| Juan Manuel Fangio | 5 (1951, 1954-1957) |
| Alain Prost | 4 (1985, 1986, 1989, 1993) |
| Jack Brabham | 3 (1959, 1960, 1966) |
| Jackie Stewart | 3 (1969, 1971, 1973) |
| Niki Lauda | 3 (1975, 1977, 1984) |
| Nelson Piquet | 3 (1981, 1983, 1987) |
| Ayrton Senna | 3 (1988, 1990, 1991) |
| Sebastian Vettel | 3 (2010-2012) |
| Alberto Ascari | 2 (1952, 1953) |
| Jim Clark | 2 (1963, 1965) |
| Graham Hill | 2 (1962, 1968) |
| Emerson Fittipaldi | 2 (1972, 1974) |
| Mika Häkkinen | 2 (1998, 1999) |
| Fernando Alonso | 2 (2005, 2006) |
| Rennkalender 2012 | ||
| Rennen | Datum | Großer Preis von (Ort) |
| 1 | 18.03. | Australien (Melbourne) |
| 2 | 25.03. | Malaysia (Sepang) |
| 3 | 15.04. | China (Shanghai) |
| 4 | 22.04. | Bahrain (Sachir) |
| 5 | 13.05. | Spanien (Barcelona) |
| 6 | 27.05. | Monaco (Monte Carlo) |
| 7 | 10.06. | Kanada (Montreal) |
| 8 | 24.06. | Europa (Valencia) |
| 9 | 08.07. | Großbritannien (Silverstone) |
| 10 | 22.07. | Deutschland (Hockenheim) |
| 11 | 29.07. | Ungarn (Budapest) |
| 12 | 02.09. | Belgien (Spa-Francorchamps) |
| 13 | 09.09. | Italien (Monza) |
| 14 | 23.09. | Singapur (Singapur) |
| 15 | 07.10. | Japan (Suzuka) |
| 16 | 14.10. | Südkorea (Yeongam) |
| 17 | 28.10. | Indien (Neu Delhi) |
| 18 | 04.11. | Abu Dhabi (Abu Dhabi) |
| 19 | 18.11. | USA (Austin) |
| 20 | 25.11. | Brasilien (São Paulo) |
| Formel-1-Saison 2012 | ||
| Team | Fahrer 1 | Fahrer 2 |
| Red Bull | Sebastian Vettel | Mark Webber |
| McLaren | Jenson Button | Lewis Hamilton |
| Ferrari | Fernando Alonso | Felipe Massa |
| Mercedes | M. Schumacher | Nico Rosberg |
| Lotus | Kimi Räikkönen | Romain Grosjean |
| Force India | Paul di Resta | Nico Hülkenberg |
| Sauber | Kamui Kobayashi | Sergio Pérez |
| Toro Rosso | Daniel Ricciardo | Jean-Eric Vergne |
| Williams | P. Maldonado | Bruno Senna |
| Caterham | H. Kovalainen | Witali Petrow |
| HRT | Pedro de la Rosa | N. Karthikeyan |
| Marussia | Timo Glock | Charles Pic |
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