Ferrari-Duo Räikkönen-Alonso Super-Egos unter sich

Kimi Räikkönen und Fernando Alonso bilden die wohl beste Fahrerpaarung der Formel 1 - und auch die explosivste. Beide wollen im Ferrari Weltmeister werden. Und beide sehen sich als die Nummer eins im Team.

DPA

Aus Jerez de la Frontera berichten und


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Für Kimi Räikkönen war das Statement am Mittwochabend fast schon ein emotionaler Ausbruch. "Zwei gute Tage", bilanzierte der finnische Formel-1-Pilot, nachdem er am Dienstag und Mittwoch auf dem "Circuito de Jerez" die ersten Test-Kilometer im neuen Ferrari absolviert hatte. Insgesamt 78 Runden spulte Räikkönen ab, am Dienstag fuhr er die Tagesbestzeit.

Zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison ist die Aussagekraft dieser Daten und Fakten gering - aber für die Italiener lief es besser als für die Konkurrenten. Mercedes-Pilot Lewis Hamilton krachte in einen Reifenstapel, Sebastian Vettel konnte aufgrund einer falsch eingebauten Feder in und technischen Problemen an seinem Red Bull insgesamt nur elf Runden in zwei Tagen absolvieren.

Ganz anders Räikkönen, dessen Comeback beim italienischen Traditionsrennstall die spektakulärste Personalie vor dem Saisonstart ist. Auf seinem Twitter-Kanal begleitet Ferrari nahezu jeden Schritt des Finnen in Jerez, kaum ein Tweet kommt ohne den Hashtag #WelcomebackKimi aus.

Gefragt danach, wie es ist, wieder für Ferrari zu fahren, antwortete Räikkönen kühl: "Das hier sind normale erste Tests." Und angesprochen auf die neuen Regeln, aufgrund derer die Autos und Rennen noch komplizierter werden, sagt er: "Die Regeln sind, wie sie sind."

Der 34-Jährige bedient in Jerez das Klischee vom Egoisten: Der coole Kimi, Spitzname "Iceman", macht sein Ding, alles andere schert ihn nicht.

Red Bull hat technischen Vorsprung eingebüßt

Dabei könnte der Druck auf Räikkönen und dessen Teamkollegen Fernando Alonso kaum größer sein. "Die Bedingungen für gute Leistungen sind vorhanden. Wir haben es satt, auf Platz zwei zu landen", stellt Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo klar. In den vergangenen sechs Saisons wurde viermal ein Ferrari-Pilot Zweiter, einmal Felipe Massa (2008) und dreimal Alonso (2010, 2012, 2013). "Wahrscheinlich sind wir das einzige Team in der Welt, bei dem das als Desaster gilt", sagt di Montezemolo. Den bislang letzten Fahrer-Titel holte die Scuderia 2007 - Champion wurde damals Räikkönen.

Die Chance, Vettel und Red Bull in diesem Jahr vom Thron zu stoßen, dürften gar nicht schlecht stehen. Aufgrund der vielen Neuerungen musste auch der österreichische Rennstall einen völlig neuen Wagen entwickeln und wird seinen technischen Vorsprung der vergangenen Jahre zumindest teilweise eingebüßen. "Der Motor ist neu, die Regeln sind neu: Da müssen wir in Sachen Leistung alles ausschöpfen", sagte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali der "Sport Bild".

Räikkönen und Alonso gehen lieber ihre eigenen Wege

Um endlich wieder einen Titel zu gewinnen, hat Ferrari viel investiert. Das Team warb Ingenieure und Techniker bei der Konkurrenz ab, unter anderem James Allison, der sich als Technikchef bei Lotus einen exzellenten Ruf erarbeitet hat. Der Windkanal und Simulator wurden auf den neuesten Stand gebracht. Und dann kehrte mit Räikkönen auch noch ein Top-Pilot zurück, den Ferrari Ende 2009 noch mit geschätzten 20 Millionen Euro Abfindung wegen seines eigenwilligen Charakters vom Hof gejagt hatte. Nun haben die Italiener die wohl beste Fahrerpaarung der Formel 1 - aber auch die explosivste.

"Kimi macht sein Ding, er lässt sich nichts sagen. Das muss Ferrari wissen", sagt der frühere Formel-1-Teamchef Eddie Jordan. Die Frage ist weniger, ob es während der Saison zwischen Räikkönen und Alonso kracht, sondern vielmehr wann. Denn der Spanier ist bekannt dafür, den Status als Nummer eins für sich zu beanspruchen. Das war bei Renault so, als seine Adjutanten Jarno Trulli, Giancarlo Fisichella und Nelson Piquet junior hießen. Und das war bislang bei Ferrari so, wo Felipe Massa vier Jahre die Nummer zwei hinter Alonso war. Als Lewis Hamilton 2007 seine erste Formel-1-Saison bestritt und trotz seiner Rolle als Neuling bei McLaren gleichberechtigter Partner von Alonso wurde, flüchtete dieser nach nur einem Jahr zurück zu Renault.

Der Spanier ist in erster Linie Egoist, weniger Teamplayer. Es dürfte daher nicht mehr als ein von der Ferrari-Medienabteilung zusammengebasteltes und Alonso vorgelegtes Statement sein, wenn der 32-Jährige nun sagt, er und Räikkönen müssten für den Erfolg "in perfekter Harmonie arbeiten, der Teampriorität folgen und dem, was die Mannschaft uns sagt".

Räikkönen allerdings hat schon mehrfach erklärt, was er von Vorgaben vom Kommandostand hält: "Manchmal hört man darauf, manchmal macht es keinen Sinn." Die Botschaft des Finnen: Im Zweifel entscheidet er selbst. Und mit Blick auf das Teamduell sagt er: "Am Ende wollen wir doch beide gewinnen."

insgesamt 7 Beiträge
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markmach 30.01.2014
1. Räikkönen
ist wohl der beste Pilot seit Senna. Das hat er immer bewiesen. Alonso tut mir leid ;-), aber Räikkönen ist viel zu cool für dich und lässt sich nicht aus dem Konzept bringen. Jammern oder den Fehler woanders suchen wie Alonso oder Vettel tut er auch nicht...
Lankoron 30.01.2014
2. Krachen wird es
in dem Moment, in dem Kimi besser ist als Alonso. Der egoistische Alonso wird es erst aufs Team und dann aufs Auto schieben und dann weglaufen. Aber nun haben beide erstmal dasselbe Auto...und ich hoffe, dass sich Kimi als der bessere Fahrer erweist!
wir.schillings 30.01.2014
3. das gabs doch schon mal..............
erinnert fatal an die Zeiten, als Alain Prost und Aytron Senna im McLaren sich gegenseitig in die Kiste fuhren - Prost wurde damals Weltmeister...
curti 30.01.2014
4. Und der ganze.....
Zitat von sysopDPAKimi Räikkönen und Fernando Alonso bilden die wohl beste Fahrerpaarung der Formel 1 - und auch die explosivste. Beide wollen im Ferrari Weltmeister werden. Und beide sehen sich als die Nummer eins im Team. http://www.spiegel.de/sport/formel1/f1-kimi-raeikkoenen-und-fernando-alonso-wollen-wm-titel-mit-ferrari-a-946260.html
....trouble für Millisekunden, glamour und vor allem Kohle. Zwei armselige Gestalten! Sollten sich mal ein Beispiel am Michelin-Männchen nehmen, das bereits in Ruheposition amüsanter ist. Oder ist der Formel 1-"Zirkus" nur die Arena für Gladiatoren der Neuzeit?
metbaer 30.01.2014
5. Wird spannend
Wie ein Vorredner schon sagte: Es erinnert arg an Prost/Senna. Hat für McLaren damals ja gefruchtet, sie haben die Saison dominiert. Wäre schön, wenn Ferrari dieses Jahr mehr Spannung in die WM bringen kann, das fahrerische Potential ist ja nun zweifelsfrei vorhanden.
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