F1-Überraschung Fisichella: Traum vom Top-Team Ferrari

Von

Stunde des Routiniers: Der 36-jährige Giancarlo Fisichella fuhr im Force India beim Großen Preis von Belgien auf Platz zwei. Nun darf er von einem kurzfristigen Wechsel zu Ferrari träumen. Die Situation vieler anderer Piloten ist deutlich weniger komfortabel.

Großer Preis von Belgien: Spektakel in Spa Fotos
AFP

Die Formel 1 ist manchmal ein grausames Geschäft - besonders für die Piloten. Nicht allein ihr Können entscheidet über den Sieg, sondern auch die Leistung der Boliden, die sie steuern. In jedem Jahr gibt es gute Fahrer in schlechten Autos - so wie den zweifachen Weltmeister Fernando Alonso, der im Renault nur hinterherfährt. Oder Lewis Hamilton, der im McLaren-Mercedes mit Sicherheit nicht wieder Weltmeister wird.

Im Regelfall machen daher wenige Fahrer den Sieg unter sich aus. Manchmal jedoch, so wie an diesem Wochenende beim Großen Preis von Belgien, wird die zementierte Reihenfolge gründlich durcheinandergebracht. Diese Rennen bieten die große Chance für die Außenseiter unter den Piloten. Denn nur mit guten Ergebnissen können sie sich für die Plätze bei den großen und siegfähigen Teams empfehlen.

Giancarlo Fisichella ist dieses Kunststück in Spa geglückt. Nach seinem zweiten Platz gilt der Force-India-Pilot plötzlich als ernsthafter Kandidat für einen Aushilfsvertrag bei Ferrari. Es gibt nämlich manchmal auch schlechte Fahrer in guten Autos - so wie Luca Badoer, der im Ferrari imagegefährdend langsam um die Kurven schleicht. In Belgien belegte er zum zweiten Mal in Folge den letzten Platz. Da Teamkollege Kimi Räikkönen gleichzeitig den ersten Saisonsieg einfuhr, dürfte die Zeit Badoers abgelaufen sein.

Italien hat gerufen

Mit solch einer Chance hat der 36-jährige Fisichella auf seine alten Tage wohl kaum gerechnet. Es erscheint jedenfalls nicht unrealistisch, dass er seinen Vertrag bei Force India auflöst und schon beim nächsten Grand Prix einen Ferrari steuert. Das Rennen in zwei Wochen steigt trefflicherweise in Monza, der Heimstrecke der Scuderia. Fisichella ist Italiener und hat die Hymne (die eigentlich für Räikkönen gespielt wurde) bei der Siegerehrung in Belgien schon einmal leidenschaftlich mitgesungen:

"Lasst uns die Reihen schließen,
wir sind bereit zum Tod,
wir sind bereit zum Tod,
Italien hat gerufen!"

Für die pathosbeladene Scuderia wäre die Personalie wohl die Ideallösung - auch wenn sie nur eine Gemeinschaft auf Zeit bedeutet. Im kommenden Jahr ist Fisichella keine Option für Ferrari. Nach wie vor gilt das Cockpit beim Team aus Maranello als eines der begehrtesten in der Formel 1. Spekulationen über eine neue Besetzung gibt es genug - obwohl Räikkönen und der verletzte Felipe Massa auch 2010 noch einen gültigen Vertrag besitzen.

Alonso soll kommen, Räikkönen künftig Rallye fahren und Michael Schumacher in einem dritten Ferrari an den Start gehen - alles scheint möglich. Sicher ist jedoch nur eines: Es wird mächtig Bewegung kommen in die Formel 1. Denn im Schatten der großen Personalfragen kämpfen zahlreiche Piloten um ihre Zukunft in der Königsklasse des Motorsports.

"Ein bisschen verrückt"

Mit dem Rennen in Spa haben einige von ihnen ihr Können wieder angedeutet: Robert Kubica und Nick Heidfeld fuhren im BMW auf die Plätze vier und fünf. Beide müssen mit dem Ausstieg des Münchner Autobauers zum Saisonende um den Verbleib in der Formel 1 zittern.

Heikki Kovalainen kam im McLaren-Mercedes zum vierten Mal hintereinander in die Punkte. Dennoch dürfte es für ihn nicht reichen. Die Silberpfeile suchen bereits einen Nachfolger. Ein aussichtsreicher Kandidat ist der Deutsche Nico Rosberg, der im Williams Achter wurde. Auch der 24-Jährige gilt als guter Fahrer im falschen Auto. Auf den ersten Sieg wartet das Rennsporttalent seit vier Jahren vergeblich.

Die Situation von Sebastian Vettel ist da schon deutlich entspannter: Der 22-Jährige ist in der komfortablen Position, seinen Platz in einem siegfähigen Auto sicher zu haben. Den Vertrag bei Red Bull hat er in der vergangenen Woche bis 2011 verlängert.

Und nach Platz drei in Spa sind auch seine Chancen auf die Weltmeisterschaft wieder gestiegen: Dank des Crashs von Spitzenreiter Jenson Button (Brawn GP) ist Vettels Rückstand in der Gesamtwertung wieder auf 19 Punkte geschmolzen. "Ein bisschen verrückt" sei das alles, sagte der Jungstar. Damit hat er die diesjährige Formel 1 treffend beschrieben.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Formel 1
RSS
alles zum Thema Formel 1
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • -19-
Fotostrecke
Großer Preis von Belgien: Spektakel in Spa