Formel-1-Abschied von Alonso Falsch abgebogen

Fernando Alonso wird der Formel 1 fehlen. Als Fahrer, aber auch als Entertainer. Seit seinem zweiten WM-Titel 2006 fährt er in den falschen Teams, schuldlos ist der Spanier an seinen Misserfolgen allerdings nicht.

Fernando Alonso
AFP

Fernando Alonso

Aus Abu Dhabi berichtet Karin Sturm


Zum Abschied bekommt er ein Auto mit einer speziellen Lackierung, einen McLaren im Fernando-Alonso-Design. Nach 312 Rennen, 32 Siegen und zwei WM-Titeln verabschiedet sich der Spanier in Abu Dhabi aus der Formel 1. Offiziell, weil er mit der höchsten Motorsportklasse und ihren Regeln nicht mehr viel anfangen kann und lieber die Triple Crown schaffen will, also nach Formel-1-WM und Le-Mans-Sieg auch einen Triumph bei den 500 Meilen von Indianapolis.

Die Kritik an der modernen Formel 1 ist das Eine, die eigene Chancenlosigkeit aber nicht minder wichtig. Alonso macht es keinen Spaß mehr, in einem unterlegenen McLaren nur noch hinterher zu fahren.

Drei Jahre lang versuchte er, die Misserfolge auf den Honda-Motor zu schieben. Mal waren es unterhaltsame Funksprüche, nach frühen Defekten spielte er wahlweise im Hotel Tennis oder nahm ein Sonnenbad neben der Strecke. Alonso verstand es, bei all seinem Frust zu unterhalten.

Als die Situation bei McLaren auch 2018 mit dem Renault-Motor nicht besser wurde, entschied sich Alonso zum Rücktritt - auch wenn er sich immer noch eine Hintertür offen hält. An ein Comeback in der Formel 1 glauben aber nur wenige. Eine realistische Perspektive auf ein Cockpit in einem Topteam existiert für ihn nicht. Der 37-Jährige, den die meisten Experten immer noch zu den besten Fahrern in der Szene zählen, hat zu viele Rennställe im Streit verlassen.

Nach seinen zwei WM-Titeln mit Renault (2005 und 2006), gegen Serienweltmeister Michael Schumacher im Ferrari, schien Alonso nach Schumachers Rücktritt der prädestinierte Superstar der kommenden Jahre zu sein. Stattdessen begann eine Misere, die sich bis zu seinem Karriereende durchziehen sollte.

Als er 2007 zu McLaren-Mercedes wechselte, traf er dort auf Newcomer Lewis Hamilton, den Liebling von Teamchef Ron Dennis. Mehrmals fühlte er sich benachteiligt - doch seine "Rache" schadete Alonso am Ende auch selbst: Er machte "Spygate" öffentlich, den Informationsfluss geheimer Daten von Ferrari zu McLaren - was das britische Team 100 Millionen Dollar Strafe kostete. Am Ende zahlte Mercedes, Alonso ist seitdem für die Mercedes-Verantwortlichen in Stuttgart eine "Persona non grata".

Die WM gewann am Ende keiner der zwei streitenden McLaren-Piloten, sondern Kimi Räikkönen im Ferrari. Und Alonso sah sich zur Flucht von McLaren gezwungen - zurück zu Renault, in zwei relativ chancenlosen Jahren, in die auch noch der skandalumwitterte Erfolg in Singapur 2008 fiel, als sein Teamkollege Nelson Piquet jr. auf Anweisung von Teamchef Flavio Briatore mit einem absichtlichen Crash das Safety-Car provozierte, was Alonso einen seiner 32 Rennsiege bescherte. Angeblich hatte er von den ganzen Absprachen nie etwas gewusst.

Ferrari sollte für Alonso die Rettung sein, doch erneut lag er mit seiner Teamwahl falsch. Die wenig freundschaftliche Trennung folgte Ende 2014 - nach fünf Jahren ohne WM-Titel - mit den Last-Minute-Niederlagen 2010 und 2012 gegen Sebastian Vettel. Es war die Zeit, als Alonso wegen der knappen Misserfolge und der Organisationsstruktur bei Ferrari verzweifelte und zum Zyniker wurde.

Wie geht es für Alonso weiter?

Selbstkritische Töne hört man von Alonso eher selten, so ein Typ ist er nicht. Nun will er sich aber mit versöhnlichen Tönen verabschieden. Eine bestimmte Situation in seiner Karriere will er nicht hervorheben. "Es ist nicht ein Rennen oder eine bestimmte Erinnerung", sagte Alonso in Abu Dhabi. "Es sind die Menschen, die für mich immer im Mittelpunkt standen. Ich bin jetzt 37, ich habe mein halbes Leben in der Formel 1 verbracht. Ich habe hier unglaubliche Menschen kennengelernt, alle wundervolle Spezialisten ihres Fachs - Mechaniker, Techniker, Journalisten. Uns verbindet eine Menge."

Deshalb sei die Formel 1 wirklich die Königsklasse. "Erst wenn du in anderen Kategorien fährst, merkst du, welche Philosophie hier herrscht, diese Disziplin, diese Perfektion. Auf diesem Niveau mit solch wunderbaren Menschen zu arbeiten, das sticht für mich heraus. Und ich weiß, ich werde das Gefühl vermissen, ein Formel-1-Auto zu fahren, dieses Gefühl ist unvergleichlich."

Und wie möchte er selbst in Erinnerung bleiben? "Ich wollte immer in den Spiegel sehen und sagen können - ich habe alles versucht. Ich wollte mir treu bleiben. Ich wollte gegen andere Fahrer und alle Widrigkeiten kämpfen. Mein Erbe, das ist die Arbeit auf der Kartstrecke" - er hat eine eigene, in der Nähe seiner Heimatstadt Oviedo und betreibt dort intensive Nachwuchsförderung. "Ich will etwas für die nächste Generation machen und mein Wissen weitergeben. Junge Kartfahrer sollen Chancen haben, die ich nicht hatte."

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GyrosPita 24.11.2018
1.
Und Tschüss, Du Unsympath, alles Gute in Indianapolis, und komm so schnell nicht wieder. Von Alonso hört man seit Jahren nur noch Wehklagen: über den Motor, über das Chassis, über das im Team tätige Personal, über die Regeln, etc. pp. Den kann man morgens um drei Uhr wecken, und dann erklärt der einem wie aus der Pistole geschossen wann wo was verkehrt gelaufen ist und wer daran Schuld hat, nur das Alonso selber mal auch nur eine Verbesserung bewirkt hat, darauf wartet die geneigte Öffentlichkeit noch lange. Als Michael Schumacher bei Ferrari anfing war jeder Boxenstopp ein Comedy-Event: mal waren die Heizdecken noch nicht von den neuen Reifen runter, mal klemmte der Tankrüssel, mal kam der Fahrer zum Boxenstopp und die Mechaniker saßen alle noch auf ihrem Hintern, etc. pp. Da fehlte eigentlich nur noch das RTL das Geschehen mit Stan-und-Olli-Musik unterlegte. Von Schumacher hat man in der Öffentlichkeit nicht ein Wort der Kritik gehört, aber er hat veranlaßt das auf der eigenen Teststrecke in Fiorano Boxenstops geübt wurden, bis zum Erbrechen. Das Resultat war das nach ein paar Monaten Ferrari die schnellsten und effizientesten Pit Stops schaffte, aus der Chaostruppe war ein Uhrwerk geworden. Wenn man das Fernando Alonso erzählt wird er das sicher für ein Märchen halten, das dürfte seinen Horizont übersteigen. Nicht vergessen wollen wir, wenn Frau Sturm das schon wohlwollend unter den Tisch fallen läßt, wie er im Stallkrieg damals gegen Hamilton zumindest billigend in Kauf genommen, wenn nicht wohlwollend unterstützt hat das seine Fans sich offen rassistisch gegen Hamilton wendeten. Angesichts dieser vor allem charakterlichen Defizite halte ich eher die zwei WM-Titel für Ausreißer, wogegen er seit Jahren in den Regionen fährt wo er hingehört. Möge er den Amis demnächst angemessen auf den Zeiger gehen. Hoffentlich platzt ihm morgen in der ersten Kurve der Motor, dann kann er noch mal eine Kostprobe seines Könnens geben...
uzsjgb 24.11.2018
2.
Zitat von GyrosPitaUnd Tschüss, Du Unsympath, alles Gute in Indianapolis, und komm so schnell nicht wieder. Von Alonso hört man seit Jahren nur noch Wehklagen: über den Motor, über das Chassis, über das im Team tätige Personal, über die Regeln, etc. pp. Den kann man morgens um drei Uhr wecken, und dann erklärt der einem wie aus der Pistole geschossen wann wo was verkehrt gelaufen ist und wer daran Schuld hat, nur das Alonso selber mal auch nur eine Verbesserung bewirkt hat, darauf wartet die geneigte Öffentlichkeit noch lange. Als Michael Schumacher bei Ferrari anfing war jeder Boxenstopp ein Comedy-Event: mal waren die Heizdecken noch nicht von den neuen Reifen runter, mal klemmte der Tankrüssel, mal kam der Fahrer zum Boxenstopp und die Mechaniker saßen alle noch auf ihrem Hintern, etc. pp. Da fehlte eigentlich nur noch das RTL das Geschehen mit Stan-und-Olli-Musik unterlegte. Von Schumacher hat man in der Öffentlichkeit nicht ein Wort der Kritik gehört, aber er hat veranlaßt das auf der eigenen Teststrecke in Fiorano Boxenstops geübt wurden, bis zum Erbrechen. Das Resultat war das nach ein paar Monaten Ferrari die schnellsten und effizientesten Pit Stops schaffte, aus der Chaostruppe war ein Uhrwerk geworden. Wenn man das Fernando Alonso erzählt wird er das sicher für ein Märchen halten, das dürfte seinen Horizont übersteigen. Nicht vergessen wollen wir, wenn Frau Sturm das schon wohlwollend unter den Tisch fallen läßt, wie er im Stallkrieg damals gegen Hamilton zumindest billigend in Kauf genommen, wenn nicht wohlwollend unterstützt hat das seine Fans sich offen rassistisch gegen Hamilton wendeten. Angesichts dieser vor allem charakterlichen Defizite halte ich eher die zwei WM-Titel für Ausreißer, wogegen er seit Jahren in den Regionen fährt wo er hingehört. Möge er den Amis demnächst angemessen auf den Zeiger gehen. Hoffentlich platzt ihm morgen in der ersten Kurve der Motor, dann kann er noch mal eine Kostprobe seines Könnens geben...
Auch wieder einer dieser "Fans", für die die Formel 1 auf dem Niveau von DSDS und Germany's Next Topmodel stattfindet: weniger ein sportlicher Wettbewerb, als ein Sympathiewettbewerb. Wer am sympatischten ist soll gewinnen. Wer nicht sympatisch ist kann folglich auch kein guter Rennfahrer sein. Es gibt wohl tatsächlich ein Bedarf, dass man in Zukunft die Rennsieger per Fanvoting bestimmt. Vielleicht würden Schumacher dann im Nachhinein seine Titel aberkannt, weil er so unsympatisch war.
GyrosPita 24.11.2018
3.
Zitat von uzsjgbAuch wieder einer dieser "Fans", für die die Formel 1 auf dem Niveau von DSDS und Germany's Next Topmodel stattfindet: weniger ein sportlicher Wettbewerb, als ein Sympathiewettbewerb. Wer am sympatischten ist soll gewinnen. Wer nicht sympatisch ist kann folglich auch kein guter Rennfahrer sein. Es gibt wohl tatsächlich ein Bedarf, dass man in Zukunft die Rennsieger per Fanvoting bestimmt. Vielleicht würden Schumacher dann im Nachhinein seine Titel aberkannt, weil er so unsympatisch war.
Glückwunsch, Sie haben nicht eine Silbe von dem verstanden was ich geschrieben habe. Muß an dem Namen "Schumacher" liegen, da fliegt so mancher Forist schon aus der Kurve wenn er den nur liest. Alonso ist ein unfairer, hinterlistiger Fiesling. Es ist eine Sache hart auf der Piste miteinander zu kämpfen, aber etwas ganz anderes ist es, einen rassistischen Mob gegen den dunkelhäutigen Teamkollegen anzustacheln. Oder das eigene Team beim Weltverband anzusch...ßen, bloß weil man eine Zeitlang nicht die erste Geige gespielt hat. Oder permanent Teammitglieder, Mechaniker, Motorenpartner etc. öffentlich mit "lustigen" Sprüchen bloßzustellen. Was das alles mit DSDS zu tun hat (außer dem Sender vielleicht), das wissen Sie vermutlich selbst nicht. Aber Hauptsache mal wieder was geschrieben...
novoma 24.11.2018
4. Falschparker
Gehört Parken auf der Strecke im Qualifying auch zu „harter Kampf auf der Piste“, oder gehört das nicht doch eher in die Kategorie „hinterhältiger Fiesling“? Was unsportliches Verhalten angeht, geben sich beide nicht viel, aber nichts desto trotz waren beides Spitzen-Siegfahrer auf höchstem Niveau, wobei Schuhmacher zusätzlich noch ein hohes technisches Verständnis aufwies. Aber sympathis fand und finde ich beide nicht. Die beiden sympathischsten Weltmeister der letzten Zeit waren für mich sowieso Jensen Button und Kimi Räikkönnen.
quark2@mailinator.com 24.11.2018
5.
Alonso war ein wichtiger Grund aus dem ich aufgehört habe F1 zu gucken. Er hat für mich die Hälfte von all dem verkörpert, was dort falsch lief, die andere Hälfte dann B.Eckelstone. Jemand so unsportliches hätte nie den Titel "gewinnen" dürfen.
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