Ferrari-Triumph in Malaysia: Alonso macht den Unterschied

Aus Sepang berichtet

Sieg in Malaysia, Führung in der WM-Wertung - Ferrari dominiert die Formel 1. Die Erfolge sind weniger Verdienst eines guten Autos, sondern ein Beleg der Klasse Fernando Alonsos. Er profitiert auch von Schwächen der Rivalen, allen voran Sebastian Vettels Rennstall Red Bull kämpft mit Problemen.

Ferrari-Pilot Alonso: "Er ist jeden Cent wert" Zur Großansicht
AP

Ferrari-Pilot Alonso: "Er ist jeden Cent wert"

Was sind die Zutaten für ein spannendes Formel-1-Rennen? Ein wenig Regen beim Start kann nicht schaden, dazu ein Rennabbruch wegen Monsunschauern. Es folgt der Reifenpoker auf abtrocknender Piste - und schon sind alle Voraussagen und Expertentipps nur noch Makulatur. Genau so also wie in Malaysia. Und so kommt es, dass Fernando Alonso nicht nur im schwächelnden Ferrari den Großen Preis des Wochenendes gewinnen konnte - der Spanier führt nach zwei Rennen mit 35 Punkten jetzt sogar die WM an.

Das hätte nach den Testfahrten während der Saisonvorbereitung niemand gedacht. Am wenigsten wohl Alonso selbst. Doch der Doppelweltmeister macht derzeit den Unterschied aus. In Australien prügelte er seinen Ferrari schon auf Platz fünf - und war damit um Welten besser als es sein Wagen eigentlich zuließ.

In Malaysia sorgte Alonso für eine weitere fahrerische Sternstunde. Bei den extrem schwierigen Bedingungen machte er keine Fehler, war zum richtigen Zeitpunkt in der Box und profitierte am Ende von der Unerfahrenheit des Sauber-Lehrlings Sergio Pérez, der mit dem schnelleren Boliden den Sieg schon vor Augen hatte - aber kurz die Konzentration verlor und von der Strecke abkam.

Der Ferrari ist höchstens das fünftbeste Auto im Feld

Alonso erinnert zu Beginn dieser Saison an Ayrton Senna im Jahr 1993, der im unterlegenen McLaren dank seiner fahrerischen Extraklasse trotzdem fünf Saisonrennen gewann. Der Ferrari ist unter normalen Bedingungen höchstens das fünftbeste Auto im Feld. Die Klasse des Wagens repräsentiert eher Alonsos Teamkollege Felipe Massa, der nach zwei Saisonrennen hoffnungslos hinterherfährt und null Punkte auf dem Konto hat.

Im Ferrari-Rennstall weiß man um die Qualitäten seines Starpiloten. "Er ist jeden Cent wert", sagt Teamchef Stefano Domenicali. Dabei soll es sich immerhin um 25 Millionen Euro Jahresgehalt handeln. Anscheinend noch zu wenig: "Man müsste ihm sogar eine Gehaltserhöhung geben", sagte Ex-Weltmeister Damon Hill anerkennend.

Alonso selbst schätzt die Situation realistisch ein: "Der WM-Platz spiegelt nicht das eigentliche Kräfteverhältnis wider. Wir müssen uns weiterentwickeln und aufholen." Schon in China am 15. April (9 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gibt sich Alonso keine Siegchancen. "Zumindest nicht, wenn es normal läuft." Sprich: Wenn es trocken bleibt.

Ein erfahrenerer Pilot als Pérez hätte den Fehler nicht gemacht

Dass Sauber Zweiter wurde, ist keine allzu große Überraschung. Das Auto entpuppte sich schon bei den Tests im Winter als eines der schnellsten im Feld und ist - was entscheidend ist - gutmütig zu fahren. Gerade bei schwierigen Verhältnissen wie in Malaysia profitierte das Team von dieser Eigenschaft.

Realistisch betrachtet muss man sagen, dass Sauber trotz der erfrischenden Fahrt des Mexikaners nicht Zweiter geworden ist, sondern den Sieg verschenkt hat. Ein erfahrenerer Pilot als Pérez hätte den Fehler in der entscheidenden Phase des Rennens wohl nicht gemacht, sondern das zu diesem Zeitpunkt überlegene Auto - Pérez war phasenweise bis zu eine Sekunde pro Runde schneller als der in Führung liegende Alonso - als Gewinner über die Ziellinie gebracht.

McLaren und Red Bull sind unter normalen Umständen immer noch die schnellsten Autos im Feld. McLaren hat es wie kein anderes Team verstanden, das Verbot des sogenannten angeblasenen Diffusors zu kompensieren. Zum Leidwesen der Konkurrenz, die den McLaren-Auspuff jenseits der Legalität sieht. Im Gegensatz zur Automobilbehörde Fia, die das innovative System, das durch gezielten Austritt der Auspuffgase für zusätzlichen Abtrieb, sprich Bodenhaftung sorgt, für legal erklärt hat.

"Wir verstehen unser Auto erst zu 60 Prozent"

Red Bull leidet im Moment am meisten unter der Regeländerung gegenüber vergangener Saison. "Wir verstehen unser Auto erst zu 60 Prozent", gibt Teamchef Christian Horner zu. Deshalb gelingt es den Fahrern besonders in der Qualifikation kaum, das Set-up des Autos richtig hinzubekommen. Im Rennen ist der Red Bull dagegen auf Augenhöhe mit McLaren und nach wie vor das schnellste Auto im Feld. Als es im Rennen abtrocknete, war der Rückstand von Red Bull jedoch schon zu groß, um nach vorne noch etwas ausrichten zu können.

Doch schon beim nächsten Rennen soll die Wende kommen. Dann will Red Bull auch im Qualifying eine gute Fahrzeugabstimmung finden, besonders bei Weltmeister Vettel. Das war bei den beiden Rennen in Melbourne und Malaysia noch nicht der Fall. "Im Qualifying," analysiert Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko, "haben wir noch Nachteile gegenüber McLaren. Im Rennen haben wir sie aber fast schon überholt."

Feststeht: Das Feld ist durch die Reglementsänderung enger zusammengerückt. "Wenn du in dieser Saison nicht bei 100 Prozent bist, verlierst du gleich sieben Plätze", analysierte Vettel, "im letzten Jahr waren es vielleicht nur zwei."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Trondesson 25.03.2012
Ferrari dominiert die Formel 1? Erst gestern gab es im SPON einen vollkommen anders lautenden Bericht. Hoffentlich ist diese Inkonsistenz in der Berichterstattung nicht bezeichnend für den Spiegel.
2. Hier zählte halt nur der Fahrer
Thomas Mainka 25.03.2012
FA ist für mich einer der besten Rennfahrer der Geschichte. Heute hat er es auf unterlegenem Material gezeigt. Diese ganzen weichgespültenHamiltons, Vettels und Rosbergs sind tolle Athleten, aber keine Rennfahrer. Das war ein guter Tag für den Formelsport. Schumi ist auch noch seiner, hat aber eben Pech gehabt. das war kein Tag für die Pussies.
3. Witzige Überschrift
Tertos 25.03.2012
Zitat von TrondessonFerrari dominiert die Formel 1? Erst gestern gab es im SPON einen vollkommen anders lautenden Bericht. Hoffentlich ist diese Inkonsistenz in der Berichterstattung nicht bezeichnend für den Spiegel.
Hab auch köstlich gelacht über diese abstruse Überschrift. Die ist nicht nur völlig falsch, wie jeder der was von F1 versteht sicherlich sofort bemerkt, sie passt auch nicht mal zum Artikel, indem zahlreiche richtige Argumente gegen Ferrari aufgeführt werden. Die Überschrift sollte echt geändert werden.
4. Letzte Woche
jeze 25.03.2012
Zitat von sysopAPSieg in Malaysia, Führung in der WM-Wertung - Ferrari dominiert die Formel 1. Die Erfolge sind weniger Verdienst eines guten Autos, sondern ein Beleg der Klasse Fernando Alonsos. Er profitiert auch von Schwächen der Rivalen, allen voran Sebastian Vettels Rennstall Red Bull kämpft mit Problemen. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,823620,00.html
Ist das der selbe SPON, der letzte Woche geschrieben hat, dass sich die Konkurrenz darauf einstellen muss, dass diese Saison von Vettel und Button dominiert wird?
5. Ferrari hat einen Sauber knapp geschlagen !
weberjohannes 26.03.2012
Fakt ist doch, das wir heute einen typischen "Chaos GP" gesehen haben und Alonso heute nur durch verschiedene umstände gewonnen hat. Ergo, im Gegensatz zu vielen anderen Teams hat Ferrari und Alonso heute alles richtig gemacht. Ebenso Sauber und Perez Wäre nun Perez noch an Alonso vorbei, zudem noch mit wahrscheinlich 7 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie gefahren,wäre selbiges ein extrem niederschmetterndes Zeugnis für den Ferrari gewesen. Mit P1 schaut die Welt nun ein bisschen schöner aus als sie eigentlich ist. Den Fakt ist auch hier : Ferrari hat einen Sauber knapp geschlagen Unter normalen umständen hätten wir den Ferrari und den Sauber wohl er ab P5 gesehen. Klar "Hätte, wäre, wenn" gilt nicht, deshalb halten Fernando selber und Ferrari auch die Füße still, den sie wissen wo sie unter normalen umständen gelandet wären. Natürlich gönne ich Alfons den Sieg das bringt Stimmung in die WM. Freut euch Ferrari und Alonso Fans, in der nächsten Zeit wird es wohl nicht mehr so viel für euch zu lachen geben (leider).
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Formel 1
RSS
alles zum Thema Zieleinlauf
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 12 Kommentare
Getty Images

Fotostrecke
Formel-1-Saison 2012: Acht Fahrer, vier Teams, ein Ziel
Fotostrecke
Von Vettel bis Pic: Alle Fahrer der Formel-1-Saison 2012