Aus Sepang berichtet Ralf Bach
Was sind die Zutaten für ein spannendes Formel-1-Rennen? Ein wenig Regen beim Start kann nicht schaden, dazu ein Rennabbruch wegen Monsunschauern. Es folgt der Reifenpoker auf abtrocknender Piste - und schon sind alle Voraussagen und Expertentipps nur noch Makulatur. Genau so also wie in Malaysia. Und so kommt es, dass Fernando Alonso nicht nur im schwächelnden Ferrari den Großen Preis des Wochenendes gewinnen konnte - der Spanier führt nach zwei Rennen mit 35 Punkten jetzt sogar die WM an.
Das hätte nach den Testfahrten während der Saisonvorbereitung niemand gedacht. Am wenigsten wohl Alonso selbst. Doch der Doppelweltmeister macht derzeit den Unterschied aus. In Australien prügelte er seinen Ferrari schon auf Platz fünf - und war damit um Welten besser als es sein Wagen eigentlich zuließ.
In Malaysia sorgte Alonso für eine weitere fahrerische Sternstunde. Bei den extrem schwierigen Bedingungen machte er keine Fehler, war zum richtigen Zeitpunkt in der Box und profitierte am Ende von der Unerfahrenheit des Sauber-Lehrlings Sergio Pérez, der mit dem schnelleren Boliden den Sieg schon vor Augen hatte - aber kurz die Konzentration verlor und von der Strecke abkam.
Der Ferrari ist höchstens das fünftbeste Auto im Feld
Alonso erinnert zu Beginn dieser Saison an Ayrton Senna im Jahr 1993, der im unterlegenen McLaren dank seiner fahrerischen Extraklasse trotzdem fünf Saisonrennen gewann. Der Ferrari ist unter normalen Bedingungen höchstens das fünftbeste Auto im Feld. Die Klasse des Wagens repräsentiert eher Alonsos Teamkollege Felipe Massa, der nach zwei Saisonrennen hoffnungslos hinterherfährt und null Punkte auf dem Konto hat.
Im Ferrari-Rennstall weiß man um die Qualitäten seines Starpiloten. "Er ist jeden Cent wert", sagt Teamchef Stefano Domenicali. Dabei soll es sich immerhin um 25 Millionen Euro Jahresgehalt handeln. Anscheinend noch zu wenig: "Man müsste ihm sogar eine Gehaltserhöhung geben", sagte Ex-Weltmeister Damon Hill anerkennend.
Alonso selbst schätzt die Situation realistisch ein: "Der WM-Platz spiegelt nicht das eigentliche Kräfteverhältnis wider. Wir müssen uns weiterentwickeln und aufholen." Schon in China am 15. April (9 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gibt sich Alonso keine Siegchancen. "Zumindest nicht, wenn es normal läuft." Sprich: Wenn es trocken bleibt.
Ein erfahrenerer Pilot als Pérez hätte den Fehler nicht gemacht
Dass Sauber Zweiter wurde, ist keine allzu große Überraschung. Das Auto entpuppte sich schon bei den Tests im Winter als eines der schnellsten im Feld und ist - was entscheidend ist - gutmütig zu fahren. Gerade bei schwierigen Verhältnissen wie in Malaysia profitierte das Team von dieser Eigenschaft.
Realistisch betrachtet muss man sagen, dass Sauber trotz der erfrischenden Fahrt des Mexikaners nicht Zweiter geworden ist, sondern den Sieg verschenkt hat. Ein erfahrenerer Pilot als Pérez hätte den Fehler in der entscheidenden Phase des Rennens wohl nicht gemacht, sondern das zu diesem Zeitpunkt überlegene Auto - Pérez war phasenweise bis zu eine Sekunde pro Runde schneller als der in Führung liegende Alonso - als Gewinner über die Ziellinie gebracht.
McLaren und Red Bull sind unter normalen Umständen immer noch die schnellsten Autos im Feld. McLaren hat es wie kein anderes Team verstanden, das Verbot des sogenannten angeblasenen Diffusors zu kompensieren. Zum Leidwesen der Konkurrenz, die den McLaren-Auspuff jenseits der Legalität sieht. Im Gegensatz zur Automobilbehörde Fia, die das innovative System, das durch gezielten Austritt der Auspuffgase für zusätzlichen Abtrieb, sprich Bodenhaftung sorgt, für legal erklärt hat.
"Wir verstehen unser Auto erst zu 60 Prozent"
Red Bull leidet im Moment am meisten unter der Regeländerung gegenüber vergangener Saison. "Wir verstehen unser Auto erst zu 60 Prozent", gibt Teamchef Christian Horner zu. Deshalb gelingt es den Fahrern besonders in der Qualifikation kaum, das Set-up des Autos richtig hinzubekommen. Im Rennen ist der Red Bull dagegen auf Augenhöhe mit McLaren und nach wie vor das schnellste Auto im Feld. Als es im Rennen abtrocknete, war der Rückstand von Red Bull jedoch schon zu groß, um nach vorne noch etwas ausrichten zu können.
Doch schon beim nächsten Rennen soll die Wende kommen. Dann will Red Bull auch im Qualifying eine gute Fahrzeugabstimmung finden, besonders bei Weltmeister Vettel. Das war bei den beiden Rennen in Melbourne und Malaysia noch nicht der Fall. "Im Qualifying," analysiert Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko, "haben wir noch Nachteile gegenüber McLaren. Im Rennen haben wir sie aber fast schon überholt."
Feststeht: Das Feld ist durch die Reglementsänderung enger zusammengerückt. "Wenn du in dieser Saison nicht bei 100 Prozent bist, verlierst du gleich sieben Plätze", analysierte Vettel, "im letzten Jahr waren es vielleicht nur zwei."
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