Frage: Herr Schumacher, warum haben Sie sich zu Ihrem zweiten Rücktritt entschieden?
Schumacher: Ich war mir schon während der vergangenen Monate nicht mehr sicher, ob ich die nötige Motivation und Energie für ein oder zwei weitere Jahre noch aufbringen kann - und es ist nicht mein Stil etwas zu tun, wovon ich nicht hundertprozentig überzeugt bin. 2006 habe ich gesagt, dass meine Batterien leer sind und ich den roten Bereich erreicht hatte. Jetzt hatte ich das Gefühl, dass es an der Zeit ist, wieder mehr Freiheiten zu haben.
Frage: Sie wirken erstaunlich gelassen und gefasst. Täuscht der Eindruck?
Schumacher: Irgendwann kommt die Zeit für den Abschied. Und mit der Entscheidung habe ich mich auch von meinen eigenen Zweifeln befreit, denn natürlich habe ich mir viele Gedanken gemacht. Und am Ende wird die Lust am Fahren auch durch die Wettbewerbsfähigkeit genährt.
Frage: Wie bewerten Sie Ihre dreijährige Rückkehr?
Schumacher: Unsere Ziele haben wir ganz klar nicht erreicht - gemeinsam ein weltmeisterliches Auto zu bauen und zu entwickeln. Das haben wir verfehlt. Ich habe Ende 2009 gesagt, dass ich an meinen Erfolgen gemessen werden möchte, und daher habe ich in den vergangenen drei Jahren viel Kritik eingesteckt. Klar ist für mich aber auch, dass ich nicht weniger glücklich sein kann über das, was ich in der Formel 1 erreicht habe. Ich habe nichts zu bereuen.
Frage: Was nehmen Sie aus Ihrem Comeback mit?
Schumacher: Ich habe über mich selbst viel gelernt. Dass man sich öffnen kann, ohne den Fokus zu verlieren. Dass Verlieren schwieriger als Gewinnen sein kann. Ich habe gelernt, auch mit schwierigen Situationen umgehen zu können. Das hat mir sehr viel gebracht.
Frage: Was planen Sie für die Zukunft?
Schumacher: Es sind noch sechs Rennen zu fahren, darauf werde ich mich voll fokussieren. Was danach kommt, werden wir sehen. Es gibt für mich Möglichkeiten, dem Konzern erhalten zu bleiben und ich werde mich zu gegebener Zeit entscheiden.
Frage: Welche Rolle hat die Verpflichtung von Lewis Hamilton bei Ihrem Entschluss gespielt?
Schumacher: In die Entscheidung, ihn zu holen, war ich involviert. Ich habe gewusst, dass mit Lewis verhandelt wurde und es dann zum Abschluss gekommen ist. Für mich war das eher eine Art der Befreiung. Damit waren meine eigenen Zweifel, ob ich weitermachen will und die Energie dafür habe, beantwortet. Das ist für mich absolut okay gelaufen. Lewis ist ein guter Mann, der oft genug seine Qualitäten unter Beweis gestellt hat. Er bietet dem Team eine langfristige Perspektive, die ich sicher nicht mehr bieten kann.
Frage: Haben Sie je mit dem Gedanken gespielt, zu einem Team wie Sauber zu wechseln?
Schumacher: Mit wem jetzt konkrete Möglichkeiten bestanden haben, dazu möchte ich eigentlich nichts sagen.
Frage: Wäre Ihre Entscheidung anders ausgefallen, wenn sich Teams wie beispielweise McLaren um Sie bemüht hätten?
Schumacher: Nein, sie wäre sicher nicht anders ausgefallen. Ich hatte ja auch lange die Möglichkeit, bei Mercedes zu verlängern, konnte mich aber nicht entscheiden. Ich sitze hier und muss nicht, sondern darf meinen Rücktritt verkünden. Ich fühle mich gut und bin befreit. Ich bin im Reinen mit mir.
Aufgezeichnet vom sid in der Pressekonferenz zum Rücktritt von Michael Schumacher
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