Ausblick auf die Formel 1 2018 Hoffen auf Drama

Seit 2014 dominiert Mercedes die Formel 1, Lewis Hamiltons Titelgewinn untermauert dies. In der kommenden Saison dürfte es für die Silberpfeile härter werden - zum Glück.

Max Verstappen, Sebastian Vettel, Lewis Hamilton
AP

Max Verstappen, Sebastian Vettel, Lewis Hamilton

Aus Mexiko-Stadt berichtet Karin Sturm


Ein einziges Mal im langen Rennen des Großen Preises von Mexiko, kurz nach dem Start und noch vor der ersten Kurve, fuhren sie fast nebeneinander auf der Strecke: Max Verstappen, Sebastian Vettel und Lewis Hamilton. War das ein Symbolbild für die Formel 1 in der Saison 2018?

Weltmeister Lewis Hamilton jedenfalls wünscht sich für das kommende Jahr einen stärkeren Konkurrenzkampf, zumindest behauptete das der Mercedes-Pilot: "Dieser Moment, das war das, worauf ich immer gehofft habe."

Schon in diesem Jahr habe er es genossen, "gegen einen viermaligen Weltmeister" zu fahren, Vettel, von dem Hamilton wisse, "wie gut und konstant er ist, was er schon alles erreicht hat. Und wenn jetzt noch Max dazu käme, dieser junge, unheimlich gute, schnelle und aggressive Superstar der Zukunft, das wäre doch fantastisch."

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht

In Sachen Speed ist Ferrari schon in diesem Jahr zumindest sehr nahe an Mercedes herangekommen, auf manchen Strecken war die Scuderia sogar schneller. "Wir haben noch einiges in der Pipeline. Ich weiß, was da für nächstes Jahr alles kommt, und das stimmt mich sehr zuversichtlich", sagte Vettel. Wichtig wird für Ferrari sein, die Ruhe wiederzufinden, deren Verlust gerade in der zweiten Hälfte der laufenden Saison für viele Fehler gesorgt hatte.

Fotostrecke

20  Bilder
Vettels Saison: Verfluchte Asienreise

Ob die angebliche Ablösung von Teamchef Maurizio Arrivabene dabei hilfreich wäre, ist die Frage. Vettel stellt sich öffentlich hinter seinen Chef: "Man muss doch nur sehen, wo Ferrari 2014 war und wo wir heute stehen. Maurizio ist der richtige Mann für diesen Job." Und auch Ferrari-Chef Sergio Marchionnne sagte nun, das Team benötige Kontinuität. Zuletzt schien es, Marchionne wolle Technikchef Mattia Binotto befördern. Der ist zwar zweifellos einer der wirklich Guten bei Ferrari, aber in seiner gegenwärtigen Rolle ausgelastet. Gut möglich, dass der Technikbereich unter einer Beförderung leiden würde.

Fotostrecke

18  Bilder
Hamiltons Rennen in Mexiko: Erst Letzter, dann Weltmeister

Auch Red Bull hofft auf 2018. Das Team fährt das letzte Jahr mit Renault-Motoren und sucht nach einem neuen starken Partner - als Titelkandidat fiele das sicher leichter. "Wir haben endlich ein siegfähiges Auto", sagte Teamchef Christian Horner schon in Malaysia - in Mexiko stellte Verstappen das nun unter Beweis. Einen derart holprigen Start wie in die laufende Saison wollen die Bullen im kommenden Jahr vermeiden. "Wir haben genau analysiert, was da falsch gelaufen ist", so Horner. In Verstappen glaubt er, den Fahrer der Zukunft bis 2020 unter Vertrag zu haben. "Max ist in einem Alter, in dem es nicht um das große Geld geht, sondern um Erfolg. Er hat miterlebt, wie hart wir daran arbeiten, um wieder titelfähig zu werden."

Und Mercedes? Der Rennstall hat seine Stärke in diesem Jahr wieder bewiesen und ungeachtet der umfassenden Regeländerung 2016 seinen Konstrukteurstitel erfolgreich verteidigt. Und dazu haben sie in Hamilton einen Jahrhundertfahrer, dem man sogar glaubt, wenn er sagt, er müsse sich "weiterentwickeln, die anderen sitzen mir ja schon im Nacken, gerade jemand wie Max wartet nur darauf, mir den Rang abzulaufen".

Mercedes-Sportchef Toto Wolff hätte nichts gegen so einen Dreikampf, sagt er. "Für die Wertigkeit des Sports wäre das sicher gut", so Wolff. Tatsächlich hat es eine solche Konstellation im Titelkampf lange nicht gegeben. Seit 2010 hat stets ein Team die WM beherrscht, bis 2013 waren das Red Bull und Vettel, die viermal nacheinander die Konstrukteurs- und Fahrertitel holten, seit 2014 bestimmt Mercedes das Geschehen.

Auch die Formel-1-Verantwortlichen von Liberty Media, den neuen Eigentümern der Rennserie, hoffen auf eine derartige Entwicklung: "Wir wollen das Drama. Wir hätten gerne mehr davon. Das macht den Sport in seinem Innersten aus", sagte Geschäftsführer Chase Carey kürzlich. Zwei viermalige Weltmeister und ein 20 Jahre altes Supertalent als neuer Herausforderer - das klingt nach einer passenden Besetzung. Und Hamiltons herbeigesehnter Dreikampf könnte dann wirklich länger dauern als den einen Kilometer bis zur ersten Kurve in Mexiko.

insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mhuz 30.10.2017
1.
Früher hieß es mal, die Fahrer, die nicht nicht mehr um die Weltmeisterschaft fahren können, sollten sich zurückhalten, um die Weltmeisterschaft nicht zu beeinflussen . Im Grunde, hat ja, laut seiner Aussage, Verstappen damit gerechnet, dass die Anderen zwei zurückstecken.
laberbacke08/15 30.10.2017
2.
Hätte, Hätte, Fahrradkette. Aber wer RB nächstes Jahr zu den Favoriten zählt muss auch McLaren mit aufzählen. Die hatten dieses Jahr ein gleichwertiges Chassis und fahren nächstes Jahr den gleichen Motor. Verstappen ist meiner Meinung nach noch nicht reif genug für den Titel aber spannender könnte es nächstes Jahr in der Tat werden.
zoon.politicon 30.10.2017
3. Startprozedur ändern
Wie immer man zur Formel 1 steht, mich nervt, dass sehr viele Rennen beim Start "entschieden" werden, indem sich mehrere Rennwagen gegenseitig beschädigen, abräumen bzw. abschiessen. Die Grenzen zwischen erlaubtem "Rennunfall" und Manöver wie beim Rugby sind dabei fliessend. Vielleicht würde es helfen, wenn man das Rennen einfach hinter dem Safety-Car startet.
Nonvaio01 30.10.2017
4. sehe ich auch so
Zitat von laberbacke08/15Hätte, Hätte, Fahrradkette. Aber wer RB nächstes Jahr zu den Favoriten zählt muss auch McLaren mit aufzählen. Die hatten dieses Jahr ein gleichwertiges Chassis und fahren nächstes Jahr den gleichen Motor. Verstappen ist meiner Meinung nach noch nicht reif genug für den Titel aber spannender könnte es nächstes Jahr in der Tat werden.
was Alonso aus dem teil geholt hat mit schlechtem motor ist nicht schlecht, wenn man nur die qualies mal anschaut, Rennen kannst ja nicht zaehlen. Fuer mich zaehlen die auf jedenfall mit zu den Top 4 im naechsten jahr. Die sollten auch gleich mal die farbe wechseln und nicht nur den Motor....
timm10 31.10.2017
5.
Man könnte aber auch durchaus Ricciardo und Bottas dazuzählen, vielleicht auch Räikkönen. An guten Fahrern mangelt es sicher nicht (Alonso etc.). Es bleibt zu hoffen, dass Mercedes ein Jahr nach den Regländerungen nicht davonzieht, denn davor wurde es ja auch jede Saison deutlicher.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.