Ein Kommentar von Detlef Hacke
Stille ist selten in der Formel 1, diesem lauten Sport. Doch als es nun um die Frage ging, ob der Saisonauftakt im Golfstaat Bahrain wegen der blutigen Unruhen abgesagt werden soll, blieb es ungewöhnlich ruhig. Manchen der Fahrer und Teamvertreter war die Sache sowieso zu politisch, andere wollten lieber abwarten, was passiert. Red-Bull-Teamboss Christian Horner zum Beispiel vertraute darauf, was der Chefvermarkter der Rennserie, Bernie Ecclestone, unternimmt. Ecclestone selber schob die Entscheidung auf den Kronprinzen von Bahrain. Der sagte das Rennen schließlich ab.
Jetzt sind alle sehr, sehr erleichtert.
Es wäre schön gewesen, wenn jemand aus der Formel 1 sich zwischendurch mal getraut hätte, laut zu sagen: Wir haben in Bahrain nichts verloren, weil dort Menschen sterben, die gegen Diskriminierung und für Demokratie auf die Straße gehen. Denn die Proteste werden niedergeschlagen, der Konflikt bleibt ungelöst, es brodelt weiter. Ein Autorennen wäre dort fehl am Platz gewesen.
Man muss kein ausgebildeter Humanist sein, um bereits nach den ersten toten Demonstranten vor einer Woche auf die Idee zu kommen, dass es nichts mehr abzuwägen gibt. Statt dessen sprachen die Vertreter der Formel 1 davon, man warte die Entwicklung ab und achte darauf, ob die Sicherheit gewährleistet sein. Das war der falsche Ansatz. Wie die Machthaber für Sicherheit gesorgt hätten, hatte sich längst gezeigt. Erwogen Konzerne wie Daimler oder Red Bull ernsthaft, ihre Wagen zu Werbezwecken über eine Strecke rasen zu lassen, die von Panzern und Polizisten umzingelt ist?
Niemand aus der Formel 1 hat sich in den Tagen des Aufruhrs öffentlich dafür stark gemacht, das Rennen in Bahrain zu streichen. Natürlich kann kein einzelner Rennfahrer oder Teamchef darüber entscheiden, ob gefahren wird oder nicht, aber so etwas wie eine Haltung zu dem Thema einzunehmen, das wäre nicht allzu kompliziert gewesen. Ecclestone ist sonst nicht bekannt dafür, dass er Entscheidungen über seinen Rennzirkus anderen überlässt - diesmal druckste er herum.
Eigentlich müsste er jetzt eingestehen, dass die Formel 1 zu hemmungslos expandiert. Ecclestone kassiert Millionen von Scheichs, Oligarchen und Einparteienstaaten, leicht ausgehandeltes Startgeld; sie alle zahlen, um sich mit dem Rennzirkus zu schmücken. Inzwischen verdient die Formel 1 mit diesen Startgeldern ungefähr so viel wie an den weltweiten Fernsehrechten, jeweils eine halbe Milliarde Dollar. Und aufstrebende Märkte wie in China oder Indien mit ihren Milliarden an potentiellen Konsumenten sind auch für die Sponsoren höchst attraktiv.
In Bahrain stoßen die Geschäfte an Grenzen. Offen bleibt vorerst, ob das Rennen gegen Ende der Saison nachgeholt wird. Bis dahin wird die Formel 1 darauf achten, wie sich die Lage in dem Golfstaat entwickelt.
Ganz still und leise wird sie das tun.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Formel 1 | RSS |
| alles zum Thema Formel 1 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH