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Formel-1-Pilot Rosberg: Abschied vom braven Nico

Von Karin Sturm

Mercedes-Pilot Rosberg: "Danke für diesen Ratschlag" Zur Großansicht
Getty Images

Mercedes-Pilot Rosberg: "Danke für diesen Ratschlag"

Seit er den Titelkampf in der Formel 1 verloren hat, läuft es bei Nico Rosberg. In Texas wurde er von der Strecke gedrängt, daraufhin hat der Deutsche seinen Stil geändert - er fährt jetzt härter.

Nico Rosberg war so gar nicht begeistert über den Ratschlag von Martin Brundle. Der frühere Formel-1-Pilot interviewte nach dem Großen Preis von Brasilien die drei Podest-Fahrer, Rosberg war nach seinem Sieg am Sonntag als Erster an der Reihe. Und Brundle sagte zu ihm: "Du musst früher in der Saison so fahren, dann könntest du auch um den WM-Titel kämpfen." Rosbergs Antwort: "Danke, da bin ich auch selbst schon drauf gekommen."

Aber warum erst jetzt? Warum zeigt Rosberg solch gute Leistungen wie in São Paulo und Mexiko-Stadt erst am Ende der Saison, wenn die Weltmeisterschaft schon entschieden ist? Und warum nicht schon zu Saisonbeginn oder nach der Sommerpause, als Lewis Hamilton mit seinen Siegesserien die Basis für seinen insgesamt dritten Titelgewinn legte?

Der Deutsche selbst gab wie so häufig eine nebulöse Antwort auf diese Fragen: "Ich habe hart daran gearbeitet, zu verstehen, warum ich dieses Jahr von Anfang an vor allem im Qualifying immer wieder ins Hintertreffen geriet und habe daraus meine Konsequenzen gezogen. Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt ernte ich eben die Früchte dieser Arbeit."

In Brasilien sicherte sich Rosberg mit dem Sieg die Vizeweltmeisterschaft, er ist damit der Beste vom Rest. Wichtiger dürfte für ihn aber die Art sein, wie diese Siege in den beiden vergangenen Rennen zustande kamen. Pole Position, am Start vorne geblieben und dann seinen Teamkollegen Hamilton kontrolliert: Rosberg lieferte zuletzt zwei fehlerfreie Wochenenden ab. Mercedes-F1-Aufsichtsratschef Niki Lauda sagt: "Nico ist genauso schnell wie Lewis - und im Moment sogar ein bisschen besser."

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Rosbergs Sieg: Vize in São Paulo
Aber: Ist Rosberg jetzt wirklich so viel stärker geworden? Oder hat Hamilton ob der entschiedenen WM ein bisschen nachgelassen? Letzteres ist nicht anzunehmen, wenn man weiß, wie ehrgeizig der Brite ist. In Brasilien war ihm der Frust über die Niederlage deutlich anzumerken. Auf dem Kurs in Interlagos, der Heimat seines großen Idols Ayrton Senna, hat Hamilton noch nie gewonnen, ein Sieg hätte ihm daher besonders viel bedeutet.

Es scheint, als habe ein ganz bestimmter Moment beim Rennen im texanischen Austin, wo sich Hamilton den Titel sicherte, etwas in Rosberg ausgelöst. Dort hatte er sich von seinem Teamkollegen in der ersten Kurve unfair von der Strecke gedrängt gefühlt. Seitdem wirkt Rosberg entschlossener denn je. Gewillt, mit der Härte dagegenzuhalten, die Hamilton immer schon gezeigt hat. Rosberg will nicht mehr der Brave sein, der sich an die internen Mercedes-Regeln hält und im Zweifel zurücksteckt.

Er hat seine Herangehensweise offensichtlich geändert ohne viel darüber zu reden. Der 30-Jährige gibt sich als Kämpfer, bleibt aber cool dabei. "Ich werde unsere Beziehung nicht kommentieren. Man kann das doch von außen alles selbst sehen", sagte er schon in Mexiko. "Ich will die letzten Rennen gewinnen und den Lauf mit nach 2016 nehmen."

Rosberg nutzt jedenfalls seine aktuelle Erfolgssträhne, um auch mal mit drastischen Worten in Richtung Hamilton zu schießen. Über dessen Renntaktik lästerte Rosberg in Brasilien: "Ich habe doch nur kurz Druck bekommen, weil er es völlig übertrieben hat. Er wäre nicht einmal annähernd mit zwei Stopps durchgekommen." Hamiltons wilde Angriffe seien im Prinzip sinn- und planlos gewesen: "Er ist dann ja auch so was von abgekackt." Eine Ausdrucksweise, die man vom normalerweise sehr kontrolliert und wohlerzogen auftretenden Rosberg bisher nicht kannte.

Vielleicht ist das aber auch ein Zeichen dafür, dass Rosberg gemerkt hat: Wenn er Hamilton in Zukunft schlagen und Weltmeister werden will, dann muss er sich auch etwas von der Mentalität des Briten aneignen. Von dieser Einstellung: Hier gewinnt nur einer, und das bin ich.

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insgesamt 32 Beiträge
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1. er fährt jetzt härter...
fessi1 16.11.2015
Der Vize. Tat er letztes Jahr auch schon. Als Vize.
2.
pb-sonntag 16.11.2015
Hauptsache ist doch, er hatte diesen Vettel im Griff. Danke Nico dafür. Und im nächsten Jahr eben diesen Hamilton.
3. Knackpunkt
Liechtenstein 16.11.2015
Der Knackpunkt in Rosbergs Karriere war der Unfall 2014 in Spa. Rosberg musste sich auf Druck von Toto Wolff bei Hamilton entschuldigen. http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-nico-rosberg-entschuldigt-sich-fuer-crash-mit-hamilton-in-spa-a-988843.html Rosberg war sicherlich nicht der Meinung Schuld zu sein, musste sich aber entschuldigen. Ich behaupte mal ein Vettel oder Schuhmacher hätte sich nie entschuldigt und hätten sich behauptet.
4. so ein Schmarrn...
hartmannsfeld 16.11.2015
...er gewinnt jetzt weil er darf. wir haben es hier mit einem weiteren ewigen Talent zu tun.
5.
harald_maier 16.11.2015
Rosberg hat Hamilton in den letzten Rennen nicht "kontrolliert", sondern schlicht getan, was Hamilton im Rest der Saison auszeichnete: Am Start die Führung übernehmen (behalten) und den Rest besorgt dann die "Dirty Air". Aktuelle Formel1-Autos sind so konstruiert, daß sie hinter sich derart schlimme Verwirbelungen erzeugen, daß das dahinter fahrende Auto keine ordentlich funktionierende Aerodynamik mehr hat. Die Folge: Geringerer Abtrieb, stärkeres Rutschen, erhöhter Reifenverschleiß plus höhere Temperaturen/schlechtere Kühlung. Da hilft dann auch die "Überholtaste" (DRS-Klappflügelelement) nichts mehr, wenn beide Wagen gleich stark sind. Das klassische Überholen aus dem Windschatten ist seit geraumer Zeit unmöglich. Damit fehlt der Formel1 das klassische Element eines jeden Motorrennsportes. Da müßte man mal ansetzen, wenn die Serie wieder spannend werden soll. So ist es doch nur eine PS-Prozession.
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