F1-Rennen in Silverstone Problemzone hinten links

Bislang bauten die Formel-1-Reifen von Pirelli nur schnell ab, jetzt platzen sie reihenweise. Nach dem Rennen im englischen Silverstone dreht sich mal wieder alles nur um die Pneus. Red Bull und Ferrari haben einen besonders listigen Vorschlag, wie man Pirelli helfen kann.

AFP

Aus Silverstone berichtet


Der Große Preis von Großbritannien war noch nicht lange beendet, da hatte Jean Todt großen Gesprächsbedarf. Der Präsident des Motorsport-Weltverbandes Fia bat nach dem Rennen Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery zum Rapport. Aus gutem Grund: Was der Franzose kurz zuvor gesehen hatte, konnte ihm nicht gefallen haben.

In den 52 Runden, die das Feld in Silverstone zu absolvieren hatte, platzte bei vier Autos in voller Fahrt jeweils der linke Hinterreifen. Zuerst am Mercedes von Lewis Hamilton, dann beim Ferrari von Felipe Massa, wenig später beim Toro Rosso des Franzosen Jean-Eric Vergne, schließlich beim McLaren-Piloten Sergio Pérez. Todts drängendste Frage: Warum bitteschön immer der linke Hinterreifen? Hembery hatte keine Ahnung und verwies auf die Daten, die nun ausgewertet werden müssten.

Experten haben auch ohne diese Daten schon eine Vermutung, warum den Fahrern auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von England die Reifenteile um die Ohren flogen. "Es kann sein", sagte etwa Red-Bull-Technikchef Adrian Newey, "dass hier das gleiche Problem vorliegt, das Michelin 2005 in Indianapolis hatte und wir mit Pirelli schon einmal in Spa."

Michelin musste damals beim Grand Prix der USA aus Sicherheitsgründen alle Autos zurückziehen, die der Hersteller belieferte, weil die Reifen nicht den Belastungen standhielten, welche die leicht erhöhte Steilkurve vor der Zielgeraden in Indianapolis den Pneus abverlangte. Red Bull vermutete zudem in Spa vor zwei Jahren, dass die Fliehkräfte für die Pirelli-Reifen damals zu hoch waren.

Reifen war für die Strecke in Silverstone zu schlecht

Ein anderer Experte, der namentlich nicht zitiert werden will, brachte die Sache noch deutlicher auf den Punkt: "Das Produkt, das Pirelli für Silverstone geliefert hat, war einfach nicht gut genug. Die Fliehkräfte waren zu groß. Gerade der linke Hinterreifen wird in Silverstone bei den vielen ultraschnellen Rechtskurven am meisten belastet. Deshalb ist es klar, dass jeweils dieser kaputt gehen würde."

Erst am Abend nahm Hembery offiziell Stellung: "Wir nehmen die Sache sehr ernst und werden die Reifenschäden, die wir in dieser Form noch nie zuvor gesehen haben, genau untersuchen. Das soll noch vor dem Großen Preis von Deutschland nächsten Sonntag passieren." Die Fia hat auch schon erste Maßnahmen getroffen. Bei einer Sitzung am Mittwoch vor dem Rennen am Nürburgring soll Pirelli Stellung beziehen.

Red Bull und Ferrari schlagen dreitägige Tests vor

Ideen kommen auch schon von den Teams, wie man Pirelli bei der Suche nach mehr Sicherheit helfen kann. Red-Bull-Teamchef Christian Horner und sein Ferrari-Kollege Stefano Domenicali schlagen vor, den dreitägigen sogenannten "Young Driver Tests", der in der Woche nach dem Rennen in Deutschland stattfinden wird, jetzt mit den jeweiligen Stammfahrern zu besetzen und unter Rennbedingungen durchzuführen.

Horners Argument: "Die Reifenschäden passierten schließlich in Silverstone. Da wäre es doch logisch, aus Sicherheitsgründen die Belastungen des Rennens wieder zu simulieren." Domenicali ergänzt: "Und nur mit den Einsatzpiloten könntest du die Kräfte simulieren, die hier einwirken. Ein junger Pilot, der erst noch lernen muss, kann die Autos und damit auch nicht die Reifen zum Limit treiben."

Natürlich hat dieser Vorschlag noch einen anderen Hintergrund. Der angebliche Vorteil, den Mercedes durch die umstrittene Testfahrtaffäre gewonnen hätte, wäre dahin. Mercedes wurde als Strafe schließlich für diese Tests von den Young-Driver-Days ausgeschlossen.

Mercedes würde diesen Deal unter gewissen Umständen auch akzeptieren. "Wenn es ein reiner Reifentest bleibt", sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Soll heißen: Die Testfahrten sollten nicht dazu genutzt werden, nebenbei Weiterentwicklung an den Autos zu betreiben. Genau das hatten die Teams Mercedes vorgeworfen.

Red-Bull-Mann Newey sagte SPIEGEL ONLINE: "Wenn du mit zwei Stammpiloten 1000 Kilometer fährst und schon vorher genau weißt, welche Probleme du mit den Reifen hast, kannst du diese in dieser Zeit lösen. Bei Mercedes wurden, simpel ausgedrückt, die Hinterreifen immer zu heiß und bauten deshalb extrem ab. Dieses Problem haben sie gelöst, das hat man beim Rennen in Silverstone gesehen."

Beleg: Mercedes-Pilot Nico Rosberg gewann, sein Teamkollege Hamilton lag in Führung. Dass dem Engländer der Reifen platzte, war nicht mehr die Schuld von Mercedes, sondern wohl Pirellis.

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insgesamt 46 Beiträge
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affenkopp 30.06.2013
1. Hauptsache die Fahrer sind unschuldig
Soso es ist mal wieder die Schuld von Pirelli. Der linke Hinterreifen bei fast allen zeigte Schnittspuren, besonders bei den Fahrern die bekannt dafür sind permanent über die Curbs zujagen und damit eigentlich die Strecke zu verlassen. Aber wen interessieren hat noch Streckenbegrenzungen
david-39 30.06.2013
2. optional
Man könnte auch einfach Reifen bereitstellen, die es den Fahrern erlauben, so schnell zu fahren wie sie und die Technik es können. Der Bernie ist doch reich genug, da könnte man doch mal anfangen statt der Werbefuzzis die Ingenieure die Regeln machen zu lassen. ... Bin mal aug die 1.5 V6 Turbos gespannt...
biogeo 30.06.2013
3. Es lag an der Kurve
Kein Wort darüber, dass die Reifen immer nach befahren zweier bestimmter Kurven platzten. Kein Wort, dass die Reifen deutliche Schnittspuren aufzeigten. Das sind die Infos die jeder RTL Zuschauer erhielt. Und die klingen wesentlich realistischer als ein fehlerhaftes Produkt des Reifenherstellers. Klar kann es sein, dass die Reifen fehlerhaft waren , und deshalb in diesen bestimmten Kursen den entscheidenden Schaden nahmen. Davon fehlt im Artikel aber jede Spur. Schade
Ruler 30.06.2013
4. Pirelli sagt:
Power is nothing without control! Na dann.
spon-facebook-10000338717 30.06.2013
5. Warum nur diese Pirelli
Wenn man die Gefahren sieht, kann man nur von Glück sprechen, dass niemand etwas passiert ist. Nehmt doch einfach erfahrene Reifenhersteller. Schrott gehört nicht zur Formel 1.
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