F1-Pilot Ricciardo: Vettels neuer Adjutant

Von Ralf Bach und Birger Hamann

F1-Pilot Ricciardo: Neuer Jung-Bulle Fotos
AFP

Daniel Ricciardo wird neuer Red-Bull-Pilot, und alle sind glücklich. Der Australier, weil er diese einmalige Chance bekommt. Der Rennstall, weil der Neue dem eigenen Nachwuchsprogramm entstammt. Vor allem aber Sebastian Vettel.

Sebastian Vettel macht keine Probleme, denn Vettel ist einfach auszusprechen, in jeder Sprache. Vettel. Wie aber ist das jetzt mit Daniel Ricciardo? "Ritschiardo", klärt der Sohn eines Italieners und einer Australierein auf. Der Junge wuchs in Australien auf, dort taten sie sich mit der italienischen Aussprache etwas schwer. "Rikkiardo ist für meine Leute zu Hause einfacher auszusprechen", sagt er.

Damit ist diese Angelegenheit schon mal geklärt, was nicht ganz unwichtig ist, denn der Name Ricciardo wird in Zukunft häufiger auftauchen im Fahrerlager, in den Medien, überall. Denn Ricciardo bekommt das derzeit begehrteste Cockpit in der Formel 1: Er wird in der kommenden Saison Teamkollege von Sebastian Vettel bei Red Bull.

"Das sind großartige Neuigkeiten für mich, ein spannender Moment in meiner Karriere", sagte der 24-Jährige, nachdem der Rennstall die Personalie verkündet hatte. Wer aber ist dieser australische Nobody, der seinem Landsmann Mark Webber folgt?

"Er ist einer der talentiertesten Piloten", sagte Collin Kolles, sein erster Teamchef bei HRT, der "Welt am Sonntag" und ergänzte: "Seine Fahrweise ist vergleichbar mit der vom jungen Fernando Alonso und der von Ayrton Senna." Es gibt Fahrer, die wurden schon mit weniger Vorschusslorbeeren bedacht.

Immer gut gelaunt durchs Fahrerlager

Fest steht: Ricciardo ist tatsächlich ein großes Talent. In der Saison 2011 gab er sein Formel-1-Debüt für HRT, ein Jahr später wechselte er zu Toro Rosso, dem Nachwuchs-Team von Red Bull. Dort zeigte er im unterlegenen Auto gute Leistungen, bei Tests mit dem Red Bull überzeugte er die Bosse von seinem Können.

Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost sagt über Ricciardo: "Daniels Stärke liegt im technischen Bereich. Sein Feedback an die Ingenieure ist sehr gut. Das hilft uns immens bei der Weiterentwicklung des Autos und ist ein ganz wichtiges Kriterium für den Aufstieg."

Ricciardos Markenzeichen ist seine offenbar ständig gute Laune. Im Fahrerlager sieht man ihn dauergrinsend herumlaufen, gerne in kurzen Hosen und Badeschlappen, er ist immer höflich. "Wir Australier sind meistens freundliche Menschen, damit wachsen wir auf", ist Ricciardos simple Erklärung. Und seine gute Laune dürfte mit der Beförderung noch besser geworden sein.

Dabei kommt die Personalie alles andere als überraschend, trotz aller Gerüchte, die es um Kimi Räikkönen bei Red Bull gegeben hatte. Ricciardo ist die logische Lösung, weil es mit ihr fast nur Gewinner gibt.

Vettels Status als Nummer eins zementiert

Zunächst natürlich den Australier selbst, weil er sich jetzt im derzeit besten Rennstall der Formel 1 beweisen kann. Und seine Verpflichtung zementiert Vettels Status als Nummer eins des Teams. Zwar betont Red-Bull-Motorsportdirektor Helmut Marko: "Es gibt keine Stallorder. Sie haben den gleichen Status, das gleiche Material. Der Bessere wird gewinnen." Aber natürlich ist Vettel teamintern der Boss und braucht im eigenen Stall keine Konkurrenz zu fürchten.

Genau dies wäre bei einer Verpflichtung von Räikkönen nicht gesichert gewesen. Der Finne gilt neben Vettel, Alonso und McLaren-Pilot Jenson Button als bester Fahrer des aktuellen Feldes. Räikkönen hätte Vettel auf der Strecke - und damit im Kampf um den WM-Titel - ernsthaft gefährlich werden können. Teamorder interessieren den Finnen nicht, er macht, was er will und ist im Zweifel unkontrollierbar. Zwar hatten Vettel und Räikkönen stets betont, ein freundschaftliches Verhältnis zu pflegen. Allerdings weiß niemand, wie belastbar diese Beziehung wäre, sollte es um Siege und WM-Punkte gehen.

Red Bull hat nach dem jahrelangen Stunk zwischen Vettel und Webber zudem endlich Ruhe im Team. Und der Rennstall dokumentiert mit diesem Schritt, wie gut das eigene Nachwuchsprogramm funktioniert. Schon Vettel absolvierte seine Lehrjahre bei Toro Rosso, ehe er zur Saison 2009 zu Red Bull stieß. In seinem ersten Jahr wurde er auf Anhieb Vize-Weltmeister, anschließend gewann er dreimal in Folge den Titel. Mit Ricciardo soll diese Förderung der eigenen Talente fortgesetzt werden.

Und auch Toro-Rosso-Teamchef Tost darf sich als Gewinner fühlen, weil er wieder einen jungen Fahrer gefördert und weitergebracht hat. "Ich habe dann einen perfekten Job gemacht, wenn wieder mal ein Toro-Rosso-Pilot bei Red Bull ein Cockpit bekommen hat", lautete stets seine Maxime. Und der Österreicher hat auch noch einen Rat für Ricciardo parat: "Im Cockpit kann er ruhig noch etwas aggressiver werden."

Zu aggressive Australier mögen sie bei Red Bull allerdings nicht. Aber das wird Ricciardo sicher schnell lernen.

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1. Sicher NICHT
Methusalixchen 03.09.2013
... denn das "i" nach dem Doppel-c zeigt einzig und allein an, daß das Doppel-c wie "tsch" gesprochen wird aber selbst nicht artikuliert. Sie sagen doch auch nich "Tschiao", sondern "Tschao" ... Der junge Mann heiß "Ritschardo".
2. Eine mehr als kluge Entscheidung von Red Bull - würde Niki Lauda sagen
Eppelein von Gailingen 03.09.2013
Es gilt Ruhe im Team bewahren, was mit Mark Webber nicht immer gegeben war. So wie Schumi bei Ferrari mit dem motzenden Rubens Barichello, der auch Weltmeister werden wollte. Wer kann es ihm und Mark Webber verübeln, die vielleicht das Zeug dazu gehabt hätten. Die Umstände hatten sie zum falschen Zeitpunkt als Zuträger eingestuft, die sie nie sein wollten. Unzufriedenheit bedeutet Zoff, den niemand in der F-1 brauchen kann. Alpha werden soll schwer sein, Alpha sein dagegen sehr. Die Wahrheit ist entlehnt! Formel 1: Daniel Ricciardo wird neuer Teamkollege von Vettel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-daniel-ricciardo-wird-neuer-teamkollege-von-vettel-a-920112.html)
3.
war:head 03.09.2013
Zitat von Methusalixchen... denn das "i" nach dem Doppel-c zeigt einzig und allein an, daß das Doppel-c wie "tsch" gesprochen wird aber selbst nicht artikuliert. Sie sagen doch auch nich "Tschiao", sondern "Tschao" ... Der junge Mann heiß "Ritschardo".
Hatte mich im Artikel auch gewundert. Nicht, dass ich italienisch beherrschen würde, aber es wurde mehrfach in anderen Medien übermittelt, dass Ricciardo seinen Namen Riccardo (mit 'ck', der Einfacheit halber) ausgesprochen wissen möchte.
4. 2014
bundestag 03.09.2013
Zitat von sysopDaniel Ricciardo wird neuer Red-Bull-Pilot, und alle sind glücklich. Der Australier, weil er diese einmalige Chance bekommt. Der Rennstall, weil der Neue dem eigenen Nachwuchsprogramm entstammt. Vor allem aber Sebastian Vettel. Formel 1: Daniel Ricciardo wird neuer Teamkollege von Vettel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-daniel-ricciardo-wird-neuer-teamkollege-von-vettel-a-920112.html)
Diese Entscheidung ist die einzig nachvollziehbare. Wäre Raikkönen, geschweige denn Alonso gekommen, wäre das noch gerade so vorhandene Mächtegleichgewicht in der Formel 1 aus dem Wanken geraten. In den fünf Top-Teams Red Bull, Ferrari, Mercedes, Lotus, Mclaren gibt es jeweils eine klar positionierte Nummer 1. Außer bei Mercedes ist es vielleicht sehr schwer zu sagen. Hamilton und Rosberg sind in etwa gleich gut. Doch 2014 wird sich trotz noch so starker Fahrer das ganze Feld umkrempeln. Durch den neuen V6-Motor wird die Aerodynamik der Autos komplett verändert. Mercedes wird schon jetzt als Favorit für 2014 gehandelt. Red Bull als zukünftiges Infinit-Team, inoffiziell Renault-Kundenteam wird es trotz Ricciardo und Vettel sehr schwer haben die Dominanz der vergangenen Jahre zu halten.
5. Einspruch!
vicarius70 03.09.2013
"Der Finne gilt neben Vettel, Alonso und McLaren-Pilot Jenson Button als bester Fahrer des aktuellen Feldes." Button? Wahrlich kein schlechter Fahrer, aber wenn es um die Top 4 geht, steht ein Hamilton definitiv über Button.
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Formel 1: Rennkalender 2013
Rennen Datum Großer Preis von (Ort)
1 17.03. Australien (Melbourne)
2 24.03. Malaysia (Sepang)
3 14.04. China (Shanghai)
4 21.04. Bahrain (Manama)
5 12.05. Spanien (Barcelona)
6 26.05. Monaco (Monte Carlo)
7 09.06. Kanada (Montreal)
8 30.06. Großbritannien (Silverstone)
9 07.07. Deutschland (Nürburgring)
10 28.07. Ungarn (Budapest)
11 25.08. Belgien (Spa-Francorchamps)
12 08.09. Italien (Monza)
13 22.09. Singapur (Singapur)
14 06.10. Südkorea (Yeongam)
15 13.10. Japan (Suzuka)
16 27.10. Indien (Neu Delhi)
17 03.11. Abu Dhabi (Abu Dhabi)
18 17.11. USA (Austin)
19 24.11. Brasilien (São Paulo)
Formel 1: Teams und Fahrer 2013
Team Fahrer 1 Fahrer 2
Red Bull Sebastian Vettel Mark Webber
Ferrari Fernando Alonso Felipe Massa
McLaren Jenson Button Sergio Pérez
Lotus Kimi Räikkönen Romain Grosjean
Mercedes Nico Rosberg Lewis Hamilton
Sauber Nico Hülkenberg Esteban Gutiérrez
Force India Paul di Resta Adrian Sutil
Williams Pastor Maldonado Valtteri Bottas
Toro Rosso Daniel Ricciardo Jean-Eric Vergne
Caterham Charles Pic Giedo van der Garde
Marussia Max Chilton Jules Bianchi