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Formel-1-Krise: Das Prinzip Ecclestone ist am Ende

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Getty Images

Formel-1-Boss Ecclestone: Der Verteilungsschlüssel ist reine Willkür

Viel Geld für die großen Teams, wenig für die kleinen: So hat Bernie Ecclestone die Formel 1 zur größten Rennsportserie der Welt gemacht - und sich selbst zum Multi-Milliardär. Doch genau das hat die Königsklasse des Motorsports in ihre größte Krise geführt.

Das Ende dieser Formel-1-Saison war ganz nach dem Geschmack von Bernie Ecclestone. Spannend war das Finale, weil es beim letzten Rennen des Jahres in Abu Dhabi einmalig doppelte Punktzahl gab. Diese kuriose Idee stammt von Ecclestone. Noch wichtiger für den Engländer aber ist der Ausgang des Titelrennens, in dem sich Lewis Hamilton gegen Nico Rosberg durchsetzte.

"Die meisten kennen Nico nicht. Deshalb wäre Lewis für den Sport der bessere Weltmeister", hatte Ecclestone schon vor dem Wochenende gesagt. Seine Rennsportserie lässt sich mit einem globalen Helden wie Hamilton besser vermarkten. Und nichts ist dem 84-Jährigen wichtiger, als mit der Formel 1 Geld zu verdienen.

Man kann das gut finden oder nicht, aber so läuft es im Profisport: Jeder will so viel Geld wie möglich anhäufen. Und mit seiner Gewinnmaximierung hat Ecclestone sich selbst ja nicht nur zum Multi-Milliardär gemacht, sondern die Formel 1 von einer verstaubten europäischen Rennserie zu dem, was sie heute ist: die Königsklasse des Motorsports.

40 Jahre nach seinem Einstieg ist Ecclestone aber jetzt auf dem besten Weg, die Formel 1 an die Wand zu fahren.

Zwei Teams, Marussia und Caterham, sind pleite und können sich die Formel 1 nicht mehr leisten. Das ist es, was nach dieser Saison hängen bleibt. Nicht der Weltmeister Hamilton, das war keine Überraschung. Auch der Wechsel von Sebastian Vettel zu Ferrari wird nicht in erster Linie für das Jahr Formel-1-Jahr 2014 stehen. Dafür aber das finanzielle Ungleichgewicht zwischen den Teams, das noch nie so groß war wie derzeit. Dabei ist das Geld da, das Problem ist die Verteilung.

Ecclestones Verteilungsschlüssel ist reine Willkür

Pro Jahr erwirtschaftet die Formel 1 ein Plus von 1,4 Milliarden (!) Euro. Davon streichen die Investoren, Ecclestone und alle anderen, die am komplizierten Vermarktungsgeflecht beteiligt sind, rund 600 Millionen Euro ein. Bleiben 800 Millionen Euro. Genug Geld für die elf bis zwölf Teams pro Saison, sollte man meinen. Nur nicht, wenn etwa Ferrari und Red Bull bis zu zweihundert Millionen bekommen, Marussia und Caterham aber keine zehn Millionen. Der Verteilungsschlüssel ist reine Willkür.

Viel Geld für die großen Teams, wenig für die kleinen: Das ist Ecclestones Prinzip seit Jahrzehnten. Damit konnten sich große Teams wie McLaren oder Williams etablieren, von denen die Strahlkraft der Formel 1 ausging. Dabei blieben einige wenige finanzschwache Rennställe zwar auf der Strecke, andere aber rückten regelmäßig nach. So lief das zumindest früher, als Millionäre sich das Hobby Formel 1 noch leisten konnten. Aber das klappt nicht mehr.

Wer als Formel-1-Team überleben möchte, muss ein Budget von 100 Millionen Euro zusammenbekommen, Minimum. Allein die neuen Motoren schlagen mit mehr als 20 Millionen Euro zu Buche. Weil nur die großen Teams ihr Budget zu einem guten Teil über Ecclestones Prämien gegenfinanzieren können, sind die anderen auf Sponsorengelder angewiesen. Diese fallen aber nicht so üppig aus wie bei Mercedes und Co., weil der sportliche Erfolg nicht derselbe ist - für viele Rennställe eine nicht aufzuhaltende Abwärtsspirale.

Mittlerweile ist die Formel 1 so teuer geworden, dass selbst etablierte Teams im Mittelfeld kurz vor dem Exitus stehen. Sauber, Lotus, Force India - sie alle haben große finanzielle Schwierigkeiten. Deswegen haben Vertreter dieser drei Teams am Finalwochenende noch einmal bei Ecclestoe interveniert. Toro Rosso kann nur überleben, weil es das Ausbildungs-Team von Red Bull ist und vom Brause-Imperium mitfinanziert wird. Bleiben McLaren, Red Bull, Mercedes und Ferrari.

Mit vier bis fünf Teams kann man auf Dauer aber keine Rennserie am Leben erhalten, weil sich dann irgendwann niemand mehr für sie interessiert.

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insgesamt 42 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ähnlichkeiten zur FIFA
konstrukteur 23.11.2014
Ecclestone gehört genauso weg wie der Blatter , Geld- und Machtgeile Egoistenrentner
2. viel glück für bernies erben mit den steuern.
avontuur 23.11.2014
danke sagt ein curlingfan!
3.
metbaer 23.11.2014
Vielleicht sollte man sich mehr am US Sport und deren Collective Bargaining Agreements orientieren. Schafft Augenhöhe und sichert den 'Kleinen' die Existenz. Dafür müssten die Großen zwar ein bisschen was vom Kuchen abgeben, aber so wie aktuell geht es nicht weiter - und macht auch keinen Spaß.
4. Ist ja alles gut und schön...
murun 23.11.2014
Sicherlich ist Ecclestones Gebahren und Verhalten alles andere als schön, aber daraus wie manche Mitforisten zu schließen, dass Rosberg als der Unbekanntere der Mercedesfahrer zum Verlieren verdammt wurde, grenzt schon an Verschwörungstheorien...Der beste Fahrer aus den elitär behandelten Rennställen hat gewonnen, umsonst ist er dort auch nicht angestellt.
5. Das Ende ...
rolandjulius 23.11.2014
Erwartet jeden feudalen Kapitalisten ohne Skrupel.
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Fotostrecke
Formel-1-Fahrer 2014: Fünf Weltmeister, drei Neue und "Disco Dan"
Formel 1: Rennkalender 2014
Rennen Datum Großer Preis von (Ort)
1 16.03. Australien (Melbourne)
2 30.03. Malaysia (Sepang)
3 06.04. Bahrain (Manama)
4 20.04. China (Shanghai)
5 11.05. Spanien (Barcelona)
6 25.05. Monaco (Monte Carlo)
7 08.06. Kanada (Montreal)
8 22.06. Österreich (Spielberg)
9 06.07. Großbritannien (Silverstone)
10 20.07. Deutschland (Hockenheimring)
11 27.07. Ungarn (Budapest)
12 24.08. Belgien (Spa-Francorchamps)
13 07.09. Italien (Monza)
14 21.09. Singapur (Singapur)
15 05.10. Japan (Suzuka)
16 12.10. Russland (Sotschi)
17 02.11. USA (Austin)
18 09.11. Brasilien (São Paulo)
19 23.11. Abu Dhabi (Abu Dhabi)

Formel-1-Saison 2014: Die wichtigsten Änderungen
Motor
Die Ära der Saugmotoren ist vorbei. Statt der 2,4-Liter-Triebwerke mit acht Zylindern stecken nun 1,6-Liter-Turbomaschinen mit sechs Zylindern unter der Fahrzeugabdeckung. Pro Saison darf ein Fahrer nur fünf Motoren einsetzen, bisher waren es acht. Ab dem sechsten Motor muss er aus der Boxengasse starten.
Hybridsystem
Das Hybridsystem ERS (Energy Recovery System) liefert pro Runde zusätzlich 160 PS für 33,3 Sekunden. Die beiden Elektromotoren speisen sich aus der Wärmeenergie des Abgasstrahls sowie kinetischer Energie des Bremsvorgangs.
Spritlimit
Erlaubt sind für jedes Rennen nur noch 100 statt bislang 150 Kilogramm Sprit. Die Folge ist, dass die Fahrer verbrauchsschonender fahren müssen. Wer nur auf dem Gaspedal steht, wird das Ziel nicht erreichen.
Fahrzeugnase
Sie wurde drastisch abgesenkt. Zuletzt war eine Maximalhöhe von 55 Zentimetern erlaubt. Nun sind es nur noch 18,5 Zentimeter von der Spitze der Rennwagen zum Boden. Die Nasen liegen damit unwesentlich höher als der Frontflügel. Der Grund für die Änderung: Durch die noch tiefer liegende Wagenspitze soll bei Kollisionen die Gefahr weiter gemindert werden, dass andere Piloten von ihr getroffen werden.
Frontflügel
Er ist schmaler geworden. Statt 1,80 Metern beträgt die erlaubte Maximalbreite 1,65 Meter. Auswirkung hat das auf die sogenannten Endplatten, die für die Luftführung vor den Vorderreifen wichtig sind.
Heckflügel
Das untere Heckflügel-Element, der sogenannte Beamwing, ist nicht mehr erlaubt. Für die Ingenieure besteht auch hier die Herausforderung darin, den dadurch verlorenen Abtrieb zu kompensieren.
Auspuff
Nur noch ein Endrohr ist erlaubt. Bislang wurden die Abgase über zwei seitliche Kanäle abgeleitet und so auf das Heck geführt, dass auch dadurch weiterer Abtrieb erreicht wurde, sprich: eine bessere Straßenlage. Das neue Endrohr muss mittig angebracht sein.
Startnummern
Erstmals tragen die Piloten nicht mehr die Startnummern nach der Abschlussrangliste der vorhergehenden Saison. Nur die 1 ist weiter dem Titelverteidiger vorbehalten, ansonsten durften sich die Piloten ihre Startnummer aussuchen. Zur Wahl standen Zahlen von 2 bis 99.
Strafen
Es gibt nun Strafpunkte für bestimmte Vergehen. Diese werden in einem Jahr zusammengerechnet, ähnlich wie bei der Verkehrssünderkartei in Flensburg. Kommt ein Fahrer auf zwölf Punkte, muss er ein Rennen pausieren. Eine Verwarnung, beispielsweise wegen des Überfahrens einer durchgezogenen Linie, hat einen Punkt zur Folge. Eine Durchfahrtsstrafe zieht zwei Punkte nach sich. Wird ein Pilot beim Qualifying von einem Gegner extrem behindert, muss der Übeltäter nicht nur fünf Plätze in der Startaufstellung nach hinten, sondern bekommt auch drei Punkte. Eine Rückstufung von zehn Startplätzen (zum Beispiel als Schuldiger einer Kollision) bedeutet fünf Strafpunkte. Zudem können die Rennkommissare 2014 schon für kleinere Vergehen wie Verlassen der Fahrlinie Fünf-Sekunden-Strafen aussprechen.
WM-Punkte
Wie in den vergangenen Jahren bekommen die zehn besten Fahrer des Rennens Punkte, der Sieger erhält 25. Neu ist, dass es beim letzten der 19 Rennen in Abu Dhabi die doppelte Punktzahl gibt. Der Sieger erhält dann 50 Zähler, der Zweite 36 statt 18, und für Platz zehn gibt es anstatt eines Punktes dann zwei Zähler.
Die neue "Power Unit"

Fotostrecke
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Formel 1: Teams und Fahrer 2014
Team Fahrer 1 Fahrer 2
Red Bull Sebastian Vettel Daniel Ricciardo
Ferrari Kimi Räikkönen Fernando Alonso
Mercedes Nico Rosberg Lewis Hamilton
Lotus Romain Grosjean Pastor Maldonado
McLaren Jenson Button Kevin Magnussen
Sauber Adrian Sutil Esteban Gutiérrez
Force India Nico Hülkenberg Sergio Pérez
Toro Rosso Jean-Eric Vergne Daniil Kwjat
Williams Felipe Massa Valtteri Bottas
Caterham Marcus Ericsson Kamui Kobayashi
Marussia Max Chilton Jules Bianchi

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