Insolvenzen und Finanzprobleme Die Pleiten-Formel

In der Formel 1 läuft etwas schief. Zwei Teams sind pleite, weitere haben massive Geldsorgen. Nur den großen Rennställen geht es gut, sie könnten schon bald mit drei Autos an den Start gehen - was die Lage noch prekärer machen würde.

Formel-1-Boss Ecclestone: Die großen Teams bekommen am meisten ab
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Formel-1-Boss Ecclestone: Die großen Teams bekommen am meisten ab

Von Karin Sturm


Es war nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer Insolvenz kommen würde. Dass aber gleich zwei Teams pleite sind, trifft die Formel 1 hart. Wenn am Wochenende in Austin der Große Preis der USA gestartet wird, gehen nur 18 Autos ins Rennen. So wenige waren es zuletzt 2005 in Monaco, damals wegen einer Sperre gegen das BAR-Team. Die Angelegenheit jetzt ist aber deutlich ernster.

Caterham und Marussia fehlen in den USA, die beiden Teams stehen unter der Aufsicht von Insolvenzverwaltern. "Es ist besorgniserregend, zu sehen, dass es Teams nicht bis zum Ende des Jahres schaffen", sagt Weltmeister Sebastian Vettel.

Dass die kleineren Teams massive Finanzprobleme haben, ist grundsätzlich nichts Neues. Allerdings beschränken sich die Geldprobleme in der Formel 1 im Gegensatz zu früher längst nicht mehr nur auf das Hinterfeld, auch die meisten Mittelfeld-Teams haben massive Finanzsorgen.

Der traditionsreiche Williams-Rennstall meldete zuletzt einen Jahresverlust von 20 Millionen Euro. Lotus und Sauber sollen nur mit Mühe den Betrieb aufrechterhalten können. Und Force India bezahlte erst kurz vor Austin die schon lange ausstehende letzte Rate an Mercedes für die Motoren. Ansonsten hätte der indische Rennstall mangels neuer Triebwerke gar nicht in den USA antreten können.

Viele gefährdete Teams haben Alarm geschlagen

Dabei haben viele dieser gefährdeten Teams bei Jean Todt, Präsident des Automobilweltverbandes Fia, längst Alarm geschlagen. In einem Schreiben hatten sie dem Franzosen dargelegt, wie hoch heute schon die Basiskosten sind. Unter einem Budget von 120 Millionen Dollar pro Saison ist ein Überleben nicht möglich - und da sind Fahrergehälter, Mieten, Kosten für PR- und Medienarbeit sowie die Motorhomes an den Strecken noch gar nicht mit eingerechnet.

Allein die neuen Motoren schlagen mit 28 Millionen Dollar zu Buche. Das ist mehr als das Doppelte der früheren Kosten. 20 Millionen Dollar gehen für die Chassis drauf, 18,5 Millionen für den Windkanal sowie Simulations- und Entwicklungsprogramme. Die Kosten für die Gehälter liegen selbst bei kleineren Belegschaften von etwa 250 bis 300 Mitarbeitern bei 20 Millionen Dollar, die jährlichen Reisekosten betragen 12 Millionen Dollar, um nur die größten Posten zu nennen.

Eine Kostenbremse, die immer wieder gefordert wird und die Todt eigentlich auch einführen wollte, scheiterte bislang, weil sich die großen, reichen Teams mit Rückendeckung von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone dagegen ausgesprochen haben. Denn die Verträge von Ecclestone mit den Teams sichern den großen Rennställen auch den größten Teil der Prämien. Also genau denjenigen, die sich mit ihrer Macht erfolgreich gegen Kostenbeschränkungen aussprechen, um mit einem Saison-Budget von 250 Millionen Dollar und mehr ganz vorne mitfahren zu können.

"Es ist kein fairer Wettbewerb mehr"

Im Gegensatz zu den großen Teams können die mittleren maximal die Hälfte ihres Budgets mit Hilfe der Prämien decken, bei den kleinen Rennställen ist es noch weniger. Die Etatlücken durch Sponsorengelder zu stopfen ist schwierig, schließlich wenden sich potentielle Werbepartner lieber den erfolgreichen Teams zu. Eine Abwärtsspirale, die Caterham und Marussia nun in die Insolvenz getrieben hat. "Es ist kein fairer Wettbewerb mehr", sagt der ehemalige Fia-Präsident Max Mosley.

Dass die Formel 1 wegen der Pleiten zweier Teams viele negative Schlagzeilen bekommt, scheint Ecclestone kaum zu stören. Schon mehr als einmal hat der Engländer klar gemacht, dass ihm weniger Teams, die dann mit je drei Autos "alle konkurrenzfähiger sind" lieber wären. Und dieses Szenario könnte schon bald eintreten.

Dass sich Caterham und Marussia noch einmal konsolidieren und in der kommenden Saison wieder an den Start gehen - daran glaubt kaum jemand in der Formel 1. Und neue Teams stehen nicht parat. Das seriös wirkende Projekt des im US-Rennsport erfahrenen Gene Haas ist erst auf 2016 ausgelegt, dann will er in die Formel 1 einsteigen. Von dem rumänischen Team "Forza Rossa", das im Frühjahr 2014 von der Fia ebenfalls eine Lizenz bekam und damals verkündete, schon 2015 an den Start gehen zu wollen, hat man seit Monaten nichts mehr gehört.

Sollten weniger als zehn Teams für die kommende Saison melden, wären nach derzeitigen Vereinbarungen Red Bull, Ferrari und McLaren dazu verpflichtet, mit einem dritten Auto an den Start zu gehen. Wobei McLaren diese Verpflichtung eventuell an Mercedes abtreten würde. Ob diese dritten Autos aber volle Punkte bekommen würden und welche Fahrer eingesetzt werden dürfen, ist noch weitgehend ungeklärt.

In jedem Fall würden ein dritter Red Bull, ein dritter Ferrari und ein dritter Mercedes oder McLaren den anderen Teams das Überleben noch schwieriger machen. Denn drei Autos bei den Top-Teams würde bedeuten, "dass die Chancen für die Rennställe im Mittelfeld, regelmäßig in die Punkte zu fahren und damit für Sponsoren attraktiv zu sein, noch viel geringer werden", sagt etwa Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn: "Die Gefahr, dass diese Teams dann auch wegbrechen, wird damit noch größer."

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insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
lieber_incognito 31.10.2014
1.
Meinetwegen kann die ganze korrupte Formel 1 den Bach runtergehen. Braucht kein Mensch. Vor allem nicht unter diesem Ecklestone. Motorsport.. zwei Wortteile, die sich ohnehin schon ganz grundsätzlich widersprechen.
gdonat 01.11.2014
2. Figuredropping
Hauptsache, es werden viele Millionenzahlen in den Raum geworfen. Dass sich prinzipiell nicht jeder jede Sportart leisten kann, ist eine Binsenweisheit. Dann können eben einige Marken/Markennamen nicht an der großen PR-Sause teilnehmen. Mitleid weckt das bei mir nun nicht gerade.
meckeronkel 01.11.2014
3. Soll sie doch pleitegehen
Rennspiele kann man genauso gut an der Playstation spielen, wenn man denn auf sinnlos durch die Gegend rasende Autos steht. Auch Wettbewerbe lassen sich so durchführen. Die Formel 1 ist etwas derart Unzeitgemäßes, dass sie besser heute als morgen in Konkurs geht.
hessekaja 01.11.2014
4. dan ist vielleicht endlich Schluss...
...Schluss mit der Geldverschwendung von Werksteams auf Kosten der niedrig Bezahlten Belegschaft die in Werksverträge abgedrängt wird. ...Schluss mit dem Marketinggeschwafel das Formel 1 noch was mit Serienkompetenz zu tun hat. ...Schluss mit TV-Gebühren für Werkssport. ...Schluss mit Schmiergeldern für Lizenzen, Abgeordnete, Bänker und und und ...Schluss mit Ekelstein...
sebastian.teichert 01.11.2014
5. Schade...
Die immer neuen Regeln machen den Sport schon seit 10-12 Jahren kaputt. Weniger Teams werden den negativ Trend sicher nicht stoppen! Die Führungsetage ist einfach zu aufgeblasen und denken die Leute machen alles mit. Bald werden sie richtig auf die Schnauze fallen. Und dann geht das Geschrei los und die Frage: wie konnte das denn passieren?
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