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Drei Thesen zum Formel-1-Auftakt: Regeln aus der Hölle

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Lewis Hamilton (l.) und Romain Grosjean beim Training in Melbourne Zur Großansicht
DPA

Lewis Hamilton (l.) und Romain Grosjean beim Training in Melbourne

Spannung in der Formel 1, das war einmal. Kleine Regeländerungen sollen die Rettung bringen. Doch das veränderte Qualifying oder eine neue Reifenmischung werden alles noch komplizierter machen.

Spätestens 2017 soll in der Formel 1 wieder alles besser werden: schnellere Autos, breitere Reifen, aggressivere Designs, bessere Aerodynamik. Das sind angedachte Veränderungen, die aber noch nicht verabschiedet sind. Bei den Teams herrscht keine Einigkeit und so wird die mittelfristige Zukunft der selbsternannten Königsklasse des Motorsports zu einem Wettlauf gegen die Zeit.

Kurzfristig steht der Start in die Saison 2016 an. Am kommenden Sonntag startet die Formel 1 mit dem Rennen in Australien (6 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Und auch da wird es ein paar kleine Neuerungen geben. So haben alle Boliden ein weiteres Auspuffrohr bekommen - damit soll der Motorensound wieder lauter werden.

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Der Grund für den Aktionismus ist simpel: Die Formel 1 kämpft mit rückläufigen Zuschauerzahlen, auch der deutsche TV-Sender RTL vermeldet abflauendes Interesse. Laut einer Umfrage hält die Mehrheit der Deutschen die Formel 1 für zu kompliziert - und nicht für zu leise.

Dazu kommt in Zeiten absoluter Mercedes-Dominanz die fehlende Spannung. Der ehemalige Formel-1-Fahrer Gerhard Berger brachte die Kritik vieler Zuschauer auf den Punkt: "Heute ist nach der ersten Kurve klar, wer das Rennen gewinnen wird." Ob die aktuellen Regeländerungen daran etwas ändern werden, darf bezweifelt werden:

1. Das neue Qualifying: Reise nach Jerusalem

Die absurde Idee von Promoter Bernie Ecclestone wird nicht umgesetzt. Der 85-Jährige wollte den Sieger des Qualifyings von Platz zehn und den Zehnten von Rang eins starten lassen. Laut RTL-Experte Niki Lauda ist die tatsächliche Regelung ein Kompromiss: Die Qualifikation am Samstag wird weiterhin 60 Minuten dauern, aufgeteilt in drei Phasen. Im sogenannten Q1 wird 16 Minuten lang gefahren, nach sieben Minuten scheidet der langsamste Pilot aus, alle 90 Sekunden folgt ein weiterer Fahrer, es bleiben 15 Autos übrig.

In der zweiten Phase wird 15 Minuten gefahren, nach sechs Minuten scheidet wieder der langsamste Fahrer aus. Es bleibt beim 90-Sekunden-Rhythmus, ehe acht Piloten in die letzte K.o.-Phase kommen. In dieser bleiben zwei Fahrer übrig, die am Ende die Pole Position unter sich ausmachen.

Was nach Kindergeburtstag klingt, soll das Interesse am Samstag steigern. Doch wird das gelingen? Zunächst werden alle Fahrer früh auf die Strecke müssen, der dadurch entstehende Verkehr könnte tatsächlich für Spannung sorgen. Im weiteren Verlauf muss der Zuschauer sehr aufmerksam sein. Und die große Stärke des früheren Modus, als mehrere Piloten mit einer perfekten letzten Runde für viel Bewegung im Klassement sorgten, fällt weg. Es gibt massive Kritik aus dem Fahrerlager am neuen Qualifying - Melbourne wird erstmals zeigen, ob zu Recht.

2. Die neue Reifenregelung: Mehr ist nicht immer gut

In der kommenden Saison bietet Reifenmonopolist Pirelli den Teams drei statt bisher zwei Reifenmischungen an. Deshalb wurde mit dem sogenannten ultrasoft (neben hard, medium, soft, supersoft) eine noch weichere und damit auch schnellere Variante mit ins Programm genommen. Neun Wochen vor Rennen in Europa und 15 Wochen vor Überseerennen gibt Pirelli bekannt, welche Reifen für die jeweiligen Grand Prix ausgewählt wurden.

Pirelli liefert auch in diesem Jahr die Reifen für die Formel 1 Zur Großansicht
Getty Images

Pirelli liefert auch in diesem Jahr die Reifen für die Formel 1

Insgesamt erhält jeder Fahrer 13 Reifensätze, von denen nach Training und Qualifikation aber nur noch sieben für das Rennen übrigbleiben. Zudem müssen die acht Piloten, die die letzte Qualifying-Phase erreichen, mit dem Reifen ins Rennen gehen, den sie in Q2 aufgezogen hatten. Und genau hier ist das Problem für den Zuschauer: Reifen haben großen Einfluss auf die Taktik im Rennen, doch wer soll für 22 Fahrer die verbliebenen Mischungen und den Startreifen präsent haben? Es ist eher komplizierter geworden.

3. Der neue Funkverkehr: Prinzipiell gut, aber …

Bereits in der vergangenen Saison war der Funkverkehr zwischen Fahrer und Renningenieuren eingeschränkt worden, das wird 2016 verstärkt. Die Piloten sollen ihren Wagen "alleine und ohne Hilfe" steuern, so steht es in den Regeln des Motorsport-Weltverbands Fia. So darf die Box beispielsweise keine Hinweise mehr zur Benzinmenge, zu den Strategien der anderen Fahrer oder zum nächsten Reifensatz herausgeben.

Der Pilot soll so wieder mehr in den Vordergrund rücken. Wichtig ist eine konsequente Bestrafung bei Verstößen, womit sich die Formel 1 in der Vergangenheit nicht immer hervorgetan hat. "Hier bin ich auf die Umsetzung des Ganzen gespannt", sagte auch Experte Christian Danner bei motorsport-magazin.com. "Das Problem ist, wie wird es geahndet? Wann sagen die Stewards, dass etwas nicht erlaubt war?"

Die Rettung der Formel 1 lässt noch auf sich warten.

Formel-1-Saison 2016
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Red Bull
Daniel Ricciardo und Max Verstappen
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Renault
Kevin Magnussen und Jolyon Palmer
Toro Rosso
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr.
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Manor
Rio Haryanto und Pascal Wehrlein
Haas
Romain Grosjean und Esteban Gutierrez
Der Rennkalender
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (as-Sachir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montréal)
19. Juni: Europa (Baku)
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Großbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Mogyoród)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur (Singapur)
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Japan (Suzuka)
23. Oktober: USA (Austin)
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Interlagos)
27. November: Abu Dhabi (Yas-Insel)
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Polepositions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Polepositions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)

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insgesamt 36 Beiträge
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    Seite 1    
1. Früher bin ich zu den Rennen...
joG 18.03.2016
....gepilgert und fand sie toll, aufregend und voller Spannung. Das ist lange her.
2. Waaahnsinn!
denkdochmal 18.03.2016
...sogenannten ultrasoft (neben hard, medium, soft, supersoft) eine noch weichere, und damit auch schnellere, Variante mit ins Programm genommen. ... Und gerüchteweise gibt es auch noch Reifen mit Bananengeschmack! Sin die beklopp! Gebt denen 3 Reifen: Trocken, Medium und Naß. Jeder kann wechseln so oft er will. Punkt. Vergleichbar mit den "Wagen": Einheits-Chassis mit genormten Spoilern, die Splits und anderer Blödsinn fallen weg. Der Motor ist ein Grundmodell, an dem definierte Modifikationen vorgenommen werden dürfen. Das Ganze zu einem erschwinglichen Preis, damit das Großkopfenten-Auskegeln ein Ende hat. Boxenfunk: verbieten! Stallregie: verbieten! Nr so kommt man einem gewissen "Sport" wieder etwas näher. Ansonsten macht aus F1 einen Frikadellen-Weitwurf!
3. Regeln aus der Hölle
nichtdoch 18.03.2016
Nach der ersten Kurve ein ueberholverbots schild fuer die gesamte Strecke aufstellen.
4.
P-Centurion 18.03.2016
Zitat von joG....gepilgert und fand sie toll, aufregend und voller Spannung. Das ist lange her.
Ja, keine großartigen Zweikämpfe mehr und vor allem hören die Autos sich nun an wie Staubsauger. Selbst mein 8-jähriger Neffe sagt, dass er lieber DTM oder GT mag, weil Formel 1 so leise ist. Die verlieren ihre zukünftigen Fans massenhaft im Moment. Ich sehe nur noch alteingesessene. Formula E ist auch eine Totgeburt. Kaum Zuschauer, sogar noch weniger als manch andere Rennserien, die schon lange mit der Existenz zu kämpfen haben und teilweise schon eingestampft wurden.
5. Diese Formel stirbt
pevoraal 18.03.2016
Mit jeder neuen schwachsinnigen Regeländerung ein bischen mehr. Der Realitätsverlust der sog. Macher ( alles Falschmacher ) ist genau so groß wie der der bundesdeutschen Politiker
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