Hamburg - Chefvermarkter Bernie Ecclestone will Mercedes bei der Kontroverse über den Verbleib des Rennstalls in der Formel 1 offensichtlich keine Zugeständnisse machen. "Ich kann sie zu nichts zwingen. Das Team muss wissen, was es tun will", sagte der Brite im Interview mit dem Fachmagazin "auto motor und sport". "Sie haben seit einem Monat einen Vertragsentwurf auf dem Tisch liegen."
In dem Streit geht es um das sogenannte neue Concorde Agreement, das unter anderem die Verteilung der Formel-1-Einnahmen an die Teams regelt. Ecclestone hat mit Mercedes im Gegensatz zu den anderen Top-Teams noch keine Einigung gefunden, weil beide Seiten konträre Meinungen über den künftigen finanziellen Anteil aus den Fernseh- und Vermarktungsgeldern haben.
Knackpunkt ist eine Klausel, nach der Teams Bonuszahlungen erhalten, die in den vergangenen Jahren Erfolge in der Formel 1 herausgefahren haben. Ob auch Mercedes zu diesen Teams gehört, darüber gibt es Streit zwischen Ecclestone und dem Rennstall.
Ecclestone: Mercedes hat wenig vorzuweisen
Mercedes habe seit seiner Rückkehr vor zwei Jahren nur wenig vorzuweisen, keinen WM-Titel - und erst einen einzigen Einzelsieg in einem Rennen, betonte Ecclestone. Mercedes verweist dagegen auf Erfolge der Vorgänger-Rennställe. Man sei seit 1993 durchgehend in der Formel 1 vertreten und holte als Motorenpartner mit McLaren und Brawn mehrere WM-Titel.
Ecclestone hält dagegen: "Wenn man die Wurzeln des Teams zurückverfolgt, dann haben sie mit Tyrrell angefangen. Seitdem gab es aber vier Eigentümer und vier verschiedene Namen. Ich kann in diesem Team wenig Historie erkennen." Seine Position habe er in der Vorwoche auch Daimler-Chef Dieter Zetsche dargelegt.
Ein Streitpunkt ist auch die Vertragsdauer. Ecclestone will eine bis 2020 gültige Unterschrift. Das aktuelle Concorde Agreement läuft nach dieser Saison aus. Ecclestone ist zuversichtlich, dass das neue Abkommen noch "vor Ende des Jahres" fix sein werde: "Wir haben die kommerziellen Aspekte geregelt. Jetzt kümmern wir uns um das Gerüst des Abkommens. Damit meine ich die Regeln und die Regelfindung."
Die Hintergründe des Streits zwischen Ecclestone und Mercedes liegen tiefer. Der Brite hat Angst davor, dass der Weltkonzern aus Stuttgart vor einem möglichen Börsengang der Formel 1 die Offenlegung von Ecclestones Geschäftsimperium fordert. Daran jedoch hat Ecclestone kein Interesse. Im Lauf der Jahrzehnte hat er ein schwer zu durchschauendes Geflecht an Firmen aufgebaut, die die kommerziellen Rechte am Milliardengeschäft Formel 1 halten.
aha/dpa/sid
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