Fan-Feste in der Formel 1 Schönes Beiwerk, mehr aber auch nicht

Die neuen Formel-1-Besitzer wollen mit Fan-Festen mehr Zuschauer anlocken. In Barcelona startet die umstrittene Idee. Wer nur auf singende Roboter statt günstigere Tickets setzt, hat das Problem nicht verstanden.

Fan-Fest beim Großen Preis von Spanien
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Fan-Fest beim Großen Preis von Spanien

Aus Barcelona berichtet


Ein Roboter, zwei Meter groß und mit gewohnt menschlicher Anmutung, wird von einem strengen Bodyguard umhergefahren. Plötzlich springt er - scheinbar unbemerkt - ab, rollt auf eine Frau zu, spricht sie an, streichelt ihr über den Kopf, singt "Another one bites the dust" von Queen und versprüht als Abschlussgag etwas Wasser. Es bildet sich eine Menschentraube, Smartphones werden gezückt.

Die Formel 1 beschreitet beim Großen Preis von Spanien in Barcelona neue Wege. Ein Fan-Fest soll die Zuschauer in den Pausen unterhalten und so auch dafür sorgen, dass wieder mehr Fans an die Strecken kommen. Der Roboter ist nur ein Detail, aber die Formel 1 will wieder mehr Nähe zeigen, nicht mehr so abgehoben wirken.

Die Idee stammt von den neuen Besitzern. Auf den auf Gewinnmaximierung fokussierten Bernie Ecclestone folgte Liberty Media mit dem Dreigestirn Chase Carey, Sean Bratches und Ross Brawn. Liberty ist ein amerikanisches Unternehmen, das sehr viel von Showmaximierung versteht. Eigentlich wollten die neuen Eigner auch die vielen komplizierten Regeln der Formel 1 verändern, aber laufende Verträge lassen keine Neuausrichtung vor 2020 zu. Also soll zunächst nur die Show verbessert werden.

"Die Formel 1 befindet sich im Wandel"

Das Fan-Fest wird hinter der Haupttribüne am Circuit de Catalunya gefeiert. Dort, wo die Zuschauer schon im vergangenen Jahr die Merchandising-Produkte aller Teams erwerben konnten. Diese Stände mussten nicht weichen, noch immer werden dort überteuerte Kappen, Shirts oder Uhren verkauft. Die Teams mussten aber etwas zusammenrücken, denn nun gibt es auch die Möglichkeit, Reifenwechsel zu simulieren, mit einer 200 Meter langen Seilbahn über das Fan-Fest zu schweben oder auf einer Bühne Livemusik zu hören.

"Die Formel 1 befindet sich im Wandel, und das Rennen in Spanien ist ein Meilenstein in der Historie", sagt Bratches, in der neugestalteten Formel-1-Spitze für Marketing zuständig. "Wir haben uns darauf konzentriert, die Fans näher an die Action zu bringen und den Sport allgemein attraktiver zu gestalten."

Das scheint tatsächlich gelungen zu sein. Ferraris Rückkehr an die Spitze, Max Verstappens Aufstieg, optisch ansprechende Autos - all das hat der Formel 1 dezent neues Leben eingehaucht. Auch in Deutschland freut sich der übertragende Free-TV-Sender RTL über leicht steigende Zuschauerzahlen.

Kann die Show an den Strecken auch ein Faktor werden?

Langjährige Formel-1-Fans befürchteten nach den Ankündigungen von Liberty Media schon einen Schritt in Richtung Disney World, eine Entwertung des Sports zugunsten des Spektakels. Davon kann in Barcelona keine Rede sein. Im Fahrerlager wird am ehesten über den Platz des neuen Bier-Sponsors Heineken diskutiert, der sein Zelt direkt neben dem Motorhome von Red Bull aufbauen durfte. Die Österreicher sind ja letztlich auch in der Formel 1, um ein Getränk zu verkaufen.

Den Fans ist das egal. Eine kurze Umfrage unter Zuschauern, die sich am Freitag das Training in Barcelona angeschaut haben, hat ein einheitliches Bild zu Roboter, Seilbahn und Co. ergeben. Schönes Beiwerk, mehr aber auch nicht. Pablo aus der Nähe von Barcelona sagt stellvertretend: "Ich wusste nichts von dem Fan-Fest und hätte meine Karte so oder so gekauft."

Genau hier liegt die Krux für Liberty Media. Eingefleischte Motorsport-Anhänger werden die Formel-1-Rennen weiter besuchen, neue Zielgruppen werden jedoch nicht mit einem Unterhaltungsprogramm an die Strecken gelockt. Das Problem liegt in der Preisstruktur der Eintrittskarten - und die wiederum an den hohen Antrittsgebühren für die Veranstalter.

Wer aktuell Karten für das Ende August stattfindende Traditionsrennen in Spa-Francorchamps erwerben möchte, muss beispielsweise für einen Stehplatz am Renntag 139 Euro, für einen Tribünenplatz auf der Innenseite der Strecke am gesamten Wochenende 319 Euro oder einen VIP-Platz am Qualifying-Tag an der berühmten Eau Rouge 755 Euro bezahlen.

Die Formel 1 bleibt ein teures Vergnügen. Auch wenn der Roboter "The show must go on" singt.



insgesamt 4 Beiträge
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leander_hausmann 13.05.2017
1. Naja die Stones kosten auch...
da hab ich gestern 4 tickets für 620 euro gekauft 8stehplätze9, aber für F1 würde ich das geld nicht ausgeben. Wenn dann für formula E, da diese viel näher an den fans ist und nicht so abgehoben. Rennsport braucht die nähe. Mir sind die Wagen egal, sollange alle eine Chance haben und alle spaß haben und es mehr action gibt. Dazu kommt, dass man im fernsehen mehr sehen kann. beim Fußball ist die Stimmung überragend. aber beim Rennen sieht man die Autos und die Fahrer nur einmal pro runde und es ist recht langweilig. bei der Formula E ist man da näher dran. besonders da es zu 90% Stadtkurse sind (bis auf Berlin und Mexiko). Die Stimmung ist awesome und das rahmenprogramm stimmt auch. Back to the Roots für die F1 wäre am besten.
marcus_tullius 13.05.2017
2. An der Reportage-Front
Ein (1) einziges "Originalzitat" von einem gewissen Pablo aus Barcelona, wow, das ist investigativer Journalismus. Dafür hätte der Nachwuchs-Egon-Erwin-Kisch Hamburg nicht verlassen müssen.
steingärtner 13.05.2017
3.
Eher wohl ins groteske gehende Anhäufung von Flügeln, Flügelchen und darauf nochmals irgendwelchen Luftleitplätzchen. Inzwischen müssen Enten am Rennwochende Flugverbot bekommen, damit sie nicht die Aerodynamik der Senkkopfschrauben versauen. Wenn ich mir, als schon ewiger Formel 1-Seher etwas wünschen dürfte, nehmt bitte wieder einfachere Autos. Vorne ein Flügel, hinten ein Flügel und gut ist. (Fläche der Flügel aber begrenzt natürlich) Es wird billiger, ansehnlicher und die Fahrer haben mit ihrem Können wieder mehr Einfluss. Telemetrie weg, der Fahrer soll fahren wie er es vetsteht. Keine Funk - Eingriffe von der Box in den Motor mehr. Wird es deshalb etwas langsamer, so ist das kein Problem. Niemanden interessieren die Zehntelsekunden. Ach ja, und Kiesbetten hätte ich gerne wieder, wer sich versteuert ist dann eben raus, und niemand könnte einfach hinterfotzig mal etwas abkürzen.
patrick6 13.05.2017
4. Formel 1...
...ist für mich nicht Anhimmeln eines Fahrers. Es ist der Rennsport an sich. Dazu gehört auch die Technik. Wenn die Technik aber dermaßen reglementiert wird, dass da schließlich nahezu Einheitsautos stehen, wird es zunehmend uninteressant - so wie die Formel E, die interessiert doch keinen Rennsportfan, höchstens Leute, die am Sonntag mal einen Spaziergang mit den Kindern machen. Der Formel 1 fehlen keine Showelemente, da fehlt es an technischer Vielfalt. Man sollte viel mehr technische Details freistellen, dann wird das auch wieder interessant.
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