Fahrermarkt in der Formel 1 Du kommst hier nicht rein

Fernando Alonso, Pascal Wehrlein und Sergio Pérez könnten in der Formel 1 um den WM-Titel fahren. Doch der Weg in die Top-Rennställe ist verbaut. Einem aus dem Trio droht für 2018 sogar das komplette Aus.

SRDJAN SUKI/ EPA/ Rex/ Shutterstock

Aus Monza berichtet


Monatelang verpasste Fernando Alonso keine Gelegenheit, McLarens Motorenpartner Honda öffentlich bloßzustellen. Erst beim vergangenen Rennen in Spa ließ der Spanier die Welt an seinem Frust teilhalben, als er wegen fehlender Geschwindigkeit auf den Geraden durchgereicht wurde: "Peinlich", rief Alonso in den Boxenfunk und stellte seinen Wagen wenige Runden später ab.

Nur eine Woche später, im Vorfeld des Großen Preises von Italien in Monza, klang das plötzlich ganz anders. "Ich sehe bei McLaren das nötige Potenzial", sagte Alonso. "Wir haben die Leute, die Ausstattung und das Talent, um Weltmeister zu werden." Kritik an Honda äußerte er diesmal nicht, stattdessen kündigte Alonso einen Besuch in Japan an, um sich besser über Hondas Pläne für die Zukunft zu informieren.

Woher kommt der Sinneswandel beim zweifachen Weltmeister, der trotz seines Ausflugs in die Indy-Car-Serie und öffentlichen Abwanderungsgedanken in der Formel 1 bleiben möchte? Alonso hat entweder erkannt, dass sich auf dem Fahrermarkt keine Alternative bietet, die ihn sportlich so voranbringt, wie er sich das vorstellt. Oder er weiß mittlerweile, dass McLaren mit Renault einen neuen Motorenpartner bekommt. Der 36-Jährige gehört immer noch zu den schnellsten Piloten, bei Ferrari oder Mercedes würde er sofort um die Weltmeisterschaft mitfahren.

Formel-1-Cockpits in der Saison 2018

Team Erster Fahrer Zweiter Fahrer
Mercedes Lewis Hamilton Valtteri Bottas
Ferrari Sebastian Vettel Kimi Räikkönen
Red Bull Daniel Ricciardo Max Verstappen
Force India Esteban Ocon noch offen
Williams noch offen noch offen
Toro Rosso noch offen noch offen
Haas Romain Grosjean Kevin Magnussen
Renault Nico Hülkenberg voraussichtlich Carlos Sainz
McLaren noch offen Stoffel Vandoorne
Sauber noch offen noch offen

Nach der Vertragsverlängerung von Sebastian Vettel gibt es jedoch keine Option mehr in einem der Top-Rennställe. Mercedes hat zwar noch einen Platz neben Lewis Hamilton frei - aber inoffiziell gilt die Verlängerung mit Valtteri Bottas als beschlossen. Das Gerücht, Alonso könne zu Williams wechseln, ist immer noch nicht zu den Akten gelegt. Bliebe noch Renault, sein ehemaliges Team, das "für immer in meinem Herzen" sei. Die Franzosen brauchen allerdings noch mindestens ein Jahr, um den Rückstand auf die Spitze entscheidend zu verkürzen und würden mit Spitzenverdiener Alonso das Budget für diese Entwicklungsarbeit irrational verkleinern.

Alonso hatte gepokert, verloren und bleibt nun bei McLaren oder wechselt zu Williams. Aber er hatte stets sein eigenes Blatt in der Hand. Das kann Pascal Wehrlein nicht behaupten. Der Sauber-Pilot steht neben dem Pokertisch - und muss hoffen, dass Mercedes seine Karten gut ausspielt. Mercedes? Wehrlein ist weiterhin Nachwuchsfahrer bei den Silberpfeilen und Teamchef Toto Wolff ist bemüht, sein Talent in der Formel 1 zu halten.

In den vergangenen beiden Jahren war der Plan stets aufgegangen, wenn auch spät. Wehrlein musste 2016 bis Februar warten, ehe er beim mittlerweile insolventen Manor-Rennstall unterkam. In diesem Jahr folgte der Wechsel zu Sauber im Januar - es bliebe somit noch genügend Zeit. Doch der 22-Jährige muss mit ansehen, wie trotz offiziell noch neun unbesetzten Cockpits seine Chancen schwinden:

  • Mercedes: Wolff gilt weiterhin als Wehrlein-Fan, aber warum sollten die Silberpfeile den überraschend starken Bottas ersetzen? Zumal Hamilton das Verhältnis zum Finnen lobt und nach Jahren der Streitigkeiten mit Nico Rosberg Ruhe herrscht.
  • Sauber: In Spa bestätigte Wehrlein, dass er nicht mit einen Verbleib bei Sauber rechnet. Der Schweizer Rennstall wird auch 2018 mit Ferrari-Motoren fahren und deshalb wird wohl einer der Ferrari-Junioren (Antonio Giovinazzi oder Charles Leclerc) für Sauber fahren. Leclerc wird Wehrlein bereits im Freien Training von Malaysia ersetzen. Und Marcus Ericsson, den Wehrlein konstant besiegt, ist eng mit den Besitzern verbandelt.
  • Williams: Als Mercedes-Kundenteam eigentlich ein perfekter Partner für Wehrlein. Eigentlich, denn die Finanzspritze seines Vaters wird Lance Stroll, 18, auch 2018 beim Traditionsrennstall halten. Und Sponsor Martini soll auf einen über 25-jährigen zweiten Fahrer bestehen, um weltweit werben zu können. Diese Rolle könnte Alonso übernehmen.
  • Renault: Der Platz neben Nico Hülkenberg ist frei, doch dann müsste sich Wehrlein von Mercedes trennen.

Bleibt noch Force India, doch auch beim derzeit WM-Vierten ist die Lage für Wehrlein kompliziert. Das liegt zum einen daran, dass sich der Rennstall schon vor dieser Saison gegen den Deutschen und für Esteban Ocon, den zweiten Mercedes-Junior im Fahrerfeld, entschieden hatte. Und an Sergio Pérez, der gerne wechseln würde, nach den Kollisionen mit Ocon in Baku, Budapest und Spa aber ohnehin auf Bewährung fährt.

Auch der Mexikaner hatte auf einen Platz in einem Top-Team gesetzt. "Es ist ernüchternd, wenn nur zwei Teams gewinnen können und der Rest so weit zurückliegt", sagte Pérez in Spa. Bis zum Rennen in Singapur (17. September) soll eine Entscheidung fallen, für Pérez heißt es: Force India oder Renault. Sollte Pérez wechseln, könnte für Wehrlein eine Tür aufgehen, wie Mercedes-Boss Wolff indirekt bestätigte: "Es gibt mindestens eine andere Möglichkeit, es hängt an seiner Leistung bei Sauber."

Das stimmt so nicht: Es wird weniger auf seine Leistung ankommen, sondern darauf, ob Mercedes ihm ein Cockpit besorgen kann. Und das ist sehr unwahrscheinlich. Wehrlein droht das Formel-1-Aus für 2018.



insgesamt 10 Beiträge
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wannbrach 02.09.2017
1.
Die Formel 1 ist ein Geldgeschäft und wer kann da schon die Machenschaften überblicken.
unimog_andi 02.09.2017
2. Wäre das nicht ein Fall für
unsere üblichen sozial-Aufgeregten? " Fahrermarkt in der Formel 1 Du kommst hier nicht rein " Das ist doch ein klarer Fall für die Ermittlung des Fahrer Pay Gaps und die Einführung einer Fahrer-Quote bei den Top-Teams, oder?
antares56 02.09.2017
3. Nee
Wehrlein wird nie um einen WM-Titel fahren! Er hat in der F1 seine Grenzen überschritten, denn soo gut ist er eben nicht. Hauptsächlich hat er teuren Schrott für "seine" Teams geliefert. Richtig wenn er rausfliegen würde. Da gibt es viele bessere Nachwuchsfahrer!
spicer011 02.09.2017
4. Sorry...
...aber auf Wehrlein hat in der F1 keiner gewartet.
hksm 02.09.2017
5. Da ist noch Raum
Na wenn Leclerc von der F2 in die F1 wechselt, wird doch ein Platz für Wehrlein frei ;-)
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