Formel-1-Team Ferrari Die Hinterher-Fahrer

In dieser Saison will Ferrari endlich wieder Formel-1-Weltmeister werden - doch die Italiener sind klar unterlegen. Der Motor des Rennstalls hat zu wenig Power, auch Rückkehrer Kimi Räikkönen bringt das Team nicht nach vorne.

DPA

Der große Boss schaute persönlich vorbei, aber er war nicht begeistert von dem, was er da sah. "Mir gefällt es nicht, Ferrari in dieser Verfassung zu sehen", sagte Luca di Montezemolo nach dem Großen Preis von Bahrain am Sonntagabend. Bevor er den Kurs in Sakhir verließ, teilte der 66 Jahre alte Ferrari-Chef noch mit: "Ich hatte keine hohen Erwartungen an das Rennen. Aber mit etwas mehr hatte ich schon gerechnet."

Dabei kann man den beiden Ferrari-Piloten Fernando Alonso und Kimi Räikkönen nicht vorwerfen, sie würden die Vorgaben ihres Chefs ignorieren. "Wir sind es leid, Zweiter zu werden", hatte di Montezemolo vor der Saison gesagt, nachdem Alonso in den vergangenen vier Jahren dreimal WM-Zweiter geworden war. Und Ferrari fährt ja tatsächlich nicht mehr um Platz zwei mit - allerdings auch nicht wie geplant um Rang eins, ja nicht einmal mehr ums Podest. In Bahrain wurde Alonso Neunter, einen Platz vor Räikkönen.

Wie es um den italienischen Traditionsrennstall derzeit bestellt ist, offenbart ein Statement von Räikkönen nach dem Rennen: "Ausgangs der Kurve acht hat mich ein Force India überholt. Das war eine andere Klasse." Force India! Das Team sammelte in der vergangenen Saison insgesamt 77 Punkte, Ferrari hatte fast fünfmal so viel (354). In dieser Saison ist Force India vor allem dank Nico Hülkenberg aktuell mit 44 Punkten Zweiter der Konstrukteurswertung, Ferrari liegt auf Platz fünf (33 Punkte) und hat in drei Rennen noch keinen Podestplatz erreicht.

"Ferrari so langsam auf der Geraden zu sehen, ist schmerzhaft", sagte di Montezemolo in Bahrain und benannte damit das zentrale Problem der Italiener: Der Motor des F14 T hat zu wenig Power. Der Force India wird von einem Mercedes-Aggregat angetrieben, derzeit mit Abstand das beste im Feld. Daher ist der Ferrari, ähnlich wie der Red Bull mit dem Renault-Motor, den beiden Silberpfeilen und den von Mercedes mit Motoren ausgestatten Teams (Force India, McLaren, Williams) vor allem auf den Geraden klar unterlegen.

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Mercedes-Doppelsieg in Bahrain: Silberne Dominanz in der Wüste
Auch deswegen war di Montezemolo in Bahrain. Er hat versucht, hinter den Kulissen eine Regeländerung voranzutreiben. Denn der Ferrari ist auch deswegen langsamer als Mercedes, weil der Motor mehr wiegt. Würde die zu dieser Saison eingeführte Grenze von 100 Kilogramm Benzin pro Rennen um zehn Kilo angehoben werden, so di Montezemolos Rechnung, könnte Ferrari zumindest den Nachteil des schwereren Motors ausgleichen.

Doch ausgerechnet Alonso widerspricht: "Wenn alle mehr Benzin verbrauchen dürfen, werden die starken Motoren noch stärker." Di Montezemolos Plan scheint ohnehin nicht umsetzbar, denn bei Regeländerungen während einer Saison müssen alle Teams zustimmen. Und Niki Lauda, Aufsichtsratchef des Mercedes-Teams, stellte in Bahrain klar: "Unser Jawort kriegt er nie."

Spott von der italienischen Presse

Die Probleme sind für Ferrari umso bitterer, weil die Italiener in den vergangenen Jahren stets Probleme mit der Aerodynamik hatten, weniger mit dem Motor. Dieses Jahr ist es den Ingenieuren in Maranello hingegen gelungen, einen Wagen zu konstruieren, der sich in den Kurven gut verhält - dafür leisteten sich die Entwickler einen Fehlgriff beim Antrieb.

"Es gibt so viele Signale, die den klaren Rückgang des Teams bezeugen, dass man nicht einmal weiß, wo man beginnen soll, um die Lage zu ändern", spottete die Sport-Tageszeitung "Corriere dello Sport" am Montag. Wobei den Ferrari-Verantwortlichen klar war, dass das Auto auf dem schnellen Bahrain-Kurs mit vier langen Geraden hinterherfahren würde. Die Strecken der beiden kommenden Rennen in China und Spanien sind kurvenreicher, dort "kommen unsere Stärken dann mehr zum Tragen", hofft Alonso, der fordert: "Unser Fokus muss darauf liegen, Tag und Nacht zu arbeiten."

Damit ist Ferraris zweites Problem neben dem Motor benannt: Der zu dieser Saison zurückgekehrte Kimi Räikkönen sagte der "Sport Bild" zwar, "das Auto passt noch nicht zu meinem Fahrstil". Doch der Finne, in den bislang drei Rennen Siebter, Zwölfter und Zehnter, tut auch wenig dafür, damit sich das ändert. Ferrari hat in Maranello den modernsten Fahrsimulator aller Formel-1-Teams, dennoch lehnt Räikkönen Testfahrten am Computer kategorisch ab.

Der 34-Jährige ist zwar aufgrund seiner fahrerischen Klasse in der Lage, aus einem guten Auto noch mehr herauszuholen. Der maulfaule Finne ist aber kein Fahrer, der einen Wagen durch ausführliches Feedback an seine Ingenieure gemeinsam mit seinem Team Schritt für Schritt verbessert, wie etwa Sebastian Vettel.

"Im Moment sind es harte Zeiten, aber wir bekommen das hin", glaubt Räikkönen. Nicht ganz so optimistisch sieht es Alonso: "Das Ranking spricht die Wahrheit aus. Derzeit sind wir lediglich das fünftbeste Team."

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Nabob 25.02.2014
1. Bereits früher wartete man bis Barcelona,
Zitat von sysopNeue Motoren, neue Aerodynamik, neue Regeln: Die kommende Formel-1-Saison ist geprägt von tiefgreifenden Veränderungen. Kann Sebsatian Vettel dennoch seinen fünften Titel in Folge gewinnen? Oder gelingt den Silberpfeilen von Mercedes die Wachablösung? Und wie stark ist Ferrari mit seiner neuen Fahrerpaarung Fernando Alonso/Kimi Räikkönen?
um beurteilen zu können, welches Potential jedes Auto hat - das wird nun bei einer völligen technischen Änderung von 2013 nach 2014 erst recht gelten. Die schnelle Testfahrt des Nico Rosberg durch den journalistischen Durchlauferhitzer zu drücken, sagt inhaltlich nichts. Am Ende wird der Fahrer vorn stehen, dessen Rennstall am meisten Budget und know-how zur Verfügung hat, das fahrerische Potential wird noch weiter in den Hintergrund treten und die Gründe für Siege werden für den Zuschauer immer unergründlicher. Spielzeugveranstaltung für Erwachsene, mit Sport ist da nicht mehr viel und Formel 1 als Technologieträger für die spätere Serie ist auch antiquarisch.
licea_felipe 01.03.2014
2.
Die schnelle Testfahrt des Nico Rosberg durch den journalistischen Durchlauferhitzer zu drücken, sagt inhaltlich nichts
Nonvaio01 01.03.2014
3. ich denke
Zitat von sysopNeue Motoren, neue Aerodynamik, neue Regeln: Die kommende Formel-1-Saison ist geprägt von tiefgreifenden Veränderungen. Kann Sebsatian Vettel dennoch seinen fünften Titel in Folge gewinnen? Oder gelingt den Silberpfeilen von Mercedes die Wachablösung? Und wie stark ist Ferrari mit seiner neuen Fahrerpaarung Fernando Alonso/Kimi Räikkönen?
wenn 10 Autos beim start der F1 in Ziel kommen ist das ein gutes ergebnis. So wie es momentan aussieht muss man nur durchkommen und man hat punkte, so koennen die kleinen teams am anfang der saison jedenfalls punkten.
rööp 01.03.2014
4.
Zitat von Nonvaio01wenn 10 Autos beim start der F1 in Ziel kommen ist das ein gutes ergebnis. So wie es momentan aussieht muss man nur durchkommen und man hat punkte, so koennen die kleinen teams am anfang der saison jedenfalls punkten.
Ich sehe dem auch eher skeptisch entgegen. Alle Teams haben riesige Probleme mit dem neuen Reglement. Die Jagd nach 10tel oder 100stel ist wohl erst mal zweit, bzw. drittrangig. Aktuell steht VET schon wieder in Bahrain.
rööp 02.03.2014
5. 02.03.2014 Liveticker
Zitat von Nonvaio01wenn 10 Autos beim start der F1 in Ziel kommen ist das ein gutes ergebnis. So wie es momentan aussieht muss man nur durchkommen und man hat punkte, so koennen die kleinen teams am anfang der saison jedenfalls punkten.
09:31 Uhr Longrun für Vettel Sebastian Vettel - wer hätte das gedacht? - hat seinen ersten Longrun absolviert. Rund 15 Umläufe waren das, und die Zeiten waren im Bereich von 1:39 bis 1:41 Minuten. Da waren andere schon langsamer. Heißt also: Wenn der RB10 mal läuft, ist er vorne dabei... 10:09 Uhr Rote Flagge Und wer ist der Übeltäter? Sebastian Vettel im Red Bull, wie könnte es anders sein. Der RB10 steht entgegen der Fahrtrichtung neben der Strecke, Feuerlöscher sind im Einsatz. Der Deutsche war gerade auf einem längeren Run. 10:26 Uhr Stand nach dreieinhalb Stunden 01. Valtteri Bottas (Williams) 1:34.797 02. Fernando Alonso (Ferrari) +0,712 03. Nico Hülkenberg (Force India) +0,780 04. Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) +0,904 05. Adrian Sutil (Force India) +1,670 06. Jenson Button (McLaren) +3,314 07. Kamui Kobayashi (Caterham) +3,856 08. Romain Grosjean (Lotus) +4,505 09. Sebastian Vettel (Red Bull) +4,911 10. Max Chilton (Marussia) +6,445
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