Formel 1 in Abu Dhabi Ein Vorgeschmack auf die neue Saison

Der Große Preis von Abu Dhabi kann als Fingerzeig für 2019 verstanden werden. Beim Saisonfinale hatten die Protagonisten sichtlich Spaß. Nur ein Unfall hätte die gute Stimmung fast verdorben.

Ein Bild, das es auch 2019 geben könnte: Sebastian Vettel, Lewis Hamilton und Max Verstappen (v.l.) auf dem Siegerpodest
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Ein Bild, das es auch 2019 geben könnte: Sebastian Vettel, Lewis Hamilton und Max Verstappen (v.l.) auf dem Siegerpodest

Von Karin Sturm


Da standen sie in Abu Dhabi also gemeinsam auf dem Siegerpodest. Als wollte das sportlich bedeutungslose abschließende Rennen der Formel-1-Saison 2018 schon einmal einen Fingerzeig geben für 2019: Denn Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Max Verstappen - das sind die Drei, die im kommenden Jahr vermutlich den Titel unter sich ausmachen werden.

Hamilton und Vettel, die beiden bestimmenden Fahrer dieses Jahres, betonten das schon, als sie sich gleich nach der Zieldurchfahrt gegenseitig Komplimente machten. "Es war eine Ehre und ein Privileg, gegen Sebastian zu fahren, und ich bin sicher, unser Duell wird nächstes Jahr weitergehen", sagte der Brite. Vettel antwortete: "Lewis ist der Champion, er hat es verdient. Es war ein hartes Jahr, aber es hat viel Spaß gemacht. Wir, das gesamte Team, werden alles tun, um nächstes Jahr noch härtere Gegner für ihn zu sein."

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Auf der Pressekonferenz, als auch Verstappen dabei saß, machten beide deutlich, dass sie davon ausgehen, dass der Red-Bull-Pilot dann auch mitmischen wird. Der junge Niederländer nahm die "Einladung" in den Kreis der ganz Großen gerne an, auch wenn er noch ein bisschen vorsichtig war. "Selbst wenn wir dann ein Paket haben sollten, mit dem wir mithalten können - einfach wird es sicher nicht, denn wir brauchen halt auch die extreme Konstanz, die Mercedes und Ferrari haben", sagte Verstappen.

Red Bull erwartet für 2019 "nur noch geringen Leistungsnachteil"

Immerhin hat er dann nicht mehr den Renault-Motor im Heck, der seit Jahren eine Schwachstelle darstellt, sondern ein Honda-Aggregat. Red-Bull-Motorsportkoordinator Dr. Helmut Marko ist sich sicher: "Nach den jetzigen Erkenntnissen werden wir nur noch einen geringen Leistungsnachteil haben." Die Japaner haben 2018 als Partner des Red-Bull-B-Teams Toto Rosso viel gelernt, auf die Spitze sollen in der neuen Saison weniger als 15 PS fehlen.

Bei Mercedes, dem dominanten Team der vergangenen Jahre, kann für 2019 alles bleiben, wie es ist. Nach fünf Fahrer- und fünf Konstrukteurs-Weltmeistertiteln in Serie gibt es keinen Grund für größere Veränderungen. Dass Tony Ross, der einst Nico Rosberg zum WM-Titel führte und jetzt Valtteri Bottas betreute, als Chefingenieur ins Formel-E-Team von Mercedes wechselt, dürfte keinen großen Unterschied machen. Das System, sich ganz auf Superstar Hamilton zu konzentrieren, funktioniert - und macht den Briten immer stärker.

Ferraris wichtigstes Ziel für die kommende Saison muss es sein, Ruhe ins Team zu bringen. Ob das gelingt, ist allerdings nicht sicher. Noch immer ist nicht klar, welche Folgen der interne Machtkampf zwischen Teamchef Maurizio Arrivabene und Technikchef Mattia Binotto haben wird: Geht Binotto, weil Arrivabene weiterhin alle Macht bekommt, wäre das ein großer Verlust für Ferrari.

Vettel braucht Zeit für sich selbst

Eine andere Variante: Ferrari-Chef John Elkann überlegt offenbar, ob er den beiden Streithähnen sozusagen jemanden "vor die Nase setzt", um für Ordnung zu sorgen. Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Was sicher ist: Mit dem jungen Charles Leclerc bekommt Vettel einen neuen, ehrgeizigen Teamkollegen, der alles versuchen wird, ihn von Anfang an unter Druck zu setzen. Vettel sagt, er brauche jetzt erst einmal etwas Zeit für sich selbst.

Ob sich die drei Protagonisten noch so gut verstehen werden wie beim Saisonfinale, wenn es wirklich um alles geht, ist fraglich. In Abu Dhabi, schon in Ferien- und Freizeitstimmung, war zeitweise Comedy angesagt. Da bot Hamilton Vettel auf der Pressekonferenz einen Schluck von seinem selbst kreierten Energy-Drink an, der lehnte dankend ab: "Da trinke ich lieber Red Bull." Woraufhin Verstappen grinsend sagte: "Komm zu uns, wir haben noch ganz viel davon."

Auf die Frage, was sie alle für den Winter planen, drehte sich Hamilton zu Vettel um: "Noch ein Baby?" Dessen Konter: "Nein, das ist schon erledigt. Aber wenn ihr Tipps braucht: Ich weiß, wie das geht." Worauf Hamilton und Verstappen meinten, sie würden in der Hinsicht lieber noch ein bisschen "freies Training" betreiben.

Hülkenberg-Crash als einzige Spaßbremse

Dass es in Abu Dhabi in erster Linie um Spaß ging, war während des ganzen Wochenendes zu spüren. Hamilton hatte vor dem Start viel Zeit mit US-Superstar Will Smith verbracht, mit dem er gut befreundet ist. Ein gemeinsames Blödelvideo der beiden landete umgehend in den sozialen Netzwerken.

Die gelöste Stimmung wäre in der ersten Rennrunde beinahe jäh gestoppt worden: Als sich Nico Hülkenberg und Romain Grosjean so unglücklich berührten, dass der Renault des Deutschen über das Rad des Haas aufstieg, sich überschlug und auf dem Kopf gegen die Streckenbegrenzung gelehnt liegen blieb.

Durch den Halo gab es für Hülkenberg keine Chance, selbstständig aus dem Auto zu kommen - genau das Szenario, vor dem Kritiker immer gewarnt hatten. Vor allem, weil am Heck des Renault Flammen leckten. "Rechts war die Wand im Weg, links der Halo. Und zum Asphalt war ein Spalt von 30 oder 40 Zentimetern. Deshalb habe ich gehofft, dass die Marshals schnell kommen. Die haben super reagiert und einen guten Job gemacht", sagte Hülkenberg. Das Feuer wurde gelöscht, die Streckenposten stellten das Auto wieder auf die Räder, der Deutsche konnte selbständig aussteigen und kam ohne Verletzungen davon.

Geholfen hat ihm vor allem die sehr stabile Struktur der Überrollkonstruktion der Autos, die mit dem Halo nichts zu tun hat. "Ich weiß nicht, wie die Situation ohne Halo ausgesehen hätte", sagte Hülkenberg. "Aber so oder so, der Halo ist da, damit müssen wir uns abfinden."

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
patrese993 25.11.2018
1. GP2 Engine..
Seb wird rackern, Lewis wird sich freuen, daß nicht Jenson oder Fernando sein Teamkollege sein wird. Alles wie immer.... Du mußt halt im richtigen Jahr im richtigen Auto sitzen
Referendumm 25.11.2018
2.
Zitat von patrese993Seb wird rackern, Lewis wird sich freuen, daß nicht Jenson oder Fernando sein Teamkollege sein wird. Alles wie immer.... Du mußt halt im richtigen Jahr im richtigen Auto sitzen
Und den richtigen Teamkollegn haben, der dich bereitwillig vorbeilässt, aber andere schön aufhält. Auf die 6. Fahrer-WM für Hamilton in 2019 - bei der KWM könnte es in 2019 eng werden für Mercedes. Da die F1 kein Sympathie-Wettbewerb ist (obwohl es manche so darzustellen versuchen), sondern ein Motorsport-Wettbewerb mit knallharten, stets voll egoistischen Fahrern (außer Bottas): Schade, dass Alonso nicht mehr dabei ist! In der Tat einer der besten F1-Fahrer ever.
28zwei27 25.11.2018
3. Immer schön vorsichtig mit Vorhersagen
Die nächsten Strecken sprechen für Ferrari Im Moment hat Ferrari sogar einen Vorteil beim Motor. Und der hat sich keinesfalls verringert, nachdem die Scuderia und auch Mercedes ihre dritte und letzte Entwicklungsstufe eingesetzt haben. Auf den Strecken, die noch anstehen, ist dieser Vorteil sogar besonders wichtig: In Monza, aber auch in Sotschi, Suzuka oder Mexiko kommt es vor allem auf die Motorenleistung an. Dazu kommt mit Singapur noch ein Kurs, der Mercedes in der Vergangenheit nie lag. Wörtliches Zitat, Frau Karin Sturm, SpOn-Expertin Formel 1* http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-grosser-preis-von-belgien-sebastian-vettel-tanzt-lewis-hamilton-hadert-a-1225038.html
bhang 25.11.2018
4. [Zitat] Lewis wird sich freuen, daß nicht Jenson oder Fernando sein Te
amkollege sein wird. [/Zitat] Den "Sch****" hat Hamilton längst hinter sich und hat dennoch in jenen vier Jahren jene zwei Herrschaften drei Saisons lang hinter sich gelassen (sollte Vettel wenigstens nur ein einziges mal schaffen... das wäre schon ein großes Ding für ihn). Und wir sprechen hier wenigstens von WM-Titelträgern, die immer noch auf der Höhe ihrer jeweiligen Leistung waren bzw. deren jeweilige errungenen WM-Titel damals (2007, 2010, 2011, 2012 als Hamilton gegen sie ranmusste) noch sehr jüngst waren...
heimatminister 25.11.2018
5. Frau Sturm, eine Frage, bitte!
Zitat aus dem Artikel". "Durch den Halo gab es für Hülkenberg keine Chance, selbstständig aus dem Auto zu kommen - genau das Szenario, vor dem Kritiker immer gewarnt hatten." Frau Sturm, könnten Sie bitte erklären wie Sie zu dieser Schlussfolgerung kommen? - Hülkenbergs Wagen lag zwischen Boden und "Wand"/Barriere. - Woher wissen Sie, dass sich Hülkenberg OHNE Halo aus dieser ungünstigen Lage hätte befreien können? - Hülkenberg selbst sagt explizit NICHT, dass Halo ihn behindert hätte. (Er hätte überhaupt nicht darüber nachgedacht - waren seine Worte. Auch im Rückblick!) - Hülkenberg überschlug sich zwei Mal. Beide Male mit Aufschlag auf der Oberseite des Fahrzeugs. Implizit behaupten Sie Halo gefährde die Fahrer! Gesundheit und Leben der Fahrer. Die Entscheidung der FIA sei falsch. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung? Und wie würden Sie eine schwere Verletzung oder gar den Tod eines Fahrers OHNE Halo kommentieren? Ich hoffe, dass kritische Nachfragen zu einer so eindeutigen Aussage einer Journalistin gestattet sind. Mir als Leser sind sie in keiner Weise schlüssig. Aber ich lerne gern dazu, daher hoffe ich auf eine Antwort!
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