Von Peter Ahrens
Amnesty International hat in diesen Tagen einen Bericht zur Lage in Bahrain veröffentlicht: Darin ist von Folter in dem Emirat die Rede, von 50 Toten bei Demonstrationen seit dem Vorjahr, von Hunderten politischen Gefangenen in den Gefängnissen des Königshauses. Amnesty International führte unter anderem den Fall eines 14-jährigen Jungen an, der starb, nachdem das Haus seiner Familie mit Tränengas befeuert worden war. Ein 18-Jähriger sei gezwungen worden, elf Stunden lang zu stehen. Polizisten hätten ihm angedroht, er werde vergewaltigt, wenn er nicht aussage.
Auch die Formel 1 ist an diesem Wochenende in Bahrain, und der Chef des Automobilverbands Fia, Jean Todt, sagt: "Die Fia ist eine Sportorganisation. Wir interessieren uns nur für den Sport."
Der Große Preis von Bahrain am Sonntag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist das vierte Rennen dieses Formel-1-Jahres. Es ist das mit Abstand umstrittenste. Und es wird auch deswegen stattfinden, weil die Verantwortlichen sich wegducken, wenn es um die Benennung der politischen Verhältnisse in dem Emirat geht.
Ecclestone will das Rennen unbedingt durchziehen
Im Vorjahr war das Rennen kurzfristig aus dem Terminkalender gestrichen worden. Kurz zuvor waren die Unruhen zwischen der schiitischen Opposition und der sunnitischen Staatsmacht ausgebrochen, die Formel-1-Teams fürchteten um ihre eigene Sicherheit. Chefvermarkter Bernie Ecclestone hatte damals schon versucht, das Rennen nachholen zu lassen, aber das passte den Rennställen nicht in ihre ohnehin enge Jahresplanung.
"Ich glaube nicht, dass das etwas Ernstes ist. Erst wenn die Menschen vor Ort sagen, dass es keine gute Idee wäre zu kommen, würde ich noch einmal darüber nachdenken", hatte Ecclestone der Tageszeitung "The Guardian" über die Unruhen in Bahrain gesagt.
"Das hier ist nicht Afghanistan"
Die Leute vor Ort: Damit meint Ecclestone wohl vor allem die Veranstalter des Rennens selbst und die staatlichen Stellen. Von deren Seite kommen denn auch die Beschwichtigungen. "Das hier ist nicht Afghanistan oder Syrien", hat Streckenchef Zayed al-Zayani mitteilen lassen und festgestellt, es gebe schließlich ja auch gegen die Olympischen Sommerspiele in London Proteste und Sicherheitsbedenken: "Und sagt man Olympia deswegen ab?" In einer offiziellen staatlichen Stellungnahme werden Vorwürfe der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch als "ausgedacht" abgetan.
Die Rennställe und Fahrer halten sich denn auch gänzlich an diese Vorgabe, kritische Töne sind von ihnen nicht zu hören. Selbst als Mitarbeiter des Force-India-Teams am Donnerstag zugegen waren, als eine Benzinbombe detonierte, hieß es vom Teamsprecher anschließend nur: Man wolle "den Zwischenfall nicht überbewerten", schließlich sei niemand zu Schaden gekommen. Zwei der betroffenen Force-India-Techniker haben sich dennoch zur Abreise entschlossen.
Wegducken, schweigen: Auch den Stars der Branche - von Sebastian Vettel über Michael Schumacher bis hin zu Lewis Hamilton - ist kein Kommentar dazu zu entlocken, ob ein Rennen unter solchen Umständen nicht deplatziert sei. Ferrari-Pilot Felipe Massa hat nach seiner Taxifahrt vom Flughafen zum Hotel festgestellt: "Scheint alles ruhig zu sein."
Die Opposition im Land hat Versuche angekündigt, das Rennen am Sonntag zu stören. Bereits am Mittwoch gab es anlässlich einer Ausstellung über die Formel 1 Straßenkämpfe zwischen Polizei und Protestierern, die Sicherheitskräfte seien dabei mit Schockgranaten vorgegangen. Ein früherer Oppositioneller, Jasim Husain, hat aber schon im Hinblick auf den Sonntag abgewunken: "Es wird wohl Demonstrationen geben. Aber die würde es auch geben, wenn die Formel 1 nicht hier wäre." Dann ist es ja gut.
Das Motto, das die Königsfamilie für das Formel-1-Wochenende ausgelobt hat, lautet: "Eine Nation, im Feiern vereint".
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