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Formel-1-Team Haas: Machtspiele der großen Hersteller

Von Karin Sturm

Romain Grosjean hinter seinem neuen Rennwagen Zur Großansicht
AFP

Romain Grosjean hinter seinem neuen Rennwagen

Mit Haas hat es mal wieder ein neuer Rennstall in die Formel 1 geschafft. Dank Ferraris Hilfe könnte es sogar WM-Punkte für das US-Team geben. Den kleinen, unabhängigen Teams droht deshalb aber das Aus.

Die Formel 1 und die USA - das ist nicht unbedingt die große Liebe. Die Amerikaner ziehen ihren eigenen Rennsport vor, von Indycar bis Nascar. Jetzt ist das Interesse mal wieder deutlich gestiegen - denn 30 Jahre nach Haas-Lola gibt es wieder ein US-Team in der Formel 1: Haas-Ferrari. Die Namensgleichheit ist dabei reiner Zufall: Gene Haas ist mit dem damaligen Teamchef Carl Haas weder verwandt noch verschwägert.

Gene Haas ist in den USA ein erfolgreicher Industrieller. Haas Automation produziert in ganz großem Rahmen computergesteuerte Fertigungsmaschinen. Auch im Motorsport hat er schon einige Erfahrung. In der amerikanischen Nascar-Serie ist er seit 2002 mit einem eigenen Team unterwegs.

Die Formel-1-Idee hat ihm allerdings ein Europäer eingepflanzt. Guenther Steiner. Der war schon technischer Direktor bei Jaguar und Red Bull, hat eine eigene Firma für Carbonteile, mit der er vor allem den amerikanischen Rennsportmarkt beliefert. Daher der Kontakt zwischen Haas und Steiner. Und seit 2010, seit die Fia immer wieder neue Teams für die Formel 1 sucht, bohrte Steiner, brachte Ideen, neue Vorschläge und die beiden entwickelten immer wieder neue Geschäftsmodelle.

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Nico Rosberg: Bereit für die Revanche
Um nicht, wie die letzten Neueinsteiger, Hispania, Caterham und letzlich auch Marussia, schnell finanziell zu scheitern, baut man bei Haas auf ein ganz eigenes Konzept: Nur so viel wie absolut nötig selbst konstruieren, den Rest bei einem großen Partner einkaufen. Der heißt Ferrari und liefert nicht nur den kompletten Antriebsstrang, sondern auch das Getriebe, die Aufhängungen, Radträger, Hydraulik, Lenkung, Elektronik - und sogar den Sitz. Selbstkonstruiert sind, wie vom Reglement vorgeschrieben, das Chassis und alle Aerodynamikteile.

Aber selbst bei der Herstellung des Fahrgestells baut man auf Fremdhilfe, greift auf die Erfahrung von Dallara in Italien zurück. Zumindest hat man es dann bis zum Aerodynamik-Testgelände nicht weit, da benutzt Haas den Ferrari-Windkanal. Sämtliche Metallteile werden am offiziellen Firmensitz in den USA produziert, nur zusammengesetzt wird das Ganze dann in Banbury in England, dem eigentlichen Standort des Rennstalls.

Bei den Testfahrten in Barcelona schien das Konzept zunächst überraschend gut zu funktionieren, in der zweiten Woche wurde das neue Team dann allerdings doch von einer ganzen Portion Kinderkrankheiten eingeholt. Die beiden Fahrer Romain Grosjean und Estaban Gutierrez konnten nur relativ wenige Runden drehen. Was Guenther Steiner nicht wirklich verwunderte: "Das ist einerseits logisch. Was mich freut, ist, dass wir auf die Probleme doch immer gut reagieren, sie verstehen und am Ende lösen konnten."

Abhängigkeit von den großen Herstellern wächst

Von der Konkurrenz wird Haas ganz genau beobachtet. Denn das Konzept der Amerikaner ist ein ganz heißes Politikum. Sind derartige Modelle - ein kleiner Rennstall als B-Team eines großen Herstellers - die Zukunft der Formel 1? Mercedes baut zusammen mit Manor etwas ähnliches auf. Das Modell kann eine Win-Win-Situation sein: Die Kleinen kommen so relativ kostengünstig zu konkurrenzfähigem Material. Und die Großen haben eine zusätzliche Möglichkeit, bei den Kunden erst einmal gewisse Dinge auszutesten, an zusätzliche Windkanaldaten zu kommen, da die Windkanalnutzungszeiten pro Team durch die Fia eigentlich beschränkt sind.

Die unabhängigen, kleinen Teams, die sich trotz aller Schwierigkeiten bisher in der Formel 1 alleine durchgeschlagen haben und darauf auch stolz sind, wie Force India oder Sauber, stehen dem Modell sehr kritisch gegenüber. Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn sieht die Gefahr, dass wirklich unabhängige Teams so auf Dauer überhaupt keine Überlebenschance mehr hätten. Was im Klartext hieße: Eine komplett von den großen Herstellern abhängige Formel 1.

Für die Haas-Truppe selbst ist das allerdings im Moment nicht das große Thema. Für Haas, Steiner, Grosjean, Gutierrez und Co. ist es erst einmal das Wichtigste, in Melbourne zu zeigen, dass man in der Lage ist, auf Anhieb einen wirklich Formel-1-würdigen Auftritt hinzulegen. "Irgendwo im hinteren Mittelfeld" ordnet Steiner seine Mannschaft ein. "Und wenn wir ein zuverlässiges Auto haben, können wir vielleicht eine Überraschung schaffen. Ich denke, wir sind so gut vorbereitet, wie es nur möglich ist."

Formel-1-Saison 2016
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Red Bull
Daniel Ricciardo und Max Verstappen
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Renault
Kevin Magnussen und Jolyon Palmer
Toro Rosso
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr.
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Manor
Rio Haryanto und Pascal Wehrlein
Haas
Romain Grosjean und Esteban Gutierrez
Der Rennkalender
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (as-Sachir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montréal)
19. Juni: Europa (Baku)
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Großbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Mogyoród)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur (Singapur)
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Japan (Suzuka)
23. Oktober: USA (Austin)
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Interlagos)
27. November: Abu Dhabi (Yas-Insel)
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Pole-Positions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Pole-Positions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)

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insgesamt 15 Beiträge
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1.
wirep 17.03.2016
scheint doch alles regelkonform zu sein. klar bevorteilt es mal wieder die großen teams, aber niemand sagt dass sauber u d force india es nicht auch so machen dürfen. alleine es fehlt der schnöde mammon, aber dass da bei den großen genug von vorhanden ist, ist ja auch nicht deren schuld
2. Die Gefahr
BeatDaddy 17.03.2016
bei diesem Konzept ist aber eine noch deutlich höhere Abhängigkeit von den großen Automobilfirmen...gerade Mercedes ist ausdrücklich daran interessiert, der F1 ihren persönlichen Stempel aufzudrücken. Genau so wie in der Politik macht sich die Lobby daran, alles unter ihre Fittiche zu bekommen. Es macht einfach keinen Spaß mehr, denn alles, was das Interesse der Menschen entfacht, wird in kürzester Zeit dazu benutzt, als Werbefläche und Grundfinanzierung zu dienen, bis es kaputt ist... Man sieht es doch bei Oldtimern. Wenn iich schon lese, dass das Interesse daran stark zugenommen hat und Oldtimer immer mehr zu Wertanlagen werden, weiß ich sofort, dass dieser Markt für Otto Normalverbraucher komplett gestorben ist.
3. Schafft diesen Schwachsinnn ab!
denkdochmal 17.03.2016
Das ist kein Sport, daß ist (zweifelhafte) Werbung für Mercedes, Ferrari und noch ein paar betuchter Hersteller, die ferngelenkte "Piloten" im Kreis herum fahren lassen, mit "Autos" die kein Mensch braucht. Sport wäre, wenn gleichartig gebaute Autos - auch F1 - zu erschwinglichen Preisen gebaut und betrieben würden. Von Fahrern, die ihrem Können entsprechend und nicht ferngelenkt ihrem Sport nachgehen.
4.
fgeiger 17.03.2016
Zitat von BeatDaddybei diesem Konzept ist aber eine noch deutlich höhere Abhängigkeit von den großen Automobilfirmen...gerade Mercedes ist ausdrücklich daran interessiert, der F1 ihren persönlichen Stempel aufzudrücken. Genau so wie in der Politik macht sich die Lobby daran, alles unter ihre Fittiche zu bekommen. Es macht einfach keinen Spaß mehr, denn alles, was das Interesse der Menschen entfacht, wird in kürzester Zeit dazu benutzt, als Werbefläche und Grundfinanzierung zu dienen, bis es kaputt ist... Man sieht es doch bei Oldtimern. Wenn iich schon lese, dass das Interesse daran stark zugenommen hat und Oldtimer immer mehr zu Wertanlagen werden, weiß ich sofort, dass dieser Markt für Otto Normalverbraucher komplett gestorben ist.
In welcher Hinsicht sollte Mercedes ausdrücklich daran interessiert sein der Formel 1 ihren "persönlichen" Stempel aufzudrücken??? Mercedes ist in erster Linie daran interessiert erfolgreich zu sein.......und darin unterscheiden sie sich in keinster Weise von ihrer Konkurrenz. Auch die Idee eines Satellitenteams ist doch nicht wirklich neu: Ferrari praktiziert das schon seit Jahren mit Sauber und bei Red Bull hat man Toro Rosso. Ursprünglich war sogar angedacht, daß TR das selbe Material wie RB verwendet, was jedoch am Widerstand der "anderen" Kleinen gescheitert ist (allen voran Force India). Man stelle sich vor: 2010 bis 13 vier RB auf der Strecke...... Der Verweis zu Oldtimern ist meiner Meinung nach etwas weit hergeholt: wobei sollte ein Autohersteller profitieren wenn Oldtimer zu "Wertanlagen" werden, zumal sich der Preis dort nach den guten alten Regeln der Marktwirtschaft entwickeln?!
5. @fgeiger
p k 17.03.2016
es ist schon eine tolle Leistung von Mercedes, gegen völlig unterfinanzierte und am Existenzminimum agierende Teams zu triumphieren.
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