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Hamilton-Sieg in Malaysia: Jagd nach den Silberpfeilen

Aus Sepang berichten Kerstin Hasenbichler und Stephan Heublein

Formel 1 in Malaysia: Doppelsieg für Mercedes Fotos
Getty Images

Mercedes dominierte den Großen Preis von Malaysia, die Konkurrenz hatte gegen Sieger Hamilton und seinen Teamkollegen Rosberg kaum eine Chance. Das soll sich in Bahrain ändern - Vettels Team Red Bull bastelt unter Hochdruck am Boliden.

Jeder wollte ihn einmal anfassen, jeder noch ein Erinnerungsfoto mit ihm machen. Doch Lewis Hamilton ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Mit einem Lächeln im Gesicht stand der Brite rund anderthalb Stunden nach dem Ende des Großen Preises von Malaysia in der Box seines Teams. Um ihn herum wurde bereits fleißig abgebaut, Hamilton aber posierte bereitwillig für seine Mechaniker.

Mercedes hatte nach dem Doppelsieg von Sepang allen Grund zu feiern, war die Spitzenposition von Hamilton und auch der zweite Platz von Teamkollege Nico Rosberg doch zu keiner Zeit in Gefahr. Aber auch beim Drittplatzierten Sebastian Vettel war Erleichterung zu spüren. Die Scharte des desaströsen Saisonstarts in Australien schien mit dem Podestrang zumindest ein bisschen ausgewetzt zu sein. "Wir sind auf jeden Fall auf dem richtigen Weg. Es gibt noch jede Menge zu tun, ich merke, dass das Auto unrund läuft, es fehlt auch noch Power", sagte Vettel nach dem Rennen: "Aber es geht eindeutig voran, und alle im Team geben Vollgas."

Schon am Donnerstag war im Red-Bull-Lager Aufbruchsstimmung zu spüren gewesen. Statt Formel-1-Boliden rasten da noch die Gabelstapler durch die Boxengassen von Sepang, die meiste Fracht luden die Arbeiter hinter der Box des amtierenden Weltmeisterteams ab. Zwischen 30 und 35 Tonnen Material transportiert jeder Rennstall zu den Überseerennen, bei Red Bull waren es in Malaysia noch ein paar mehr.

Neue Bauteile für das Rennen in Bahrain

"Es kommen stetig neue Kisten aus England hier an", verriet der ehemalige Formel-1-Fahrer Johnny Herbert. "Das ist typisch Red Bull. Sie haben immer mehr neue Teile als alle anderen." Und das ist derzeit auch noch bitter nötig. Denn wenngleich die Leistungskurve des Boliden RB10 deutlich nach oben zeigt, sehen die hohen Ansprüche des Teams von Vierfach-Champion Vettel anders aus. Der aktuelle Klassenprimus heißt Mercedes, und um die Silberpfeile erfolgreich zu jagen, muss Red-Bull-Superhirn Adrian Newey nachsitzen.

Bereits am kommenden Wochenende in Bahrain werden die nächsten Kisten mit verbesserten Teilen aus der Fabrik im Fahrerlager eintreffen. Auf das größte Problemfeld des Autos hat Red Bull allerdings nur bedingt Einfluss. "Das Teil, das krankt, ist der Motor beziehungsweise der Antriebsstrang", sagt Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko. Der Österreicher beziffert das Defizit der Renault Power Unit auf rund 80 PS, aber auch die Software des französischen Herstellers ist noch nicht ausgereift und sorgt immer wieder für Probleme.

"Mercedes hat das Thema Motor viel besser gelöst als alle anderen", sagt Formel-1-Experte Christian Danner. Die Top-Speed-Werte der beiden Mercedes-Fahrer waren am gesamten Wochenende in Malaysia deutlich höher als jene der Red-Bull-Piloten. Das Chassis scheint seinen weltmeisterlichen Vorgängern auch in diesem Jahr in nichts nachzustehen; der RB10 produziert hohe Abtriebswerte und ist besonders gut in schnellen Kurven. Die Leistung des Renault-Triebwerks ist jedoch noch mangelhaft.

Auf diesem Gebiet hat sich Mercedes einen großen Vorsprung erarbeitet. Die ersten internen Überlegungen zum neuen Antriebsstrang fanden bereits Ende des Jahres 2010 statt. Als dann Mitte 2011 die Regeln für die neuen V6-Hybrid-Power-Units veröffentlicht wurden, schalteten die Chassis-Abteilung im englischen Brackley und die Motorenschmiede im nahe gelegenen Brixworth einen Gang höher.

Vettel: "Wir müssen große Schritte machen"

"Mercedes hat diese Technik über einen langen Zeitraum entwickelt", bestätigt der frühere Grand-Prix-Pilot Allan McNish. Dieser Wissens- und Entwicklungsvorsprung zahlte sich bereits bei den Wintertestfahrten im Januar und Februar dieses Jahres aus. Während die Konkurrenz, allen voran die Renault-Teams, wegen technischer Probleme in der Box standen, absolvierten die Silberpfeile mit knapp 5000 Kilometern die höchste Laufleistung des Winters.

Dessen ist sich auch Vettel bewusst, trotzdem möchte er die Hoffnung auf den fünften WM-Titel noch nicht begraben. "Wir müssen große Schritte machen, weil der Abstand auf Mercedes groß ist. Aber ich bin zufrieden. Das war die erste Renndistanz für mich seit dem Grand Prix in Brasilien im vergangenen Jahr", sagte er - und wirkte im Anschluss an das Rennen ungewöhnlich entspannt. "Es ist jetzt eine Frage der Zeit, wann wir es schaffen aufzuschließen."

Der Mercedes-Vorteil ist allerdings nicht ausschließlich auf die leistungsstarke und zuverlässige Power Unit zurückzuführen. "Es ist eine Kombination aus der Power Unit und dem gesamten Paket", sagt Damon Hill, Formel-1-Weltmeister von 1996. "Sie haben alle Puzzleteile sehr gut zusammengefügt und sind hochmotiviert, zu gewinnen."

Seit der Rückkehr von Mercedes in die Königsklasse im Jahr 2010 hat der Konzern seinen Rennstall kontinuierlich mit Top-Ingenieuren wie Bob Bell, Aldo Costa und Geoffrey Willis verstärkt. Im Winter kündigte Mercedes sogar zwei Neuzugänge aus den Reihen von Red Bull an, womit Newey wichtige Säulen in seinem Ingenieursteam verlor.

Die Messlatte für die Jäger rund um Vettel liegt hoch.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Alles bleibt anders
lhr 30.03.2014
Leider ist neue Saison nicht spannender als die vergangene. Die Dominanz von RB wurde durch die Dominanz von Mercedes ersetzt. Schon nach dem zweiten (eigentlich schon nach dem ersten) Rennen ist klar, Mercedes wird Platz 1 und 2 haben und RB Platz 3 und 4. Welcher Fahrer im jeweiligen Team vorne liegt wird entweder durch den Status des Fahrers im Team entschieden oder gegebenenfalls auch dadurch welcher Fahrer mehr Glück hat in der ersten Saisonhälfte mehr Punkte zu ergattern.
2.
WhereIsMyMoney 30.03.2014
Vettel ist doch schon näher dran als es die kühnsten Optimisten gehofft haben. Ich war mir nach den Tests eigentlich sicher dass die WM zwischen Rosberg und Hamilton entschieden wird, doch jetzt denke ich dass Vettel eine reelle Chance hat. Die doppelte Punktzahl m letzten rennen in Abu Dhabi könnte ihm den Titel bringen. was für eine Ironie wenn man bedenkt, dass Vettels Siegesserie der Initiator für diese Regel war und sie eigentlich gegen ihn gerichtet war.
3. Die Frage
BettyB. 30.03.2014
Kann der RB10 wieder um so vieles besser sein als der Mercedes, damit Vettel gewinnt? Gleiche Qualität der Boliden wird ja wohl kaum reichen..
4. Hauptsache nicht RB
freeusa 30.03.2014
hoffen wir mal
5. Erfolg auf süddeutsch
Fangio 30.03.2014
Zitat von sysopGetty ImagesMercedes dominierte den Großen Preis von Malaysia, die Konkurrenz hatte gegen Sieger Hamilton und seinen Teamkollegen Rosberg kaum eine Chance. Das soll sich in Bahrain ändern - Vettels Team Red Bull bastelt unter Hochdruck am neuen Boliden. http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-hamilton-siegt-im-mercedes-vor-vettel-in-malaysia-a-961553.html
Wurde ja auch mal Zeit, dass Mercedes ein Auto mit genug Potential auf die Beine stellt, um bei der Titelvergabe eine Rolle zu spielen. Wielange haben sie jetzt dafür gebraucht, über vier Jahre? Die Methoden um ganz nach vorn zu kommen erinnern allerdings ein wenig an einen bekannten Fussballverein aus Bayern. ;-)
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Fotostrecke
Formel-1-Fahrer 2014: Fünf Weltmeister, drei Neue und "Disco Dan"

Formel 1: Rennkalender 2014
Rennen Datum Großer Preis von (Ort)
1 16.03. Australien (Melbourne)
2 30.03. Malaysia (Sepang)
3 06.04. Bahrain (Manama)
4 20.04. China (Shanghai)
5 11.05. Spanien (Barcelona)
6 25.05. Monaco (Monte Carlo)
7 08.06. Kanada (Montreal)
8 22.06. Österreich (Spielberg)
9 06.07. Großbritannien (Silverstone)
10 20.07. Deutschland (Hockenheimring)
11 27.07. Ungarn (Budapest)
12 24.08. Belgien (Spa-Francorchamps)
13 07.09. Italien (Monza)
14 21.09. Singapur (Singapur)
15 05.10. Japan (Suzuka)
16 12.10. Russland (Sotschi)
17 02.11. USA (Austin)
18 09.11. Brasilien (São Paulo)
19 23.11. Abu Dhabi (Abu Dhabi)
Formel-1-Saison 2014: Die wichtigsten Änderungen
Motor
Die Ära der Saugmotoren ist vorbei. Statt der 2,4-Liter-Triebwerke mit acht Zylindern stecken nun 1,6-Liter-Turbomaschinen mit sechs Zylindern unter der Fahrzeugabdeckung. Pro Saison darf ein Fahrer nur fünf Motoren einsetzen, bisher waren es acht. Ab dem sechsten Motor muss er aus der Boxengasse starten.
Hybridsystem
Das Hybridsystem ERS (Energy Recovery System) liefert pro Runde zusätzlich 160 PS für 33,3 Sekunden. Die beiden Elektromotoren speisen sich aus der Wärmeenergie des Abgasstrahls sowie kinetischer Energie des Bremsvorgangs.
Spritlimit
Erlaubt sind für jedes Rennen nur noch 100 statt bislang 150 Kilogramm Sprit. Die Folge ist, dass die Fahrer verbrauchsschonender fahren müssen. Wer nur auf dem Gaspedal steht, wird das Ziel nicht erreichen.
Fahrzeugnase
Sie wurde drastisch abgesenkt. Zuletzt war eine Maximalhöhe von 55 Zentimetern erlaubt. Nun sind es nur noch 18,5 Zentimeter von der Spitze der Rennwagen zum Boden. Die Nasen liegen damit unwesentlich höher als der Frontflügel. Der Grund für die Änderung: Durch die noch tiefer liegende Wagenspitze soll bei Kollisionen die Gefahr weiter gemindert werden, dass andere Piloten von ihr getroffen werden.
Frontflügel
Er ist schmaler geworden. Statt 1,80 Metern beträgt die erlaubte Maximalbreite 1,65 Meter. Auswirkung hat das auf die sogenannten Endplatten, die für die Luftführung vor den Vorderreifen wichtig sind.
Heckflügel
Das untere Heckflügel-Element, der sogenannte Beamwing, ist nicht mehr erlaubt. Für die Ingenieure besteht auch hier die Herausforderung darin, den dadurch verlorenen Abtrieb zu kompensieren.
Auspuff
Nur noch ein Endrohr ist erlaubt. Bislang wurden die Abgase über zwei seitliche Kanäle abgeleitet und so auf das Heck geführt, dass auch dadurch weiterer Abtrieb erreicht wurde, sprich: eine bessere Straßenlage. Das neue Endrohr muss mittig angebracht sein.
Startnummern
Erstmals tragen die Piloten nicht mehr die Startnummern nach der Abschlussrangliste der vorhergehenden Saison. Nur die 1 ist weiter dem Titelverteidiger vorbehalten, ansonsten durften sich die Piloten ihre Startnummer aussuchen. Zur Wahl standen Zahlen von 2 bis 99.
Strafen
Es gibt nun Strafpunkte für bestimmte Vergehen. Diese werden in einem Jahr zusammengerechnet, ähnlich wie bei der Verkehrssünderkartei in Flensburg. Kommt ein Fahrer auf zwölf Punkte, muss er ein Rennen pausieren. Eine Verwarnung, beispielsweise wegen des Überfahrens einer durchgezogenen Linie, hat einen Punkt zur Folge. Eine Durchfahrtsstrafe zieht zwei Punkte nach sich. Wird ein Pilot beim Qualifying von einem Gegner extrem behindert, muss der Übeltäter nicht nur fünf Plätze in der Startaufstellung nach hinten, sondern bekommt auch drei Punkte. Eine Rückstufung von zehn Startplätzen (zum Beispiel als Schuldiger einer Kollision) bedeutet fünf Strafpunkte. Zudem können die Rennkommissare 2014 schon für kleinere Vergehen wie Verlassen der Fahrlinie Fünf-Sekunden-Strafen aussprechen.
WM-Punkte
Wie in den vergangenen Jahren bekommen die zehn besten Fahrer des Rennens Punkte, der Sieger erhält 25. Neu ist, dass es beim letzten der 19 Rennen in Abu Dhabi die doppelte Punktzahl gibt. Der Sieger erhält dann 50 Zähler, der Zweite 36 statt 18, und für Platz zehn gibt es anstatt eines Punktes dann zwei Zähler.

Die neue "Power Unit"
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Formel-1-Autos 2014: Ameisenbären und ein Staubsauger

Formel 1: Teams und Fahrer 2014
Team Fahrer 1 Fahrer 2
Red Bull Sebastian Vettel Daniel Ricciardo
Ferrari Kimi Räikkönen Fernando Alonso
Mercedes Nico Rosberg Lewis Hamilton
Lotus Romain Grosjean Pastor Maldonado
McLaren Jenson Button Kevin Magnussen
Sauber Adrian Sutil Esteban Gutiérrez
Force India Nico Hülkenberg Sergio Pérez
Toro Rosso Jean-Eric Vergne Daniil Kwjat
Williams Felipe Massa Valtteri Bottas
Caterham Marcus Ericsson Kamui Kobayashi
Marussia Max Chilton Jules Bianchi

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