Mercedes-Fehler beim Formel-1-Auftakt Verrechnet

Eine gute Leistung und etwas Glück haben Sebastian Vettel den Sieg in Melbourne beschert. Haas erlebte ein Debakel, Max Verstappen überdrehte und Fernando Alonso freute sich über seinen neuen Motor.

Sebastian Vettel (r.), Lewis Hamilton
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Sebastian Vettel (r.), Lewis Hamilton

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Szene des Rennens: Am Ende der 25. Runde ging Sebastian Vettel in die Box - während einer virtuellen Safety-Car-Phase. Lewis Hamilton musst in dieser Zeit mit gedrosseltem Tempo fahren und hatte seine Reifen bereits gewechselt. Die Entscheidung brachte Vettel den Sieg, er blieb nach dem Stopp knapp vorn. "Von dem Moment an bis zum Ende konnte ich nicht glauben, was da passiert war", sagte Hamilton nach dem Rennen. Sein Team war davon ausgegangen, dass Vettels Vorsprung nicht reichen könne.

Startaufstellung (Top Ten): Hamilton - Räikkönen - Vettel - Verstappen - Magnussen - Grosjean - Hülkenberg - Ricciardo - Sainz - Hamilton

Das Ergebnis: Vettel gewinnt vor Hamilton, Kimi Räikkönen komplettiert im zweiten Ferrari das Podest. Hier geht's zur Meldung.

Die fehlenden Sekunden: Nicht nur Hamilton, das ganze Mercedes-Team war überrascht, als Vettel auch nach dem Boxenstopp vorn blieb. Teamchef Toto Wolff klärte auf: Die Strategie-Software bei Mercedes war schuld. Sie hatte errechnet, dass Vettels Vorsprung trotz der Safety-Car-Phase nicht reichen würde, lag aber um etwa fünf Sekunden daneben. Hamilton konnte nicht so schnell aufholen, wie gedacht. Und so tauchte Vettel nicht hinter Hamilton auf, sondern vor ihm.

Die Startphase: So spannend das Rennen noch wurde - nach dem Start wollte sich wohl so manch ein Zuschauer, der sich nach der Zeitumstellung mühsam aus dem Bett gequält hatte, direkt wieder hinlegen - und sah sich in seiner Sorge um fehlende Spannung in der Formel 1 bestätigt. Denn der Auftakt der neuen Saison verlief herzlich unspektakulär. In der Spitzengruppe gab es nur ein Überholmanöver: Kevin Magnussen (Haas) fuhr an Max Verstappen (Red Bull) vorbei und war damit Vierter.

Boxenstopps für die Fans: Wer in den vergangenen Jahren die Formel 1 beim Pay-TV-Sender Sky gewöhnt war, für den war das erste Rennen der neuen Saison wohl ein Nerventest. Sky überträgt nicht mehr, der neue Streamingdienst F1 TV ist noch nicht bereit. Und so überträgt in Deutschland derzeit nur RTL - und zwar wie gewohnt mit Werbung, zum Ärger der bisherigen Sky-Zuschauer.

Kurzes Debüt: Für Sergej Sirotkin war das erste Formel-1-Rennen seiner Karriere schon in der sechsten Runde wegen eines Bremsdefekts beendet. Und die übrigen Neulinge? Pierre Gasly schied ebenfalls aus, Brendon Hartley wurde 15. und belegte damit den letzten Platz der Fahrer, die nicht ausgeschieden sind. Charles Leclerc war auf Rang 13 der beste Debütant.

Zahlenspiele: 199 Rennen, 48 Siege. Das ist die Bilanz von Sebastian Vettel. Und: In Australien fuhr der Deutsche zum 100. Mal aufs Podest.

Verstappen überdreht: Gleich beim Start verlor Max Verstappen seinen vierten Platz an Magnussen. Das wollte der Niederländer natürlich nicht akzeptieren und fuhr anschließend sehr aggressiv - vielleicht zu aggressiv. Erst leistete er sich noch ein paar Ungenauigkeiten in den Kurven, dann kam es sogar zu einem Dreher. Verstappen wurde letztlich nur Sechster.

Max Verstappen
Getty Images

Max Verstappen

Endlich zuverlässig: Vor der Saison hatten McLaren und Toro Rosso die Motorlieferanten getauscht. Toro Rosso fährt nun mit einem Honda-Motor, der im Vorjahr noch Fernando Alonso viele Punkte gekostet und den Spanier phasenweise in den Wahnsinn getrieben hatte. Auf seinen Renault-Motor konnte sich Alonso nach technischen Problemen in der Saisonvorbereitung nun verlassen - und wurde direkt Fünfter. Mit Gasly schied bei Toro Rosso hingegen ein Fahrer mit einem Motorschaden aus.

Debakel statt Sensation: Das Team Haas war auf dem Weg zu einem spektakulären Auftakt - und erlebte doch ein Debakel. Kevin Magnussen und Romain Grosjean schieden kurz nacheinander aus - jeweils direkt nachdem sie auf Platz vier liegend in die Box gefahren waren. Magnussens Auto hatte ein Problem an der Radaufhängung, bei Grosjean wurde ein Reifen beim Stopp nicht richtig montiert. (Hier droht sogar noch eine Strafe, weil Haas das unsichere Auto freigab.) So waren nicht nur die sicher geglaubten Punkte verloren, Haas entschied durch die folgende Safety-Car-Phase auch unfreiwillig das Rennen.

Erkenntnis des Rennens: Die Angst vor der großen Langeweile, sie war vor der neuen Formel-1-Saison wieder einmal groß - genau wie schon 2017. Und wieder könnte sie unbegründet gewesen sein: Eine überraschende Reihenfolge auf dem Podest beim ersten Rennen in Australien und spannende Geschichten hinter den Spitzenteams machen Lust auf die neue Saison.

insgesamt 24 Beiträge
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spon_3026850 25.03.2018
1. Kein Softwarefehler
Die Software hat das Rennen nicht entschieden. Vettel hatte einen Vorsprung auf Hamilton, der bei einem Boxenstop unter VSC ausrichend gross war. Die Software hat Mercedes zwar angezeigt, dass der Vorsprung nicht gross genug sei (und hier mag wohl tatsaechlich ein Fehler vorliegen), es haette Mercedes aber auch nicht geholfen, wenn die Software etwas anderes angezeigt haette, da die Geschwindigkeit unter VSC limitiert ist.
az26 25.03.2018
2. Angst vor der großen Langeweile unbegründet?
Der Sieg wurde wieder mal in der Box entschieden, und in der Spitzengruppe gab es nur ein Überholmanöver? Spitzensport der Extraklasse? Letztlich wurde der Sieg nicht im Zweikampf sondern vom Versagen einer Software entschieden. Nein danke, dafür lohnt aufstehen oder gar einschalten nicht.
dannyinabox 25.03.2018
3. verstappen
habe diese woche einen Artikel auf SPON gelesen wonach verstappen endlich seine hörner angestossen hätte und nun gar als titelkandidat gehandelt werden könnte. war wohl nichts.. im übrigen gibt es strecken die Mercedes mehr liegen und solche die Ferrari mehr liegen. bei diesen hatte Ferrari letztes mal versagt und wichtige Punkte verloren. wenn sie dass dieses jhr in den griff kriegen, könnte es klappen.
DerPotsdamer 25.03.2018
4. Es wird sicherlich langweilig...
Das Rennen ist letztlich durch einen Fehler der Box entschieden worden. Darüberhinaus bekam Vettel ja auch nur die Chance Erster zu werden, weil bei Ferrari Vettel die klare Eins ist und Kimi sich im Zweifel unterordnen oder im Bedarfsfall den Prellbock spielen muss. Wenn man bedenkt, dass Hamilton 0,8 s schneller war als der Zweitplatzierte in der Quali, kann man sich auf eine fade Saison einstellen. Eine knappe Sekunde holt auch Ferrari nicht auf. Zumal Mercedes nicht anfangen wird sich auszuruhen - dafür sind die zu sehr auf dem Boden der Tatsachen. Schade eigentlich, noch zwanzig Rennen, aber eigentlich war nach der ersten Quali alles klar...
Gerdd 25.03.2018
5. Ist schon schön ...
... wie bei Mercedes jetzt alle auf die Software starren, die letztlich mit dem Ergebnis überhaupt nichts zu tun hatte (korrekt, spon_3026850!) Wenn ihnen der Computer angezeigt hätte, daß es für Vettel reichen könte, hätten sie auch nichts mehr machen können. Wie Nico Rosberg sehr richtig erklärte, kostet ein Boxenstop bei normalem Verlauf und einer üblichen Renngeschwindigkeit etwa 20 Sekunden - mal mehr, mal weniger, in Abhängigkeit von der Länge der Boxengasse, dem dort herrschenden Speedlimit, dem Tempo draußen auf der freien Strecke und letzlich auch noch der Präzision des Stops an sich. Wenn aber draußen in einer virtuellen Safety-Car-Phase das Tempo drastisch reduziert ist, dann kostet der Boxenstop im Vergleich dazu auch deutlich weniger Zeit. Das hat der Ferrari-Computer richtig ausgerechnet und Vettel und sein team haben das korrekt umgesetzt. Da konnte Merceded nur zusehen und staunen - was sie ja auch mit der ihnen eigenen Präzision und Gründlichkeit getan haben. Hätte ihre Software das auch korrekt ausgerechnet. hätten sie vielleicht etwas eher gestaunt, vielleicht auch gar nicht, aber _tun_ konnten sie nichts. Man kann nun den Software-Fehler bedauern, man kann ihn auch beheben, möglicherweise. Aber der Softwarefehler hatte keinen Einfluß auf das Ergebnis - nur auf ihre Laune - fälschlicherweise. Jetzt kommt noch dazu, daß dank Kimi auf Platz drei und Bottas auf Platz 8 die Konstrukteurswertung zunächst auch erst einmal an Ferrari geht. Und die ist bei Mercedes ja mehr wert als die Fahrerwertungen. Tja.
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