Vettels Formel-1-Sieg in Bahrain: Flucht nach vorne

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Red-Bull-Pilot Vettel: "Natürlich sehr glücklich"

Ungefährdet fuhr Sebastian Vettel zum Sieg in Bahrain. Doch die Konkurrenz ließ sich nicht aus Schwäche abhängen, vor allem Verfolger Fernando Alonso hatte einfach Pech mit seinem Ferrari. Auch Lotus-Pilot Kimi Räikkönen bleibt Vettel dicht auf den Fersen. Ein Dreikampf bahnt sich an.

Sebastian Vettel ist ein Phänomen. Je schwieriger es wird, desto stärker präsentiert sich der Red-Bull-Pilot. Beeindruckend souverän ist der 25-Jährige in Bahrain zum Sieg gefahren - als hätte es all die Querelen im Vorfeld nicht gegeben. Als wäre sein Bolide schon immer so gut mit den neuen Reifen zurechtgekommen. Als hätte Vettel sich nicht mit Teamkollege Mark Webber gezofft. Als sei Formel 1 in Bahrain nicht ohnehin ein Spießrutenlauf.

Abgezockt tat Vettel das, was er am besten kann: die Flucht nach vorne antreten. Dank Startplatz zwei und einem riskanten, aber gelungenen Überholmanöver gegen Mercedes-Fahrer Nico Rosberg in Runde zwei ließ er kaum Zweifel an seinem Triumph in Bahrain aufkommen. "Es lief phänomenal. Es hat alles gepasst, deshalb bin ich natürlich sehr glücklich", sagte der dreimalige Weltmeister nach dem Rennen: "Ich wusste, es würde entscheidend sein, direkt nach dem Start in Führung zu gehen."

Vettel, der als erster Fahrer in dieser Saison zwei Rennen gewonnen hat, reist jetzt mit zehn Punkten Vorsprung auf Kimi Raikkönen (Lotus) und 30 Zählern Vorsprung auf Ferrari-Pilot Fernando Alonso in drei Wochen zum Europa-Auftakt der Saison nach Spanien. In Barcelona wird es neue Reifenmischungen geben - solche, die sich nicht so schnell abnutzen und deshalb auch Red Bull in die Hände spielen. Es läuft wieder beim Titelverteidiger und seinem Rennstall.

Mercedes mit Sorgen um neue Reifen

Anders als bei Alonso und Rosberg, der von der Pole-Position gestartet war. Alonso war von einem technischen Defekt an seinem Ferrari ausgebremst worden und nicht über Platz acht hinausgekommen. Rosberg wird den 132. Grand Prix seiner Karriere am liebsten ganz streichen wollen. Er musste sich etliche Male überholen lassen und wurde am Ende nur Neunter. "Das ist so was von ernüchternd. Grausam", sagte Rosberg deprimiert.

"Ich bin nur rumgerutscht, ab der ersten Runde hat der Wagen übersteuert", klagte Rosberg über die zu schnell abbauenden Reifen. Zudem musste er nach einer Kollision mit Vettels Teamkollege Mark Webber auch noch um seine zwei Punkte fürchten. Allerdings gaben die Rennkommissare dem Australier die Schuld an dem Vorfall und verwarnten ihn. Ein schwacher Trost für Rosberg und sein Team, bei dem die empfindlichen Pirelli-Pneus erneut für schlechte Stimmung sorgten.

Nach dem hervorragenden Ergebnis aus dem Qualifying mussten Teamchef Ross Brawn und Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff einsehen, dass sie in Wahrheit noch weit von der Spitze der Formel 1 entfernt sind. Die Silberpfeile sind im Renntempo viel zu langsam. Dabei wird der Rennstall nicht müde, seinen hohen Anspruch zu untermauern. "Ein enttäuschendes Resultat", sagte Wolff, "wir müssen sorgfältig analysieren, warum wir nicht den nötigen Speed hatten."

Alonsos enttäuschendes Abschneiden war vor allem Pech

Weniger grundlegende Sorgen muss sich da Ferrari machen, für den Alonsos Abschneiden in Bahrain zwar ärgerlich, aber nicht mehr als Pech war. Der Heckflügel seines Ferraris war zunächst nicht mehr zugegangen, was ihn in den Kurven langsamer machte. Mit Gewalt justierten die Mechaniker den Spoiler am Heck des Autos, auf der Geraden hatte Alonso damit aber keine Chance mehr zu attackieren.

Der wenig zufriedenstellende 15. Platz von Teamkollege Felipe Massa war ebenfalls nicht auf eine Fehlkonstruktion zurückzuführen: Der Brasilianer ruinierte sich bei einer Kollision mit Force-India-Pilot Adrian Sutil zunächst seinen Frontspoiler, dann handelte er sich zwei Reifenschäden ein - auch weil er zu aggressiv über die scharfen Randsteine in Bahrain fuhr.

Dass Ferrari in dieser Saison mit einem starken Auto unterwegs ist, hat ausgerechnet Massa in den bisherigen Zeittrainings bewiesen. In den vergangenen Jahren war er in den Qualifyings immer hoffnungslos hinter Alonso hergefahren, nun kann er plötzlich mithalten. Der diesjährige Bolide ist leichter zu fahren, weshalb Massa sich traut, wieder Vollgas zu geben.

Fest steht: Der Ferrari wird - ähnlich wie der Red Bull - in Spanien ebenfalls mit den härteren Reifenmischungen umgehen können. Alonso bleibt daher Vettels härtester Konkurrent, neben Räikkönen im Lotus. Schon jetzt, nach dem vierten Saisonrennen, zeichnet sich ein Dreikampf zwischen Vettel, Alonso und Räikkönen ab. Sie haben alle starke Autos, stellen sich immer besser auf die Reifen ein. Nun kommt es auf ihre Abgezocktheit und taktische Finessen an.

Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery brachte es auf den Punkt: "Ein Fahrer kann in diesem Jahr den Unterschied machen. So wird die Formel 1 wieder zur Fahrer-WM."

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Massa-Alonso schon vergessen?!
scharfrichter333 21.04.2013
Der Autor des Artikels schreibt: "In den vergangenen Jahren war er in den Qualifyings immer hoffnungslos hinter Alonso hergefahren, nun kann er plötzlich mithalten. Der diesjährige Bolide ist leichter zu fahren, weshalb Massa sich traut, wieder Vollgas zu geben." Bereits In den letzten 5 Rennen der vergangenen Saison war Massa im Quali schneller als Alonso (und eigentlich auch im Rennen, musste aber Alonso den Vortritt lassen). Diese Tendenz hat sich in den ersten Qualis der Saison fortgesetzt. Alles schon vergessen?
2. Unterschlagene Fakten
Stelzi 21.04.2013
Alonso hatte nicht bloss Pech sondern er hat sich das Rennen auch selbst versaut, als er nach dem ersten Stop wegen der defekten Heckflügelklappe in der ersten DRS Zone gleich wieder auf den Knopf drückte, der Flügel wieder offen stehen blieb und er abermals an die Box fahren musste. Dann hat man ihm offenbar nochmals deutlich gesagt den Finger vom DRS Knopf zulassen. Weiters bleibt hier unerwähnt, dass Alonso Vettel beim Start zwar überholt hat, Vettel ihn dann aber in der Folge noch viel schöner überholt hat, als gleich darauf Rosberg. Der Ferrari mag ganz gut laufen, wenn aber der RB Wagen ebenfalls mit den Reifen klar kommt und man wie heute endlich mal eine passende Getriebeübersetzung wählt, mit der Vettel auch auf Geraden überholen kann, dann ist RB und Vettel das Team das es zu schlagen gilt.
3. glückwunsch !!
superspeedy 21.04.2013
der vettel der kann fahren ... wo war mister webber ??? komisch das jetzt keiner mehr über ihn redet. na ja, ist ja eh seine letztes jahr bei redbull ....
4. Aha ... Pech ...
noalk 21.04.2013
Na dann hat Vettel früher auch immer nur Pech gehabt. Und hat's trotzdem zur WM geschafft. Wenn immer nur der gewinnt, der am wenigsten Pech hat, könnte man sich die Rennen sparen und die F1-WM gleich auslosen.
5. Vettel
hanbil 21.04.2013
ist cool, und das macht ihn zum Siegertypen. Die anderen (Ausnahme Kimi) fahren ihrer Vergangenheit hinterher. Der junge Hesse tritt in Schumis Fussstapfen... leider bei RedBull und nicht bei Ferrari, die es einfach nicht schaffen ein ordentliches Auto auf den kurs zu bringen. Egal, ich drück dem Burschen alle Daumen
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10 28.07. Ungarn (Budapest)
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