Formel-1-Duell Hamilton vs. Vettel Kampf der fairen Giganten

Überholmanöver, Reifenpoker, Renn-Action - das fünfte Formel-1-Rennen der Saison bot tollen Motorsport. Mittendrin: Lewis Hamilton und Sebastian Vettel, die sich an der Spitze ein hartes, aber faires Duell lieferten.

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Aus Barcelona berichtet


Ein Jahr ist es her, da kollidierte Lewis Hamilton beim Großen Preis von Spanien in der ersten Runde mit seinem Teamkollegen und späteren Weltmeister Nico Rosberg. Beide Silberpfeile schieden aus, es war der Höhepunkt im Krieg der Sterne.

Nun, ein Jahr später, kämpft der Brite erneut gegen einen langjährigen Rivalen um die WM-Krone. Doch alles läuft fair ab. Ohne persönliche Eitelkeiten.

Das jüngste Rennen in Barcelona zeigte endgültig, wer in diesem Jahr um den Titel in der Formel-1-Weltmeisterschaft fahren wird. Auf der einen Seite Hamilton, der nach den Problemen in Sotschi von den massiven Updates seines Teams profitierte, schon mit der Poleposition überzeugt hatte und auch das Rennen letztlich knapp gewann. Und auf der anderen Seite Ferrari-Pilot Sebastian Vettel, der nach zwei Saisonsiegen wieder an sich glaubt und Mercedes einen harten Kampf liefert.

"Es ist ein Privileg, gegen einen solchen Piloten fahren zu dürfen", sagte Hamilton nach seinem insgesamt 55. Karrieresieg voller Respekt vor Vettel. Während des Rennens hatte Hamilton diesem via Boxenfunk noch ein "gefährliches" Manöver vorgeworfen. Hinterher wirkten beide dann aber gelöst und ohne Groll aufeinander. Hamilton und Vettel waren glücklich über ein Rennen, das man auf einer Strecke wie Barcelona, wo Überholmanöver eher selten sind, so nicht erwarten konnte.

"Deshalb liebe ich den Rennsport so"

"Unser Duell war Extraklasse", sagte der Brite, "deshalb liebe ich den Rennsport so." Los ging es schon beim Start, als beide zunächst mit fehlendem Grip zu kämpfen hatten, Vettel dann aber besser reagierte und an Hamilton vorbeizog. Hinter dem Spitzenduo kollidierten mit Mercedes-Pilot Valtteri Bottas, Kimi Räikkönen (Ferrari) und Vorjahressieger Max Verstappen (Red Bull) gleich drei weitere Spitzenfahrer. Für Räikkönen und Verstappen war das Rennen damit früh beendet, Sotschi-Sieger Bottas rollte mit einem Defekt in der 39. Runde aus.

All das war für das Duell Hamilton gegen Vettel letztlich egal, denn kein anderer Fahrer konnte den beiden an diesem Tag Paroli bieten. Der Drittplatzierte Daniel Ricciardo (Red Bull) lag am Ende über eine Minute hinter dem Sieger - eine Demontage.

Nach der gewonnenen Startphase holte sich Vettel schon in der 14. Runde neue Reifen, er blieb bei der weicheren Mischung, die in Barcelona deutlich besser funktionierte. Der 29-Jährige fiel dadurch zwar zunächst zurück, wurde durch die Boxenstopps seiner Rivalen aber wieder nach vorne gespult und lieferte in der 26. Runde dann den nächsten Höhepunkt: Beim Überholmanöver gegen Bottas, der die Reifen noch nicht gewechselt hatte und laut Vettel als "Bremsklotz" eingeplant war, veränderte Vettel dreimal seine Linie, fuhr ganz kurz sogar im Gras und bremste den Finnen am Ende der Zielgeraden erfolgreich aus.

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Formel 1: Vettel kämpft, aber Hamiltons Reifen halten

Nach einem Zusammenstoß von Stoffel Vandoorne mit Felipe Massa entschied sich die Rennleitung dann für eine virtuelle Safety-Car-Phase, an deren Ende Hamilton auf die weichere Reifenmischung zurückwechselte. Vettel kam wenig später in die Box, musste die härteren Mediumpneus bekommen und fuhr Rad an Rad mit Hamilton zurück auf die Strecke. Die beiden berührten sich sogar kurz, doch alles blieb fair, und so behielt der Deutsche die Führung.

Sechs Runden lang konnte Vettel seinen Rivalen trotz schlechterer Reifen hinter sich halten, doch dann kam Hamilton "wie ein D-Zug" angefahren und überholte. "Wir haben gehofft", sagte Vettel, "dass er zum Schluss Probleme mit den Reifen bekommen würde, aber das ist nicht passiert." Hamilton rettete 3,49 Sekunden Vorsprung ins Ziel. Und am Ende gab es keine Zweifel: Die beiden mit Abstand besten Piloten des Feldes hatten dieses Wochenende dominiert.

Nun geht Vettel (104 Punkte) mit sechs Punkten Vorsprung vor Hamilton (98) in das kommende Rennen in Monaco. Bottas (63), der noch sieglose Räikkönen (49) und erst recht die weiterhin chancenlosen Red-Bull-Piloten Ricciardo (37) und Verstappen (35) werden dank der Dominanz des Duos wohl nicht mehr in den WM-Kampf eingreifen.

Das kennt man aus den vergangenen Jahren. Nur gibt es diesmal keine silbernen Nebenkriegsschauplätze.



insgesamt 12 Beiträge
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Nonvaio01 14.05.2017
1. ein super rennen
einfach nur klasse, tolle spannung. Schade das nun Monaco kommt wo es wieder nur langweilig wird weil man dort nicht ueberholen kann.
Nonvaio01 14.05.2017
2. das highlight
war aber der kleine junge der noch so geweint hat als Kimi in runde 1 rausgeflogen ist. Das Ferrari den dann in die Fahrer lounge geholt hat um ein Fot mit Kimi zu bekommen fand ich einfach nur klasse. Tolle sache und ein highlight was der kleine nie vergessen wird. Da musste ich fast selber weinen....
protoscorsair 14.05.2017
3. kleiner ferrari junge?
Tolle Geste der Scuderia. Noch besser wird es wenn ich mir den wahren Grund des heulkramofes als zweifacher Vater ausmahle. Sohn: "Ich will ein Würstchen!" Papa: "Jetzt nicht l, jetzt ist der Start. Wir holen gleich eins". Sohn:"Ich will aber jetzt eins!!!!~heulkrampf~"
hansriedl 14.05.2017
4. Peinlich
Peinlich - peinlicher - Mercedes .... offensichtlicher geht es ja wohl wirklich nicht mehr ... den Bottas als Prellbock auf der Strecke lassen, Vettel behindern und den Hamilton einfach vorbeizuwinken. Jedes andere Team hätte in dieser Situation genau dasselbe gemacht.
akkzent 15.05.2017
5.
Ich weiss nicht so recht, was darauf hindeuten soll. Ist doch nur ein theoretischer Wert. Nur ein direkter Vergleich mit identischen Autos könnte diese These im Verlauf einer ganzen Saison stützen.
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