Hamiltons Sieg in Belgien Im Stile eines Weltmeisters

Lewis Hamilton musste bei seinem Erfolg in Belgien zwei kritische Situationen überstehen und meisterte diese souverän. Aber: Sebastian Vettel hat erneut bewiesen, dass auch er gute Chancen auf den Titel hat.

Lewis Hamilton
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Lewis Hamilton

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Verstappen-Wahnsinn: Die Veranstalter des Großen Preises von Belgien meldeten schon vor Wochen den größten Zuschauerandrang seit 2001. Mehr als 260.000 Fans pilgerten an diesem Wochenende an die Strecke, viele von ihnen aus den Niederlanden - Max Verstappen sei Dank. Am Renntag sorgte das schon früh für kilometerlange Schlangen an den Autobahnausfahrten rund um den Circuit de Spa-Francorchamps. Die vielen Fans sollten bitter enttäuscht werden.

Die Startaufstellung:
Hamilton - Vettel - Bottas - Räikkönen - Verstappen - Ricciardo - Hülkenberg - Pérez - Ocon - Alonso.

Das Ergebnis: Start-Ziel-Sieg für Lewis Hamilton. Der Brite fuhr souverän an der Spitze vor Sebastian Vettel. Der Ferrari-Pilot wurde Zweiter, Daniel Ricciardo (Red Bull) komplettierte das Podium. Hier geht es zur Rennmeldung.

Besondere Ehrenrunde: Michael Schumacher war in Belgien nicht nur Gesprächsthema, weil Hamilton seinen Poleposition-Rekord eingestellt hatte. Vor dem Rennen drehte Sohn Mick, aktuell Formel-3-Fahrer, eine Ehrenrunde im ersten Weltmeisterauto seines Vaters von 1994. Vor fast genau 25 Jahren hatte Schumacher sein erstes von insgesamt 91 Formel-1-Rennen gewonnen - beim Großen Preis von Belgien.

Mick Schumacher
DPA

Mick Schumacher

Die Startphase: Sehr sauber, sehr unspektakulär. Alle Top-Fahrer hielten ihre Position und blieben eng beieinander. Hamilton schaffte es nicht, sich abzusetzen. Alonso zeigte den besten Start und fuhr von Platz zehn auf Position sieben, profitierte davon aber nur kurzfristig, dazu später mehr.

Verstappens Déjà-vu: Im vergangenen Jahr war es die erste Runde, in diesem die achte. Dann rollte Verstappens Red Bull in der legendären Vollgaskurve "Eau Rouge" aus - genau vor den vielen niederländischen Fans. In diesem Jahr war es bereits sein sechster Ausfall. Und so wurde Verstappen nicht müde, den Kopf zu schütteln. Sein kurzer Kommentar: "Unglaublich. Ich kann das nicht glauben."

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Formel 1 in Belgien: Hamilton-Show in Spa

Die Sehnsucht des Spaniers: Nach seinem beeindruckenden Start verlor Alonso in einem chancenlosen McLaren-Honda die gewonnenen Plätze extrem schnell wieder. Es folgten mehrere wütende Funksprüche. Unter anderem: "Ich möchte bis zum Ende des Rennens Ruhe haben." Er träumte wohl schon von einem neuen Cockpit. Für die kommende Saison gelten Renault und Williams als realistische Optionen. Das Ende in Belgien kam dann aber doch früher als gedacht: In Runde 27 musste Alonso sein Auto wegen erneuter technischer Probleme abstellen.

Force Indias Déjà-vu: Sehr lange Zeit passierte an der Spitze nur wenig. Kimi Räikkönen fiel durch eine Strafe zurück, Ricciardo rückte auf. Erst Sergio Pérez und Esteban Ocon machten es noch mal besonders spannend. Wie schon in Baku gab es eine teaminterne Kollision: Pérez fuhr in der 30. Runde in seinen Teamkollegen hinein, beide Autos wurden beschädigt und mussten in die Box. Das Safety-Car kam auf die Strecke.

Die zweite Startphase: Am Ende von Runde 33 ging das Saftey-Car wieder in die Box. Die Reihenfolge der Fahrer beim "Neustart": Hamilton - Vettel - Bottas - Ricciardo - Räikkönen. Vettel attackierte Hamilton, aber der Brite verteidigte seine Führungsposition. Dahinter wurde Valtteri Bottas sowohl von Ricciardo als auch von Räikkönen überholt.

War's das für Bottas? Beim Neustart fiel der Finne nicht nur um zwei Plätze zurück, sondern verlor auch wichtige Punkte in der WM-Wertung. Der Abstand auf Spitzenreiter Vettel (220 Punkte) beträgt 41 Punkte. Und vielleicht noch wichtiger: Bottas liegt nun 34 Punkte hinter seinem Teamkollegen Hamilton (213), der schließlich souverän zum Sieg fuhr und an Vettel heranrückte. So scheint es eine Frage der Zeit zu sein, bis Mercedes voll auf Hamilton setzt und Manöver wie in Ungarn, als Hamilton einen Platz an Bottas zurückgegeben musste, unterlässt.

Erkenntnis des Rennens: Hamilton hatte zwei kritische Momente zu überstehen (Start und Neustart) und meisterte beide sehr souverän. So sicherte sich der Mercedes-Pilot seinen fünften Sieg im zwölften Rennen. Aber Vettel war ebenfalls sehr schnell und blieb stets dicht hinter dem dreifachen Weltmeister. Für das kommende Wochenende in Monza, ebenfalls eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, macht das Hoffnung für Ferrari.



insgesamt 10 Beiträge
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www.yzx.de 27.08.2017
1. Weltmeisterlich?
Was bitteschön ist daran weltmeisterlich, in einem in Sachen Motorleistung immer noch geradezu lächerlich überlegenen Auto auf einer Motorenstrecke einen knappen Sieg einzufahren? Verstehe ich nicht. Konnte doch wirklich jeder sehen, was passiert ist, nachdem Vettel bei Hamilton aus dem Windschatten raus war. Umgekehrt hätte das problemlos funktioniert. Kurz: Der einzige, der hier weltmeisterlich fährt, ist Sebastian Vettel. Der führt die WM nämlich immer noch mit einem deutlich unterlegenen Auto an. Wobei die überlegene Motorleistung von "Mercedes" durch das Reglement ja auch noch besonders geschützt wird. Das relativiert dann auch schon wieder die Hamilton-Poles, auch ggü. Schumacher. Der hatte zwar das eine oder andere Jahr ein lächerlich überlegenens Auto, aber niemals vier Jahre hintereinander. ...
bhang 27.08.2017
2. [Zitat] Was bitteschön ist daran weltmeisterlich, in einem in Sachen
Motorleistung immer noch geradezu lächerlich überlegenen Auto auf einer Motorenstrecke einen knappen Sieg einzufahren? Verstehe ich nicht. [/Zitat] Und jemand anderes (Bottas) in einem Auto mit ebenso angeblich überlegener Motorleistung, wurde ungleich Hamilton beim Re-Start nach'm Safety-Car mit geradezu spielerischer Leichtigkeit aufgeschnupft, und zwar quasi in Stereo, also gleich von zwei Gegnern (einer von denen hatte sogar nur Renault-Power). Langer Rede, kurzer Sinn: Hamilton hat in einem nicht überlegenen Auto ganz einfach bonfortionös verteidigt, und das trotz Reifennachteil, da seine Reifen um zwei Härtegrade härter waren, als die vom Zeigefinger hinter ihm. Quasi dieselbe brillante Verteidigung, die Hamilton in 2014 in Bahrain gezeigt hatte, als er auch dort nach Re-Start hinter dem Safety-Car die für solch eine Situation schlechteren (härteren) Reifen zur Verteidigung hatte.
fgeiger 27.08.2017
3.
Zitat von www.yzx.deWas bitteschön ist daran weltmeisterlich, in einem in Sachen Motorleistung immer noch geradezu lächerlich überlegenen Auto auf einer Motorenstrecke einen knappen Sieg einzufahren? Verstehe ich nicht. Konnte doch wirklich jeder sehen, was passiert ist, nachdem Vettel bei Hamilton aus dem Windschatten raus war. Umgekehrt hätte das problemlos funktioniert. Kurz: Der einzige, der hier weltmeisterlich fährt, ist Sebastian Vettel. Der führt die WM nämlich immer noch mit einem deutlich unterlegenen Auto an. Wobei die überlegene Motorleistung von "Mercedes" durch das Reglement ja auch noch besonders geschützt wird. Das relativiert dann auch schon wieder die Hamilton-Poles, auch ggü. Schumacher. Der hatte zwar das eine oder andere Jahr ein lächerlich überlegenens Auto, aber niemals vier Jahre hintereinander. ...
Was ist "weltmeisterlich" daran sich im Qualifying von seinem Teamkollegen per Windschatten auf den zweiten Startplatz hieven zu lassen? Mit einem Teamkollegen, der in schönster Regelmässigkeit für die Mission "Seb´s Weltmeisterschaft" geopfert wird kann man ja auch gut Legendenbildung betreiben. Aber selbst eine zusätzliche Überholchance wie die Safetycarphase nach der OCO/PER-Kollision reichen dem 4-fachen nicht für den Sieg.........
celtics 27.08.2017
4. Fuchs LH
LH wurde auf der gerade im gegensatz zu Bottas nicht überholt weil er clever genug war die letzte kurve vor der gerade nicht mit voll speed zu fahren. Dadurch musste SB auch leicht vom gas gehen und hatte am ende der gerade nicht das nötige speed um vorbei fahren zu konnen.
totalmayhem 28.08.2017
5.
Zitat von bhangMotorleistung immer noch geradezu lächerlich überlegenen Auto auf einer Motorenstrecke einen knappen Sieg einzufahren? Verstehe ich nicht. [/Zitat] Und jemand anderes (Bottas) in einem Auto mit ebenso angeblich überlegener Motorleistung, wurde ungleich Hamilton beim Re-Start nach'm Safety-Car mit geradezu spielerischer Leichtigkeit aufgeschnupft, und zwar quasi in Stereo, also gleich von zwei Gegnern (einer von denen hatte sogar nur Renault-Power). Langer Rede, kurzer Sinn: Hamilton hat in einem nicht überlegenen Auto ganz einfach bonfortionös verteidigt, und das trotz Reifennachteil, da seine Reifen um zwei Härtegrade härter waren, als die vom Zeigefinger hinter ihm. Quasi dieselbe brillante Verteidigung, die Hamilton in 2014 in Bahrain gezeigt hatte, als er auch dort nach Re-Start hinter dem Safety-Car die für solch eine Situation schlechteren (härteren) Reifen zur Verteidigung hatte.
Und es gibt ihnen nicht zu denken, dass Hamilton auf Reifen, die nominell mindestens 1,2 Sekunden pro Runde langsamer sind, Vettel jederzeit auf Distanz, sprich ausserhalb der DRS-Reichweite, halten konnte? Natuerlich hat Mercedes nach dem SC Boxenstopp mal kurz am Motorschraeubchen gedreht und eine Schippe draufgelegt. Dass der Mercedes Leistungsreserven hat, die bei Bedarf, wenn der Schongang eben nicht mehr ausreicht, abgerufen werden koennen, ist doch hinlaenglich bekannt. Wie Vettels Ferrari "verhungert" ist, als er nach dem Neustart aus Hamiltons Windschatten (noch ohne DRS) ausscherte, war schon fast peinlich.
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