Ricciardos Erfolg in China Angeleckt und abgeschickt

Eigentlich war alles angerichtet für den 50. Sieg von Sebastian Vettel. Doch dann wurde in einem spektakulären Rennen endlich Red Bull seiner Rolle als Mitfavorit auf den WM-Titel gerecht.

Daniel Ricciardo (r.) und Valtteri Bottas
REUTERS

Daniel Ricciardo (r.) und Valtteri Bottas

Von Sabrina Knoll


Die Szene des Rennens: Der Kampf um Platz 16. Warum? Weil sich die beiden Toro-Rosso-Piloten Pierre Gasly und Brendon Hartley bei eben jenem Duell in Runde 31 gegenseitig von der Strecke gerammt und damit die entscheidende Rennphase eingeleitet haben. Das Safety Car musste auf die Strecke und veränderte den Charakter des Rennens komplett.

Das Ergebnis: Daniel Ricciardo sicherte sich seinen sechsten Grand-Prix- und Red Bull den ersten Saisonsieg. Der Australier setzte sich vor Valtteri Bottas (Mercedes) und Kimi Räikkönen (Ferrari) durch. Hier geht's zur Meldung.

Die Startaufstellung (Top Ten): Vettel - Räikkönen - Bottas - Hamilton - Verstappen - Ricciardo - Hülkenberg - Pérez - Sainz - Grosjean

Die Startphase: Sebastian Vettel startete also von der Pole, Ferrari-Teamkollege Räikkönen nebendran. Dahinter die beiden Mercedes vor den beiden Red Bull. Vettel kam gut weg, sicherte sich die Führung gegen Räikkönen, Bottas zog an seinem Landsmann vorbei. Großer Gewinner aber war Max Verstappen (Red Bull), der sich dank Ultrasoft-Bereifung an Lewis Hamilton (Mercedes) und Räikkönen vorbei auf Platz drei schieben konnte.

Die Vorhersage: Diesmal. Ganz bestimmt. Alles, aber auch wirklich alles spricht doch dafür. Das Wetter, die Strecke, die Technik. Es kann gar nicht anders sein. So oder ähnlich klangen die Vorhersagen für dieses Rennen, dass nach 56 Runden keinen anderen zum Sieger hätte erklären dürfen als China-Rekordsieger Lewis Hamilton. Doch dann kam mal wieder dieser Faktor Mensch allen Statistiken in die Quere.

Die vorentscheidenden Sekunden: Gingen Vettel in Runde 21 verloren. Eigentlich war alles angerichtet für den 50. Grand-Prix-Erfolg für Vettel. Doch dann ging der Deutsche eine Runde nach Bottas in die Box, um von Soft- auf Mediumreifen zu wechseln. Genau diese eine Runde konnte der Finne nutzen, um sich vor den Führenden zu setzen. Spitze auf der Strecke aber war zu diesem Zeitpunkt Räikkönen, der noch nicht in der Box war - und so lange dicht machte, bis Vettel wieder zu Bottas aufschließen konnte. Kein schöner Job für einen Rennfahrer. Aber der 38-Jährige erledigt ihn trotzdem.

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Ricciardos Erfolg in China: Red Bull meldet sich zurück

Der Verlierer des Rennens: Sebastian Vettel. Nach diesem taktischen Fehler erwischte es den Ferrari-Piloten nach zwei nahezu perfekten Rennen in Melbourne und Bahrain auch auf der Strecke. Als Verstappen in Runde 43 in der Kurve innen an Vettel vorbeiziehen wollte, drehten sich beide. In der Folge wurde Vettel bis auf Rang acht durchgereicht. Verstappen bekam von der Rennleitung für dieses Manöver zehn Sekunden Zeitstrafe aufgebrummt und musste sich als Renn-Vierter daher mit Rang fünf hinter Hamilton begnügen.

Die entscheidende Phase: Kam mit dem Safety Car. War Gasly mit Rang vier noch die große Überraschung von Bahrain, so entschied der 22-Jährige durch die Kollision mit dem Teamkollegen vom Red-Bull-Juniorstall den Großen Preis von China. Denn: Die Safety-Car-Phase schob das Feld nicht nur zusammen. Red Bull hatte zudem kurz vorher seine beiden Piloten noch mal in die Box geholt, um von Medium- auf Softbereifung zu wechseln. In der Folge kassierte Ricciardo einen Konkurrenten nach dem anderen mit den schnelleren Reifen ein und übernahm zehn Runden vor dem Ende die Führung, die er sich nicht mehr nehmen ließ. Bottas, immerhin 8,9 Sekunden hinter Ricciardo, konnte auf den älteren Reifen gerade noch Rang zwei vor Räikkönen (+ 9,7 Sekunden) retten.

Der Schluck des Rennens: Kam wenig glamourös aus dem Schuh von Ricciardo. "Shoey! Shoey!", forderten Fans und Team nach der Siegerehrung. Und so nutzte der 28-Jährige also, wie bei seinen Siegen zuvor, seinen rechten Schlappen als Glas für den verdienten Siegeschampagner. Lecker! Auch Verstappen schien's zu schmecken.

Das Zitat des Rennen: Kam ebenfalls vom glücklichen Sieger:

Die Erkenntnis des Rennens: Es bleibt tatsächlich spannend. Im vorhergesagten Dreikampf um den Titel war Red Bull bislang die große Enttäuschung. Kein Podest in Australien, Totalschaden in Bahrain. Wie stark ist das Team wirklich? Das sollte sich in Shanghai zeigen. Nun hat der Rennstall nicht nur einen dritten Erfolg von Ferrari verhindert. Sie haben auch die Fahrerwertung wieder offener gestaltet.

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sanfernando 15.04.2018
1. (Christian Danner):...
..."X hat sich gegen die weichen sondern für "soft" entschieden, während Y auf der harten Mischung, also auf "medium" gestartet ist, jetzt aber auf "soft", also die mittlere Mischung, wechselte, aber vielleicht wäre weich statt soft besser gewesen, usw. Wen interssieren die Werksbezeichnungen? Warum werden die drei fürs Rennen zugelassene Mischungen nicht einfach weich (oder soft), mittlere (oder Medium) und hart genannt?
uzsjgb 15.04.2018
2.
Zitat von sanfernando..."X hat sich gegen die weichen sondern für "soft" entschieden, während Y auf der harten Mischung, also auf "medium" gestartet ist, jetzt aber auf "soft", also die mittlere Mischung, wechselte, aber vielleicht wäre weich statt soft besser gewesen, usw. Wen interssieren die Werksbezeichnungen? Warum werden die drei fürs Rennen zugelassene Mischungen nicht einfach weich (oder soft), mittlere (oder Medium) und hart genannt?
Es macht einen Unterschied, ob der weiche Reife ein Hypersoft oder ein Soft ist. Die sind völlig unterschiedlich, haben ganz anderen Grip und eine ganz andere Lebensdauer. Deswegen muss man als Zuschauer genau darüber informiert werden mit welchen Reifen die Fahrer unterwegs sind, damit man versteht, was im Rennen vor sich geht. Das hat die Formel 1 längst erkannt und blendet seit einigen Jahren vermehrt Reifeninformationen ein. Ich gebe aber zu, dass solche Informationen für den weniger versierten Zuschauer kaum von Interesse sein können, weil er sie nicht versteht.
globaluser 15.04.2018
3. Ferrari und Mercedes mit Hamilton haben keinen Fehler
gemacht, es war Rennglück für Red Bull. Die Ferraris waren an der Boxengasse schon vorbei, als die Safety-Car Phase eingeleitet wurde, Hamilton 200 Meter vor der Einfahrt, also auch zu spät um einen Boxenstopp planen zu können.
Lankoron 15.04.2018
4. RedBull hat nicht vorher
entschieden, die Reifen zu wechseln, sondern in dem Moment, als das SC rausfuhr und beide Piloten SOFORT noch reinkonnten. Ansonsten wär der Wechsel nämlich sinnfrei gewesen.....
crewmitglied27 15.04.2018
5. Das war kein Glück für Red Bull,
sondern eher ein Desaster. Dietrich Mateschitz wird sich wohl fragen, warum drei seiner vier Fahrer solche unprofessionellen Nieten sind und wer die eigentlich eingestellt hat. Das Rennen selbst hat durch die späte Entscheidung für das Safetycar ein Geschmäckle bekommen. Man wollte offensichtlich Red Bull wieder ins Punkteboot holen und die WM spannend halten. Das Verstappen dieses persönliche Geschenk der F1-Verantwortlichen so einfach wegwirft, war eine Panne. Ganz deutlich hat der junge Holländer wieder gezeigt, dass er eher als junger Mitreisender auf einen Autoscooter gehört als in ein Formel 1 Auto.
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