Formel 1 in Monaco Das schnarchigste Rennen der Welt

Für viele ist Monaco der Höhepunkt der Formel-1-Saison, dabei ist dieses Rennen so öde wie kein anderes. Zwei Geschichten gab es aber: Gelang Vettel der Sieg per Befehl? Und: Die Pipi-Affäre von Jenson Button.

AP

Von


Frage des Rennens: David Coulthard oder Nick Heidfeld standen damals in der Startaufstellung. BMW fuhr noch in der Formel 1 mit. Damals ist Juni 2008 gewesen, der Frankreich-Grand-Prix stand an, und es war das bisher letzte Rennen, in dem Kimi Räikkönen sich die Poleposition gesichert hatte. 128 Rennen später startete der Finne erstmals wieder von ganz vorne. Ausgerechnet in den engen Gassen von Monaco, wo Startplatz eins wahrscheinlich so wertvoll ist wie nirgendwo anders. Doch würde der Finne den GP auch gewinnen dürfen? Es gab Stimmen, die vermuteten, Räikkönen müsse seinen Teamkollegen Sebastian Vettel am Ende auf Ferrari-Anweisung vorbeiziehen lassen, um die WM-Führung des Deutschen nicht zu gefährden.

Ergebnis: Räikkönen gewann nicht. Vettel zog nach einem Boxenstopp in Runde 40 vor den Teamkollegen, siegte und beendete damit eine 16 Jahre lange Durststrecke der Scuderia in Monte Carlo. Zweiter wurde Räikkönen, der fünf Runden vor Vettel in die Box kam. Dritter wurde Daniel Ricciardo.

Startaufstellung (Top Ten):
Räikkönen - Vettel - Bottas - Verstappen - Ricciardo - Sainz jr. - Grosjean - Pérez - Kvyat - Hülkenberg

Die Startphase: Wer in Monaco vorankommen will, sollte noch vor der ersten Kurve überholen, 200 Meter sind es bis dahin. Viel Zeit bleibt nicht - und entsprechend wenig ist passiert: Räikkönen hat das Starten von der Pole nicht verlernt und wehrte die Angriffe der Konkurrenten ab. Vettel und Valtteri Bottas im Mercedes blieben auf den Plätzen zwei und drei, die Red Bulls fuhren dahinter.

"Highlight" des Rennens: Ein angedeutetes Überholmanöver in Runde 23, aber Sergio Pérez fuhr für einen Angriff gegen Lance Stroll im Williams dann doch zu langsam. Warum ist für viele Monte Carlo eigentlich der Saisonhöhepunkt? Wegen der Rennunterhaltung wohl kaum. Selbst wenn einige Piloten schneller als der Vordermann fahren könnten, ist das Überholen hier fast unmöglich: die Autos zu breit, die Strecke zu eng - es waren zähe 78 Runden. Menschen mit Einschlafproblemen sei die Rennwiederholung ans Herz gelegt.

Was hat Lewis Hamilton gemacht? Der WM-Kandidat von Mercedes war nach seiner Qualifying-Enttäuschung kein Mann für die Spitze, fuhr aber gut und mit Platz sieben in die Punkte.

Gelang der Vettel-Sieg per Stallorder? Vettel war klar schneller und nutzte die fünf Runden nach Räikkönens Boxenstopp, um einen kleinen Vorsprung herauszufahren. Nach seinem Reifenwechsel blieb er souverän Erster. Auch im Fall Hamilton machte sich das lange Warten auf den Stopp bezahlt, er kam erst in der 47. Runde in die Box und machte so Plätze gut. Man könnte aber die Frage stellen, warum zuerst Räikkönen und nicht Vettel in die Box musste. Bei der Siegerehrung machte der Finne seinem Spitznamen Iceman alle Ehre: Er blickte mit versteinerter Miene in die Menge und ließ sich später vom investigativen Interviewer Nico Rosberg (so vertreibt sich also der Weltmeister seine Zeit) folgenden Satz entlocken: "Der zweite Platz fühlt sich nicht gut an."

Fernbleiber des Rennens: War Fernando Alonso. Der spanische Top-Fahrer verzichtete auf das Fürstentum, um beim legendären 500-Meilen-Rennen von Indianapolis zu starten. Gute Idee. Er fehlte wahrscheinlich auch, weil er die Antriebsschwäche und ständigen Probleme seines "Autos" satt hatte. Mit Jenson Button ersetzte ihn ein Top-Fahrer, der aufgrund eines Antriebswechsels als Letzter ins Rennen ging. Nach einer Kollision mit Pascal Wehrlein war sein Comeback vorzeitig beendet. Wieder keine Punkte für McLaren.

Funkspruch des Rennens: Kurz vor dem Start funkte Alonso seinen Ersatzmann an: "Pass auf mein Auto auf!" Buttons Antwort: "Ich pinkele in deinen Sitz." Britischer Humor eben, tat diesem Rennen gut.

Plädoyer des Rennens: Man kann nicht behaupten, die Formel-1-Saison sei unspannend. Man denke an den Titelkampf zwischen Vettel und Hamilton, der aktuell gut für Vettel aussieht. Oder an den ersten Sieg von Rosbergs Nachfolger Bottas. Reifenduelle. Taktikpoker. Wetterschwankungen. Diesmal Ferraris Teamkollegen-Duell. Es gab viele Aufreger. Aber warum ist Monaco eigentlich noch im Rennkalender? Wegen der Tradition, der schönen TV-Bilder, dem Schaulaufen der Prominenz? Vielleicht. Aber sicher nicht, weil die Strecke der Formel 1 als Rennsport besonders schmeicheln würde.



insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
IvicaMarkovic 28.05.2017
1.
Monaco ist und bleibt für alle Ewigkeit im Rennkalender, weil die Formel 1 einen Haufen Geld vom Fürstentum in den Allerwertesten geblasen bekommt.
cih 28.05.2017
2. oha
da hat ein Monaco-Hater oder kein-F1-Fan aber Sportredakteur der Spiegel-Gruppe geschrieben. Verschwendeter Serverplatz. Lasst lieber jemanden ran der daran Spass hat.
fantin-latour 28.05.2017
3. Man sägt nicht auf dem Ast, auf dem man sitzt
Der kleine französische Junge, den Kimi letzte Woche so medienwirksam trösten durfte, weint sicher wieder, aber diesmal WEGEN Ferrari, das nicht kapiert, dass es den Motorsport kaputttaktiert
patrick6 28.05.2017
4. Ja, es war langweilig...
...so, wie Monaco eigentlich immer langweilig ist. Das Rennen 'lebt' nur von Unfällen, der von Button/Wehrlein war ganz schick. Das reicht aber nicht, um ein wirklich interessantes Rennen zu gestalten. Wenn man als Rennserie auf einer Strecke antritt, auf der Überholen eigentlich völlig unmöglich ist (siehe Perez, was für ein Trottel), ist das ja schon ein selbst ausgestelltes Armutszeugnis. Vielleicht könnte man aus Monaco so ein Einzelzeitfahren-Schaulaufdingens (für die Schickeria) machen - für ein echtes F1-Rennen taugt der Ort nicht (mehr).
antares56 28.05.2017
5. Schade für Kimi
Denn Kimi durfte gegen Vettel gar nicht gewinnen! Erinnert an die Zeiten, wo Webber nicht gegen Vettel gewinnen durfte! Vettel hält sich wohl für den Besten, wenn sein "Partner" mitspielt. Dabei ist Vettel nur ein "Sieger" (ähnlich bei Wehrlein, den Mercedes vor ein paar Jahren mal in der DTM durchgepeitscht hat), wenn ihn das Team als Nummer1 ansetzt - wie gesagt, Kimi dqarf gar nicht gewinnen (vielleicht mal, wenn Bettel als Sieger feststeht).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.