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Vettel-Desaster bei Formel 1 in Österreich: Red Bull verlahmt Flügel

Aus Spielberg berichtet Karin Sturm

Großer Preis von Österreich: Bullen-Debakel beim Heimspiel Fotos
DPA

Alles war bereit für ein Red-Bull-Fest beim Heimrennen in Österreich - und dann das: Sebastian Vettels Auto schwächelte, der Titelverteidiger schied aus. Jetzt wettert der Teamchef gegen Motorenlieferant Renault.

Im ersten Moment schlug Sebastian Vettel mit beiden Händen fast verzweifelt auf sein Lenkrad ein. Schon nach weniger als fünf Kilometern war sein Rennen praktisch beendet, in der ersten Kurve der zweiten Runde hatte sein Red Bull wieder einmal keinen Antrieb mehr. "Der Motor hat einfach kein Gas mehr angenommen, nachdem praktisch das ganze Feld vorbei war, konnte ich wieder weiterfahren", sagte Vettel später, "keine Ahnung, warum."

Mit mehr als einer Runde Rückstand nahm ihn das Team zur Halbzeit des Grand Prix von Österreich aus dem Rennen, "um Kilometer zu sparen" (Vettel). Es war der dritte Ausfall im achten Rennen 2014.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner fand danach deutliche Worte für das, was an diesem Wochenende ausgerechnet beim Heim-Rennen passiert war - schließlich krebste auch Vettels Teamkollege Daniel Ricciardo chancenlos auf Platz acht herum. "Das ist absolut inakzeptabel", sagte Horner in Richtung seiner französischen Partner. Leistungssteigerung und mehr Zuverlässigkeit beim Renault-Motor? Fehlanzeige, eher das Gegenteil war der Fall. Und der angebliche neue "Wundersprit" von Total brachte ebenfalls nichts. Red Bull hat gegen die Teams mit Mercedes-Motoren und auch gegen Ferrari keine Chance.

Renault-Probleme treffen auch Vettels Fahrstil

Renault-Markenbotschafter Alain Prost, wie Vettel ein viermaliger Weltmeister, widersprach nicht: "Das sieht nicht gut aus. Und ich weiß, dass sich schnellstens etwas ändern muss." Was er dafür tun könne? "Nicht viel, ich bin weder der Renault-Präsident noch der Technikchef." Das Problem: Auch deren Handlungsspielraum ist eingeschränkt. Dafür sorgt das Reglement, das die Motorenentwicklung im Laufe der Saison weitgehend einfriert. Am konzeptionellen Nachteil, den man gegenüber Mercedes durch eine unterschiedliche Anordnung einzelner Elemente im Antriebsstrang hat, lässt sich innerhalb einer Saison sowieso nichts machen.

Für Vettel kommt in der schwierigen Situation noch etwas dazu, was es ihm erschwert, seine besonderen Stärken auszuspielen - auch gegenüber seinem Teamkollegen Daniel Ricciardo. Durch das immer noch nicht optimale Zusammenspiel zwischen Motor und Energierückgewinnungssystemen im Renault-Antriebsstrang entstehe beim Anbremsen der Kurven ein etwas ruckartiges Fahrverhalten, sagte Horner: "Das hindert Sebastian daran, fast im Stile eines Motorradpiloten, schräg in die im Kurven hineinzubremsen." Das sei laut des Red-Bull-Teamchefs in den vergangenen Jahren eine besondere Spezialität Vettels gewesen, "mit der er immer wieder viel Zeit gutmachte". Derzeit müsse der Titelverteidiger das Auto beim Anbremsen aber eher gerade halten - so wie alle anderen auch.

Zwar ist Vettel mit diesem anderen Fahrstil nicht grundsätzlich langsamer als sein australischer Teamkollege - aber eben auch nicht wirklich schneller. Wo er früher oft das letzte Quäntchen mehr herausholen konnte, ist er nun auf gleichem Level.

Red Bull plant eigenen Motor für 2016

Das wirft die Frage auf, wie lange sich Red Bull das Drama mit Renault und der fehlenden Aussicht auf Besserung noch anschaut - das Vertrauen scheint nahezu aufgebraucht. Für 2015 hat man keine andere Möglichkeit, als mit den Franzosen weiter zu machen und darauf zu hoffen, dass es dann wenigstens ein paar Fortschritte gibt; Mercedes wird den Konkurrenten nicht beliefern. Aber auch wenn Teamchef Horner es öffentlich noch dementiert: Es scheint, als seien die Weichen zumindest ab 2016 längst gestellt. Nicht nur, weil der oberste Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz betont: "Es gibt immer Alternativen."

Die Ideen und Konzepte um einen eigenen Motor, konzipiert in England, gebaut zumindest in Teilen im Grazer "Motorsportcluster", wo jetzt schon viele relevante Formel-1-Zulieferer sitzen, sollen schon recht weit fortgeschritten sein. Und das würde auch zum neuen Red-Bull-Technologiezentrum passen, das gerade in Milton Keynes neben dem Formel-1-Werk aufgebaut wird und Chefdesigner Adrian Newey neue Herausforderungen liefern soll.

Solange es keine Verbesserungen am Red Bull gibt, muss sich Vettel seinen Spaß im Moment woanders suchen: Als die ehemaligen österreichischen Formel-1-Fahrer von Niki Lauda über Gerhard Berger bis Alexander Wurz am Samstagabend für die große Parade am Sonntag in ihren alten Formel-1-Rennern probten, tauchte Vettel plötzlich mit Overall und Helm zwischen ihnen auf und überredete seinen Chef, Red Bulls Motorsport-Koordinator Helmut Marko, ihn doch mal dessen BRM aus dem Jahr 1972 ausprobieren zu lassen. Als er ausstieg, war er sichtlich begeistert: "Das war klasse."

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insgesamt 29 Beiträge
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1.
WhereIsMyMoney 22.06.2014
RedBull hat Vettel doch selbst den Sieg in Kanada versaut. Und das sein Auto immer kapput geht liegt nicht an Renault. Was die Motoren angeht war doch vor der saison klar, dass die Schwaben da ein richtiges Monster gebaut haben und dass niemand ihnen folgen kann. Es gilt eben die Chance auf den Strecken zu nutzen die ihnen liegen. Spielberg gehörte wahrlich nicht dazu.
2. Vettels Irrglaube
coyote38 22.06.2014
Tja ... nur im Jahr 1972 hätte Sebastian Vettel im BRM gegen Emerson Fittipaldi, Jackie Stewart, Clay Regazzoni, Mario Andretti, Graham Hill und Jackie Ickx antreten müssen. Wenn er glaubt, dass es da besser abgeschnitten hätte ... nun ja ... des Menschen Glaube ist ja bekanntermaßen sein Himmelreich ... :)
3.
Michael200669 22.06.2014
Zitat von coyote38Tja ... nur im Jahr 1972 hätte Sebastian Vettel im BRM gegen Emerson Fittipaldi, Jackie Stewart, Clay Regazzoni, Mario Andretti, Graham Hill und Jackie Ickx antreten müssen. Wenn er glaubt, dass es da besser abgeschnitten hätte ... nun ja ... des Menschen Glaube ist ja bekanntermaßen sein Himmelreich ... :)
Immer diese dämlichen Versuche Vergleiche anzustellen. Jede Zeit hat ihre eigenen Charaktere, die miteinander nicht zu vergleichen sind. Oder glauben sie, das Beckenbauer, Pele und andere ehemalige Fußballstars oder andere berühmte Sportler heute überhaupt eine Chance hätten. Ich weiß es nicht und will es auch nicht wissen.
4.
Petersbächel 22.06.2014
Die Frage sei gestattet, was Herr RedBull da zu tönen hat? Renault wird wohl selbst wissen, daß das nix war - und sie werden dran arbeiten, das abzustellen. Wenn man immer technisch vorne sein muß wie in der Formel eins, passieren solche Sachen - sogar ganze Saisons. Das ist in dem Geschäft, wo man nur fremde Brause zusammenrühren und seinen Namen draufpappen muß, um das um den Faktor 20 zu teuer zu verkaufen, sicher einfacher.
5. @ coyote38
stoff77 22.06.2014
Wille - nicht Glaube :-)
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Fotostrecke
Formel-1-Fahrer 2014: Fünf Weltmeister, drei Neue und "Disco Dan"
Formel 1: Rennkalender 2014
Rennen Datum Großer Preis von (Ort)
1 16.03. Australien (Melbourne)
2 30.03. Malaysia (Sepang)
3 06.04. Bahrain (Manama)
4 20.04. China (Shanghai)
5 11.05. Spanien (Barcelona)
6 25.05. Monaco (Monte Carlo)
7 08.06. Kanada (Montreal)
8 22.06. Österreich (Spielberg)
9 06.07. Großbritannien (Silverstone)
10 20.07. Deutschland (Hockenheimring)
11 27.07. Ungarn (Budapest)
12 24.08. Belgien (Spa-Francorchamps)
13 07.09. Italien (Monza)
14 21.09. Singapur (Singapur)
15 05.10. Japan (Suzuka)
16 12.10. Russland (Sotschi)
17 02.11. USA (Austin)
18 09.11. Brasilien (São Paulo)
19 23.11. Abu Dhabi (Abu Dhabi)

Formel-1-Saison 2014: Die wichtigsten Änderungen
Motor
Die Ära der Saugmotoren ist vorbei. Statt der 2,4-Liter-Triebwerke mit acht Zylindern stecken nun 1,6-Liter-Turbomaschinen mit sechs Zylindern unter der Fahrzeugabdeckung. Pro Saison darf ein Fahrer nur fünf Motoren einsetzen, bisher waren es acht. Ab dem sechsten Motor muss er aus der Boxengasse starten.
Hybridsystem
Das Hybridsystem ERS (Energy Recovery System) liefert pro Runde zusätzlich 160 PS für 33,3 Sekunden. Die beiden Elektromotoren speisen sich aus der Wärmeenergie des Abgasstrahls sowie kinetischer Energie des Bremsvorgangs.
Spritlimit
Erlaubt sind für jedes Rennen nur noch 100 statt bislang 150 Kilogramm Sprit. Die Folge ist, dass die Fahrer verbrauchsschonender fahren müssen. Wer nur auf dem Gaspedal steht, wird das Ziel nicht erreichen.
Fahrzeugnase
Sie wurde drastisch abgesenkt. Zuletzt war eine Maximalhöhe von 55 Zentimetern erlaubt. Nun sind es nur noch 18,5 Zentimeter von der Spitze der Rennwagen zum Boden. Die Nasen liegen damit unwesentlich höher als der Frontflügel. Der Grund für die Änderung: Durch die noch tiefer liegende Wagenspitze soll bei Kollisionen die Gefahr weiter gemindert werden, dass andere Piloten von ihr getroffen werden.
Frontflügel
Er ist schmaler geworden. Statt 1,80 Metern beträgt die erlaubte Maximalbreite 1,65 Meter. Auswirkung hat das auf die sogenannten Endplatten, die für die Luftführung vor den Vorderreifen wichtig sind.
Heckflügel
Das untere Heckflügel-Element, der sogenannte Beamwing, ist nicht mehr erlaubt. Für die Ingenieure besteht auch hier die Herausforderung darin, den dadurch verlorenen Abtrieb zu kompensieren.
Auspuff
Nur noch ein Endrohr ist erlaubt. Bislang wurden die Abgase über zwei seitliche Kanäle abgeleitet und so auf das Heck geführt, dass auch dadurch weiterer Abtrieb erreicht wurde, sprich: eine bessere Straßenlage. Das neue Endrohr muss mittig angebracht sein.
Startnummern
Erstmals tragen die Piloten nicht mehr die Startnummern nach der Abschlussrangliste der vorhergehenden Saison. Nur die 1 ist weiter dem Titelverteidiger vorbehalten, ansonsten durften sich die Piloten ihre Startnummer aussuchen. Zur Wahl standen Zahlen von 2 bis 99.
Strafen
Es gibt nun Strafpunkte für bestimmte Vergehen. Diese werden in einem Jahr zusammengerechnet, ähnlich wie bei der Verkehrssünderkartei in Flensburg. Kommt ein Fahrer auf zwölf Punkte, muss er ein Rennen pausieren. Eine Verwarnung, beispielsweise wegen des Überfahrens einer durchgezogenen Linie, hat einen Punkt zur Folge. Eine Durchfahrtsstrafe zieht zwei Punkte nach sich. Wird ein Pilot beim Qualifying von einem Gegner extrem behindert, muss der Übeltäter nicht nur fünf Plätze in der Startaufstellung nach hinten, sondern bekommt auch drei Punkte. Eine Rückstufung von zehn Startplätzen (zum Beispiel als Schuldiger einer Kollision) bedeutet fünf Strafpunkte. Zudem können die Rennkommissare 2014 schon für kleinere Vergehen wie Verlassen der Fahrlinie Fünf-Sekunden-Strafen aussprechen.
WM-Punkte
Wie in den vergangenen Jahren bekommen die zehn besten Fahrer des Rennens Punkte, der Sieger erhält 25. Neu ist, dass es beim letzten der 19 Rennen in Abu Dhabi die doppelte Punktzahl gibt. Der Sieger erhält dann 50 Zähler, der Zweite 36 statt 18, und für Platz zehn gibt es anstatt eines Punktes dann zwei Zähler.
Die neue "Power Unit"

Fotostrecke
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Team Fahrer 1 Fahrer 2
Red Bull Sebastian Vettel Daniel Ricciardo
Ferrari Kimi Räikkönen Fernando Alonso
Mercedes Nico Rosberg Lewis Hamilton
Lotus Romain Grosjean Pastor Maldonado
McLaren Jenson Button Kevin Magnussen
Sauber Adrian Sutil Esteban Gutiérrez
Force India Nico Hülkenberg Sergio Pérez
Toro Rosso Jean-Eric Vergne Daniil Kwjat
Williams Felipe Massa Valtteri Bottas
Caterham Marcus Ericsson Kamui Kobayashi
Marussia Max Chilton Jules Bianchi

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