Bottas siegt beim Großen Preis von Österreich Meister Lampe

Ein Blitzstart von Valtteri Bottas hat das Rennen in Österreich früh entschieden. Zum direkten Duell zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton kam es nicht. Und Sauber feierte einen traurigen Rekord.

Valtteri Bottas und die Startlampe (rechts)
BRUNA/ EPA/ REX/ Shutterstock

Valtteri Bottas und die Startlampe (rechts)


Ausgangslage: Zwei Wochen nach dem spektakulären Chaosrennen von Baku stellte sich vor allem eine Frage: Würde sich Lewis Hamilton für den Rüpelrempler von Sebastian Vettel revanchieren, nachdem der Deutsche ohne ernst zu nehmende Strafe davongekommen war? Die Antwort muss vertagt werden. Hamilton war im Qualifying zwar die drittschnellste Zeit gefahren und hätte damit direkt hinter Vettel starten können. Doch wegen eines unerlaubten Getriebewechsels wurde der Brite auf Position acht strafversetzt. Zum direkten Aufeinandertreffen mit Vettel sollte es deshalb nicht kommen. Die Pole hatte sich zum zweiten Mal in dieser Saison der Finne Valtteri Bottas gesichert.

Startaufstellung (Top Ten): Bottas - Vettel - Räikkönen - Ricciardo - Verstappen - Grosjean - Pérez - Hamilton - Ocon - Sainz.

Ergebnis: Bottas feierte wie schon in Sotschi einen Start-Ziel-Sieg, Vettel wurde Zweiter. Für Hamilton reichte es "nur" zu Platz vier hinter Daniel Ricciardo. Die Meldung zum Rennverlauf finden Sie hier.

Regen oder kein Regen? Bis zum Rennbeginn war es sonnig und sehr warm in Spielberg, die Strecke entsprechend aufgeheizt. Die sich über den Alpen zusammenziehenden Wolken deuteten auf Regen und eine Abkühlung hin, die aber ausblieb. Darunter litten vor allem die Reifen, die bedrohliche Blasen bildeten. Ernsthafte Auswirkungen auf die Strategien hatte das aber nicht.

Startphase: Mit einer brillanten Reaktionszeit von 0,2 Sekunden schrammte Bottas nur knapp an einem Fehlstart vorbei. Der Finne fuhr so schnell los, dass Vettel ein strafwürdiges Vergehen vermutete. Die Rennkommission nahm sich viel Zeit für eine eingehende Prüfung und kam schließlich in der 25. Runde (!) zum Ergebnis, dass alles in Ordnung war.

Bis dahin hatte sich Bottas schon deutlich abgesetzt, während Vettel nach schwächerem Start Angriffe von Ricciardo und Romain Grosjean abwehren musste. Kimi Räikkönen verlor zunächst zwei Plätze, zog in der zweiten Runde aber zumindest wieder an Grosjean vorbei. Hamilton kam gut weg und profitierte zudem von einem Crash in der ersten Kurve (siehe "Umsonst angereist"), durch den er sich schnell auf Platz fünf vorschieben konnte.

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Formel 1 in Österreich: Bottas stiehlt allen die Show

Umsonst angereist: Hunderte niederländische Fans waren extra nach Österreich gekommen, um den Vorjahreszweiten, Max Verstappen, anzufeuern, und ließen eine ganze Tribüne in Oranje strahlen. Viel Grund zum Jubeln hatten sie nicht. Verstappen schied nach einem Crash in der ersten Kurve ebenso aus wie Ex-Weltmeister Fernando Alonso. Daniil Kvyat, der den Unfall verursacht hatte, konnte weiterfahren, bekam eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt und zuckelte dem Feld gemütlich hinterher.

Bremsklotz Kimi: Bei den ersten Boxenstopps entschied sich Ferrari dafür, Räikkönen lange auf der Strecke zu lassen. Warum? Wohl um Bottas nach dessen Reifenwechsel möglichst auszubremsen, damit Vettel den Rückstand auf den Führenden verkürzen konnte. Räikkönen übernahm zwar zwischenzeitlich die Führung, hielt seinen finnischen Landsmann aber nur kurz auf. Danach fiel der Ferrari-Pilot durch den späten Stopp hinter Hamilton zurück, der sich sehr früh neue Reifen geholt hatte.

Trauriger Rekord: Schmerzlichen Glückwunsch an Sauber! Die Schweizer sind jetzt offiziell das erfolgloseste Team der Formel-1-Geschichte. Mit 341 Rennen ohne einen einzigen Sieg als unabhängiger Rennstall hat Sauber den ehemaligen Rennstall Minardi überholt. Pascal Wehrlein musste nach einem Motorwechsel aus der Boxengasse starten, landete am Ende auf Platz 14 und damit noch einen Rang vor seinem Teamkollegen Marcus Ericsson.

Erkenntnis des Rennens: Die Formel 1 hat bewiesen, dass sie auch anders kann als in Baku: Kaum Überholmanöver, keine Safety-Car-Phasen, keine bewusst herbeigeführten Kollisionen und kein direktes Duell zwischen den Konkurrenten um die WM-Führung. An den Großen Preis von Österreich 2017 werden sich vor allem die Bottas-Fans wegen des Blitzstarts erinnern. Für alle anderen ist es nur ein weiteres Rennen, das in die Gesamtwertung eingeht.



insgesamt 5 Beiträge
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Anhaltiner 09.07.2017
1.
Wenn dir Räder bereits drehen wenn noch die Ampel an ist, frage ich mich wie man auf eine Reaktionszeit von 0,2s kommen kann. Wir reden hier von wahrscheinlich weniger als 0,1s vor dem Start aber definitiv nicht von einer Reaktion nach dem Start. Mir bleibt das Gefühl, das ime Reglement erst Mercedes sagen muss wo die Toleranzen sind.
fxe1200 09.07.2017
2. Kimis Reaktionszeit liegt..
...bei gemessenen 141ms. Die von Sebastian wird nicht viel schlechter sein. Jedoch dauerte es 369ms bis der Wagen von Vettel in die Hufe kam. Das ist der Tatsache geschuldet, dass es ca. 200ms dauert, bis die Systeme im Wagen auf den Gasfuß reagieren. Wenn die Ampel nur 100ms später ausgegangen wäre, dann hätte Bottas eine klaren Frühstart hingelegt. Bottas hat definitiv schon 200ms vor dem Erlöschen der Ampel Gas gegeben, aber er ist im gleichen Photo-Frame losgefahren, als die Lichter erloschen.
-su- 09.07.2017
3.
Rennen war im großen und ganzen lagnweilig. Einizg die Heulsuse Vettel hat ein wenig für Spannung gesorgt, da er sich über einen angeblichen Fehlstart beschwert hat. Gut, dass die Rennleitung das anderst gesehen hat, wie die Heulsuse Vettel.
Champagnerschorle 09.07.2017
4. Wortschatz
@su Wie nennen Sie das, wenn sich die Räder vor dem erlöschen der roten Ampeln drehen? Es scheint so als hätten Vettel und Ricciardo (der auch die Jump Start Meinung vertritt) bessere Augen als sagen wir mal: Sie.... PS: Die Jungs fechten übrigens eine WM aus, und mit der fälligen Durchfahrtsstrafe hätte Vettel gewonnen, da kann man schon zu recht seine Meinung kund tun. Heulen hört sich auch anders an, oder?
wi_hartmann@t-online.de 10.07.2017
5. Formel 1 Show
Endlich hat die Regie eingegriffen. Das lahmende Formel 1-Geschäft wird durch Beimischung weiterer Namen in der Spitze aufgehellt. Sicher wird auch diese Maßnahme nachhaltig nicht wirken. Auf Dauer lassen sich auch schlichtere Gemüter nicht veralbern.
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