Formel 1 in China Wieder auf der Überholspur

Ein fehlerloser Nico Rosberg sorgt für Langeweile an der Spitze. Dahinter wurde beim dritten Saisonrennen aber alles geboten, was die Formel 1 aus ihrer Krise befördern könnte. Alles Wichtige zum Rennen in Shanghai.

Sebastian Vettel rettete Platz zwei
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Sebastian Vettel rettete Platz zwei

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Ausgangslage des Rennens: Nico Rosberg hatte sich im Qualifying seine erste Poleposition der Saison gesichert. Für seine Konkurrenten lief es weniger gut. Lewis Hamilton fuhr wegen eines technischen Defekts keine Runde und ging vom letzten Platz aus ins Rennen. Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen leisteten sich in ihren Ferraris zu viele Fahrfehler und verpassten die erste Reihe. Für Rosberg lag damit der dritte Saisonsieg auf dem Silbertablett.

Ergebnis: Tatsächlich dominiert Rosberg die Formel 1 derzeit. Sein Vorsprung auf Teamkollege Hamilton beträgt nach dem souveränen Erfolg in Shanghai bereits 36 Punkte.

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Sieg in China: Rosbergs einsames Rennen

Startphase: In den Rennen in Australien und Bahrain lief es für Mercedes am Start nicht gut und auch in Shanghai verlor Rosberg einen Platz. Daniel Ricciardo, nach dem starken Qualifying überraschend auf Startrang zwei, zog in seinem Red Bull vorbei. Knapp dahinter kollidierten Vettel und Räikkönen. Der Finne fiel weit zurück und weil Vettel seinen Frontflügel beschädigte, musste er in die Box und konnte seine gute Position ebenfalls nicht halten. Und Hamilton? Der Titelverteidiger wollte eigentlich sofort eine große Aufholjagd starten, kollidierte aber mit Luiz Felipe Nasr (Sauber) und musste diese mit einem kaputten Frontflügel etwas verschieben.

Fehlentscheidung: Nach diversen Kollisionen in der Startrunde lagen viele Autoteile auf der Strecke, trotzdem entschied sich die Rennleitung gegen eine Säuberung. So handelte sich der zu Beginn führende Ricciardo einen Reifenschaden ein - erst im Anschluss sorgte das Safety Car für die Entfernung der herumliegenden Teile. Zu spät für den Australier.

Positionswechsel: Schon die ersten beiden Rennen lieferten genau das in Hülle und Fülle, was die Formel 1 in den vergangenen Jahren nur noch ganz selten bot: Überholmanöver. In Australien waren es 37, in Bahrain sogar 84, in Shanghai wird immer noch verzweifelt gezählt.

Wenn der Chef mal da ist: Es hätte für Ferrari ein schlimmes Wochenende werden können. Verpatztes Qualifying, Kollision am Start - der Scuderia drohte der Verlust des zweiten Platzes in der Konstrukteurswertung an Red Bull, von einem Angriff auf Mercedes ganz zu schweigen. Aber vor den Augen von Ferrari-Boss Sergio Marchionne rissen sich Vettel und Räikkönen nach dem unglücklichen Zusammenstoß zu Beginn zusammen, zeigten erstklassige Überholmanöver und holten die Plätze zwei und fünf. Der Angriff von Vettels Ex-Team wurde somit gerade noch abgewehrt.

Rosbergs Rekord: Folgende Bestmarke wird Nico Rosberg im Laufe der Saison zunächst ausbauen und dann loswerden wollen. Nach seinem Erfolg in Shanghai ist der Deutsche der Fahrer in der Formel-1-Historie mit den meisten Grand-Prix-Siegen, ohne jemals den WM-Titel gewonnen zu haben. Es war Rosbergs 17. Sieg, bisher lag er mit Stirling Moss (16) gemeinsam an der Spitze der Titellos-Liste. Dahinter folgen mit David Coulthard (13), Rubens Barrichello (11) und Felipe Massa (11) weitere Piloten, die im Schatten großer Fahrer standen. Der 30-Jährige könnte in diesem Jahr tatsächlich aus Hamiltons Schatten heraustreten.

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Welcher Fahrer zeigte beim Rennen in Shanghai die beste Leistung?

Hamiltons Aufholjagd: Dieses Wochenende wird der Titelverteidiger schnell vergessen wollen. Rang sieben klingt noch versöhnlich in Anbetracht von Startplatz 22, der frühen Kollision mit Nasr, insgesamt fünf Boxenstopps und stark abbauenden Reifen. Eigentlich hatte der Brite, wie er es 2014 in Ungarn schon mal von Startplatz 22 geschafft hatte, sogar mit einem Podestplatz geliebäugelt. Bei 36 Punkten Rückstand steht der Weltmeister aber endgültig unter Druck.

Ricciardos Teatime: Red Bull gehört in dieser Saison zu den großen Überraschungen. Das liegt auch an den fahrerischen Leistungen von Daniel Ricciardo. Der Australier verpasste in China zwar zum dritten Mal in Serie als Vierter das Podium, zeigte aber ein beeindruckendes Rennen, das ohne den frühen Reifenplatzer wohl noch besser gelaufen wäre. Absoluter Höhepunkt: Das Überholmanöver gegen Hamilton in der 43. Runde. Es sah so spielend leicht aus, als hätte Ricciardo - wie vor dem Rennen grafisch erzählt - dabei eine Tasse Tee in der Hand gehalten.

Erkenntnis des Rennens: Warum braucht die Formel 1 für die kommende Saison eigentlich neue Regeln? An der Spitze droht zwar erneut Langeweile, dahinter wird aber großartiger Motorsport geboten. Das sollte der Ausgangspunkt für die Regeldiskussion beim kommenden Rennen in Russland sein.

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espet3 17.04.2016
1.
Man stelle sich nur vor, wie langweilig es noch geworden wäre, wenn Hamilton auch diesmal vorne gewesen wäre. Die Sternleute scheinen ein gutes Händchen zu haben.
feindsender642 17.04.2016
2. Anderes Rennen gesehen
Der Autor sah wohl ein anderes Rennen. Dieser Brand Prix war an Langeweile kaum zu übertreffen.
Bueckstueck 17.04.2016
3.
Zitat von feindsender642Der Autor sah wohl ein anderes Rennen. Dieser Brand Prix war an Langeweile kaum zu übertreffen.
Ist wohl eher so, dass du das Rennen gar nicht gesehen hast, aber trotzdem was negatives darüber schreiben wolltest. Oder aber du bist kein Motorsport Freund, für den das Rennen nicht bloss aus dem Erstplatzierten besteht.
colinchapman 17.04.2016
4. die F1 war nie schlecht
auch in der geschmähten Ära der Hybrid-Turbos seit 2013 gab es immer schon exzellenten Motorsport, halt leider oft nur vom fünften oder sechsten Platz abwärts. auf den ersten vier oder fünf Plätzen waren immer die Positionen schnell bezogen. Die F1 war nie schlecht gewesen, aber sie taugt aktuell halt nicht für denjenigen, der sich nur für den Sieger interessiert un dem alles ab Platz drei egal ist.
MatthiasPetersbach 17.04.2016
5.
Zitat von colinchapmanauch in der geschmähten Ära der Hybrid-Turbos seit 2013 gab es immer schon exzellenten Motorsport, halt leider oft nur vom fünften oder sechsten Platz abwärts. auf den ersten vier oder fünf Plätzen waren immer die Positionen schnell bezogen. Die F1 war nie schlecht gewesen, aber sie taugt aktuell halt nicht für denjenigen, der sich nur für den Sieger interessiert un dem alles ab Platz drei egal ist.
Das ist richtig. Gilt aber für JEDEN Sport. Es gibt wohl unter den Zuschauern so gut wie jeder TV-Sportart maximal 30%, die sich wirklich für den Sport und da Spiel interessieren. Beim Fußball sind es wohl weitaus weniger.
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