Britische Formel-1-Teams vor Silverstone Warum McLaren und Williams in der Krise stecken

Bei den früheren Top-Rennställen McLaren und Williams herrscht Chaos. Die Gründe für den Misserfolg der britischen Formel-1-Teams sind verschieden. Beim Heim-GP in Silverstone droht ein Debakel.

Williams-Fahrer Sergei Sirotkin
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Williams-Fahrer Sergei Sirotkin

Von Karin Sturm


Das eine Team kann auf 182 Siege, zwölf Fahrer- und acht Konstrukteurs-WM-Titel zurückblicken, das andere auf 114 Grand-Prix-Triumphe, sieben Fahrer- und neun Konstrukteurs-Titel: McLaren und Williams waren einst die Flaggschiffe der britischen Formel-1-Armada. Teams, deren Geschichte immer auch stark mit den Namen einzelner Protagonisten verbunden waren. Doch vor dem Großen Preis von Großbritannien am Sonntag (15.10 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL) haben sie mehr Probleme denn je.

Aber der Reihe nach. Der neuseeländische Rennfahrer Bruce McLaren brachte 1966 ein Team in die Königsklasse des Motorsports, das bis heute seinen Namen trägt. Doch die prägende Figur bei McLaren war ein anderer: der unerbittliche Antreiber und Erfolgsmanager Ron Dennis. 1980 wurde er Mitbesitzer und prägte dann die erfolgreichsten Jahrzehnte, unter anderem die Ära der beiden Weltmeister Ayrton Senna und Alain Prost.

Doch in Großbritannien entwickelte sich zur selben Zeit noch ein weiterer Rennstall, der für Furore sorgen sollte: 1977 gründete Frank Williams zusammen mit Ingenieur Patrick Head ein Formel-1-Team. Trotz seines schweren Verkehrsunfalls, der ihn 1986 aufgrund einer Querschnittslähmung in den Rollstuhl zwang, war Williams danach noch lange Teamchef.

Mittlerweile ist er 76 Jahre alt und aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage, den Rennstall zu führen. Seine Tochter Claire hat offiziell die Verantwortung übernommen. Und auch bei McLaren gab es einen Umbruch: Einige Aktionäre drängten Dennis Ende der Saison 2016 aus dem Team - zuvor hatte es immer wieder Unruhe und auch Management-Wechsel auf der Ebene unter ihm gegeben.

Williams gewann zuletzt im Jahr 2012 ein F1-Rennen

Der Abgang dieser lange dominierenden Führungspersönlichkeiten ist nicht der einzige Grund dafür, dass beide Teams in den vergangenen Jahren immer weiter abstürzten - und kein Ende der Krise in Sicht scheint. Der letzte Williams-Sieg datiert aus dem Jahr 2012. Damals hatte Pastor Maldonado in Barcelona gewonnen. Im gleichen Jahr stand auch ein McLaren zum letzten Mal ganz oben auf dem Podium, Jenson Button beim Saisonfinale in Brasilien.

Bei McLaren, wo kurz vor dem Heim-GP in Silverstone der bisherige Rennleiter Eric Boullier nach vier Jahren gehen musste, hakt es seit einiger Zeit an der Technik. Und zwar gewaltig: Während der dreijährigen Partnerschaft mit Honda schob man die Misserfolge auf die Probleme der Japaner. Doch auch mit dem neuen Motorenpartner Renault geht nichts voran - auch wenn Fernando Alonso zuletzt in Österreich dank zahlreicher Ausfälle und guter fahrerischer Leistung mal wieder in die Punkte kam.

Fernando Alonso beim GP in Österreich
Getty Images

Fernando Alonso beim GP in Österreich

Das große Problem bleibt: Das Auto ist einfach zu langsam. Beim Großen Preis von Frankreich schieden beide McLaren sogar im ersten Abschnitt des Qualifyings aus. Dass Red Bull mit demselben Motor Siege einfährt, macht die Chassis-Defizite des McLaren nur noch deutlicher. "Unser Auto hat weniger Abtrieb als das Vorjahresmodell", sagte Teamchef Zak Brown.

Überstunden werden mit Schokoriegeln belohnt

Die Probleme liegen bei McLaren auf mehreren Ebenen. Das Zusammenspiel der verschiedenen technischen Abteilungen funktioniert nicht. Außerdem gibt es möglicherweise ein schlechtes Betriebsklima. Vor kurzem wurde ein "Aufstand der Mitarbeiter" kolportiert, weil angeblich zahlreiche Überstunden nur mit Schokoriegeln belohnt wurden - das sogenannte "Schoko-Gate".

Die Probleme bei Williams sind ebenfalls vielschichtig - am meisten hat das Team jedoch akute Geldprobleme. Die führten dazu, dass man in diesem Jahr mit zwei Bezahlfahrern unterwegs ist. Solche "Paydriver" bringen durch eigene Sponsoren selbst Geld mit ins Team, um den Betrieb des Rennstalls aufrechtzuerhalten. Sie finden den Weg ins Cockpit nicht aufgrund ihrer Leistungen, sondern wegen ihres Kapitals.

Neben Lance Stroll, dessen Vater Lawrence mit seinen Textil-Millionen das Team schon seit einiger Zeit am Leben hält, ist nun auch noch der Russe Sergei Sirotkin da. Für ihn überweist der Oligarch und Putin-Freund Boris Rotenberg rund 15 Millionen Euro im Jahr an Williams.

McLaren bei Testfahrten
Getty Images

McLaren bei Testfahrten

Sirotkin ist kein schlechter Fahrer, aber eben auch niemand, der das Team weiterbringt. Zudem ist das aktuelle Auto miserabel, was unter einem technischen Direktor Paddy Lowe sehr erstaunlich ist. Bei Mercedes hatte er jahrelang gute Arbeit geleistet. Auch der erfahrene Robert Kubica, der als Testfahrer bereits zweimal bei Freitagstrainings im Williams saß, kommt zu einem ernüchternden Schluss: "Das Auto ist eigentlich unfahrbar."

Besserung ist nicht in Sicht. Ein komplett neues Auto, eine B-Version, ist angesichts der finanziellen Lage nicht möglich. Und dass sich zum Saisonende 2018 auch noch Hauptsponsor Martini verabschieden wird, lässt die Sorgenfalten bei den Verantwortlichen nur noch tiefer werden.

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 07.07.2018
1. williams
hat nach BMW auf Cosworth als motoren lieferant gesetzt. Das war ein fehler und die sind total eingebrochen. Keine punkte heisst kein Geld am ende der saison. Ab da musste man Pay driver einstellen. Bei Williams ist das weitere problem das der dafhrer nur als fahrer eingestellt ist, bei anderen teams sind die fahrer mehr eingebunden. MCLaren war zu arrogant und hat wichtiges personal gehen lassen.
wikkur 07.07.2018
2. Schade,
dass es sich so entwickelt hat in der Formel 1. Früher waren die Privatteams nicht nur das Salz in der Suppe, wie im Bericht dargestellt, haben sie über weite Strecken dominiert. Frank Williams hatte aus dem Rollstuhl heraus Erstaunliches geleistet. Weshalb Ron Dennis geschasst wurde, hat sich mir nicht erschlossen. Zu dem nun bestehendem Dilemma ist die aktuelle komplexe Technik nicht ganz unschuldig. Wenn die neuen F1-Eigentümer in Absprache mit der FIA hier nicht bald einige Schritte zurück rudern, wird es eben noch weniger Teams geben. Dass aktuell Ferrari und Daimler sich dagegen stemmen ist einerseits verständlich, aber auch kurzsichtig. Die Antriebstechnik muss wieder einfacher und bezahlbarer werden.
uzsjgb 07.07.2018
3.
Zitat von Nonvaio01hat nach BMW auf Cosworth als motoren lieferant gesetzt. Das war ein fehler und die sind total eingebrochen. Keine punkte heisst kein Geld am ende der saison. Ab da musste man Pay driver einstellen. Bei Williams ist das weitere problem das der dafhrer nur als fahrer eingestellt ist, bei anderen teams sind die fahrer mehr eingebunden. MCLaren war zu arrogant und hat wichtiges personal gehen lassen.
Das verstehe ich nicht Können Sie erläutern, was Sie hier sagen wollen?
andreasreiter 07.07.2018
4. Der Abgang würde gut zum Brexit passen
Nur glorreicheTradition und steife Oberlippe sind keine Garantie mehr, um erfogreich oben mitspielen zu können. .
uzsjgb 07.07.2018
5.
Zitat von wikkurdass es sich so entwickelt hat in der Formel 1. Früher waren die Privatteams nicht nur das Salz in der Suppe, wie im Bericht dargestellt, haben sie über weite Strecken dominiert. Frank Williams hatte aus dem Rollstuhl heraus Erstaunliches geleistet. Weshalb Ron Dennis geschasst wurde, hat sich mir nicht erschlossen. Zu dem nun bestehendem Dilemma ist die aktuelle komplexe Technik nicht ganz unschuldig. Wenn die neuen F1-Eigentümer in Absprache mit der FIA hier nicht bald einige Schritte zurück rudern, wird es eben noch weniger Teams geben. Dass aktuell Ferrari und Daimler sich dagegen stemmen ist einerseits verständlich, aber auch kurzsichtig. Die Antriebstechnik muss wieder einfacher und bezahlbarer werden.
Das "früher" ist doch gerade mal 1 Rennen her, die Dominanz 5 Jahre her. Bei den üblichen Schwankungen, welche die Teams in der Formel 1 unterliegen, würde ich da noch nichts ungewöhnliches sehen. In den letzten Jahren lagen die Probleme eher bei den Motorenherstellern, als bei den Privatteams.
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