Ferraris Doppelaus in Singapur Die Hoffnung stirbt schnell

Das Formel-1-Rennen in Singapur war für Ferrari nach Sekunden beendet. Lewis Hamilton profitierte und gewann. Fernando Alonso erlebte die nächste Enttäuschung, Nico Hülkenberg "feiert" einen bitteren Rekord.

Sebastian Vettel, Max Verstappen, Kimi Räikkönen (v.l.)
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Sebastian Vettel, Max Verstappen, Kimi Räikkönen (v.l.)

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Schnelle Entscheidung: 15 Sekunden. So lange durften Ferrari und Sebastian Vettel hoffen. Auf einen Sieg beim Großen Preis von Singapur, auf die erneute WM-Führung, auf ein spannendes, ausgeglichenes Saisonende. Aber 15 Sekunden nach dem Start drehte sich Sebastian Vettel, Lewis Hamilton (Mercedes) zog vorbei und übernahm Platz eins, für Vettel war das Rennen wenig später vorbei. Kurz zuvor, sechs Sekunden nach dem Start, waren Vettel, sein Teamkollege Kimi Räikkönen und Max Verstappen (Red Bull) kollidiert.

Die Startaufstellung (Top Ten):
Vettel - Verstappen - Ricciardo - Räikkönen - Hamilton - Bottas - Hülkenberg - Alonso - Vandoorme - Sainz

Das Ergebnis: Lewis Hamilton (Mercedes) hat auch in Singapur gewonnen, es war sein dritter Erfolg hintereinander. Daniel Ricciardo wurde Zweiter, Valtteri Bottas komplettierte das Podium. Nach mehreren Safety-Car-Phasen ging das Rennen nicht über die volle Distanz, sondern endete, als die zeitliche Obergrenze von zwei Stunden erreicht war.

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Die Startphase: Pures Chaos. Räikkönen versuchte, sich an Verstappen vorbeizuschieben, der Ferrari und der Red Bull berührten sich, dadurch drehte sich Räikkönen in den Wagen seines Teamkollegen Vettel. Räikkönen schob anschließend noch Verstappen und Fernando Alonso von der Strecke. Vettel konnte zunächst weiterfahren, musste sein Auto wenig später aber auch abstellen. Lewis Hamilton profitierte und übernahm die Führung.

Die Schuldfrage: Vettel konnte Räikkönen ganz innen nicht sehen und zog im Glauben nach links, dass Verstappen genug Platz hätte. Verstappen aber wurde eingeklemmt und konnte nicht ausweichen. Räikkönen hatte zu wenig Platz zur Seitenbegrenzung, konnte den Zusammenstoß also auch nicht mehr verhindern. So löste Vettel den Unfall aus, aber es war wohl genau das - ein Rennunfall. Verstappen sah die Schuld dennoch bei Vettel. Er hätte "nicht so ein Risiko" eingehen dürfen. Letztendlich sei er "glücklich, dass wir alle drei ausgeschieden sind und nicht nur ich", sagte Verstappen.

Der Unglücksrabe: Wie bitter diese Saison für Fernando Alonso läuft, ist kaum noch zu beschreiben. Ein vollkommen unterlegenes Auto und große Motorprobleme warfen einen der besten Fahrer im Feld immer wieder zurück. In Singapur zeigte Alonso einen Traumstart, fuhr von Position acht auf drei vor - und wurde dann von Räikkönen abgeräumt. Wenig später war das Rennen für den Spanier vorzeitig beendet - schon zum sechsten Mal in dieser Saison. Sollte er bei McLaren bleiben, bekäme Alonso für die neue Saison immerhin einen Renault-Motor.

Hülkenbergs trauriger Rekord: 129 Formel-1-Rennen ist Nico Hülkenberg nun gefahren. 129 Mal hat er dabei eine Platzierung auf dem Podest verpasst. Das ist ein neuer Negativrekord. Adrian Sutil hatte es in 128 Rennen nicht unter die ersten drei Plätze geschafft. Besonders bitter: Gerade in Singapur hätte Hülkenberg nach den vielen Ausfällen zu Beginn die Chance aufs Podium gehabt. Aber Renault holte ihn gleich zweimal zu spät zum Reifenwechsel in die Boxengasse, dadurch verlor der Deutsche mehrere Plätze. Letztlich schied er mit technischen Problemen sogar noch aus.

Starker Toro Rosso: Carlos Sainz, der in der kommenden Saison für Renault fahren wird, feierte mit Rang vier das beste Ergebnis seiner Karriere. Auch er profitierte dabei besonders von den Ausfällen mehrere Spitzenfahrer.

Hamiltons Puffer: 28 Punkte beträgt der Vorsprung von Hamilton vor Vettel nun in der WM-Wertung. So groß war der Abstand zwischen Platz eins und zwei in dieser Saison bisher noch nie.

Gibt es trotzdem noch Hoffnung für Vettel? Wenig. Das ist das klare Fazit des Rennens in Singapur. Es war die letzte Strecke der Saison, auf der Ferrari unter normalen Umständen Vorteile gegenüber Mercedes hat. Durch den Unfall aber verlor Vettel im WM-Kampf 25 Punkte auf Hamilton. Nun folgen noch die Rennen in Malaysia, Japan, den USA, Mexiko, Brasilien und schließlich das Saisonfinale in Abu Dhabi. Hamilton hat nun beste Chancen auf seinen vierten WM-Titel. Aber: Das Rennen in Singapur hat gezeigt, wie schnell ein einziger Moment alles ändern kann.



insgesamt 41 Beiträge
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a.s.89 17.09.2017
1. Rennunfall
Im Großen und Ganzen kann man keinem wirklich die Schuld geben, wobei es nicht das erste Mal ist, das Vettel ein Manöver fährt, bei dem Risiko und Ertrag nicht im Verhältnis stehen. Sowohl Verstappen als auch Räikkönen konnten jedenfalls nichts für den Unfall. Man muss leider auch anmerken, dass diese Situation gar nicht erst entstanden wäre, wenn Vettel nicht einen eher mäßigen Start im Vergleich zu den meisten anderen Fahrern auf den vorderen Plätzen hingelegt hätte. Es wäre schade, wenn dies heute die Saisonentscheidung gewesen ist, denn was Vettel gerade in der ersten Hälfte der Saison gezeigt hat, war eine ausgesprochen gute Leistung. Hamilton hat heute aber auch wieder gezeigt, dass er, anders wie manche behaupten, ein herausragender Fahrer und der Mercedes nicht allein für seine Erfolge verantwortlich ist. Wer im Mercedes im Regen auf einem Stadtkurs einem Redbull keine Chance lässt, weiß definitiv, was er macht.
ThieryMZ 17.09.2017
2. Dämlicher...
....geht's nimmer! Vettels Start war schlecht, der von Verstappen und Räikkönen um so besser. Vettel zog nach links, um Verstappen zu blocken. Der befand sich aber im Ferrari-Sandwich - Crash. Damit hat sich Vettel selbst aus der WM geschossen. Ganz so toll sind seine Fahrer-Qualitäten, so scheint's, doch nicht...
kloppskalli 17.09.2017
3. omg..
das Manoever hat Vettel schon einmal gezeigt - bei der Kollision mit Teamkollege Webber, halb vorbei und dann mit gottgleicher arroganz dem Nebenmann uebers Vorderrad fahren - der hat ja schliesslich Platz zu machen - was fuer ein Depp. Nun is nicht nur die Fahrer sondern gleichzeitig die Team WM in gaaaanz weite Ferne gerueckt. Da hat sich Ferrari wirklich was eingebrockt. So einen Fahrer, fuer so viel Geld, braucht kein Team.. ich hoffe er sieht wenigstens selber was er da anerichtet hat - statt Ferrari auf 1+2 oder zumindest Podium fuer beide NUR SCHROTT ... ich fasse es nicht ...
Schnixus 17.09.2017
4. Dankbarkeit
Nachdem Crashstappen nun seinen Vorvertrag mit Mercedes für 2019 unterschrieben hat, war er natürlich in der Bringschuld und hat diese sofort erbracht: Mission erfüllt würde ich mal mit fadem Beigeschmack sagen... Dieser Crashkiddo ist wirklich unglaublich talentiert darin, anderen die Rennen/Meisterschaften zu ruinieren...
steingärtner 17.09.2017
5. Es stimmt also
Der Teufel schei..... doch immer auf den grössten Haufen.
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