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Hamilton-Sieg in Sotschi: Der nervöse Herr Rosberg

Aus Sotschi berichtet

Rosberg nach dem Rennen: Platz zwei in Sotschi Zur Großansicht
Getty Images

Rosberg nach dem Rennen: Platz zwei in Sotschi

Nico Rosbergs Aufholjagd im WM-Kampf war in Sotschi schnell beendet. Der Deutsche brachte sich mit einem übermotivierten Manöver um die Siegchance. Derzeit spricht alles für seinen Teamrivalen Lewis Hamilton.

Nico Rosberg war aus seinem Formel-1-Auto ausgestiegen, klatschte kurz in Richtung der Zuschauer und wollte gerade in den Katakomben des Sochi-Autodroms verschwinden, da sah er seine feiernden Kollegen. Am Absperrzaun, der sie von den Fahrern trennt, bejubelten die Mechaniker und Ingenieure von Mercedes den Gewinn der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Pflichtgemäß machte Rosberg einen Schlenker und ging zu ihnen, klatschte mit zwei, drei Personen ab und drehte wieder um.

Feiern war das Letzte, was der Deutsche im Sinn hatte.

16 von 19 Rennen sind in dieser Formel-1-Saison absolviert. Weil es beim letzten Grand Prix des Jahres in Abu Dhabi doppelte Punktzahl gibt, kann jeder Fahrer noch 100 Zähler holen. Rosbergs Rückstand in der Fahrer-WM auf seinen Teamkollegen Lewis Hamilton beträgt nur 17 Punkte. Aber dieser Große Preis von Russland, bei dem Hamilton vor Rosberg siegte, dürfte eine Vorentscheidung im Titelkampf gewesen sein.

"Ich ärgere mich natürlich sehr, denn ich habe mich verschätzt", sagte Rosberg über die Szene unmittelbar nach dem Start, als er, von Platz zwei aus gestartet, mit aller Macht an Hamilton vorbei wollte, der von der Poleposition aus ins Rennen gegangen war. Als Rosberg endlich überholt hatte, war er der ersten Kurve aber schon so nah, dass er stark abbremsen musste. Und zwar so stark, dass er sich seine Reifen dabei beschädigte ("Sie waren viereckig") und nach nur einer Runde neue Pneus holen musste. Damit war für Hamilton der Weg zu dessen neuntem Saisonsieg frühzeitig frei.

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Großer Preis von Russland: Souveräner Sieg für Hamilton
Rosbergs übermotiviertes Manöver ist ein Beleg dafür, dass der 29-Jährige im Titelkampf die Geduld zu verlieren scheint. Oder anders ausgedrückt: Hamilton ist auf der Strecke derzeit einfach cooler als Rosberg.

Diese Entwicklung hatte schon beim ersten Rennen nach der Sommerpause in Spa begonnen. Damals war Rosberg noch immer sauer über die Vorkommnisse beim vorherigen Rennen in Ungarn, als das Team den auf Platz drei liegenden Hamilton angewiesen hatte, den hinter ihm liegenden, aber deutlich schnelleren Rosberg vorbeizulassen. Weil sich Hamilton geweigert hatte und Dritter geworden war, schäumte Rosberg auch vier Wochen später noch. Von Journalisten darauf angesprochen fragte Hamilton in Spa ungläubig: "Das beschäftigt ihn tatsächlich noch immer?"

Das Rennen in Belgien war für den Briten dann nach nicht einmal zwei Runden gelaufen, weil Rosberg auch da schon übermotiviert zu Werke gegangen war und mit seinem Frontflügel Hamiltons Hinterrad aufschlitzte. Rosberg musste sich anschließend öffentlich entschuldigen und Hamilton spielte seine Opferrolle mit Genuss.

Das alles schien Rosberg so sehr verunsichert zu haben, dass er sich beim folgenden Rennen in Monza gleich zweimal heftig verbremste und das Rennen deswegen nur auf Platz zwei hinter Hamilton beendete. In Singapur fiel Rosberg dann wegen eines technischen Defekts aus, in Japan hatte er aufgrund großer Steuerungsprobleme mit seinem Auto keine Chance gegen den Teamrivalen.

"Das ist eine unglaubliche Woche"

Wegen all dieser Vorkommnisse scheint Rosberg seine Lockerheit aus dem Sommer, als er unter anderem in Österreich und auf dem Hockenheimring gewann, verloren zu haben. Rosberg wird nervös, anders ist das brachiale Überholmanöver in Sotschi nicht zu erklären. Denn das Rennen zeigte dann ja, dass die beiden Mercedes-Piloten gleichermaßen ein sehr gutes Auto hatten. Doch während Rosberg das Feld von ganz hinten aufrollen musste und dabei viel Zeit verlor, konnte sich Hamilton an der Spitze einen komfortablen Vorsprung herausfahren.

Anstatt den Engländer im Rennen unter Druck zu setzen, ist nun Rosberg mehr denn je unter Druck.

"Das ist eine unglaubliche Woche, wir haben hier Geschichte geschrieben", freute sich Hamilton über zwei Siege binnen acht Tagen und den Gewinn der Konstrukteurs-WM. Dieser Titel sei es, warum er sich mit einer Hälfte auch freuen könne, versicherte Rosberg, aber "die andere Hälfte von mir ist sehr enttäuscht".

Für Hamilton war der Erfolg in Sotschi der vierte Sieg in Folge. Solch eine Serie ist ihm in dieser Saison schon einmal gelungen, als er nacheinander in Malaysia, Bahrain, China und Spanien triumphierte. Es folgten die Rennen in Monaco, Kanada und Österreich, von denen Rosberg zwei gewann und einmal Zweiter wurde, Hamilton hingegen fuhr dabei nur zwei zweite Plätze heraus.

Sollte Rosberg noch einmal so ein Comeback gelingen, wäre er am Ende Weltmeister. Doch dafür spricht derzeit wenig.

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Was hätte er denn machen sollen?
schmunda 12.10.2014
Rosberg hat vollkommen nachvollziehbar alles auf eine Karte gesetzt. Hätte er Hamilton nach dem Start nicht überholen können, wäre er so oder so höchstens 2. geworden. Dass er nun vom letzten Platz aus diesselbe Position erreicht hat, ist schon relativ bemerkenswert.
2. H muss nix
sitiwati 12.10.2014
anderes tun, als ruhig seine Runden drehen, der Rosberg macht den Rest, H war mit dem Rücken zur Kamera nach dem Rennen, damit niemand sein breites Grinsen sah , o Rosberg, so wird das nix!
3. Uebertriebene Erwartungen
winkler00 12.10.2014
ROSBERG hat sich selbst und durch die Presse zustark unter Druck gesetzt. Er wurde schon zur Halbzeit als Weltmeister in Spe gehoben. Das war wohl ein wenig zu früh, da in der zweiten Hälfte bisher die technischen Ausfälle ausblieben. Er hat noch eine Chance wenn den Titel ab schreibt und einfach wieder Rennen fährt. Dann klappt es auch wieder mit dem Sieg.
4.
franz_hiller 12.10.2014
Zitat von schmundaRosberg hat vollkommen nachvollziehbar alles auf eine Karte gesetzt. Hätte er Hamilton nach dem Start nicht überholen können, wäre er so oder so höchstens 2. geworden. Dass er nun vom letzten Platz aus diesselbe Position erreicht hat, ist schon relativ bemerkenswert.
braucht Rosberg ne Brille ? Der 3te wichtige Verbremser für Hamilton von Rosberg! Leider habe ich nicht bekommen ob Laude noch die alte Weisheit " Man gewinnt das Rennen nicht in der ersten Runde " rausgehauen hat ... und Mega-Langweilig war das Rennen auch noch ...oder lag das auch an Putin?
5. Erster Eindruck
reinhold f. 12.10.2014
"Erwachsen" sind beide Sportler noch nicht. In Sache sportlicher Fairness happert es bei Hamilton aber gewaltig, vor insbesondere dann wenn er mal nicht auf dem höchsten Podium steht. Rossberg hat einfach die bessere menschliche Erziehung
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Formel-1-Fahrer 2014: Fünf Weltmeister, drei Neue und "Disco Dan"
Formel 1: Rennkalender 2014
Rennen Datum Großer Preis von (Ort)
1 16.03. Australien (Melbourne)
2 30.03. Malaysia (Sepang)
3 06.04. Bahrain (Manama)
4 20.04. China (Shanghai)
5 11.05. Spanien (Barcelona)
6 25.05. Monaco (Monte Carlo)
7 08.06. Kanada (Montreal)
8 22.06. Österreich (Spielberg)
9 06.07. Großbritannien (Silverstone)
10 20.07. Deutschland (Hockenheimring)
11 27.07. Ungarn (Budapest)
12 24.08. Belgien (Spa-Francorchamps)
13 07.09. Italien (Monza)
14 21.09. Singapur (Singapur)
15 05.10. Japan (Suzuka)
16 12.10. Russland (Sotschi)
17 02.11. USA (Austin)
18 09.11. Brasilien (São Paulo)
19 23.11. Abu Dhabi (Abu Dhabi)

Formel-1-Saison 2014: Die wichtigsten Änderungen
Motor
Die Ära der Saugmotoren ist vorbei. Statt der 2,4-Liter-Triebwerke mit acht Zylindern stecken nun 1,6-Liter-Turbomaschinen mit sechs Zylindern unter der Fahrzeugabdeckung. Pro Saison darf ein Fahrer nur fünf Motoren einsetzen, bisher waren es acht. Ab dem sechsten Motor muss er aus der Boxengasse starten.
Hybridsystem
Das Hybridsystem ERS (Energy Recovery System) liefert pro Runde zusätzlich 160 PS für 33,3 Sekunden. Die beiden Elektromotoren speisen sich aus der Wärmeenergie des Abgasstrahls sowie kinetischer Energie des Bremsvorgangs.
Spritlimit
Erlaubt sind für jedes Rennen nur noch 100 statt bislang 150 Kilogramm Sprit. Die Folge ist, dass die Fahrer verbrauchsschonender fahren müssen. Wer nur auf dem Gaspedal steht, wird das Ziel nicht erreichen.
Fahrzeugnase
Sie wurde drastisch abgesenkt. Zuletzt war eine Maximalhöhe von 55 Zentimetern erlaubt. Nun sind es nur noch 18,5 Zentimeter von der Spitze der Rennwagen zum Boden. Die Nasen liegen damit unwesentlich höher als der Frontflügel. Der Grund für die Änderung: Durch die noch tiefer liegende Wagenspitze soll bei Kollisionen die Gefahr weiter gemindert werden, dass andere Piloten von ihr getroffen werden.
Frontflügel
Er ist schmaler geworden. Statt 1,80 Metern beträgt die erlaubte Maximalbreite 1,65 Meter. Auswirkung hat das auf die sogenannten Endplatten, die für die Luftführung vor den Vorderreifen wichtig sind.
Heckflügel
Das untere Heckflügel-Element, der sogenannte Beamwing, ist nicht mehr erlaubt. Für die Ingenieure besteht auch hier die Herausforderung darin, den dadurch verlorenen Abtrieb zu kompensieren.
Auspuff
Nur noch ein Endrohr ist erlaubt. Bislang wurden die Abgase über zwei seitliche Kanäle abgeleitet und so auf das Heck geführt, dass auch dadurch weiterer Abtrieb erreicht wurde, sprich: eine bessere Straßenlage. Das neue Endrohr muss mittig angebracht sein.
Startnummern
Erstmals tragen die Piloten nicht mehr die Startnummern nach der Abschlussrangliste der vorhergehenden Saison. Nur die 1 ist weiter dem Titelverteidiger vorbehalten, ansonsten durften sich die Piloten ihre Startnummer aussuchen. Zur Wahl standen Zahlen von 2 bis 99.
Strafen
Es gibt nun Strafpunkte für bestimmte Vergehen. Diese werden in einem Jahr zusammengerechnet, ähnlich wie bei der Verkehrssünderkartei in Flensburg. Kommt ein Fahrer auf zwölf Punkte, muss er ein Rennen pausieren. Eine Verwarnung, beispielsweise wegen des Überfahrens einer durchgezogenen Linie, hat einen Punkt zur Folge. Eine Durchfahrtsstrafe zieht zwei Punkte nach sich. Wird ein Pilot beim Qualifying von einem Gegner extrem behindert, muss der Übeltäter nicht nur fünf Plätze in der Startaufstellung nach hinten, sondern bekommt auch drei Punkte. Eine Rückstufung von zehn Startplätzen (zum Beispiel als Schuldiger einer Kollision) bedeutet fünf Strafpunkte. Zudem können die Rennkommissare 2014 schon für kleinere Vergehen wie Verlassen der Fahrlinie Fünf-Sekunden-Strafen aussprechen.
WM-Punkte
Wie in den vergangenen Jahren bekommen die zehn besten Fahrer des Rennens Punkte, der Sieger erhält 25. Neu ist, dass es beim letzten der 19 Rennen in Abu Dhabi die doppelte Punktzahl gibt. Der Sieger erhält dann 50 Zähler, der Zweite 36 statt 18, und für Platz zehn gibt es anstatt eines Punktes dann zwei Zähler.
Die neue "Power Unit"

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Formel 1: Teams und Fahrer 2014
Team Fahrer 1 Fahrer 2
Red Bull Sebastian Vettel Daniel Ricciardo
Ferrari Kimi Räikkönen Fernando Alonso
Mercedes Nico Rosberg Lewis Hamilton
Lotus Romain Grosjean Pastor Maldonado
McLaren Jenson Button Kevin Magnussen
Sauber Adrian Sutil Esteban Gutiérrez
Force India Nico Hülkenberg Sergio Pérez
Toro Rosso Jean-Eric Vergne Daniil Kwjat
Williams Felipe Massa Valtteri Bottas
Caterham Marcus Ericsson Kamui Kobayashi
Marussia Max Chilton Jules Bianchi

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