Formel 1 in Spanien Der Feind in meinem Team

Platz drei beim Grand Prix in Spanien - und dennoch war Sebastian Vettel die Enttäuschung anzusehen. Schließlich unterlag er gegen den eigenen Teamkollegen Mark Webber. Auch bei Red Bull gilt die Regel: Der größte Rivale eines Formel-1-Piloten sitzt meist im eigenen Rennstall.

Formel-Eins-Star Vettel (r.): Gute Miene zum dritten Platz
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Formel-Eins-Star Vettel (r.): Gute Miene zum dritten Platz

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Eigentlich war es aus Sicht von Sebastian Vettel auf dem Circuit de Catalunya perfekt gelaufen. Der Red-Bull-Renault war der Konkurrenz deutlich voraus, im Training wie im Rennen, nie geriet der Sieg in Gefahr. Das Problem für Vettel war nur: Nicht er saß in dem Siegerauto von Barcelona, sondern der Australier Mark Webber. Sein Teamkollege.

Vettels Laune nach dem Grand Prix von Spanien hätte kaum schlechter sein können. Am Start war er nicht an Webber vorbeigekommen, dann bereitete ihm die schlecht ausbalancierte Straßenlage seines Wagens Sorgen, später kamen auch noch Bremsprobleme dazu. Angesichts dessen wäre sein dritter Platz schon als Erfolg zu werten. Nicht aber für den ehrgeizigen, düster dreinblickenden Vettel. Drei Mal war er in den ersten vier Saisonrennen vor Webber gelandet, in Spanien blieb ihm nur die Rolle des zweiten Mannes.

Das Verhältnis zum Teamkollege ist für einen Rennfahrer hochkompliziert. Beide müssen zusammenarbeiten, um den Wagen weiterzuentwickeln. Gleichzeitig ist der andere Fahrer ein Rivale: um die Gunst der Manager, Techniker und Mechaniker. Und der Teamkollege ist der erste Maßstab, weil er im gleichen Auto fährt. In diesem Duell entscheiden nicht technische Unterschiede, sondern das Fahrtalent.

Schumacher verschafft sich Luft im teaminternen Duell

Das gilt für Red Bull - und das gilt für alle anderen Teams: Ob Michael Schumachers Comeback als gelungen gewertet wird, hängt davon ab, ob er gegen Nico Rosberg im zweiten Mercedes besteht. Ob Lewis Hamilton, Weltmeister von 2008, als bester zeitgenössischer Formel-1-Pilot Englands gefeiert wird, hängt davon ab, ob er bei McLaren Jenson Button, den aktuellen Titelträger, die Hinterreifen zeigt. Nur Ferrari scheint fest in der Hand von Fernando Alonso zu sein.

In Barcelona haben die bisherigen Verlierer der Teamduelle nun zurückgeschlagen: Webber beherrschte Vettel, Hamilton ließ Button bis zum Reifenplatzer in der vorletzten Runde hinter sich, Schumacher überflügelte Rosberg.

Die Kritik an Schumacher, 41, hatte sich auch am Vergleich mit Rosberg, 24, entzündet. Bei den ersten vier Rennen hatte der Altmeister kaum Land gesehen, in Barcelona, beim fünften, verschaffte sich Schumacher wieder Luft. Im Qualifying hielt er sich Rosberg vom Leib, im Rennen ließ er Button keine Lücke zum Überholen. "Ich habe ihm wenig Möglichkeiten dazu gegeben", sagte Schumacher. "So, wie man das von mir erwartet."

Wie zu besseren Zeiten lieferte er mit einer fehlerlosen Fahrt das bestmögliche Resultat ab: Platz vier, mehr gibt sein Mercedes derzeit nicht her, wenn die Konkurrenz von Red Bull, Ferrari und McLaren nicht patzt. Von einem Sieg aus eigener Kraft ist Schumacher noch weit entfernt, aber er scheint den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

Dominanz des Red-Bull-Teams in Spanien mehr als deutlich

Barcelona hat die Kräfteverhältnisse in der Formel 1 aufgezeigt - ein Rennen ohne den Einfluss von höherer Gewalt, ohne Regen, ohne Crash und Safetycar-Phase. Zum Auftakt der europäischen Grand-Prix-Reihe hatten fast alle Teams ihre runderneuerten Modelle an die Strecke gebracht. Und Barcelona mit den schnellen Kurven ist jene Strecke, auf der die Qualität des Autos besonders klar zu erkennen ist.

Red Bull beeindruckte die Konkurrenz mit seiner Stärke: Das Auto ist aerodynamisch enorm effizient, das heißt, es ist den Ingenieuren gelungen, möglichst viel Abtrieb bei möglichst geringem Luftwiderstand zu finden.

Seit 60 Jahren sucht die Formel 1 den schnellsten Rennfahrer der Welt, Saison für Saison. Stets ist es auch die Suche nach dem schnellsten Rennwagen. Der scheint vorerst gefunden. Der Weltmeister ist es längst noch nicht.

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Seite 1
saul7 11.12.2009
1. Die
Zitat von sysopNeues Punktesystem, Nachtanken verboten, insgesamt 13 Teams. Die neue Formel-1-Saison wartet mit einigen Änderungen auf. Wird die Serie von ihnen profitieren oder nicht?
Formel- 1- Saison 2010 bringt wieder nur zahllose Rennen in denen junge Leute mit schnellen Autos ständig im Kreis herumfahren, um als Erster ins Ziel zu kommen. Die Folge davon ist eine extreme Luftverschmutzung und eine wahrscheinlich hohe Einschaltquote von RTL.
m-pesch, 11.12.2009
2.
Zitat von sysopNeues Punktesystem, Nachtanken verboten, insgesamt 13 Teams. Die neue Formel-1-Saison wartet mit einigen Änderungen auf. Wird die Serie von ihnen profitieren oder nicht?
Was ändert sich durch das neue Punktesystem außer das sich taktisches Hinterherfahren nun noch mehr lohnt? Schumachers Punkterekord könnte so natürlich doch irgendwann mal wackeln. :-))
CJ Stroem 11.12.2009
3.
Zitat von saul7Formel- 1- Saison 2010 bringt wieder nur zahllose Rennen in denen junge Leute mit schnellen Autos ständig im Kreis herumfahren, um als Erster ins Ziel zu kommen. Die Folge davon ist eine extreme Luftverschmutzung und eine wahrscheinlich hohe Einschaltquote von RTL.
Da erkennt man gleich den Motorsport Begeisterten. Aber es stimmt schon. Junge Leute wie Rubens Barichello (Alter 38) wollen wissen wer am schnellsten einen Rundkurs! (ein kreis ist meines wissens nach rund, das finden Amerikaner spannend!) fahren kann. Sieht man dann, das in manchen Qualifikationen 5 verschiedene (sehr schnelle!) Autos und 7 verschiedene Fahrer eine Strecke auf 5,8 km Länge, mit 4 Zehntel Sekunden Unterschied vom ersten zum siebten, fast gleich schnell fahren, so ist das für mein Empfinden eine äußerst spannende Angelegenheit. Da merke ich dann wieder das es ein "RTL-Fernsehen" gibt. und ja, es gibt Abgase...
Brieli 11.12.2009
4.
Zitat von CJ StroemDa erkennt man gleich den Motorsport Begeisterten. Aber es stimmt schon. Junge Leute wie Rubens Barichello (Alter 38) wollen wissen wer am schnellsten einen Rundkurs! (ein kreis ist meines wissens nach rund, das finden Amerikaner spannend!) fahren kann. Sieht man dann, das in manchen Qualifikationen 5 verschiedene (sehr schnelle!) Autos und 7 verschiedene Fahrer eine Strecke auf 5,8 km Länge, mit 4 Zehntel Sekunden Unterschied vom ersten zum siebten, fast gleich schnell fahren, so ist das für mein Empfinden eine äußerst spannende Angelegenheit. Da merke ich dann wieder das es ein "RTL-Fernsehen" gibt. und ja, es gibt Abgase...
Da merke ich dann wieder, dass es wirklich Menschen gibt, die glauben, dass die F1 ein überaus spannender Sport sein soll. Die F1 wird sowas von künstlich gehypt. Da sind sogar die Boxer, Snooker- und Pokerspieler neidisch.
CJ Stroem 11.12.2009
5. zurück zum Thema
Definitiv wird die neue Saison spannend. Mehr Teams sind immer gut. Die unsägliche Tankanlage hatte zwar in der letzten Saison einige specktakuläre Momente, aber nachdem die Fia ja niemals in der Lage war ein wirklich funktionierendes System bereitzustellen, ist die Abschaffung wohl der einzig sinnvolle Weg. Zudem ist es auch wieder eine weitere Herausforderung an die Fahrer, mit dann wohl vollem Tank, eine Qualifikation zu gewinnen. Da der Reifenwechsel während eines Rennens wohl nicht zur Disposition steht, werden sich auch hier interessante Situationen ergeben. Schade ist nur das KERS wieder abgeschafft wurde. Der Weltmeister 2010 heisst im übrigen Niko Rossberg, aber man wird sehen...
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