Verunglückter Formel-1-Pilot Bianchi war laut Experten-Bericht zu schnell

Wie kam es zum Unfall von Jules Bianchi beim Rennen in Suzuka? Die Expertenkommission der Fia gibt dem Franzosen eine Mitschuld: Er habe seinen Wagen "nicht ausreichend verlangsamt", heißt es in dem Bericht des Gremiums.

Verunglückter Bianchi: "Nicht ausreichend verlangsamt"
REUTERS

Verunglückter Bianchi: "Nicht ausreichend verlangsamt"


Hamburg - Der schwer verunglückte Formel-1-Pilot Jules Bianchi trägt nach Ansicht einer Expertenkommission des Automobil-Weltverbandes Fia eine Teilschuld an seinem Unfall in Suzuka. Der Franzose habe sein Auto auf regennassem Asphalt trotz gelber Warnflaggen "nicht ausreichend verlangsamt", bevor er die Kontrolle verlor, teilte die Fia mit. Bianchi war beim Japan-Rennen am 5. Oktober im Marussia unter einen Bergungskran gerast und hatte dabei schwere Kopfverletzungen erlitten.

Das Gremium stellte in seinem 396-seitigen Bericht zudem fest, dass ein Mechanismus an Bianchis Auto, der in Gefahrensituationen das Gas deaktivieren und den Motor abstellen soll, nicht richtig funktionierte. Es sei aber unklar, inwiefern sich dies auf die Aufprallgeschwindigkeit bei dem Unfall ausgewirkt habe.

Den Rennkommissaren und den Streckenposten attestierte die Kommission korrektes Verhalten. In der Runde vor Bianchis Unfall war Sauber-Pilot Adrian Sutil an gleicher Stelle von der Strecke abgekommen. Deshalb war der Bergungskran aktiviert worden. Zu dem Fia-Gremium gehörten die ehemaligen Teamchefs Ross Brawn und Stefano Domenicali sowie Ex-Weltmeister Emerson Fittipaldi.

Bianchi ist inzwischen nicht mehr im künstlichen Koma und konnte in seine Heimat gebracht werden. Er liegt nun in einem Krankenhaus in Nizza, hat aber das Bewusstsein noch nicht wiedererlangt.

buc/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Nabob 03.12.2014
1. Eine etwaige Mitschuld reicht nicht aus
als Entschuldigung dafür, dass dieses Rennen bei den desolaten Wetterverhältnissen zur Abenddämmerung nicht abgebrochen wurde. Eine ernstzunehmende Sporthoheit bezieht etwaige Geschwindigkeitsüberhöhungen einzelner Fahrer mit ein, um gerade in Erwartung dessen besonders vorsichtig zu entscheiden und so ein Rennen zu stoppen.
ckastro 03.12.2014
2. wahnsinns ergebnis....
es handelt sich schließlich um ein rennen und es wird im grenzbereich gefahren, da kommt es naturbedingt zu fahrfehlern, wie z. b. zu spätes bremsen. für diese fälle sind die strecken ja abgesichert. schlimmer ist, dass die verantwortlichen ein nicht gesichertes hindernis in eine gefahrenzone gestellt haben. warum werden die kräne nicht hinter die absperrung gestellt und deren arm über die absperrung hinweg in den gefahrenbereich ausgefahren? zu teuer?
moritz27 03.12.2014
3. Auf dem Unfallviedeo
war zu sehen, dass die grüne Flagge geschwenkt wurde. Selbstverständlich fährt dann ein Rennfahrer schnell. Haftungsfrage scheint Geldfrage zu sein.
uzsjgb 03.12.2014
4.
Zitat von Nabobals Entschuldigung dafür, dass dieses Rennen bei den desolaten Wetterverhältnissen zur Abenddämmerung nicht abgebrochen wurde. Eine ernstzunehmende Sporthoheit bezieht etwaige Geschwindigkeitsüberhöhungen einzelner Fahrer mit ein, um gerade in Erwartung dessen besonders vorsichtig zu entscheiden und so ein Rennen zu stoppen.
Warum sollte ein Rennen abgebrochen werden, wenn man noch nicht mal die Regenreifen benötigt? Die Mehrzahl der Fahrer war zum Zeitpunkt des Unfalls auf Intermediates unterwegs, also Reifen für geringen Regen. Wie kommen Sie darauf, dass die Wetterverhältnisse "desolat" waren?
war:head 03.12.2014
5.
Er ist aus der Kurve geflogen - natürlich war er zu schnell. Das war doch hier überhaupt nicht die Frage. Die Frage ist, ob die Rennleitung fahrlässig gehandelt hat, indem sie das Rennen nicht abbrach. Und das ist mMn ganz klar ein 'Nein'. Bianchi war auf Intermediates unterwegs. Hätte er auf Regenreifen gewechselt, wäre er nicht abgeflogen und dazu hatte er mindestens zwei Runden Zeit vor dem Unfall, vermutlich mehr. Hinzu kommt, dass an gleicher Stelle Sutil bereits abgeflogen ist. Es gab also ein sehr deutliches Warnzeichen, dass die Intermediates an ihre Grenzen stoßen. Mal ganz davon zu schweigen, dass man unter gelb vorsichtig zu fahren hat... Bianchi hat hier keine Mitschuld, es war 100%-ig sein Fehler. Anders sieht es beim Bergungskran aus. Den da so offen hinzustellen, war nicht besonders durchdacht. Wobei man da den Streckenposten keine Schuld geben sollte. Ganz im Gegenteil - die haben ihren Job gemacht und sich dabei sogar selber Gefahren ausgesetzt. Immerhin hätte eine Folgeunfall auch sie selbst treffen können - auch ohne Bergungskran. Insofern bleibt als Fazit: Erfahrungen in verbesserte Sicherheit umsetzen und Kräne besser geschützt einsetzen, um in Zukunft Fahrfehler besser kompensieren zu können. Und gute Besserung an Bianchi.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.