Lotus-Pilot Räikkönen Der fliehende Finne

Der Streit zwischen Kimi Räikkönen und seinem Rennstall Lotus um ausstehende Gehälter hat den Großen Preis von Abu Dhabi bestimmt. Der Formel-1-Fahrer stellte sein Team an den Pranger, schied nach wenigen Metern aus - und verließ das Gelände. F1-Boss Ecclestone will sich nun einschalten.

Lotus-Pilot Räikkönen: 16 Millionen Euro Gehalt sollen fehlen
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Lotus-Pilot Räikkönen: 16 Millionen Euro Gehalt sollen fehlen

Aus Abu Dhabi berichtet


Sinnbildlicher hätte der Abgang von Lotus-Star Kimi Räikkönen nicht sein können: Gerade mal 600 Meter dauerte sein Auftritt beim Großen Preis von Abu Dhabi. Nach einer Kollision mit Caterham-Fahrer Guido van der Garde stellte er seinen Boliden mit verbogener Lenkung ab. 29 Minuten später saß er schon in einem Mietwagen und brauste davon. Räikkönen sah dabei nicht unglücklich aus.

Im Fahrerlager wurde denn auch gleich spekuliert, dass der Unfall dem Finnen ganz gelegen kam, er ihn vielleicht sogar absichtlich herbeigeführt habe. Der Grund: Mit seinem Lotus-Team hat sich der 34-Jährige, der für die kommenden beiden Saisons bereits bei Ferrari unterschrieben hat, überworfen. 16 Millionen Euro Gehalt sollen ihm von Lotus aus zwei Jahren noch zustehen, weil dem Rennstall finanzielle Schwierigkeiten plagen. Dem Vernehmen nach soll er Verbindlichkeiten in dreistelliger Millionenhöhe haben. In Abu Dhabi kam es deshalb zum Eklat: Wenn es kein Geld gibt, werde er die letzten Rennen in Austin und Brasilien nicht fahren, drohte Räikkönen.

Kurz vor dem Rennen in Abu Dhabi schien es zunächst eine Einigung gegeben zu haben. Doch Räikkönen-Manager Steve Robertson konnte das auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE nicht bestätigen: "Ich hoffe zwar, dass Kimi in Austin fahren wird, aber dafür müssen die Bedingungen stimmen." Soll heißen: Das Geld muss auf dem Konto sein. Sogar Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone hat sich der Sache mittlerweile angenommen. "Kimi tut mir leid", sagt er: "Wenn ich Lotus wäre, würde ich ihm das Geld bezahlen."

Ecclestone will Räikkönen Lotus' TV-Gelder geben

Räikkönen ist eines der Zugpferde in Ecclestones Formel 1, deshalb grübelt er darüber, wie er den Finnen nach Austin und Brasilien locken kann. Der Plan: Er will die Lotus noch zustehenden Fernsehgelder direkt an Räikkönen weiterleiten. Manager Robertson bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass dies eine willkommene Variante wäre.

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Formel 1 in Abu Dhabi: Vettels Triumph, Räikkönens Abgang
Nicht nur Ecclestone möchte die lästige Sache vom Tisch haben. Längst hat sich auch die Fahrergesellschaft GPDA des Falls angenommen. Wenn es ums Geld geht, halten auch die egozentrischen Einzelgänger eisern zusammen. Der Fall Räikkönen soll einer der Hauptpunkte bei der nächsten Sitzung in Austin werden.

Die Fahrergewerkschaft, deren Sprecher Ferrari-Ersatzpilot Pedro de la Rosa ist und in der Weltmeister Sebastian Vettel als einer der drei Direktoren fungiert, will in Zukunft verhindern, dass Piloten nicht bezahlt werden. Sogar ein Streik könnte dabei eine Option sein. Ecclestone will es natürlich nicht so weit kommen lassen.

Dreikampf um den lukrativen zweiten Platz

Für Lotus könnte der Streit mit Räikkönen fatale Folgen haben. Noch kämpft das von Renault unterstützte Team mit Mercedes und Ferrari um den begehrten zweiten Platz in der Konstrukteurswertung. Dabei geht es um viel Geld. Auch wenn die genauen Platzierungsprämien, die Ecclestone den Teams nach der Saison bezahlt, geheim sind, kann man davon ausgehen: Der Unterschied zwischen Platz zwei und vier beträgt gut 30 Millionen Dollar (22 Millionen Euro).

Bei noch zwei zu fahrenden Rennen liegt Mercedes mit 334 Punkten knapp vor Ferrari (323 Punkte) und Lotus (297). Ein Team kann in einem Rennen maximal 43 Zähler holen, macht bei zwei Rennen 86. Ohne Räikkönen, der bisher 183 Punkte einfuhr, wäre das Unterfangen für Lotus aussichtslos.

Die beste Ausgangslage hat Mercedes: Der dritte Platz von Nico Rosberg in Abu Dhabi und der siebte von Teamkollege Lewis Hamilton zeigten noch einmal, dass sich Mercedes als Nummer zwei hinter Red Bull etabliert hat. Doch bei dem Rennstall tobt ein interner Kampf um Teamchef Ross Brawn, der offenbar gehen will. Aufsichtsratschef Niki Lauda möchte ihn unbedingt halten, Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bevorzugt hingegen Paddy Lowe als Nachfolger.

Beim zweiten Konkurrenten Ferrari lässt sich derzeit Starpilot Fernando Alonso hängen: In fünf der letzten sechs Qualifyings war Teamkollege Massa schneller als der Spanier. Das ist für den Rennstall ein klares Zeichen, dass Alonsos Motivation im Keller ist. Früher besuchte der Spanier oft die Fabrik in Maranello, jetzt fährt er nur noch notwendige Simulatorfahrten und hat die Kommunikation mit dem Team auf ein Minimum beschränkt. Alonso ist frustriert, erneut den WM-Kampf gegen Sebastian Vettel verloren zu haben. Aber auch die Verpflichtung Räikkönens für 2014 zehrt an ihm.

BBC-Experte Eddie Jordan glaubt: "Fernando wird mit Kimi Räikkönen bei Ferrari nicht mehr glücklich werden und spätestens 2015 zu McLaren-Honda wechseln." Dazu passen Aussagen von McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. Der Brite warb in der spanischen Tageszeitung "As" offen um seinen Ex-Piloten: "Honda würde Alonso gerne bei McLaren sehen. Und McLaren würde Alonso gerne bei McLaren sehen." Im harten Kampf um die Konstrukteurs-WM hilft das Ferrari jedenfalls nicht wirklich weiter.

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drake2tausend 03.11.2013
1. Nur Räikkönen?
Oder sind nicht auch andere "normale" Mitarbeiter des Rennstalls von Gehaltsausfällen betroffen?
schocolongne 03.11.2013
2. Alonso kneift, mal wieder!
Es wundert immer wieder wenn Alonso bisweilen als "der eigentlich beste Fahrer" benannt wird. Seine aktuelle Leistung spricht Bände, darüber hinaus, immer, immer wenn er einen Top Teamkollegen hat (unverhofft Hamilton), oder ein solcher "droht"(Räikönen), zeigt er Nerven oder schmollt, wenn er nicht per Teamorder gepampert wird. Massa kann einem bei solche einem wehleidig und mimosenhaften Kollegen wirklich leid tun. Unprofessionel Überehrgeizig und menschlich Unreif sind die passenden Attribute für den Spanier.
susiwolf 04.11.2013
3. K-e-i-n-e Flucht ! Eher Fluch ...
Er ist nicht geflohen; er hat sich 'aus dem Staub' gemacht ... That's the difference between SPON and 'iceman' (and his Lotus-'Jazzband') No more payment ? ... No more discussion ! "Piste" ... (Punkt)
plagiatejäger 04.11.2013
4. Lotus Pleite
Räikkönen startete von hinten, weil etwas defekt war. Mit dem frühen Unfall hatte er eigtl. Glück, dass er nicht im Rennen in einen viel schlimmeren Unfall geraten ist. Jetzt verliert Lotus 30 Mio. An Preisgeldern und wird wohl bald gepfändet werden.
Lupus39 04.11.2013
5.
Ich kann ihn verstehen, auch wenn es natürlich auch etwas von Erpressung hat. Kein Wunder, dass er in den letzten Rennen so schwach war. Ohne Moos nix los.
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