Räikkönen-Sieg in den USA Cooler wird's nicht

Mehr als fünf Jahre musste Kimi Räikkönen auf einen Formel-1-Sieg warten. Den Erfolg in Austin nahm er gelassen zur Kenntnis. Wäre Sebastian Vettel ähnlich eiskalt, hätte er in der WM vielleicht noch eine Chance.

Kimi Räikkönen
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Kimi Räikkönen


Der Mann des Tages I: 113 Rennen und fünfeinhalb Jahre lagen zwischen Kimi Räikkönens 20. und seinem 21. Grand-Prix-Sieg in der Formel 1. Seit März 2013 stand der Finne nicht mehr ganz oben auf dem Treppchen. Noch schöner: Der Triumph fiel auf den elften Jahrestag des Gewinns seines ersten und bislang einzigen Formel-1-WM-Titels. Am 21. Oktober 2007 war Räikkönen mit Ferrari Weltmeister geworden. Und was sagt der inzwischen 39-jährige Finne zu diesem besonderen Erfolg? "Ich bin natürlich glücklicher, als wenn ich Zweiter geworden wäre." Einmal "Iceman", immer "Iceman"!

Das Ergebnis: Räikkönen gewann das Rennen vor Max Verstappen, Lewis Hamilton und Sebastian Vettel. Und womit? Mit Können, Geschick und vor allem mit Recht! Hier geht es zum Rennbericht.

Startaufstellung: Hamilton - Räikkönen - Bottas - Ricciardo - Vettel - Ocon - Hülkenberg - Grosjean - Leclerc - Perez

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Formel 1: Räikkönen jubelt wieder, Hamilton (noch) nicht

Die Ausgangsposition: 67 Punkte Rückstand bei noch vier Rennen - wenn man ehrlich ist, hätte Vettel in Austin gewinnen und auf einen Ausfall von Hamilton hoffen müssen, um sich noch eine kleine Chance auf den WM-Titel auszurechnen. Ein dummer Fehler im Training kostete Vettel drei Plätze in der Startaufstellung und damit wohl auch schon die Siegchancen.

Der Start: Räikkönen tat alles, um seinem Teamkollegen doch noch irgendwie zu helfen. Vettel selbst aber nicht. Der Reihe nach: Räikkönen kam auf ultrasoften Reifen gut weg, schloss schnell zu Hamilton auf und ging gleichauf mit dem Briten in die erste Kurve. Hamilton war klug genug, eine Kollision zu vermeiden. Stattdessen ließ er Räikkönen passieren. Ganz anders als Vettel wenig später. Der Deutsche nutzte zunächst auf der Gerade seine Geschwindigkeitsvorteile, um an Ricciardo vorbeizuziehen. Bei den Kontern des Australiers in den folgenden Kurven agierte Vettel dann aber zu aggressiv, provozierte so einen Kontakt, drehte sich und fiel auf Position 15 zurück.

Sebastian Vettel (hinten) nach seinem Zusammenstoß mit Daniel Ricciardo
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Sebastian Vettel (hinten) nach seinem Zusammenstoß mit Daniel Ricciardo

Symptomatisch für die Saison: Vettels Dreher im Zweikampf mit Ricciardo war die Folge eines von zu vielen kleinen Patzern in der laufenden Saison. Die Szene erinnerte an Monza, als Vettel im direkten Duell mit Hamilton nicht zurückstecken wollte und deswegen weit zurückfiel. Hinzu kamen - im gesamten Jahrund auch in Austin - strategische Fehlentscheidungen. So verpasste Ferrari die Gelegenheit, den Deutschen während einer der virtuellen Safety-Car-Phasen zum Reifenwechsel an die Box zu holen.

Der traurige Cowboy: Vor dem Rennen strahlte Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo noch in traditionell-texanischer Cowboy-Tracht mit seinem Sherrif-Stern um die Wette. In Runde neun war ihm nicht mehr nach Grinsen zumute. Da stand Ricciardo mit hängendem Kopf neben seinem Wagen, bei dem einfach so alle Lichter ausgegangen waren. Technischer Defekt, vermutlich die Batterie. Mit dem Zweikampf mit Vettel hatte das nichts zu tun.

Daniel Ricciardo
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Daniel Ricciardo

Der Mann des Tages II: Im Qualifying reichte es für Max Verstappen nur zu Platz 13, weil seine Radaufhängung gebrochen ist. Dann musste er auch noch das Getriebe wechseln und wurde fünf weitere Positionen nach hinten versetzt. Mit anderen Worten: Der Red-Bull-Pilot hatte am Start fast das gesamte Feld vor sich - und wurde am Ende Zweiter. Im Startchaos profitierte er unter anderem von Vettels Dreher und pflügte durchs Feld. Später erwies sich die Taktik seines Red-Bull-Teams als genau die richtige. Damit nicht genug: In der vorletzten Runde bot der junge Niederländer dem alten und wohl auch neuen Weltmeister Hamilton Paroli, parierte sämtliche Attacken und trug so dazu bei, dass die WM zumindest rechnerisch noch nicht entschieden ist.

Déjà-vu: Genau wie in der vergangenen Saison hätte Hamilton in den USA alles klar machen können. Genau wie im Vorjahr scheiterte er knapp. Doch genau wie 2017 wird er beim Großen Preis in Mexiko Weltmeister werden. Dem Briten fehlen fünf Pünktchen zur Titelverteidigung. Mit anderen Worten: Selbst wenn Vettel in der kommenden Woche gewinnen sollte, reicht Hamilton in Mexiko ein siebter Platz. Mit Ausnahme des Ausfalls in Österreich war Position fünf in Kanada sein schlechtes Ergebnis in dieser Saison. Trotz aller theoretischen Eventualitäten kann man Hamilton guten Gewissens schon gratulieren.

Die Erkenntnis des Tages: Vor dem Großen Preis der USArichteten sich alle Augen auf Hamilton und Vettel. Aber Räikkönen und Verstappen degradierten die WM-Kandidaten mit ihren starken Leistungen zu Nebenfiguren. Insgesamt hatte das Rennen viel zu bieten: Starke Überholmanöver, hervorragende Konter, taktische Spielchen und packendes Racing bis zur Ziellinie. Das zeigt: Die Formel 1ist mehr als nur der eigentlich schon entschiedene Kampf um die Weltmeisterschaft. Schade, dass es nur eine Momentaufnahme ist.

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kloppskalli 22.10.2018
1. 2019
gut gemacht Kimi. Freue mich schon auf 2019 wenn der junge Leclerc Kimi's Ferrari uebernimmt und Rumpelstilzchen-Vettel zeigt wie man Rennen faehrt :) Vettel hat anscheinend nichts aus den letazten Jahren gelernt. Er will wie Schumi sein, bei dem alle zurueckzogen, aber er ist eben nur der Super Seb - im Redbull unschlagbar, seit dem aber durch Rcciardo in seiner ersten Saison bei RB entzaubert und auch im Ferrari konnte Seb seine Etraklasse nicht beweisen ...
ausdersichtvon 22.10.2018
2. hahaha
wie cool lächerlich hätte Hamilton gegen Verstappen nicht zurückgesteckt wäre das rennen nicht so ausgegangen.
bhang 22.10.2018
3. [Zitat] Er will wie Schumi sein, bei dem alle zurueckzogen, aber er
ist eben nur der Super Seb [/Zitat] Damals gab es aber auch keinen Max V., sondern nur langweilige Gentleman-Fahrer wie Dhill und Häkkinen, die soft waren und ihre F1-Karrieren mit entweder 31 Jahren begannen oder mit 31 Jahren beendeten (nur Villeneuve und Montoya zogen nicht zurück, aber die fuhren nur ein, zwei Jahre in WM-Autos (Villeneuve) oder in eigentlich keinen aus eigener Kraft wm-fähigen Autos (Montoya)). Meinen Sie, Max V. hätte zurückgezogen, wenn er mit Schumi in den Zweikampf gegangen wäre?
fürmichistallesklar 23.10.2018
4.
Zitat von bhangist eben nur der Super Seb [/Zitat] Damals gab es aber auch keinen Max V., sondern nur langweilige Gentleman-Fahrer wie Dhill und Häkkinen, die soft waren und ihre F1-Karrieren mit entweder 31 Jahren begannen oder mit 31 Jahren beendeten (nur Villeneuve und Montoya zogen nicht zurück, aber die fuhren nur ein, zwei Jahre in WM-Autos (Villeneuve) oder in eigentlich keinen aus eigener Kraft wm-fähigen Autos (Montoya)). Meinen Sie, Max V. hätte zurückgezogen, wenn er mit Schumi in den Zweikampf gegangen wäre?
Nein, Verstappen hätte sicher nicht zurückgezogen. Glauben Sie wirklich Hamilton würde das tun ausser wenn es eben nötig ist. Dafür hat Hamilton noch nie extra angehalten und damit das Rennen verfälscht, ist noch nie extra jemandem ins Auto gefahren (Hill, Mansell), nur um ein oder zwei von vielen Mätzchen des grossen Zampanos zu nennen. Selbst Verstappen hat solche Fouls noch nie begangen, Schuhmacher und Vettel aber schon. Mehrere Male.
Alias iacta sunt 24.10.2018
5. Dann bitte auch alle Beispiele und Mätzchen aufzählen:
Zitat von fürmichistallesklarNein, Verstappen hätte sicher nicht zurückgezogen. Glauben Sie wirklich Hamilton würde das tun ausser wenn es eben nötig ist. Dafür hat Hamilton noch nie extra angehalten und damit das Rennen verfälscht, ist noch nie extra jemandem ins Auto gefahren (Hill, Mansell), nur um ein oder zwei von vielen Mätzchen des grossen Zampanos zu nennen. Selbst Verstappen hat solche Fouls noch nie begangen, Schuhmacher und Vettel aber schon. Mehrere Male.
LH ist auch schon extra langsam gefahren um den hinterher fahrenden WM Konkurrenten in Schwierigkeiten zu bringen und sich sogar den Anweisung des Teamchefs widersetzt. Da wollte er sogar die WM verfälschen. Und LH hat noch und nöcher andere von der Strecke gedrängt. Oder auch Verfolger nach der SC Phase auflaufen lassen. Oder extra langsam in die Kurve gefahren, damit der Teamkollege außen hinfahren konnte und der hinterherfahrende schnellere Pilot eingekeilt war mit Abriß des aerodynamischen Abtriebs. Also , wenn schon Mätzchen nennen, dann bitte auch bei allen WM Kandidaten.
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