Formel 1 Hamilton fährt Bestzeit, Rosberg baut ersten Unfall

Regen und Sturm haben den ersten Trainingstag der neuen Formel-1-Saison behindert. Lewis Hamilton lag vorne, Sebastian Vettel kam spät auf die Strecke und Nico Rosberg landete in der Streckenbegrenzung.

Nico Rosberg im Mercedes
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Nico Rosberg im Mercedes


Am ersten Trainingstag des Jahres hat ein Sturm über Melbourne die Geduld der Formel-1-Fans auf die Probe gestellt. Ein Schlagabtausch zwischen Mercedes und Ferrari fiel aus, der Auftakt zum Großen Preis von Australien (Sonntag, 6 Uhr MEZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) lieferte bei starkem Wind und andauernden Regenfällen noch keine Antworten. Weltmeister Lewis Hamilton (1:29,725 Minuten, hier alle Ergebnisse) drehte im Silberpfeil in der ersten Session zwar die schnellste Runde des Tages, seine Konkurrenten forderten den Engländer aber nicht.

Hamiltons Mercedes-Teamrivale Nico Rosberg landete im ersten Training mit mehr als zwei Sekunden Rückstand auf dem sechsten Platz. Am Nachmittag wurde das Wetter nicht besser und Rosberg erlebte eine Enttäuschung. Er verlor auf nasser Strecke die Kontrolle über seinen Silberpfeil und krachte frontal in die Streckenbegrenzung. Die Frontpartie seines Rennwagens war demoliert, Rosberg musste das Training abbrechen.

Herausforderer Sebastian Vettel im Ferrari verzichtete zunächst ganz auf eine gezeitete Runde, im zweiten Training landete er dann mit fast zwei Sekunden Rückstand auf Hamilton auf dem achten Platz.

Nico Hülkenberg belegte im Force India den vierten Platz. Neuling Pascal Wehrlein setzte als 16. in seinem ersten Training für Manor zwar eine Zeit, wie bei den meisten Konkurrenten hatte dies aber noch keine Aussagekraft.

Aufgrund der deutlich besseren Wetter-Aussichten für den Rennsonntag hielten sich die Teams zurück, die Erkenntnisse bei nassen Streckenverhältnissen wären ohnehin sehr begrenzt gewesen. "Es war spannend, wieder auf die Strecke zurückzukehren. Und dann war es frustrierend, eigentlich doch kaum auf der Strecke zu sein", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Das Qualifying findet am Samstag um 7 Uhr (Liveticker SPIEGEL ONLINE) statt.

Platz 11: Manor Racing. Seit 2010 fährt das Team in der Formel 1 mit, für Punkte reichte es bisher aber nur in einem von 111 Rennen. Das soll in dieser Saison natürlich anders werden. Das Auto wurde komplett umgebaut, mit Mercedes gibt es einen neuen Motorenpartner, in die Teamleitung wurden erfahrene Leute geholt und mit Pascal Wehrlein sitzt ein großes Talent im Cockpit. Die Testfahrten in Barcelona haben aber gezeigt, dass in den ersten Rennen wenig zu erwarten ist. Das kann sich im Laufe der Saison aber ändern.

Platz 10: Sauber. Der Schweizer Rennstall ließ in der vergangenen Saison McLaren hinter sich - was aber eher an der Krise des Traditionsteams aus England lag. In den ersten Rennen werden Marcus Ericsson und Luiz Felipe Nasr eher mit Manor um den letzten Platz kämpfen. Das liegt auch an den finanziellen Problemen. Der aktuelle Wagen wurde erst zum zweiten Testtermin fertig und in der vergangenen Woche wurden ausstehende Gehälter bezahlt. Zudem verlor Sauber vor wenigen Tagen Technikchef Mark Smitz - auch das spricht gegen eine positive Entwicklung im weiteren Saisonverlauf.

Platz 9: Haas F1. Das Team aus den USA ist kein typischer Neuling. Teambesitzer Gene Haas bringt viel Motorsporterfahrung aus der Nascar-Serie mit. Mit Ferrari wurde ein wichtiger strategischer Partner gefunden und die Piloten Romain Grosjean (l.) und Esteban Gutiérrez haben zusammen schon deutlich mehr als hundert Grand Prix in der Formel 1 bestritten. Aber der Rennwagen ist komplett neu und offenbarte gerade in der zweiten Testwoche zu viele Kinderkrankheiten. Werden diese behoben, kann Haas vereinzelt in die Punkte fahren.

Platz 8: Renault. Nach der Übernahme von Lotus herrschte im Lager der Franzosen eher Pessimismus vor. Der Rennwagen wurde im vergangenen Jahr nicht weiterentwickelt, der eigene Motor machte auch immer wieder Probleme. Daran gemessen liefen die Testfahrten in Barcelona ordentlich - auch wenn Neuling Jolyon Palmer zu häufig in der Box stand. Für Kevin Magnussen lief es etwas besser. Langfristig wird es wichtig sein, ob Renault überhaupt Interesse zeigt, das aktuelle Auto zu entwickeln. Vermutlich wird 2016 zum Übergangsjahr.

Platz 7: McLaren. Vom Selbstverständnis gehört die Kombination McLaren und Honda an die Spitze. Umso desaströser war das vergangene Jahr, als nur das punktlose Marussia hinter dem Traditionsteam lag. Der Frust beim Weltmeisterduo Jenson Button und Fernando Alonso war gewaltig. Nun soll alles besser werden und tatsächlich scheint Honda in Sachen Zuverlässigkeit einige Fortschritte gemacht zu haben. Aber es fehlt an Power, der Rückstand auf die Spitzenteams war in Barcelona gewaltig. Zuletzt gestand Teamchef Eric Boullier, den erhofften Zeitplan in der Vorbereitung nicht eingehalten zu haben.

Platz 6: Red Bull. Das erfolgsverwöhnte Team belegte 2015 nur den vierten Platz in der WM-Wertung. Motorenlieferant Renault wurde früh als Übeltäter ausgemacht, nach öffentlichem Zwist wurde sogar über einen Ausstieg Red Bulls spekuliert. Nun geht es mit Renault doch weiter, auch wenn der Motor offiziell Tag Heuer heißen wird. Auf den Geraden fehlt im Vergleich zu den Top-Teams aber weiterhin die nötige Power. Kann Renault das Problem mit der Arbeit von Mario Illien im Sommer beheben? Daniil Kvyat und Daniel Ricciardo würde es freuen, denn vom Fahrgestell her ist Red Bull ein absolutes Top-Team.

Platz 5: Force India. Nach den bisherigen Eindrücken könnte das Team des deutschen Fahrers Nico Hülkenberg den fünften Platz in der Konstrukteurswertung verteidigen. Der 28-Jährige fuhr in der ersten Testwoche in Barcelona eine Tagesbestzeit, der neue VJM09 spulte fast 4000 Testkilometer ab. Ganz persönlich will Hülkenberg das teaminterne Duell gegen Sergio Pérez gewinnen. Force India hat im Vergleich zum Vorjahr sowohl technisch als auch personell wenig verändert. Das spricht für Kontinuität, kann aber auch bedeuten, dass die Konkurrenz aufholt oder vorbeizieht.

Platz 4: Toro Rosso. Die kleine Schwester liegt zwei Plätze vor Red Bull? Zumindest zu Saisonbeginn könnte dieses, in den vergangenen Jahren undenkbare, Szenario Realität werden. Denn mit neuem Ferrari-Motor sind zwei Probleme ausgemerzt worden: die Leistung und die Zuverlässigkeit. Elfmal fiel Toro Rosso in der vergangenen Saison aus, da wurden viele Punkte verschenkt. Und auch die Fahrerpaarung ist stark. Carlos Sainz fährt sehr solide, Max Verstappen bringt etwas mehr Talent mit und kann mit dem gewonnenen Jahr Erfahrung für Furore sorgen. Allerdings wird der Motor nicht weiterentwickelt, daher die Tendenz im Laufe der Saison fallend sein.

Platz 3: Williams. Der Traditionsrennstall stand zwei Jahre in Folge auf dem Konstrukteurs-Podest. Und mit Kontinuität will Williams den nächsten Schritt gehen. Technisch wurde wenig verändert, die Mercedes-Motoren sind weiterhin ein großer Trumpf und das Fahrerteam Valtteri Bottas und Felipe Massa hat sich bewährt. Doch reicht das wirklich, um noch weiter oben anzugreifen? Vermutlich nicht: Williams wird mit Red Bull, Force India und Toro Rosso das Mittelfeld bilden und im langen Saisonverlauf ist von Rang drei bis sechs alles möglich. In Australien kann Williams aber weit vorne landen.

Platz 2: Ferrari. Die Scuderia war in der vergangenen Saison die klare Nummer 2 im Formel-1-Zirkus, Mercedes war aber erneut deutlich stärker. Das soll 2016 anders werden und die Testfahrten in Barcelona machten Hoffnung. Fünf von acht Tagesbestzeiten klingen verheißungsvoll, allerdings legte der silberne Konkurrent viel mehr Wert auf die Zuverlässigkeit des Autos und mied die schnellen Reifen. Mit verbesserter Aerodynamik hoffen der vierfache Weltmeister Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen trotzdem auf eine deutliche Verbesserung. Für den WM-Titel wird es aber erneut nicht reichen.

Platz 1: Mercedes. Beide WM-Titel, 703 Punkte, 16 von 19 Rennen gewonnen - so liest sich die Mercedes-Dominanz der vergangenen Saison. Vor dem Großen Preis von Australien gibt sich Teamchef Toto Wolff vorsichtig, von einer erneuten Dominanz will er nichts wissen. Die Ingenieure von Williams erstellten jedoch eine Rangliste, die keine Spannung verspricht: Mercedes liege etwa vier Zehntel pro Runde vor Ferrari. Für Nico Rosberg muss es darum gehen, Weltmeister Lewis Hamilton mit einer geringen Fehlerquote und gestärkter Psyche anzugreifen. Dann könnte es an der Spitze doch spannend werden.

Formel-1-Saison 2016
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Red Bull
Daniel Ricciardo und Max Verstappen
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Renault
Kevin Magnussen und Jolyon Palmer
Toro Rosso
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr.
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Manor
Rio Haryanto und Pascal Wehrlein
Haas
Romain Grosjean und Esteban Gutierrez
Der Rennkalender
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (as-Sachir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montréal)
19. Juni: Europa (Baku)
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Großbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Mogyoród)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur (Singapur)
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Japan (Suzuka)
23. Oktober: USA (Austin)
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Interlagos)
27. November: Abu Dhabi (Yas-Insel)
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Polepositions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Polepositions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)



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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
Lügenimperium 18.03.2016
1. Spannung
Hört sich ja wieder grandios an. Meinte nicht Rosberg neulich, dass er dieses Jahr Hamilton schlagen wird? Und jetzt fährt er - oh Wunder - hinterher und dabei noch einen Abstecker in die Mauer? Ganz ohne Not. Gerade ein paar Fotos vom MotoGP Training angeschaut. Die sind spannender als das Formel 1 Rennen am Sonntag werden wird.
Boesor 18.03.2016
2.
MotoGP kann man bestimmt an geeigneter Stelle besprechen, nicht hier. Aber angebracht wäre es sicher Sie ein wenig aufzuklären. Weder gewinnt Hamilton, noch verliert Rosber ein Rennen oder gar die WM im freien Training des ersten GP.
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