Großer Preis von England Silverstone ist Hamiltons Gold

Lewis Hamilton ist in Silverstone einfach nicht zu schlagen. Für den Briten und das Mercedes-Team war es ein perfektes Wochenende, bei Ferrari war am Ende komplett die Luft raus. Alles Wichtige zum Rennen.

Silverstone-Sieger Lewis Hamilton
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Silverstone-Sieger Lewis Hamilton

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Die Ausgangslage des Rennens: 20 Punkte Rückstand auf Sebastian Vettel, die Konkurrenz im eigenen Haus mit Valtteri Bottas - in solchen beruflich eher angespannten Lebensphasen ist es gut, nach Silverstone zu kommen. Dreimal hat Lewis Hamilton in den vergangenen drei Jahren den Heim-Grand-Prix gewonnen. Wenn Wimbledon Boris Beckers Wohnzimmer war, dann ist Silverstone die Badewanne des Briten. Wellness pur.

Der Ausgang des Rennens: Der Sieger heißt vollkommen überraschend Lewis Hamilton. Valtteri Bottas machte den Doppelsieg der Silberpfeile in Silverstone perfekt. Und noch besser für Hamilton: Der große Konkurrent Sebastian Vettel fing sich eine Runde vor Schluss noch einen Plattfuß ein und fiel auf Platz sieben zurück.

Wohlklang des Rennens: The Loop, Copse, Maggots, Becketts, Chapel. Die Namen der Kurven in Silverstone sind reine Formel-1-Lyrik. Man hört fast James Hunt und Jackie Stewart mit. Tradition ist in so einer technikaffinen Sportart, in der es darum geht, immer wieder an etwas Neuem zu tüfteln, ein leicht absurder Begriff. Aber bei all den Sotschis, Bahrains und Abu Dhabis die Fahrer auf einem Kurs zu sehen, der schon 1950 zum Formel-1-Kalender gehörte, ist auch was fürs Herz. Dass es völlig unsicher ist, ob die Formel 1 ab 2020 hier noch Rennen fahren wird, passt ins Bild einer Branche, der Romantik fern liegt.

Die Startphase: Hamilton gewann das Rennen von vorne. Pole Position am Start, Führung nach dem Start. Vettel, der von Rang drei auf die Strecke ging, sah sich umgehend in ein Scharmützel mit Max Verstappen verwickelt, der ihm den dritten Platz abnahm. Vettel hatte damit seinen Konkurrenten für das Rennen gefunden.

Die Einsamkeit des Führenden: Vorne drehte Hamilton ab Rennbeginn einsam seine Runden und hatte ausführlich Zeit, seine Dankesrede ans Team und die britischen Fans in Gedanken auszuarbeiten. Selbst ein Boxenstopp konnte ihm die Führungsposition nicht nehmen. Totale Dominanz.

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Formel 1: Silverstone-König Hamilton

Das Duell des Rennens: Vettel und Verstappen, die beiden Heißsporne im Feld, beharkten sich fast während des gesamten Rennens, dauernd blieben sie eng beieinander. In der 17. Runde verließ der Niederländer sogar mal die Strecke, um den Deutschen nicht vorbeizulassen. Kurz darauf funkte Verstappen verärgert an die Box, der Deutsche wolle wohl "Autoscooter spielen". Vettel machte es danach weniger kirmesmäßig, wählte die elegantere Variante und überholte Verstappen aus der Boxengasse. Damit schien der Zweikampf entschieden, bis Vettel das Reifenpech ereilte und Verstappen ganz gemütlich an ihm vorbeifahren konnte.

Der Verlierer des Rennens: Muss man nicht lange suchen und wird bei Ferrari fündig. Dass man in Silverstone gegenüber den Mercedes-Boliden unterlegen sein würde, hätte man bei den Roten schon vor dem Rennen ahnen können. Aber die Reifen hätten dann noch die zwei Runden bis zur Ziellinie durchhalten dürfen. Erst erwischte es in Runde 50 Teamkollegen Kimi Räikkönen, dann Vettel selbst. Der Finne rettete sich immerhin noch auf Platz drei. Vettel verlor dagegen nicht nur Platz um Platz, sondern auch seinen bequemen Vorsprung in der WM-Wertung.

Gewinner des Rennens: Die griechische Tourismusbranche. Mykonos-Urlaube werden in England jetzt wohl der große Renner. Hamilton hatte dort bis kurz vor dem Rennen entspannt und damit die britischen Fans in London, die ihr Idol bei einem PR-Termin feiern wollten, eigentlich brüskiert. Alles vergessen. Gut erholt chillte Hamilton auf der Strecke zum Sieg, hat nur noch ein Pünktchen Rückstand auf Vettel und geht frisch gestärkt in die zweite Hälfte der Saison. Zehn von 20 Rennen sind vorbei, und es ist zur Halbzeit so eng, wie man sich das als Formel-1-Anhänger nur wünschen kann.



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