Hamiltons Triumph in Silverstone Der Party-Weltmeister

Lewis Hamilton ließ sich nach seinem perfekten Rennwochenende zu Recht feiern: Nicht nur sitzt er Sebastian Vettel in der WM-Wertung wieder im Nacken. Mit seiner Leistung widerlegte er auch seine Kritiker.

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Aus Silverstone berichtet Karin Sturm


Bei all den Jubelfeiern anlässlich seines vierten Saisonsiegs und dem vierten Erfolg in Serie bei seinem Heim-Grand-Prix in Silverstone wollte sich Lewis Hamilton auf eine spöttische Bemerkung nicht verzichten. "Wer jetzt immer noch nicht kapiert, dass ich ganz genau weiß, wie ich mich optimal auf ein Rennen vorbereiten muss, der wird es wohl nie begreifen", sagte er. Nach der Siegerehrung vermied Hamilton jedoch weitere kritische Töne, genoss lieber beim Crowdsurfing die Sympathien seiner Fans und stimmte Lobeshymnen auf die britischen Fans sowie auf sein "Superauto an diesem Wochenende" an.

Mit seinem Statement spielte Hamilton auf ein Thema der vergangenen Woche an, als er am Mittwoch ein großes F1-Fan-Event in London geschwänzt hatte. Stattdessen hatte der Brite es vorgezogen, sich mit ein paar Tagen Ferien und Party in Griechenland "abseits der Formel 1 auf Silverstone vorzubereiten." Er brauche solche Auszeiten einfach ab und zu, speziell nach den vergangenen schwierigen Wochenenden in Baku und Spielberg, hatte Hamilton seine Entscheidung begründet. Dennoch hatte es Kritik von englischen Medien und auch von Fans gegeben.

Dies brachte Mercedes-Sportchef Toto Wolff sogar noch im Nachhinein in Rage: "Infrage zu stellen, ob ein dreimaliger Weltmeister, der auch noch dabei ist, Michael Schumachers Pole-Rekord zu schlagen, sich richtig vorzubereiten versteht, ist eine Beleidigung." Nach fünf gemeinsamen Jahren bei Mercedes habe man gelernt, dass das Wichtigste sei, dass sich Lewis rundum wohlfühle. "So bringt er seine Leistung an den Rennwochenenden - deshalb waren wir auch sofort mit seiner Entscheidung einverstanden", sagte Wolff.

Hamilton beim Heimrennen in Hochform

Mit seiner Dominanz an diesem Wochenende bewies der dreimalige Weltmeister, dass er tatsächlich alles richtig gemacht hatte. Überlegene Pole Position mit über einer halben Sekunde Vorsprung, im Rennen ein ungefährdeter Sieg - Hamilton lief bei seinem Heimrennen wieder einmal zu Hochform auf. So konnte er sich anschließend feiern lassen: "Ihr seid die besten Fans überhaupt, danke an alle, die gekommen sind, ich sehe euch da draußen", grüßte der Brite die Zuschauer gleich nach der Zieldurchfahrt über Funk.

Seine Anhänger gaben das Kompliment zurück und bejubelten ihn bei der Siegerehrung mit "Lewis, Lewis"-Sprechchören. "Ein tolles Gefühl, hier oben zu stehen, ich bin so stolz darauf, dass ich das für euch tun konnte, es war ein perfektes Wochenende für uns," strahlte Hamilton auf dem Siegerpodest - und versprach seinen Anhängern, später noch ein bisschen mehr für sie da zu sein: "Seid ihr bereit für ein bisschen Crowdsurfing? Wartet ein bisschen, ich komme dann noch!" Was er auch tat - und deswegen zu spät zur Pressekonferenz erschien. "Als Kind habe ich im Fernsehen immer gesehen, wie Nigel Mansell von den britischen Fans gefeiert worden ist, und ich habe mich immer gefragt, wie sich das wohl anfühlt, in dieser Situation zu sein. Ich habe so etwas nirgendwo anders gesehen. Und es ist wirklich unglaublich."

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Formel 1: Silverstone-König Hamilton

Dass er in der Weltmeisterschaft nur noch einen Punkt Rückstand auf Sebastian Vettel hat, der wegen seines Reifenschadens in der vorletzten Runde nur Siebter wurde, will Hamilton jedoch noch nicht als Wendepunkt im WM-Titelkampf sehen. "Ich denke, dass das weiterhin alles sehr eng ist, dass am Ende Kleinigkeiten entscheiden werden." Auch wenn er zugibt, dass Mercedes in den letzten zwei, drei Rennen stärker geworden sei, "weil wir das Wochenende jeweils schon auf dem richtigen Fuß, sprich, mit einer passenden Abstimmung, begonnen haben."

Mercedes hält sich mit Kampfansagen zurück

Konkurrent Vettel fiel etwas anderes auf: "Es ist vor allem das Qualifying, wo Mercedes extrem zugelegt hat. Da können sie halt viel mehr als wir die Motorleistung hochdrehen. Da nehmen sie uns dann auf einmal auf den Geraden eine halbe Sekunde ab. Und wer vorne steht, der ist eben in einer viel besseren Position, auch das Rennen zu kontrollieren. Daran müssen wir mit Sicherheit arbeiten." Die neue Motorenausbaustufe, die Ferrari in Silverstone einsetzte, scheint in dieser Hinsicht jedoch wenig verändert zu haben.

So dürfte sich Vettel schon darüber Sorgen machen, wie das Kräfteverhältnis in der zweiten Saisonhälfte, die in zwei Wochen in Ungarn beginnt, ausfallen wird. Wobei er auch glaubt, dass die letzten Strecken, speziell aber Silverstone, der Charakteristik des Mercedes besonders entgegengekommen seien: "Andere Kurse könnten uns auch wieder besser liegen."

Bei den Silbernen ist derzeit - trotz der nach außen immer noch sehr vorsichtigen Worte von allen Beteiligten - Zuversicht zu spüren, dass man wieder in einer besseren Position ist als zu Saisonbeginn, als Ferrari gerade über die Distanz durch den besseren Umgang mit den Reifen öfters die Oberhand behielt. Der souveräne Silverstone-Triumph gibt zusätzlichen Auftrieb. Zumindest Hamilton, der nie müde wird zu betonen, wie sehr ihn die "Energie der Fans, die ich überall spüre", immer wieder beflügle, hofft darauf, "dass wir als ganzes Team diese zusätzliche Energie und diesen Schwung auch in die nächsten Rennen mitnehmen können."



insgesamt 14 Beiträge
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Charlie Whiting 16.07.2017
1. ja
LH hat ordentlich dominiert. Und das lag sicher nicht nur an der Strecke. Blöd für Ferrari die zwar Vettel früh aus dem materialmordenden 2Kampf herausgenommen haben, aber gerade das dem Reifenmaterial nicht gut getan hat. Ich hoffe natürlich, dass Vettel bzw. das Auto die Kurve kriegt und den Rückstand aufholen kann. Ein paar Poles wären nicht schlecht und dann auch ein besserer Start als heute. Ansonsten...Vettel gegen Verstappen war mehrfach spannend. Die beiden Toro Rosso spektakulär aber dumm. Ganz vorne leider Langeweile.
bauklotzstauner 16.07.2017
2.
Inwiefern "widerlegt Hamilton seine Kritiker"? Daß er ein ganz hervorragender Rennfahrer ist, bezweifelt niemand. Auch nicht seine Kritiker. Das ist es also schon mal nicht. Zweitens war der Mercedes an diesem Wochenende das klar dominierende Auto. Daraus resultierte die Pole-Position für Hamilton. Am Start hatte er dann nur noch der Schnellste zu sein - und ab da konnte er das Rennen von vorn in "sauberer Luft" bequem und unbedrängt nach Hause fahren. Die Ferraris und RedBull waren heute zu langsam und Teamkollege Bottas mußte sich wegen einer Strafversetzung erst mal von hinten vorkämpfen. Nichts für ungut, aber da hat selbst Hamilton schon erheblich bessere Leistungen vollbracht, als heute. Ja, eigentlich war Bottas' Leistung heute wesentlich höher einzustufen. Und ganz sicher brauchte Hamilton dafür keine Sauf- und Party-Auszeit vor dem Rennen, wegen derer Hamilton als EINZIGER (!!!) aktueller Formel-1-Pilot das Fan-Event in London schwänzte. In seinem angeblichen Heimatland (er ist ja Steuerflucht-Monegasse) vor seinen Fans, die ihm angeblich ALLEs bedeuten... Also was genau war jetzt heute so toll? Außer daß Hamilton wieder mal gegen alle Protokolle verstieß (ließ sich feiern statt zur PK zu gehen, wo Bottas und Raikkönen genervt warteten), gestern sogar einen Fahrer im Qualifying behinderte (Romain Grosejean), und wie immer ohne Strafe, ja sogar ohne jegliche Ermahnung davonkam?
hardeenetwork 17.07.2017
3. Weltmeister 2017 - Hamilton
Ein großartiger Formel 1 Fahrer und im Moment wohl der Beste.
steingärtner 17.07.2017
4. Hamilton unerreicht
Niemand schafft es wie er, so übertrieben und unglaubwürdig was von der Liebe zu seinen Fans zu schleimen, wie Hamilton. Dabei hat er selbst bewiesen, dass ihm seine Fans sche.... egal sind.
Miracolix 17.07.2017
5. Das Auto - nicht der Fahrer
Worin bestand denn die überragende Leistung des Fahrers? Er hatte offensichtlich ein deutlich überlegenes Auto. Und was ist daran sein Verdienst?
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