Verstappen bei Hamiltons Sieg bestraft "Solche Entscheidungen zerstören den Sport"

Beim Formel-1-Rennen in den USA stand die Show rund um das Rennen im Vordergrund. Dabei gab es mehrere exzellente Überholmanöver. Max Verstappen kassierte für eine solche Aktion eine umstrittene Strafe.

Max Verstappen wurde nach einer Strafe am Ende Vierter
AFP

Max Verstappen wurde nach einer Strafe am Ende Vierter

Von


Vertagte Entscheidung: Lewis Hamilton ist die Weltmeisterschaft in der Formel 1 nicht mehr zu nehmen. Der Brite gewann in Austin sein neuntes Rennen der Saison, hat nun 66 Punkte Vorsprung auf Sebastian Vettel und benötigt am kommenden Sonntag beim Rennen in Mexiko (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL und Sky) einen läppischen fünften Platz für seinen vierten WM-Titel. Und Vettel? Der Deutsche weiß nach diesem Rennen, dass die Pechsträhne der vergangenen Wochen nicht allein für die Niederlage in der WM verantwortlich ist. Hamilton ist derzeit einfach zu stark.

Vierter Titel in Serie: Das gilt auch für sein Team. Mercedes steht bereits drei Rennen vor Saisonende als Konstrukteursweltmeister fest. 540 Punkte fuhren Hamilton und Valtteri Bottas für die Silberpfeile ein, Ferrari ist mit 395 Punkten Zweiter.

Fotostrecke

10  Bilder
Großer Preis der USA: Hamilton bejubelt Sieg mit Bolt

Formel 1 goes America: Die neuen Eigentümer hatten schon vor Monaten mehr Show-Elemente angekündigt - in Austin hat Liberty Media gezeigt, was das bedeuten kann. Ausgerufen von Michael Buffer, bekannt als "Let's get ready to rumble"-Ansager im Boxsport, zeigten sich die Fahrer eine halbe Stunde vor dem Start noch mal den Zuschauern. Was die Show-Männer Hamilton oder der von Buffer als "Ricky Rocket" genannte Daniel Ricciardo sichtlich genossen, kam wegen der langen Wartezeit nicht bei allen Fahrern gut an.

Startphase: So hatte sich Vettel die ersten Sekunden des Rennens vorgestellt. Der Ferrari-Pilot kam etwas besser weg als sein Rivale auf der Poleposition, ging gleich auf und innen in die erste Kurve - und setzte sich an die Spitze. Zunächst konnte sich Vettel auch absetzen, aber die Hoffnung auf den fünften Saisonsieg hielt nicht lange.

DRS und Boxenstopp: Im Hinblick auf das Titelrennen gab es nach dem Startduell zwei Schlüsselszenen. In der sechsten Runde war Vettels Vorsprung schon wieder aufgebraucht, Hamilton saugte sich heran und überholte den Ferrari-Pilot mithilfe des dank DRS flach gestellten Flügels spielend. Vettel kam dann drei Runden früher an die Box und verkürzte den Rückstand mit frischen Reifen, doch Hamilton zog in Runde 19 nach und kam gerade so vor dem Deutschen zurück auf die Strecke. Das war Maßarbeit von Mercedes.

"Wow": Hamilton war unerreichbar für Vettel, aber Platz zwei sollte es bitte schön schon werden. Allerdings bauten seine Reifen ab und so ging er in der 38. Runde erneut an die Box. Vettel fiel auf den vierten Platz zurück, mit den frischen Gummis wollte er den nun vor ihm fahrenden Bottas angreifen - und das gelang. Mit einem starken Überholmanöver in der ersten Kurve über die Außenbahn, die der Finne in diesem Moment aus den Augen verlor. Ferrari-Teamchef Mauricio Arrivabene entfuhr am Kommandostand ein "Wow". Kurze Zeit später hörte man im Boxenfunk diesen Satz: "Seb is now the car behind." Das war für Kimi Räikkönen, der seinen zweiten Platz an Vettel abgeben musste.

Die Verstappen-Show: Wenn es mehr Piloten vom Schlage des Max Verstappen gäbe, könnte sich Liberty Media das Geld für Michael Buffer sparen. Der Niederländer, gerade erst von Red Bull mit einem Vertrag bis 2020 ausgestattet, ging nach einer Strafe von Platz 16 aus ins Rennen. Er schnappte sich einen Fahrer nach dem anderen, wurde zwischenzeitlich auch zur Gefahr für Vettel. Und dann kam die letzte Runde, als er mit einem sensationellen Manöver noch an Kimi Räikkönen auf Platz drei vorbeifuhr. Das sah der Motorsport-Weltverband anders und verhängte eine Fünf-Sekunden-Strafe gegen Verstappen, der dabei die Strecke zu stark abgekürzt haben soll. Der 20-Jährige wurde somit Vierter. "Solche Entscheidungen zerstören den Sport", sagte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko daraufhin am Sky-Mikrofon.

Prominenz: Leichtathletik-Legende Usain Bolt führte die Siegerinterviews, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton schlenderte wie Schauspieler Michael Douglas vor dem Rennen durch die Startaufstellung, und die ehemaligen Formel-1-Fahrer Emerson Fittipaldi und Juan Pablo Montoya waren auch dabei. Die Show stand in Austin im Vordergrund, doch die besten Argumente für die Formel 1 lieferten Vettel und Verstappen mit ihren Überholmanövern.



insgesamt 45 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
TS_Alien 23.10.2017
1.
Die Entscheidung gegen Verstappen ist richtig. Raikkönen ist sicher nicht so dumm und lässt innen so viel Platz auf der Strecke für ein Überholmanöver. Also muss Verstappen mehr als die Strecke verwendet haben. Und das ist nicht erlaubt, im Kurveninneren schon gar nicht. Das Video zeigt es eindeutig. Da ist zum Überholen kein legaler Platz gewesen. Man sollte sowieso die Streckenbegrenzungen ernster nehmen. Gerade im Kurveninneren sollte selbst das Überfahren der Begrenzung auch mit nur einem Rad verboten sein.
lupus_major 23.10.2017
2. Gähnend langweilig
Wenn die anderen Teams nicht die Klasse von Mercedes erreichen bleibt die Formel 1 gähnend langweilig. Ich war immer großer Formel 1 Fan, aber was seit Jahren in der Formel 1 passiert sorgt nur noch für Langeweile.
sonde 23.10.2017
3. Was hätte
Verstappen denn machen sollen, als er auf gleicher Höhe mit Raikönen war und dieser Ihn nach rechts abdrängte. In das Auto von Raikönen hineinfahren? Früher galt mal der Satz, man wird für kein Manöver bestraft, wenn man damit einen Unfall verhindert. Gilt das heutzutage nicht mehr?
leetness 23.10.2017
4. Regeln
Nach der beherzten Aufholjagd kann man Verstappen / Red Bull ja durchaus verstehen, aber: auf Sky wurden Einspielungen gezeigt, die eindeutig belegen das Verstappen mit allen 4 Rädern jenseits der Streckenbegrenzung fährt - wohlgemerkt auf der Innenseite der Kurve. Er kürzt illegal ab, fraglich ob das Überholmanöver sonst überhaupt noch geklappt hätte. Sascha Roos / Sky hatte das korrekt bemerkt noch bevor die Strafe ausgesprochen wurde. Zur Teamorder bei Ferrari: unschön, man sollte aber anmerken das der Abstand zwischen Räikonnen und Bottas konstant um die 2 Sek. betrug, Vettel auf dieses Pärchen pro Runde zwischen 1 und über 2 Sek. gutgemacht hat. Als er Bottas überholt hatte (da hatte er mehr als 16 Sek. gut gemacht), lag Räikonnen ca. 2 Sek. vor ihm - und Vettel konnte wesentlich schneller - sprich: er hätte ihn so oder so geschnupft, wobei ein Duell die schönere Variante gewesen wäre... .
mhuz 23.10.2017
5. Langsam
Mercedes ist in Höchstform
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.