Hamilton-Sieg in Italien Mit Leichtigkeit

Erstmals führt Lewis Hamilton die Formel-1-WM an, mit drei Punkten vor Sebastian Vettel. Es könnte kaum knapper sein, doch fast alles spricht für den Briten.

Lewis Hamilton
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Lewis Hamilton

Aus Monza berichtet


Für einen kurzen Moment hätte man glauben können, Sebastian Vettel habe erstmals im Wohnzimmer seines Ferrari-Rennstalls gewonnen. "Nach der Auslaufrunde und dem Podium fühlt man sich ein bisschen wie der König der Welt", sagte Vettel, von der einzigartigen Begeisterung der Tifosi bei der Siegerehrung überwältigt. Es wurden Fahnen geschwenkt, Konfetti wurde geschmissen, sogar ein paar rote Bengalos waren angezündet worden.

Dabei hätten sowohl die Ferrari-Fans als auch Vettel allen Grund zur Enttäuschung gehabt. Nach jedem der bisher zwölf Rennen der Formel-1-Saison hatte der Deutsche die WM-Wertung angeführt, nach dem dritten Platz in Monza liegt Vettel nur noch auf dem zweiten Platz. Hinter Lewis Hamilton, der es sich nicht nehmen ließ, nach seinem souveränen Start-Ziel-Sieg in der Wunde der Italiener zu bohren: "Mercedes-Power schlägt Ferrari-Power."

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Formel 1 in Monza: Partycrasher Hamilton

Hamilton war es als erstem Fahrer in dieser Saison gelungen, zwei Rennen in Folge zu gewinnen. Das war im Vorfeld durchaus so erwartet worden, nicht umsonst gelten die Strecken in Spa-Francorchamps und Monza als Hochgeschwindigkeitskurse, auf denen es vor allem auf die Motorleistung ankommt. Und da hat Mercedes noch immer klare Vorteile im Vergleich zu Ferrari. Nun führt Hamilton die Weltmeisterschaft mit 238 Punkten vor Vettel (235) an - es bleibt eng an der Spitze.

Von der Konsole zur Poleposition

Und doch spricht im Moment viel mehr für Hamilton und Mercedes als für den Verfolger. Der Brite hat zwei nahezu perfekte Wochenenden hinter sich. Nach den beiden Polepositions ist er nun alleiniger Rekordhalter vor Michael Schumacher. Seine Leistung auf nasser Strecke im Qualifying von Monza war außergewöhnlich. Selbst Teamkollege Valtteri Bottas, vor der Sommerpause zeitweise vor Hamilton, konnte ihn weder in Spa noch in Monza gefährden.

Seit dem Sommerurlaub scheint Hamilton die richtige Mischung aus seiner ihm typischen Lockerheit und dem nötigen Fokus auf das Sportliche gefunden zu haben. Während der fast dreistündigen Regen-Unterbrechung in der Qualifikation packte er eine Spielkonsole aus, ließ seine Fans über Instagram am Duell mit Bottas teilhaben - und deklassierte die Konkurrenz wenige Minuten später trotz schwieriger Bedingungen. Hamilton leistet sich derzeit keine Unkonzentriertheit.

Mercedes hat zudem seit Spa eine neue Ausbaustufe des Motors eingebaut, die den Vorsprung auf Ferrari manifestiert. "Wir hatten genügend Luft und konnten hier sogar die Leistung ein wenig runterfahren", sagte Hamilton nach dem Rennen. So erklärt sich, warum der 32-Jährige in Sachen Höchstgeschwindigkeit nicht ganz vorne im Klassement auftauchte. Er setzte sich zu Beginn mit vollem Tank so weit ab, dass er Tempo rausnehmen konnte. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sprach sogar von einem technischen Problem und bestätigte die gedrosselte Leistung.

In Singapur gilt Ferrari als Favorit

Nun ist die Saison in Europa beendet und der Formel-1-Tross zieht weiter nach Asien. Das kommende Rennen steigt am 17. September in Singapur - und genau das ist Ferraris Hoffnungsschimmer. Auf dem Marina Bay Straßenkurs mit einem Mix aus schnellen und langsamen Kurven sowie hohen Temperaturen kommt es weniger auf die Motorleistung an. Dort geht die Scuderia dank ihrer guten Straßenlage als Favorit an den Start und hofft auf einen Doppelsieg. "Wir wussten, wie wichtig es war, auf den beiden Strecken vor Singapur zu gewinnen", bestätigte Wolff.

Bei den dann folgenden Rennen sucht man allerdings vergeblich einen weiteren reinen Ferrari-Kurs. Auch das macht Hamilton zum Top-Favoriten auf den WM-Titel. Bleibt noch die Frage nach der Haltbarkeit der Motoren. Seit dem Wechsel in Spa fährt Mercedes bei beiden Piloten mit dem jeweils vierten Verbrennungsmotor und Turbolader, ein weiterer Austausch würde in der Startaufstellung eine Rückversetzung von zehn Plätzen bedeuten.

Wollen die Silberpfeile das vermeiden, müssten die aktuellen Bauteile bis Saisonende insgesamt neun Rennen halten. Ferrari wiederum hat noch einen Verbrennungsmotor in der Hinterhand, will diesen vermutlich in Malaysia einbauen und müsste dann nur sechs Rennen bangen.

Klingt nach einem Strohhalm für Vettel. Zu mehr reicht es für den entthronten König der Welt derzeit nicht.

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
www.yzx.de 03.09.2017
1. Statistik
Wie ich vor geraumer Zeit schonmal angemerkt habe: Vettel schlägt sich gegen einen geradezu lächerlich überlegenen "Mercedes"-Motor doch gar nicht so schhlecht. Hat heute erst die WM-Führung abgegeben, die er bis dato mit einem unterlegenen Auto verteidigen konnte. Und auch sonst speicht die Statistik nicht unbedingt für Hamilton. Nun hat er mehr Poles als Schumacher, aber damit nicht einmal halb so viele Titelgewinne geschafft (3:7). Auch Vettel hat mit halb so viel Poles einen Titel mehr auf der Haben-Seite. Und das, obwohl weder Schumacher noch Vettel derart lange ein derart überlegenes Auto gefahren haben. Vier Jahre in Folge schützt das total bescheuerte Reglement nun schon den Mercedes-Vorsprung.
Emil Peisker 03.09.2017
2.
Zitat von www.yzx.deWie ich vor geraumer Zeit schonmal angemerkt habe: Vettel schlägt sich gegen einen geradezu lächerlich überlegenen "Mercedes"-Motor doch gar nicht so schhlecht. Hat heute erst die WM-Führung abgegeben, die er bis dato mit einem unterlegenen Auto verteidigen konnte. Und auch sonst speicht die Statistik nicht unbedingt für Hamilton. Nun hat er mehr Poles als Schumacher, aber damit nicht einmal halb so viele Titelgewinne geschafft (3:7). Auch Vettel hat mit halb so viel Poles einen Titel mehr auf der Haben-Seite. Und das, obwohl weder Schumacher noch Vettel derart lange ein derart überlegenes Auto gefahren haben. Vier Jahre in Folge schützt das total bescheuerte Reglement nun schon den Mercedes-Vorsprung.
Die Behauptung des Autors, dass Ferrari keine Strecken mehr hätte, die für sie günstiger wäre, als für Mercedes, ist aus der Luft gegriffen und falsch. Nach dem Rennen in Italien, sagten Niki Lauda und Toto Wolff, das gerade der nächste Kurs, Singapur, den Mercedes weniger liegt, dagegen den Ferrari umso mehr. Strecken mit schnellen Geraden sind Mercedes Pisten, langsamere Strecken beherrscht Ferrari. Es ist zu erwarten, dass nach Singapur, Vettel wieder führen wird, vielleicht nur mit +4 Punkten. Der Rest der noch zu fahrenden Grand Prixs sind keine speziellen Schnellstrecken, so dass es noch völlig offen ist, wie der Formel 1-Weltmeister heißen wird.
x-unerreicht 03.09.2017
3. Dummfug!
Sowohl Vettel als auch MS hatten immer klare Nummer 2 Teamkollegen!!! Hamilton nie!
ans-peter-paul 03.09.2017
4.
Zitat von x-unerreichtSowohl Vettel als auch MS hatten immer klare Nummer 2 Teamkollegen!!! Hamilton nie!
Das ist auch Okay so, N1 wird man nur wenn man seinen Teamkollegen dominiert. Dies hat LH bislang nie geschafft, selbst der "liebe" Rossberg hat ihn im Rennen um den WM Titel geschlagen. Bottas war schon sehr nahe dran, mal sehen wie viel von LH übrig bleibt wenn der vermeintlich "Kleine" Bottas nächste Saison ans Auto gewöhnt ist. Nichts desto Trotz, LH hat dieses Wochenende sein Können bewiesen und SV hat bis aufs Rennen verkackt, Respekt dafür (für LH). Was ist eigentlich aus dem Wundermann Verstappen geworden, keine technischen Probleme und trotzdem nur Platz 10? Lol, da muss der kleine Holländer aber noch ein wenig an seinem Fahrstil arbeiten.... Danny hat ihm wieder gezeigt wer eher Weltmeister wird ;)
carinanavis 03.09.2017
5. Merkwürdig
dass der SPON nicht über die Betrugssoftware und -Hardware schreibt, die Daimler/Mercedes überall einsetzt. Auch die Kartellbildung un Bestechung der FIA-Stewards wird nicht thematisert. Dabei weiß doch jeder, dass Hamilton und Bottas nur auf einen illegalen Beschleunigungsknopf drücken, wenn es einmal eng im Rennen wird.
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