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06. Oktober 2017, 13:32 Uhr

Umstrittener Wechsel in der Formel 1

"Das ist ziemlich naiv"

Er kommt von der Fia und soll Renault weiterentwickeln: Der Wechsel des ehemaligen Technikdirektors der Fia, Marcin Budkowski, sorgt in der Formel 1 für Aufregung. Die Konkurrenz fürchtet sein Insiderwissen.

Marcin Budkowski, nie gehört? Der 40-Jährige wechselt in der kommenden Formel-1-Saison zu Renault. Dort soll er sich um die technische Entwicklung des Teams kümmern. Das klingt nicht wirklich brisant, doch Budkowski war zuvor beim Motorsport-Weltverband Fia als Technikdirektor tätig. Viele Rennställe sehen seinen Wechsel kritisch. Der Vorwurf: Insiderwissen.

Budkowski war noch vor zwei Wochen in Diensten der Fia für die Technikfragen in der Formel 1 zuständig. Wenn ein Rennstall Innovationen plant, lässt er sie beim Weltverband prüfen. Meist war auch Budkowski involviert. Somit könnte der Technikexperte auch bestens mit den Planungen der Konkurrenten für 2018 vertraut sein.

"Marcin ist in die intimsten Geheimnisse aller Teams eingeweiht", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner bei Sky Sports F1: "Sowohl vergangene als auch zukünftige. Vor zwei Wochen hat dieser Mann mit uns über unsere Radaufhängungs-Systeme gesprochen, er war auch in unserem Windkanal. Zu erwarten, dass er dieses Wissen nicht verwenden wird, ist ziemlich naiv."

Der ehemalige McLaren-Mitarbeiter Budkowski hatte zuletzt beim Weltverband gekündigt. Danach hieß es, seine Arbeitssperre soll bei drei Monaten liegen. Mittlerweile soll sich Budkowski ein wenig länger gedulden müssen. Nach "konstruktiven Gesprächen" mit der Fia spreche man vom "frühen April", sagte Renault-Sportchef Cyril Abiteboul.

Damit wäre Budkowski, zumindest offiziell, nicht in die Entwicklung des 2018er-Autos eingebunden. Glücklich wirkte die Konkurrenz um Ferrari und Mercedes allerdings auch damit nicht. "In der Industrie sind sechs Monate das Minimum, vielleicht sogar zwölf oder mehr", hatte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff zuletzt gesagt. Es dürften in dieser Sache weitere Gespräche folgen, um die Dauer der Übergangsphase für die Zukunft zu klären. Toro-Rosso Teamchef Franz Tost sagte: "Sonst wird es dazu führen, dass wir keine Informationen mehr mit den Leuten der Fia teilen können."

jan/dpa/sid

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